bewegungsphysiologie

yogabuch / bewegungsphysiologie

In diesem eigenen Glossar werden viele Begriffe und Sachverhalte über die Art und Weise erklärt, wie unser Bewegungsapparat grundsätzlich und im Schwerkraftfeld funktioniert. Der Umfang des Themas ist nur schwer eingrenzbar und multidisziplinär. Das Hebelgesetz und die Massenträgheit gehören genauso in dieses Kapitel wie die Sinusfunktion und der Algorithmus, eine elementare Diskussion des Verhaltens von Muskeln im monoartikulären, biartikulären– und polyartikulären Fall, die daraus teilweise resultierende Neigung zu aktiver Insuffizienz oder passiver Insuffizienz, die Kraft-Längen-Relation (die in Wirklichkeit sogar eine Funktion aus Geradenabschnitten ist) oder etwa bewegungsphysiologische Grundprinzipien wie Zuggurtung und Zügelsystem. Elementare Grundsätze der Trainingstheorie müssen genauso erklärt werden wie die Arten der Muskelkontraktion und die Arten bzw. Phasen des Muskelversagens. Die Vielzahl der Begriffe und der bezogenen Disziplinen mag ein Hinweise darauf sein, daß für eine gewissenhafte Betrachtung der asanas ein interdisziplinäres Herangehen unabdingbar ist.


A _ B _ C _ D _ E _ F _ G _ H _ I _ J _ K _ L _ M _ N
O _ P _ q _ R _ S _ T _ U _ V _ W _ x _ y _ Z


A

Abduktion

Abduktion bedeutet Wegführen. Im Yogabuch wird der Begriff ohne weiteren Bezeichner nicht beim Schultergelenk gebraucht (dort heißt es frontale Abduktion bzw. laterale Abduktion), wohl aber beim Hüftgelenk für die Bewegung des Beins nach lateral, genauso bei den kleinen und großen Fingern und Zehen (Hallux, Pollex). Das begriffliche Gegenteil wird ebendort benutzt für das Heranführen an Becken, Handmittellinie oder Fußmittellinie.

Abduktion (Hüftgelenk)

das Abspreizen eines Beins nach außen (ohne Drehung und Bewegung nach vorn/hinten), also eine Bewegung in der Frontalebene. Das Maß der möglichen Abduktion ist eine Funktion der Exorotation: In Null Grad Rotation wie in Anatomisch Null ist die Abduktion auf gute 20° begrenzt. Mit jedem Grad Exorotation des Beins im Hüftgelenk nimmt die Abduktionsfähigkeit zu und erreicht ihr Maximum bei 90° oder noch darüber, wobei sie dann hauptsächlich von den monoartikulären und biartikulären Extensoren des Hüftgelenks begrenzt wird. Leider wird diesem Sachverhalt in der anatomischen Literatur nicht durchgehend Rechnung getragen. Er hat große Relevanz für Haltungen wie trikonasana und die 2. Kriegerstellung.

Abduktion, dorsale (Schultergelenk)

das Vergrößern des körperrückseitigen Winkels des Arms zum Rumpf, also in Anatomisch-Null das Anheben des Arms nach hinten-oben, im Allgemeinen als Retroversion im Schultergelenk bezeichnet.

Abduktion, frontale (Schultergelenk)

das Vergrößern des körpervorderseitigen Winkels des Arms zum Rumpf als Bewegung des Humerus im Glenohumeralgelenk, also in Anatomisch-Null das Anheben des Arms nach vorn-oben. Synonym: Anteversion im Schultergelenk.

Abduktion, laterale (Schultergelenk)

Bewegung im Glenohumeralgelenk, bei der der seitliche Winkel (in der Fontalebene) des Arms zum Rumpf vergrößert wird. In endorotiertem Zustand ist der Arm kaum mehr als 90° nach lateral abduzierbar, bevor eine fest-elastische oder hart-elastische Bewegungsgrenze die Abduktion begrenzt, wird er hingegen exorotiert, ist die Abduktion selbst bei leicht überdurchschnittlicher Beweglichkeit nur durch eine weich-elastische Bewegungsgrenze beschränkt, und bei guter Beweglichkeit werden mehr als 180° möglich.

Abduktoren (Bein)

Bezeichnung für die Gruppe von Muskeln, deren Funktion (nicht notwendig ausschließlich) in der Abduktion des Beins besteht, also dem Abspreizen nach seitlich. Zu den Abduktoren des Beins rechnet man M. gluteus medius, M. gluteus minimus, M. gluteus maximus, M. tensor fasciae latae, M. piriformis, M. obturator internus.

Achillessehne

die robuste Sehne, in die der Trizeps surae mündet, um bei dessen konzentrischer Kontraktion das dorsale Fersenbein Kalkaneus der Poplitealregion anzunähern, was als Plantarflexion oder Streckung des Fußgelenks bezeichnet wird. Die Achilessehne wird weitestgehend von proximal und von distal arteriell versorgt. In dem Gebiet zwischen der proximalen und dorsalen Versorgung ist die Achilessehne am anfälligsten. Bei einem dorsalen Fersensporn verkalkt und verknöchert der Ansatzbereich der Achillessehne am Kalkaneus. Im Unterschied dazu handelt es sich bei der Haglund-Ferse um ein Ganglion auf dem dorsalen kranialen Kalkaneus, welches raumfordernd auf die Achillessehne drückt. Beides kann die Achillessehne reizen und eine Bursitis (Schleimbeutelentzündung) auslösen. Auslöser können mechanische Reizung (Fersenkappe eines neuen Schuhs), sportliche Überbelastung (Overuse) oder eine Verkürzung des Gastrocnemius sein.

Achselzucken

mit Achselzucken wird umgangssprachlich die Bewegung der Schulterblätter inklusive der daran befestigten Armen nach oben, also kranial bezeichnet. Dies entspricht anatomisch deren Elevation und geschieht u.a. aus Kraft des Trapezius (pars descendens) und des Levator scapulae. Im Alltag liegen die Arme dabei meist am Körper an. In Yogahaltungen findet sich die Elevation, also „der Zustand der gezuckten Achsel“ häufig in Haltungen mit 180° Frontalabduktion im Schultergelenk (Glenohumeralgelenk) wie Hund Kopf nach unten oder Handstand.

Achsenfehlstellung

Als Achsenfehlstellung wird eine Normabweichung meistens der Extremitäten bezeichnet. Am verbreitetesten und bekanntesten sind dabei die Achsenfehlstellungen des Kniegelenks in der Frontalebene: X-Beine und O-Beine. Daneben treten Fehlstellungen in der Sagittalebene als Genu recurvatum (extrem überstreckbares Kniegelenk) und sehr selten als Genu procurvatum (Streckdefizit etwa durch Arthrofibrose, Zyklops nach Kreuzbandplastik, Meniskuseinklemmung) auf sowie in der Transversalebene als Innen- und Außentorsion. Physiologisch liegen beim Bein das Hüftgelenk, das Kniegelenk und das OSG auf einer Linie, der Mikulicz-Linie, der Traglinie der unteren Extremität. Dabei zeigt sich im Kniegelenk physiologisch ein Außenwinkel von 173° – 175°, was durch das Abknicken des Femur im CCD-Winkel (zwischen Schaft und Hals) bedingt ist. Eine Abweichung des Unterschenkels von seinem zu erwartenden und physiologischen Verlauf nach medial, also eine Varusstellung wird als O-Bein oder Genu varum bezeichnet. Weicht der Unterschenkel nach außen ab, liegt also eine Valgusstellung vor, sieht man das X-Bein oder Genu valgum. Insbesondere in der unteren Extremität führen Achsenfehlstellungen meist über die Zeit und nicht zuletzt abhängig von der Intensität der Benutzung zu Schäden am Bewegungsapparat. In der oberen Extremität finden sich gelegentlich ähnliche Achsenfehlstellungen, die aber bis auf Ausnahmen durch die im Vergleich zur unteren Extremität weit geringere schwere Benutzung (Stehen, Gehen, Laufen) häufig länger asymptomatisch bleiben. Beim Ellbogengelenk ist eine kleine Valgusstellung physiologisch, bei Männern gelten bis zu 10° und bei Frauen bis zu 15° als physiologisch. Darüber hinausgehende Winkel werden als Cubitus valgus betrachtet. Cubitus valgus und das varische Gegenstück Cubitus varus haben meist traumatischen Hintergrund oder resultieren aus chronischer Luxationsneigung. In Asanas muß darauf geachtet werden, daß sie die Fehlstellungen nicht weiter ausprägen. Je nach Konstruktion der Haltung neigt die Schwerkraftwirkung dazu, eine vorliegende Valgusstellung oder Varusstellung weiter auszuprägen, da die Traglinie nicht geradlinig durch das Gelenk verläuft, sondern aus der vorhandenen Fehlstellung ein valgisierendes oder varisierendes Drehmoment resultiert. Dies kann die Band- und Knorpelstruktur beeinträchtigen und damit Gelenkinstabilitäten und Arthrosen hervorrufen. Wie auch im Falle des Kniegelenks würde man nach Abschluß des Längenwachstums bei ausgeprägten Fehlstellungen eine Umstellungsosteotomie erwägen. Ist die Funktion des Gelenks beeinträchtigt oder werden Nerven in Mitleidenschaft gezogen, muß die Entscheidung ggf. auch früher fallen. Bei der Ausführung von Asanas muß in den jeweiligen Gelenken am Rumpf (Schultergelenk bzw. Hüftgelenk) eine entsprechende Kraft derart aufgebaut werden, daß sie das schädigende Drehmoment so gut als möglich neutralisiert. Liegt etwa in purvottanasana mit nach hinten zeigenden Händen eine deutliche Valgusstellung des Ellbogengelenks vor, so muß im Schultergelenk eine Kraft in Richtung lateraler Abduktion aufgebaut werden im Falle einer Varusstellung eine laterale Adduktion. Das gleiche gilt für die Hundestellung Kopf nach oben und Hundestellung Kopf nach unten. Allgemein muß die Kraft in die Richtung ausgeübt werden, in der das Extremitätenmittelgelenk (Ellbogengelenk, Kniegelenk) vom zu erwartenden Verlauf abweicht, also entgegen der Richtung, in der das Extremitätenenmittelgelenk Handgelenk oder Fußgelenk vom zu erwartenden Verlauf abweicht. Durch den Fuß oder die Hand als Punctum fixum wird damit ein entlastendes Moment im Extremitätenenmittelgelenk erzeugt. Dabei muß die Rotationsituation der Extremität in der Haltung genau beachtet werden. Die in der Hundestellung Kopf nach unten und allen anderen Überkopfhaltungen der Arme ist die Exorotation weniger weit möglich, was die Richtung, in die optimalerweise gedrückt würde, leicht verändert.

Adduktion

Adduktion bedeutet Heranführen. Im Yogabuch wird der Begriff beim Schultergelenk nicht ohne weiteren Bezeichner gebraucht (laterale Abduktion, frontale Abduktion), wohl aber beim Hüftgelenk für die Bewegung des Beins nach medial (auch über Anatomisch Null hinaus), genauso bei den kleinen und großen Fingern und Zehen (Hallux, Pollex). Das begriffliche Gegenteil Abduktion wird ebendort benutzt für das Wegführen von Becken, Handmittellinie oder Fußmittellinie.

Adduktion (Hüftgelenk)

das Anlegen des Beins aus einer seitwärts abgespreizten Position oder dessen Bewegung über Anatomisch Null hinaus nach medial und weiter nach kontralateral, also eine Bewegung in der Frontalebene.

Adduktion, dorsale (Schultergelenk)

das Verkleinern des körperrückseitigen Winkels des Arms zum Rumpf als Bewegung des Humerus im Glenohumeralgelenk, also eine Bewegung in der Sagittalebene: in Anatomisch-Null das Anlegen des Arms aus dem nach hinten-oben angehobenen Zustand (Retroversion).

Adduktion, frontale (Schultergelenk)

das Verkleinern des körpervordeseitigen Winkels des Arms zum Rumpf als Bewegung des Humerus im Glenohumeralgelenk, also in Anatomisch-Null das Anlegen des Arms aus dem nach vorn-oben angehobenen Zustand.

Adduktion, laterale (Schultergelenk)

Bewegung des Arms im Glenohumeralgelenk, bei der der seitliche Winkel (in der Fontalebene) des Arms zum Rumpf verkleinert wird

Adduktoren (Bein)

Bezeichnung für die Gruppe von Muskeln, deren Funktion (nicht notwendig ausschließlich) in der Adduktion des Beins besteht, also dem Heranführen von seitlich. Sie entspringen größtenteils im Bereich des unteren und unteren seitlichen Schambeins. Alle monoartikulären Adduktoren setzen an verschiedenen Bereichen des inneren Oberschenkelknochens an, einzig der monoartikuläre M. adductor magnus hat einen zusätzlichen Ursprung am Sitzbein und der biartikuläre Gracilis setzt unterhalb des Kniegelenks am inneren oberen Schienbein (am Pes anserinus superficialis) an. Zu den Adduktoren des Beins rechnet man neben dem Gracilis den M. adductor brevis, M. adductor minimus, M. adductor magnus, M. adductor longus, M. pectineus und die tiefliegenden, an anderen Orten als oben beschrieben entspringenden M. obturator externus und M. quadratus femoris, welche zur dorsalen Hüftmuskulatutur gehören. Der M. adductor magnus setzt als einziger auch am Sitzbein an und hat daher eine eindrehende und extendierende Wirkung auf den Oberschenkel. Die Adduktorenloge des Oberschenkels teilt sich in:

  1. oberflächliche: M. pectineus, M. gracilis und M. adductor longus
  2. mittlere: M. adductor brevis
  3. tiefe: M. adductor magnus und M. adductor minimus

aerob

Unter aerobem Stoffwechsel versteht man einen solchen, bei dem die Energiebereitstellung aus Kohlenhydraten (im Blut zirkulierende und in Muskeln gespeicherte Glukose) und Fetten ausschließlich durch Sauerstoffverbrauch gedeckt wird. Das Gegenteil von aerob ist, wobei die Sauerstoffzufuhr nicht ausreicht um den Energiebedarf zu decken. Aerobe Leistungen können über längere Zeit durchgehalten werden.

aerobe Schwelle

Unter der aeroben Schwelle wird das Maß an Leistungsanforderung verstanden, ab dem der Laktatspiegel im Blut von in Ruhe bis ca. 1,2 mmol/l steigt. Mit Erreichen der aeroben Schwelle fällt zwar mehr Laktat an als in Ruhe, jedoch kann dieses solange in Echtzeit abgebaut werden, wie die anaerboe Schwelle noch nicht erreicht ist. Die aerobe Schwelle ist stark vom Trainingsstand abhängig und kann bei wenig auf Ausdauer Trainierten bei etwa 60% der maximalen Herzfrequenz liegen oder auch bei ca 85% bei Trainierten. Training om Bereich oberhalb der aeroben Schwelle aber unterhalb der anaerboe Schwelle verbesssert die Vaskularisierung der Muskeln genauso wie den Fettstoffwechsel.

Agonist

wörtlich der „Handelnde“, der eine Bewegung ausführende Muskel. Gegenspieler, also Muskeln, die die entgegengesetzte Bewegung ausführen, heißen Antagonist.

aktive Insuffizienz

Zustand völligen Zusammengezogenseins eines Muskels, also völliges Ineinandergreifen von Aktin- und Myosinfäden, das keine weitere aktive konzentrische Kontraktion und damit von diesem Muskel selbst verursachte Bewegung in einem Gelenk erlaubt, welches dieser Muskel überzieht, obwohl das überzogene Gelenk oder die überzogenen Gelenke selbst noch nicht in der Endstellung (Erreichen einer weich-elastischen, fest-elastischen oder hart-elastischen Bewegungsgrenze) ist bzw. sind, also von einem anderen Muskel oder passiv (von außen, extern) weiter bewegt werden kann.

Algorithmus

Ein Algorithmus ist eine Vorschrift, um eine Aufgabe oder eine Klasse von Aufgaben zu lösen. Er kann sich auf ein mathematischen Problem beziehen, einen technischen Vorgang wie die Installation eines Betriebssystems oder Programmes auf einem Rechner, das Anfertigen eines Gegenstandes mit einer Maschine oder einen alltäglichen Vorgang wie das Binden der Schnürsenkel oder Schürze oder eines Windsor-Knotens einer Krawatte. Dabei kann der Algorithmus mehr oder weniger allgemein sein, in jedem Falle muß er aber aus endlich vielen wohldefinierten Schritten bestehen und sollte in den üblichen Anwendungsfällen das gewünschte korrekte Ergebnis liefern (Terminiertheit). Typische, in der Praxis verwendete Algorithmen sind zugleich determiniert (liefern bei gleichen Startwerten immer das gleiche Ergebnis) und deterministisch (liefern das Ergebnis immer auf die gleiche, vorhersagbare Weise). Zu vielen Problemstellungen gibt es mehr als einen korrekten Algorithmus. Selbst wenn alle korrekten Algorithmen zum selben Ziel führen, können sie dies doch mit verschiedenem Einsatz von Mitteln (z.B. Zeit oder Hauptspeicher) tun. Mit geringen Mitteln auszukommen, wird als Effizienz bezeichnet.

Das Einnehmen einer Yogahaltung wird idealerweise ebenfalls durch einen Algorithmus beschrieben. Dieser muß nicht linear verlaufen sondern kann Bedingungen und Verzweigungen enthalten, am Beispiel der parivrtta trikonasana etwa der Art „WENN die kontralaterale Hand nicht zum Boden reicht, DANN benutze einen Klotz“. In Programmiersprachen finden sich bedingte Befehle der Art IF CONDITION THEN STATEMENT1 (ELSE STATEMENT2) zu Haufe, wobei optional eine Ersatzanweisung STATEMENT2 angegeben werden kann, die ausgeführt wird, wenn die Bedingung CONDITION nicht erfüllt ist. Im Falle der parivrtta trikonasana könnte etwa die Bedingung zugleich abfragen, ob noch Klötze vorhanden sind und als Ersatzanweisung das Abstützen am Unterschenkel vorgeben. Die Vorschrift „benutze einen Klotz“ wiederum kann eine Kontrollschleife der Art „wiederhole das Erhöhen der Unterstützung durch Hinzufügen eines Klotzes auf den bereits vorhandenen Klötzen bis die Finger an den Klotz reichen“ darstellen. Solche Anweisungen werden etwa durch Kontrollstrukturen der Art REPEAT STATEMENT UNTIL CONDITION oder WHILE CONDITION DO STATEMENT realisiert. Der erfahrene Unterrichtende hat diese Algorithmen normalerweise im Kopf, auch wenn er sie nicht unbedingt als solche ansehen würde oder in jeder Einzelheit aufschreiben könnte. In besonderen Fällen, die Bedingungen mit sich bringen, die von seinem Algorithmus nicht abgedeckt sind, braucht er Kreativität und muß etwas Neues erfinden. Damit erweitert er dann seinen Algorithmus. Algorithmen können in einem Flussdiagramm dargestellt werden, der die Bedingungen, Anweisungen und Strukturen graphisch darstellt. Im Fall der asanas würde dann am Beginn die Ausgangshaltung stehen, also etwa tadasana und am Ende die Zielhaltung.

allochthone Rückenmuskulatur

sämtliche Rückenmuskulatur, die nicht autochthon ist. Die allochthone Muskulatur ist eingewanderte Extremitätenmuskulatur und dient nicht primär der Bewegung der Wirbelsäule.

anaerob

Unter aerobem Stoffwechsel versteht man einen solchen, bei dem die Energiebereitstellung nicht ausschließlich durch Sauerstoffverbrauch
gedeckt wird sondern teilweise auch ohne Sauerstoffverbrauch, so daß in größeren Mengen Laktat entsteht. Grundsätzlich entsteht auch in Ruhe eine kleine Menge Laktat (bis ca. 1,2 mmol/l), welches aber problemlos entsorgt werden kann. Der Punkt, ab dem das anfallende Laktat nicht mehr in Echtzeit entsorgt werden, kann sondern sich in Blut, Muskeln und Interstitium anreichert, heißt anaerobe Schwelle. Sie liegt bei etwa 2 mmol/l. Leistungen oberhalb der anaeroben Schwelle können über längere Zeit durchgehalten werden. Fette können im Gegenteil zu Glukose nicht ohne Sauerstoffzufuhr verstoffwechselt werden.

anaerobe Schwelle

der Grad an Belastung oder Leistungsanforderung, ab der der Körper die Muskeln nicht mehr hinreichend mit Sauerstoff versorgen kann, so dass beim Stoffwechsel mehr Laktat gebildet wird als abgebaut werden kann. Das Überschreiten der anaeroben Schwelle führt zu einer Zunahme der Konzentration von Laktat in Muskel, Blut und Interstitium. Die Laktatkonzentration wird typischerweise invasiv durch einen Bluttest (kapillares Ohrläppchenblut) ermittelt. Die anaerobe Schwelle liegt bei den meisten Menschen bei 4 mmol/l, kann aber individuell zwischen 2,3 und 6,8 mmol/l differieren. Laktat wird auch ohne körperliche Anstrengung bis zu einer Konzentration von ca. 1,2 mmol/l gebildet, mit der Intensität körperlicher Belastung zunehmend. Neben der anaeroben Schwelle gibt es auch die (mittlerweile nicht unumstrittene) aerobe Schwelle, die dadurch definiert, dass dort erstmals (bzgl. zunehmender Belastungsintensität) die Laktatkonzentration im Blut gegenüber der Ruhekonzentration ansteigt. Sie liegt bei den meisten Menschen bei rund 2 mmol/l.

Ausdauerleistungen können nicht über längere Zeit (dauerhaft) oberhalb der anaeroben Schwelle erbracht werden. Kurzfristig kann die anaerobe Schwelle überschritten werden (Attacke beim Radrennen, Sprint im Fußball etc.), ohne dass die Leistungsfähigkeit dadurch einbricht. Die anaerobe Schwelle steht in enger Korrespondenz zu einer bestimmtem Herzfrequenz, Geschwindigkeit (Laufen, Radfahren) und abgegebenen Leistung. Es gibt auch einen Zusammenhang zu der Sauerstoffaufnahme: bei untrainierten Menschen steigt ab ca. 50% der maximalen Sauerstoffaufnahme die Laktatkurve etwa parabolisch an, bei Spitzen-Ausdauerathleten liegt diese Schwelle bei ca. 90%. Einfach und nichtinvasiv kann die anaerobe Schwelle in der Ergometrie in etwa an dem Punkt erkannt werden, an dem die zuvor mit der Leistungsanforderung linear angestiegene Herzfrequenz beginnt nichtlinear zu steigen.

Unabhängig von der anaeroben Schwelle, an der andauernde Ausdauerleistungen noch erbracht werden können, sind nach (je nach Trainingsstand) etwa 60 – 90 min die Glykogenreserven erschöpft, so dass die Leistung einbricht auch ohne dass die anaerobe Schwelle überschritten würde. Geeignete Nahrungszufuhr während der Leistungserbringung kann diesen Effekt in der Regel nicht vollständig kompensieren.

Anatomisch-Null

aufrecht stehende Körperhaltung, bei der die Füße parallel und geschlossen stehen, die Beine gestreckt, das Becken aufrecht, der Oberkörper inkl. Halswirbelsäule gestreckt sind und die Arme derart am Körper anliegen, dass die Innenellbogen und Handinnenflächen – im Unterschied zu Neutral-Null – nach vorn weisen. Damit entspricht Anatomisch Null etwa (!) einer um 90° in die Senkrechte aufgerichteten savasana. Anatomisch Null dürfte aus der Position entstanden sein, in der medizinhistorisch (und auch heuten noch) die meisten Sektionen durchgeführt werden, um den menschlichen Körper zu erkunden.

Anlaufschmerz (Einlaufschmerz, Loslaufschmerz)

Schmerz, der zu Beginn einer Tätigkeit, Bewegung, Verrichtung auftritt und in ihrem weiteren Fortgang abklingt. Diese Art Schmerz ist typisch für Arthrose und Arthritis, aber auch andere degenerative Gelenkveränderungen, vor allem der Hüftgelenke und Kniegelenke. Im Falle der Arthrose verläuft die Erkrankung über die Jahre progredient, und somit wird aus dem anfänglichen Anlaufschmerz häufig ein durchgehender Belastungsschmerz und später auch Ruheschmerz. Bei der Arthrose sind beide insbesondere in arthritischen Schüben ausgeprägt.

Antagonist

muskulärer Gegenspieler, der eine zum betrachteten Muskel (Agonist) zumindest teilweise entgegengesetzte Bewegung ausführt.

anterior

bezeichnet eine Richtung und bedeutet „vorn oder nach vorn“ und ist identisch mit dem Begriff frontal oder ventral. Das begriffliche Gegenteil ist posterior, welches wiederum dem Begriff dorsal entspricht.

Anteversion (Schultergelenk)

Synonym: Frontalabduktion, Anheben des Arms nach vorn.

Apophyse

Knochenansätze von Sehnen und Bändern mit eigenem Ossifikationszentrum, das meist mit dem Hauptkern der Epiphyse verschmilzt. Gelegentlich bleibt es aber auch eigenständig. Die Apophysen an den Muskelinsertionen des Rectus femoris, der Adduktoren und der Ischiocruralen Gruppe sind zuweilen von Schäden betroffen. Das reicht von geringfügigen Veränderungen bis zu knöchernen Ausriss der Sehnen (Avulsion). Entsprechend der betroffenen Muskulatur liegt häufig eine Schmerzausstrahlung vor in Richtung Leiste oder des Gesäßes. Radiologisch sind diese Störungen gut zu finden, jedoch zeigt sich ihr Bild recht uneinheitlich. Differentialdiagnostisch müssen osteolytische Prozesse und Tumoren abgeklärt werden.

Arbeitsbereich

Der Ausschnitt des ROM bzgl. einer Bewegung, der für eine zyklische Bewegung oder Wiederholungen einer Übung genutzt wird. Bei der Bewegung kann es sich um eine eindimensionale Bewegung handeln oder eine aus mehreren Bewegungsdimensionen kombinierte. Immer gibt es (meist, aber nicht immer: weiche) Bewegungsgrenzen, die ein Intervall definieren, das für diese Bewegung als ROM bezeichnet wird. Der Arbeitsbereich ist die in der Übung genutzte Teilmenge des ROM.

Arbeitsherzfrequenz / Arbeitspuls

Der Arbeitspuls, korrekt, die Arbeitsherzfrequenz ist der Betrag, um den eine Belastung die Herzfrequenz gegenüber der Ruhefrequenz ansteigen läßt.

Armbeuger

Alle Muskeln, die eine Flexion im Ellbogengelenk durchführen oder unterstützen. Das sind vor allem der Bizeps, der Brachialis und der Brachioradialis. Von den am Epicondylus medialis humeri ansetzenden Muskeln gilt lediglich der Palmaris longus noch als schwacher Beuger des Ellbogengelenks. Die anderen dort ansetzenden Muskeln wie superfiziellen und profunden Fingerbeuger, Flexor carpi radialis und Flexor carpi ulnaris werden nicht als solche betrachtet, obwohl sie das Ellbogengelenk überziehen. Die am Epicondylus lateralis humeri ansetzenden Muskeln unterstützen die Beugung ebenfalls nicht.

Armstrecker

alle Muskeln, die eine Streckung im Ellbogengelenk durchführen oder unterstützen. Der einzige Muskel, auf den das zutrifft, ist der Trizeps. Der ebenfalls auf der dorsalen Seite des Ellbogengelenks liegende Anconeus ist so schwach als Extensor wirksam, dass er den meisten Autoren nur als Spanner der Gelenkkapsel gilt.

Arthrodese

Arthrodese bezeichnet meist die irreversible operative Gelenkversteifung im Sinne einer permanenten invasiv angebrachten Versteifung von Gelenken durch einen inflexiblen technischen Werkstoff. Diese wird beispielsweise nach Zerstörung des Gelenks durch Traumata, schwere Infektionen, rheumatoide Arthritis oder Arthrose eingesetzt. Im letzten Fall wird damit der Dauerschmerz der aktivierten Arthrose genommen und die Instabilität beseitigt. Aber auch bei anderen Entitäten können Arthrodesen indiziert sein, etwa wenn ein Gelenk unvertretbar instabil geworden ist und keine andere Therapieoption zur Verfügung steht. Auch wenn ein künstliches Gelenk instabil geworden ist und nicht augetauscht werden kann, kann die Arthrodese notwendig werden.

Wo eine Endoprothese verfügbar ist, die die Gelenkfunktion technisch weitgehend reproduziert, wird diese Option in der Regel bevorzugt. Während beim Hüftgelenk und Kniegelenk TEP gebräuchlich sind, werden an Hand und Handgelenk, den Gelenken des Fußes und der Wirbelsäule bei entsprechender Indikation (permanente) Arthrodesen eingesetzt. Dazu wird der Knorpel der Gelenkflächen entfernt und ggf. zur Verbesserung des Ergebnisses autologe Knochensubstanz (z.B. aus der Beckenkamm-Spongiosa) eingefügt. Zur Fixierung stehen Nägel, Schrauben und Platten zur Verfügung. Temporäre Arthrodesen sind meist K-Drähte (Kirschner-Drähte). Im Bereich der Wirbelsäule heißen Arthrodesen Spondylodese. Arthrodesen bewirken eine Veränderung in den Bewegungsmustern und verlagern die Bewegungsmaße auf benachbarte Gelenke, die dadurch einer Mehrbelastung ausgesetzt sind. Je nach versteiftem Gelenk kann der Verlust der Gelenkfunktion mehr oder weniger weitgehend kompensiert werden.

aseptische Knochennekrose

ischämische (Versorgungsmangel-bedingte) Knochennekrosen, wie sie bei folgenden Erkankungen auftreten:

  1. Morbus Scheuermann: Deck- und Bodenplatten der Wirbel
  2. Morbus Perthes: Kopf und Hals des Oberschenkelknochens
  3. Morbus Osgood-Schlatter: Tuberositas tibiae
  4. Osteochondrosis dissecans: Femurkondylen (Gelenkmäuse)
  5. Morbus Kienböck: Os lunatum (Hand)
  6. Morbus Köhler I: Os naviculare (Fuß)
  7. Morbus (Freiberg-)Köhler II: Köpfe der Mittelfußknochen

Atemmuskulatur

Muskeln, deren Kontraktion zu einer Ausdehnung oder Einengung des Brustkorbs oder Bauchraums führt und die darüber zur Einatmung oder Ausatmung beitragen. Normalerweise geschieht die Ausamtung der Schwerkraft und den Muskelspannungen entsprechend automatisch, Kraft aufgewendet werden muss dann nur für die Einatmung. Es gibt neben den inspiratorischen Muskeln (Einatmung) und den exspiratorischen Muskeln die inspiratorischen Atemhilfsmuskeln und exspiratorischen Atemhilfsmuskeln. Einer der wichtigsten Atemmuskeln und derjenige, der durch seine Kontraktion die Baucheinatmung verursacht, ist das Zwerchfell.

Atemvolumina

im unbelasteten Zustand atmet ein 70kg schwerer Mann pro Atemzug ein Atemzugvolumen von ungefähr 0,5 l ein und wieder aus. Bei maximaler Einatmung durch Einsatz aller inspiratorischer Atemmuskeln und inspiratorischer Atemhilfsmuskeln kann er zusätzlich ein inspiratorisches Reservevolumen von etwa 2,5 l einatmen. Nach Ende einer unangestrengten Ausatmung vermag er durch Einsatz aller exspiratorischen Muskulatur und exspiratorischen Hilfsmuskulatur noch etwa ein exspiratorisches Reservevolumen von 1,5 l Luft auszuatmen. Damit erreicht als Summe aus Atemzugvolumen, inspiratorischem Reservevolumen und exspiratorischem Reservevolumen eine Vitalkapazität von etwa 4,5 l. Nach maximaler Ausatmung verbleiben in Lunge und Bronchien aber noch ein Residualvolumen von ca. 1,5 l Luft, das nicht ausgeatmet werden kann, so dass sich eine Totalkapazität von etwa 6 l ergibt.

Atemzugvolumen

Das Atemzugvolumen ist das Volumen, das in Ruhe, also ohne leistungsfordernde Aktivität, durchschnittlich ein– und ausgeatmet wird. Im Bevölkerungsschnitt liegt es bei etwa 500 ml. Dabei trägt das Totraumvolumen von ca. 150 ml nicht zum Gasaustausch bei.

Ausdauer

Ausdauer ist die körperliche Fähigkeit länger andauernde Belastungen zu erbringen, also die Widerstandfähigkeit gegen Ermüdung und die Fähigkeit zu schneller Regeneration. Ausdauer ist eine der Grundkomponenten von Fitness. Dies bezieht sich meist auf sportliche Tätigkeiten, ist aber nicht auf diese begrenzt. Auch im Arbeitsleben müssen teils Ausdauerleistungen erbracht werden. Im einfachsten Fall ist Ausdauer die Fähigkeit, eine mehr oder weniger konstante Leistung über einen möglichst langen Zeitraum zu erbringen. Die leichte Unschärfe „mehr oder weniger konstant“ referiert darauf, daß in der Praxis etwa beim Running topograpische Gegebenheiten oder Wind die Leistungsanforderung modulieren. Neben der ausbleibenden körperlichen Ermüdung ist auch die mentale Ausdauer, also die ausbleibende mentale Ermüdung ein nicht unwichtiger Faktor, wobei sich beide Faktoren gegenseitig beeinflussen. Auch die möglichst schnelle Regeneration nach erbrachter Leistung zählt zur Ausdauer.

Ausdauersport

siehe die eigene Seite zum Ausdauersport

Auskultation

Eine der Methoden der körperlichen Untersuchung: Abhören. Im Zusammenhang mit asanas findet keine Auskultation im strengen Sinne statt, jedoch hat die akustische Wahrnehmung durchaus einen Platz, etwa indem der Unterrichtende das Vorhandensein der Atmung, ihre Intensität, ihren gleichmäßigen Fluß oder Abweichungen davon wahrnimmt und hört, ob Kehlverschlüsse oder -verengungen auftreten. Auch das Knacken / Knirschen von Gelenken, etwa des Kniegelenks, geben Aufschlüsse über den Zustand der Gelenke. Auch Sehnen können reibende Geräusche machen, ebenfalls mit palpatorischem Äquivalent, was dann zumeist auf eine Sehnenscheidenentzündung (Tendovaginitis) hinweist. Regelmäßig finden bei vor sich gehenden Subluxationen oder bei der Reposition einer Subluxationen sowohl palpatorische wahrnehmbare Phänomene statt, die man als Springen bezeichnen kann, als auch akustische Phänomene, die ihnen entsprechen. In der Wahrnehmung, wie sanft ein Sprung auf die Füße gelingt, ist der akustische Eindruck ebenfalls ausschlaggebend.

Aussenrotatoren (Schulterblatt)

Muskeln, die das Schulterblatt unten nach außen, also in die Außenrotation drehen:

  1. Trapezius
  2. Serratus anterior

Außenrotation (Schulterblatt)

Bewegung des Schulterblatts in der Ebene, in der es sich hauptsächlich ausdehnt, mit dem Angulus inferior (untere Spitze) nach außen-oben, was Voraussetzung für das Anheben des Arms über 90° ist. Diese Muskeln drehen das Schulterblatt nach außen.

autochthone Rückenmuskulatur

die entwicklungsgeschichtlich älteste und einzige „originäre“ Rückenmuskulatur, die alle Bewegungsdimensionen der Wirbelsäule (Extension, Rotation, Lateralflexion) abdeckt. Sie ist bei vielen Säugetieren in sehr ähnlicher Form vorhanden und wird von den Rames dorsales der Spinalnerven innerviert. Im Gegensatz dazu sind alle anderen Rückenmuskeln eingewanderte Muskulatur der Extremitäten und werden von den Rames ventrales der Spinalnerven innerviert. Die Mm. levatores costarum können zur autochthonen Rückenmuskulatur gezählt werden, da sie auch von den Rames dorsales der Spinalnerven versorgt werden, man kann aber auch anderer Auffassung sein, da sie zusätzlich von den Rames ventrales versorgt werden.

Die autochthonen Rückenmuskeln können in einen lateralen Trakt (auch: superfizieller Trakt) und einen medialen Trakt (auch: profunder Trakt) unterteilt werden. Der laterale Trakt besteht aus:

  1. Intertransversales System: Intertransversarii mediales lumborum (mediales und laterales), thoracis, cervicis (anteriores und posteriores). Einseitig innerviert: Lateralflexion; beidseitig: Extension
  2. Spinotransversales System: Splenius : cervicis und capitis. Einseitig: Rotation des Kopfes/HWS; beidseitig: Lateralflexion
  3. Sakrospinales System: Longissimus: thoracis, cervicis, capitis) und Iliocostales lumborum, thoracis, cervicis). Einseitig innerviert: Lateralflexion; beidseitig: Extension
  4. Rippenhebemuskeln: Levatores costarum (breves et longes): Einseitig innerviert: Lateralflexion; beidseitig: Extension

Der mediale Trakt aus:

  1. Interspinales System: Interspinalis (lumborum, thoracis, cervicis), Spinalis (thoracis, cervicis, capitis)
  2. Transversospinales System: Rotatores breves et longi (lumborum, thoracis et cervicis), Multifidi (lumbales, thoracici, cervicis), Semispinalis (thoracis, cervicis, capitis)

Daneben gibt es noch die subokzipitale Muskulatur („kurze“ oder „tiefe“ Nackenmuskeln):

  1. M. rectus capitis posterior major
  2. M. rectus capitis posterior minor
  3. M. obliquus capitis inferior
  4. M. obliquus capitis superior

Die Muskeln M. rectus capitis lateralis wie auch der M. rectus capitis anterior sind nicht autochthon. Der Teil der autochthonen Rückenmuskulatur, der die Wirbelsäule rotiert und gleichzeitig extendiert, wird zuweilen als Schrägsystem bezeichnet, dies sind das Transversospinale System und das Sakrospinale System. Das Schrägsystem besitzt eine besondere Relevanz, erstens weil es andere rotatorische Muskulatur des Rumpfs wie die schrägen Bauchmuskeln bei der Rotation unterstützt und so verhindert, dass die schräge Bauchmuskulatur übermäßig arbeiten muss und dadurch möglicherweise einen überhöhten Tonus entwickelt, der wegen ihrer rumpfbeugenden Wirkung die Einatmung erschweren könnte, und zweitens, weil sich im Alltag viele mehr oder weniger ausgeprägte Kombinationen aus Flexion der Wirbelsäule und Rotation finden, beginnend etwa beim Binden der Schnürsenkel.

Avulsion

Knöcherner Ausriss einer Sehne, d.h. die Sehne reißt unter Last ein Stück Knochen an der Insertionsstelle aus. Dies geschieht insbesondere bei geschädigter Knochenstruktur, zuweilen aber durch extreme (meist exzentrische) Last auch ohne vorbestehenden Schaden des Knochen.

Avulsionsfraktur

Synonym zu Avulsion.

B

Band

faserartiger, kaum dehnbarer Bindegewebsstrang, der bewegliche Teile des menschlichen Bewegungsapparates in ihrer relativen Bewegung zueinander begrenzt. Hauptbestandteil von Bändern ist Kollagen. In den Gelenken finden sich Bänder, um fest-elastische Bewegungsgrenzen zwischen Knochen in Gelenken zu setzen und damit den maximalen geometrischen Bewegungsraum definieren, der dann von Muskeln zusätzlich im Sinne von weich-elastischen Bewegungsgrenzen mehr oder weniger eingeschränkt wird. Daneben treten sie auch als Retinaculi (Rückhaltebänder) auf, um Sehnen in Gelenk- oder Knochennähe zu halten, damit sie – und ihre Muskeln – nicht der Neigung folgen, auf kürzester Strecke quer durch den dreidimensionalen Raum zu verlaufen. Auch im Kniegelenk halten Retinaculi die Patella in ihrer Beweglichkeit begrenzt, da diese im Falle eines nicht angespannten Quadrizeps stark zu dislozieren neigen würde. Werden Bänder einer übermäßigen Zugbelastung ausgesetzt, kommt es zur Überdehnung oder gar zum Anriss bzw. Riss.

Bandscheibe (Diskus)

elastischer knorpeliger Puffer zwischen Knochen, der besserer Druckverteilung dient und die Kontaktfläche der Knorpelüberzüge der Knochen verkleinert, so dass der mögliche Verschleiß gemindert wird. Bandscheiben gibt es zwischen Wirbelkörpern, aber auch in klassischen Gelenken wie dem Handgelenk und dem Acromioclaviculargelenk. Die Bandscheiben sind zusammen mit den artikulierenden Knochen und den bezüglichen Bändern Symphysen. Am Beispiel der großen Bandscheiben zwischen den Wirbelkörpern kann man das Funktionsprinzip gut erkennen: der Nucleus pulposus ist hochgradig wasserbindungsfähig, so daß der flüssige Anteil den Druck nach dem Pascal’schen Prinzip bestmöglich gleichmäßig zwischen den Grenzflächen verteilt. Dadurch wird der Punktdruck niedrig gehalten und in Folge der Verschleiß.

Bankart-Läsion

partieller oder kompletter Abriß des unteren Labrum glenoidale im Schultergelenk durch anteriore Luxation des Schultergelenks. Die Bankart-Läsion ist ein Grund für rezidivierende Luxationen. Ist das Labrum allein abgerissen, spricht man von einer weichen Läsion, ist der Knochen mitbetroffen wie bei einer Avulsion, spricht man von einer harten Läsion.

Becken

Unter Becken versteht man in der Regel den Raum, den das große Becken zuzüglich des kleinen Beckens einnimmt. Dabei kann das große Becken als Teil des Bauchraums aufgefasst werden, da einge wichtige Organe des Bauchraums sich nahtlos ins große Becken erstrecken.

Becken, kleines

Das kleine Becken ist der untere Raum zwischen den Beckenschaufeln (Ala ossis ilii) der Darmbeine, der nach kranial durch die Linea terminalis begrenzt wird. Dieser Raum enthält u.a. die Organe Harnblase, Rektum und beim weiblichen Geschlecht Gebärmutter, Ovarien, Vagina sowie beim männlichen Geschlecht die Prostata.

Becken, großes

Das große Becken ist der obere Raum zwischen den Beckenschaufeln (Ala ossis ilii) der Darmbeine, der kaudal an das kleine Becken grenzt und durch die Linea terminalis abgrenzt wird. Dieser Raum enthält einige Bauchorgane, z.B. das Ileum und das Sigmoid.

Beckenschiefstand

ein in Neutral Null in der Frontalebene gekipptes Becken. Beide Hüftgelenke und beide SIAS sind dann ungleich hoch, oder anders gesagt, die Hochachse des Beckens ist nicht senkrecht. Ursache können (funktionale oder selten auch anatomische) Beinlängendifferenzen sein, genauso wie Subluxationen in Fußgelenken, Kniegelenk oder Hüftgelenk. Auch ein ungleicher Zug der Adduktoren und Abduktoren kann zu einem Beckenschiefstand führen: normalerweise bilden in Neutral Null die Hüftgelenke mit den Fersen ein gleichschenkliges Trapez. Steht ein Bein anders gegen die Senkrechte geneigt als das andere, so zieht es die Hüfte mit herunter und das Becken steht schief.

Ein persistierender Beckenschiefstand verursacht in der Regel eine Skoliose entsprechenden Ausmaßes, im Vollausbau Doppel-S-förmig. Damit korrigiert der Körper das Statikproblem, das ein Beckenschiefstand und damit ein schiefes Kreuzbein verursacht so, daß bei optimaler Kompensation das Schwerelot des großen Teilkörpergewichts über dem Becken wieder mittig durch die Verbindungslinie der beiden Acetabuli verläuft.

Der Beckenschiefstand darf nicht mit der Beckenverwringung verwechselt werden, kann aber auch gemeinsam mit dieser auftreten.

Beckenverwringung

eine Beckenverwringung ist definiert durch ein in Neutral Null auf einer Seite gegenüber der andere Seite oben nach vorn gekipptes Hüftbein. Typischerweise findet diese Verwringung dorsal in den beiden Iliosakralgelenken und ventral in der Schambeinsymphyse statt, so dass das jeweilige Maß der Nutation in beiden ungleich groß ist. Sie ist oft Folge seitenungleicher Spannung der Hüftextensoren und Hüftbeuger, allem voran des Iliopsoas, M. rectus femoris als Hüftbeuger und Gluteus maximus als dem stärksten Hüftextensor, daneben aber auch der Ischiocruralen Gruppe, die durchaus maßgeblich zur Extension beiträgt, insbesondere in geringeren Flexionswinkeln im Hüftgelenk und bei geringerer Kraftausübung zur Extension.

Unter den Hüftbeugern ist vor allem der Iliopsoas besonders hervorzuheben, da er bei weniger beweglichen Menschen ohnehin in Neutral Null oft am Rande seines ROM ist. Zu erkennen ist die Beckenverwringung bei der Inspektion z.B. an einem auf einer Seite weiter hervorstehenden SIAS oder dorsal ungleich hoher PSIS. Sie kann in der Rückenlage (z.B. savasana) auch wahrgenommen werden dadurch, dass die beiden Beckenkämme ungleichen Abstand vom Boden haben. Häufig, gerade wenn die Flexibilität der Hüftbeuger einer Seite geringer sind als die der anderen Seite, beugt ein Kniegelenk in savasana mehr als das andere.

Beinlängendifferenz

Beinlängendifferenzen sind scheinbare oder echte Differenzen in der Länge der beiden Beine. In ca 5% sind sie anatomisch, das heißt es liegen Längendifferenzen mindestens eines der beteiligten Knochen vor (Femur, Tibia), in dem überwiegenden Teil der Fälle sind sie aber funktional, also etwa durch Subluxationen in einem der beteiligten Gelenke oder muskuläre Dysbalancen verursacht. Um den Fall der anatomischen Differenz nachzuweisen, bedarf es eines Röntgen. Diese Differenzen sind konservativ nicht behebbar. Funktionale Differenzen reagieren hingegen auf konservative Intervention, das kann die Reposition eines subluxierten/dislozierten Gelenks sein oder die Wiederherstellung einer korrekten aufrechten Haltung (z.B. Anatomisch Null) und eines seitengleichen Gangs durch Hebebung muskulärer Seitendifferenzen sein. Ist beispielsweise die Spannung einer Adduktorengruppe höher als kontralateral, so wird dieses Bein immer dazu neigen, gegenüber dem anderen adduziert oder weniger abduziert sein. Es gibt mehrere Möglichkeiten Beinlängendifferenzen zu erkennen:

  1. Im Falle von Differenzen in den Abduktoren / Adduktoren steht das Becken im aufrechten Stand einer Seite tiefer, so daß die Referenzpunkte (SIAS, Spina iliaca posterior superior) tiefer stehen und das kontralaterale Bein kürzer erscheint. Das Becken ist dann zusätzlich in Richtung einer Seite verschoben.
  2. In Rückenlage mit 90° gebeugten Hüftgelenken, also zur Decke gestrecketen Beinen bei sichergestellter symmetrischer Haltung der Beine (Mittellinie der Beine senkrecht) wird die Höhe der Fersen erhoben. Dazu kann ein fester flächiger Gegenstand wie eine Schulterstandplatte von oben auf die Füße gedrückt werden, so daß sie 0° Plantarflexion einnehmen. Zeigt sich hier eine Seitendifferenz in der Höhe der Fersen, ist also der Gegenstand nicht waagerecht sondern neigt sich zu einer Seite, liegt vermutlich eine Längendifferenz vor.
  3. Im aufrechten Stand wird zwischen den Beinen hindurch auf eine senkrechte Struktur als Referenz geschaut , etwa einen Türrahmen. Asymmetrische Position der Beine, die zu einer scheinbaren Beinlängendifferenz führen können, werden dann leicht sichtbar
  4. In uttanasana wird eine Beinlängendifferenz im Bereich des Beckens und auch noch des unteren Rückens erkennbar durch die unterschiedliche Höhe, die sie einnehmen.
  5. Eine durch Beinlängendifferenz bedingte in der Frontalebene gekippte Beckenhaltung führt typischerweise im aufrechten Stehen auch zu einem nicht-senkrechten Verlauf der Linea alba, zumindest in ihrem kaudalen Bereich. Liegt keine Skoliose vor, dann auch in ihrem gesamten Verlauf.

Belastungsintensität

Belastungsintensität ist eine Größe, die für die verschiedenen Typen von Belastung verschieden definiert werden muss. Im Falle des Krafttrainings wird es an der Wiederholungszahl festgemacht. In absteigender Intensität wird diese gegen die Wiederholungszahl wie folgt aufgetragen (Rühl, 1992):

  1. 100% – 1
  2. 95% – 2
  3. 90% – 3-4
  4. 85% – 5-6
  5. 80% – 7-8
  6. 75% – 9-10
  7. 70% – 11-13
  8. 65% – 14-16
  9. 60% – 17-20
  10. 55% – 21-24

100% ist die Belastungsintensität, die gerade noch eine einmalige Wiederholung (hintereinander ohne Regenerationszeit) erlaubt. Wird nicht mit Wiederholungen zyklischer Bewegungen gearbeitet, sondern isometrische Belastung über die Zeit gehalten, so muß festgelegt werden, welchem minimalen Zeitintervall 100% zugeordnet wird, das könnte beispielsweite eine Sekunde sein. Allgemein werden die Zeiten bis zum Eintreten des isometrischen Muskelversagens angegeben. Bei Benutzung von externen Gewichten liegt eine Gewichtung in Abhängigkeit von dem Gewicht nahe. Diese muß nicht notwendigerweise linear sein. Allen kleineren Belastungsintensitäten müssen dann längere Zeiten zugeordnet werden, wobei das maximale Zeitintervall einer isometrischen Belastung recht individuell sein dürfte, in nicht wenigen Fällen darüber hinaus auch von weiteren internen (etwa Tonus der Antagonisten) oder auch externen Faktoren (etwa Temperatur) abhängig. Im Falle der Dehnung muß nach subjektiv empfundener Intensität gewertet werden, dazu wird beispielsweise die übliche Numerische Rating-Skala (NRS) benutzt, wie sie auch bei der Bewertung von Schmerzen oder anderen Symptomen Anwendung findet, bei der die Zahlen 0 (überhaupt keine Intensität/Empfindung/Mißempfindung) bis 10 (stärkst-vorstellbarer Schmerz) bewertet werden. Dabei sind a priori nur zwei Werte vorgegeben:

  1. 100% – 10
  2. 0% – 0

Darüber hinaus kann die Zuordnung linear, logarithmisch oder anderweitig nichtlinear erfolgen. Neben den genannten Belastungsintensitäten können auch andere Konstrukte definiert werden, etwa die Belastung in Watt (W) beim Radfahren oder die gefahrene oder gelaufene Geschwindigkeit unter festgelegten Bedingungen.

Belastungsschmerz (stress induced pain)

der Schmerz, der durch Belastung belastungsschmerzhafter Teile des Bewegungsapparates ausgelöst wird.

Belastungsschmerzhaftigkeit

Die Eigenschaft eines Muskels, seiner Sehne oder einer anderen Struktur des Bewegungsapparates, Belastungsschmerz zu zeigen, also unter Belastung Schmerz zu zeigen, der eine andere Qualität hat als „Anstrengung“ oder „Dehnungsempfindung“, also anderen Ursprungs ist als aus den Propriozeptoren Golgi-Sehnenorgan oder Muskelspindel.
Die Last kann das eigene Körpergewicht sein oder ein externes Gewicht. Die Belastung durch das eigene Körpergewicht kann beispielsweise eine Kniebeuge, das Treppensteigen oder die notwendige Muskelarbeit für schnelles Gehen oder Laufen. Belastungsschmerzen betreffen hauptsächlich den Bewegungsapparat und haben ihre Ursache meist, aber nicht immer dort.

Beugedefizit

Analogon zum Streckdefizit, wobei die Grenze zwischen Vorliegen und Nichtvorliegen meist weniger scharf definiert ist. Ist beim Streckdefizit das Winkelmaß von 180° eine klare und sowohl geometrisch als auch bewegungsphysiologisch plausible Grenze, so ist der Fall beim Beugedefizit ungleich weniger einfach gelagert, schließlich weisen viele Menschen mehr oder weniger ausgeprägte Flexibilitätseinschränkungen nicht nur monoartikulärer Muskeln auf, die ihre Gelenke überziehen, sondern auch biartikulären und polyartikulärer, die je nach Stellung der Nachbargelenke relevant werden. Hinzu kommt, dass im Fall des Hüftgelenks, Kniegelenks und Ellbogengelenks die Streckung die Anatomisch Null entsprechende Position ist und in Näherung auch häufig eingenommen wird, z.B. beim Stehen und variabel auch beim Gehen und stehenden Hantieren. Die bewegungsphysiologische Plausibilität der 180° erwächst übrigens auch aus der Tatsache, dass in dem entsprechenden Gelenk in senkrechter Position der Artikulationspartner aus dem darüberliegenden Teilkörpergewicht kein Beugemoment in dem Gelenk resultiert, was im Falle der genanten Gelenke engst kausal mit dem aufrechten Gang verbunden sein dürfte.

Beim Beugedefizit muss mehr oder weniger willkürlich eine Grenze festgelegt werden. Wenn die Beugung aktiv vorgenommen werden soll, liegt häufig eine passive Insuffizienz der ausführenden Muskulatur vor, das heißt, der oder die ausführenden Muskeln können das Gelenk nicht weiter beugen, weil die Antagonisten nicht flexibel genug sind, so dass ab einem gewissen Punkt der Beugung deren mit jedem Winkelgrad zunehmendes Streckmoment von den Agonisten nicht mehr überwunden werden kann, zumal monoartikuläre agonistische Muskeln in vielen Fällen auf dem Abstieg der Kraft-Längen-Funktion in Richtung minimaler Sarkomerlänge immer weniger Kraft und damit in diesem Fall immer geringere Beugemomente aufbringen können. Ab einem gewissen Punkt arbeiten die Agonisten dann in so kurzer Sarkomerlänge, dass sie aktiv insuffizient werden und typischerweise zu krampfen beginnen. Dann kann mit externem Krafteinsatz versucht werden, das Gelenk zu beugen, was zumindest den Krampf der (inaktiven) Agonisten verhindern sollte.

Bei einem vermuteten Beugedefizit muss also sowohl die aktiv als auch die passiv erreichbare Beugung erhoben werden, wobei letztere in vielen Fällen mit zunehmendem Krafteinsatz zu zunehmender Dehnungsempfindung in den Antagonisten führen dürfte. Für eine korrekte Bewertung muss in beiden Fällen ein möglicher Einfluss biartikulären und polyartikulärer Antagonisten ausgeschlossen werden.

Beweglichkeitseinschränkung

Mit Beweglichkeitseinschränkung wird jeglicher geringerer ROM in einem Gelenk in eine physiologische Bewegungsdimension oder in eine aus Dimensionen kombinierte Richtung bezeichnet als durch die physiologische hart-elastische oder fest-elastische Bewegungsgrenze gegeben ist, unabhängig von der Ursache. Beweglichkeitseinschränkungen dürfen also nicht verwechselt werden mit physiologischen Bewegungsgrenzen. In der Praxis zeigt sich bei fast allen Bewegungen eine weich-elastische, muskuläre Bewegungsgrenze. Eine Ausnahme bildet vor allem die Extension der Extremitätenmittelgelenke, die je nach genauer geometrischer Konfiguration der Gelenke und Flexibilität überziehender biartikulärer Muskeln überwiegend hart-elastisch oder fest-elastisch begrenzt sind: tritt etwa im Kniegelenk ohne oder bei nur geringer Hüftflexion noch keine weich-elastische Bewegungsgrenze auf, so ändert sich dies mit weiterer Flexion im Hüftgelenk, wenn sich eine weich-elastische Bewegungsgrenze durch die Beweglichkeitseinschränkung der Ischiocruralen Gruppe einstellt.

Der Begriff Beweglichkeitseinschränkung ist auf eine Bewegungsdimension bezogen oder auf eine Bewegungsrichtung, die sich aus Bewegungsdimensionen kombiniert. In der Praxis sind die meisten Beweglichkeitseinschränkungen erworbene Einbußen muskulärer Flexibilität, die überwiegend auf einer regelmäßigen Nichtinanspruchnahme von Teilen des grundsätzlich nach Maßgabe der hart-elastischen und fest-elastischen Bewegungsgrenzen möglichen ROM und der entsprechenden Adaption der Muskulatur beruhen. Siehe dazu auch die entsprechende Graphik zum Fußgelenk, die die statistische Abnahme der Beweglichkeit im Fußgelenk in die beiden Bewegungsdimensionen Plantarflexion / Dorsalflexion und Pronation /Supination zeigt.

Der verbleibende Bewegungsumfang (auch: „Verkehrsraum“) muß aktiv und passiv ermittelt werden, da sich beide unterscheiden können: im Falle eines Abrisses der einzigen ausführenden Sehne (etwa Quadrizepssehne zur Kniestreckung) kann die entsprechende Bewegung (hier die Kniestreckung) nicht mehr aktiv vollzogen werden, wohl aber von einem Untersucher, ist also passiv größer als aktiv.

Der Verkehrsraum der meisten Gelenke läßt sich als ein-, zwei- oder dreidimensional darstellen mit einer entsprechenden Anzahl voneinander unanhängiger Bewegungsdimensionen. In der Praxis zeigen sich die Bewegungen im mittlerem Bereich des ROM uneingeschränkt unabhängig, jedoch bewirkt häufig zu den Rändern des Verkehrsraumes hin der Verlauf der Muskeln und ihre Beweglichkeitseinschränkung bei Inanspruchnahme einer Dimension Auswirkungen auf eine andere Dimension, so daß die Unabhängigkeit gestört erscheint.

Bewegungsapparat

Der Bewegungsapparat oder auch „Stütz- und Bewegungsapparat“ ist der Teil des Körpers, der ihn in Form hält und gezielte Veränderung dieser Form, zum Beispiel zum Zweck der Fortbewegung oder willkürlicher Handlungen ermöglicht. Der Aspekt des Stützapparates stellt dabei den passiven Teil des „Stüz- und Bewegungsapparates“ dar, den sogenannten passiven Bewegungsapparat. Der Bewegungsapparat unterteilt sich also in einen aktiven Bewegungsapparat und den passiven Bewegungsapparat.

aktiver Bewegungsapparat

Zum aktiven Bewegungsapparat gehören die Muskeln des Skeletts nebst ihrer Sehnen und Sehnenscheiden, ihrer bindegewebigen Umhüllung (Faszien um Muskelfasern, Muskelfaserbündel und Köpfe), und der Schleimbeutel (Bursa), die Muskeln oder ihre Sehnen gegen harten Druck, etwa von Knochen, schützen.

passiver Bewegungsapparat

Der passive Teil des Bewegungsapparat, auch Stützapparat genannt, besteht aus den Knochen mit ihren Knorpelüberzügen sowie verbindenden Knorpeln und den Gelenken mit ihren verschiedenen Teilen, das sind neben den beteiligten Knochen vor allem die Bänder, Bandscheiben (wo vorhanden) und Gelenkkapseln, sowie die von der innersten Schicht der Kapsel gebildete Synovia.

Bewegungsdimension

Der gesamte Bewegungsumfang (Verkehrsraum) eines Gelenks (ROM) läßt sich mit unabhängigen Dimensionen darstellen, so daß jede Position eindeutige Koordinaten bezitzt. Eine Bewegung entspricht also einer Kurve in diesem Raum. Dabei ist ein bestimmtes Standard-Koordinatensystem üblich, dessen Achsen gegeben sind durch Vektoren auf den Richtungen: frontal, kranial, lateral (dexter), was Normalen auf den Ebenen Frontalebene, Transversalebene, Sagittalebene entspricht.

Bewegungsschmerz (pain in motion)

Schmerz, der unter aktiver oder passiver Bewegung ohne Belastung durch das Körpergewicht oder ein externes Gewicht auftreten. Der Bewegungsschmerz kann unterschieden werden in einen aktiven (die Bewegung wird vom Untersuchten selbst ausgeführt) und einen passiven unterschieden werden (die Bewegung wird von einem Untersucher ausgeführt). Bewegungsschmerzen sind typisch für spezielle Teile des Bewegungsapaprates wie Muskeln und Gelenke. Häufig sind Rücken, Schultergelenk und Kniegelenk betroffen. Die Ursachen für Bewegungsschmerzen können vielfältig sein: degenerative Erkrankungen des Bewegungsapparates, Frakturen, Rupturen, Fibromyalgie, Polyneuropathie, verschiedene Erkrankungen der WS oder auch Entzündungen.

Bewegungsschmerzhaftigkeit

Die Eigenschaft eines Teils des Bewegungsapparates (selten: innerer Organe) durch aktiv oder passiv verursachte Bewegung auch ohne Last Bewegungsschmerz auszulösen.

Bewegungsumfang (Verkehrsraum)

Der gesamte Bewegungsumfang (Verkehrsraum, Bewegungsraum) eines Gelenks (ROM) in alle Richtungen bis zu deren jeweiligem Ende. Bezüglich eines Koordinatensystems, etwa entsprechend Vektoren auf den üblichen Bewegungsbezeichnungen, die (sich gegenüberliegend) paarweise jeweils eine Bewegungsdimension definieren, ergibt sich der Bewegungsraum als eine kompakte Punktmenge. Dabei ist zu beachten, daß der Bewegungsumfang zuweilen von Parametern des bewegenden oder bewegten Partners abhängt, wie im Falle des Schultergelenks oder des Hüftgelenks, bei denen die laterale Abduktion des Schultergelenks bzw. die (laterale) Abduktion des Hüftgelenks durch eine hart-elastische (Gelenkgeometrie) und fest-elastische (ligamentäre) Bewegungsgrenze stark von der Rotation des bewegten Knochens (Humerus bzw. Femur) abhängt. Siehe dazu auch die entsprechenden Explorationen:
Arm eingedreht abduzieren und Bein ohne ausdrehen abduzieren.

biartikulär

Zwei-Gelenkigkeit eines Muskels, also die Eigenschaft eines Muskels, genau zwei Gelenke zu überspannen und in diesen eine Bewegung zu verursachen. Die Bewegung kann in beiden Gelenken die gleiche sein (Beugung oder Streckung) oder auch Beugung in einem Gelenk und Streckung im benachbarten (Beispiel: M. rectus femoris). Neben biartikulären Muskeln gibt es auch monoartikuläre (ein Gelenk überziehend) und polyartikuläre (mehr als zwei Gelenke überziehend).

Bizepsanker

Als Bizepsanker wird der Ursprung der Sehne des langen Kopfes des Bizeps an der superioren Knorpellippe des Glenoids bezeichnet. Der Ursprung an einem Knorpel ist naturgemäß weniger belastbar als ein knöcherner Ursprung. Insbesondere durch außerordentliche Zugbelastung kann es also zum Einriss dieses Bereichs des Knorpels kommen, dies wird als SLAP-Läsion bezeichnet.

Bradykardie

erniedrigte Herzfrequenz. Bei einigen wenigen Erkrankungen liegt eine Bradykardie vor, darüber hinaus physiologischerweise auch bei Ausdauersportlern. Im strengen Sinne ist eine Herzfrequenz unter 60 / min eine Bradykardie, jedoch liegt der Ruhepuls von gut trainierten Ausdauersportlern auch nicht selten bei deutlich unter 50 Schlägen, in Einzelfällen auch unter 40. Siehe auch Tachykardie.

Bradypnoe

Mit Bradypnoe wird eine erniedrigte Atemfrequenz in Ruhe bezeichnet, bei Erwachsenen weniger als 8 Atemzüge / Minute. Die Atemfrequenz ist im physiologischen Fall abhängig vom Sauerstoffbedarf der Gewebe, also bei körperlicher Aktivität erhöht. In Ruhe liegt sie in der Regel zwischen 12 und 16 Atemzüge pro Minute, bei Neugeborenen bei 30 bis 50, bei Frühgeborenen auch bis 80. Bei Meditation und Entspannungsverfahren kann sie deutlich unter 12 fallen, aber auch in einigen pathologischen Fällen. Eine zu schnelle Atemfrequenz heißt Tachypnoe.

bradytroph

Bradytroph bedeutet langsam-stoffwechselnd. Das bezeichet eine Eigenschaft von Geweben und reflektiert ihre Stoffwechslerate und ihren Turn over. Langsam stoffwechselnde Gewebe brauchen häufig mehr als ein Jahr bis zu ihrer kompletten Erneuerung, im Falle des Knorpels kann diese aufgrund des sehr langsamen Stoffwechsels zu Lebzeiten gar nicht mehr stattfinden. Folglich heilen sie nach Verletzung und regenerieren sie sich nach Belastung sehr langsam. Viele der bradytrophen Gewebe werden nicht von Arterien versorgt und sind folglich nicht mit Kapillaren durchzogen, sondern werden nur per Diffusion durch Druck bei Kontakt und Bewegung versorgt. Dies gilt etwa für Knorpel und Teile der Knochen. Allerdings gibt es hier auch Mischformen, siehe etwa den Meniskus des Knies, der im Außenbereich kapillarisiert ist und im Innenbereich nicht. Mit ihrem langsamen Stoffwechsel, ihrer langsamen Heilung und langsamen Regeneration sind sie bevorzugt von Overuse-Syndromen betroffen. Das begriffliche Gegenteil von bradytroph ist tachytroph.

Brustkorb

Mit Brustkorb wird der von den Rippen aufgespannte Teil des Rumpfes bezeichnet, der oberhalb von Becken- und Bauchhöhle liegt. Letztere überdeckt er wegen der Kuppelform zu Teil. Der Brustkorb wird von den Rippen aufgespannt, die dorsal mit je zwei Gelenken an den Brustwirbeln ansetzen und ventral über Knorpel am Brustbein. Damit besitzt er eine gewisse Flexibilität um zur Einatmung durch seine Vergrößerung Luft in die Lungen zu saugen. Dazu stellen sich die Rippenbögen hauptsächlich nach vorn-oben auf, was das dreidimensionale Volumen des Brustkorbs vergrößert. Diese Bewegung wird von den inspiratorischen Muskeln verursacht, darunter vor allem die Scaleni und die Interkostalmuskeln. Hingegen kann die Ausatmung passiv geschehen, wenn sich der Brustkorb wieder zusammenzieht durch die Retraktionskräfte des Lungengewebes und in aufrechter Lage auch schwerkraftgemäß. Neben der Lunge enthält er mit dem Herzen ein weiteres höchst lebenswichtiges Organ. Beiden dient er als knöcherner Schutz. Mitten im Brustkorb zwischen den beiden Lungenflügeln liegt das Mediastinum, das neben dem Herzen auch große Gefäße und Nerven enthält. Die Thymusdrüse liegt ebenfalls im Mediastinum.

BWS (Brustwirbelsäule)

Der aus 12 Wirbeln bestehende mittlere Teil der Wirbelsäule, der zwischen HWS und LWS liegt und damit den gesamten oberen Oberkörper umfasst und mit den Rippen und dem Sternum den Brustkorb aufspannt.

C

cauda equina

von lat.: Pferdeschwanz bezeichnet die nach Ende (Conus medullaris, etwa Höhe L1) des Rückenmarks pferdeschwanzartig nach kaudal in Richtung Kreuzbein weiter verlaufenden Nervenwurzeln der Spinalnerven, die durch ihre entsprechenden Zwischenwirbellöcher die Wirbelsäule verlassen.

D

Dehnungsschmerz

Durch Dehnung, also Überführen eines Muskels in grenzwertig große oder immer größere Sarkomerlängen ausgelöste Schmerzempfindung, typischerweise ausstrahlend in Richtung des Muskelverlaufs lokalisierbar. Physiologischerweise ist Dehnungsschmerz von NRS 0 bis 10 skalierbar und klingt nach Ende der Krafteinwirkung auf den Muskel binnen Sekunden mit nur kurzem Nachhall deutlich ab. Die Propriozeptoren, die den Dehnungsschmerz melden, sind die Muskelspindeln.

Dehnungsschmerzhaftigkeit

Dehnungsschmerzhaftigkeit bezeichnet die Eigenschaft eines Teils des Bewegungsapparats (üblicherweise des Muskels und seiner Sehne) unter aktiv (durch Krafteinsatz der Antagonisten) oder passiv induzierter Dehnung des Muskels Schmerzhaftigkeit zu zeigen, die über das physiologische Maß an Dehnungsschmerzen hinausgeht oder eine andere Schmerzqualität zeigt. Verschiedene Erkrankungen des Muskels (z.B. Rupturen, Zerrungen, Muskelprellungen) oder der Sehne (z.B. Insertionstendopathien, Tendovaginitiden) können mit Dehnungsschmerzhaftigkeit verbunden sein.

Depression (Schulterblatt)

Bewegung des Schulterblatts nach unten (kaudal, hin zum Becken). Das Schulterblatt ist das (Begrifflich) „depimiert“. Die ausführenden Muskeln sind die Depressoren des Schulterblatts. Die Gegenbewegung heißt Elevation.

Depressoren (Schulterblatt)

Muskeln, die das Schulterblatt nach kaudal, also in Richtung Becken bewegen:

  1. Trapezius (pars ascendens)
  2. Latissimus dorsi (nur mittelbar)
  3. Serratus anterior (unmittelbar)
  4. Pectoralis minor (unmittelbar)
  5. Pectoralis major (nur mittelbar)

Dermatom

Ein Dermatom ist das von einem Spinalnerven versorgte Hautgebiet.   
Siehe diese Abbildung.

Diaphyse

Der Bereich eines Röhrenknochens zwischen den Wachstumsfugen. In diesem befindet sich das Knochenmark.

Dips

Trainingsform mit zyklischer Bewegung, bei der Beugen und Strecken des Ellbogengelenks unter Ausnutzung der Schwerkraft des Körpers zur Kräftigung des Trizeps eingesetzt werden. Dabei kann die Lage des Körpers zu den Armen variieren. Damit sind die Dips die Analogie zu Kniebeugen, da beide die Extensoren der Mittelgelenke ihrer Extremität kräftigen.

distal

bezeichnet eine Lage in einer Extremität weit oder (im Vergleich) weiter von deren Ansatz am Rumpf entfernt. Das begriffliche Gegenteil ist proximal.

dorsal

bezeichnet eine Richtung und bedeutet „hinten“ oder „nach hinten“ und ist identisch mit dem Begriff posterior. Das begriffliche Gegenteil ist frontal, welches wiederum dem Begriff anterior oder ventral entspricht.

dorsale Flexion (Fuß)

Verkleinerung des dorsalen (fußrückenseitigen) Winkels des Fußes zum Unterschenkel. Diese Bewegung wird von einer Gruppe von Muskeln ausgeführt, die auch als „Fußheber“ bezeichnet werden. Für die Kinetik des Gehens sind die Fußheber von deutlich nachrangiger Bedeutung gegenüber den Plantarflexoren, die (je nach Gehstil) durch Streckung (Plantarflexion) im Fußgelenk einen wesentlichen Beitrag zum Vorschub leisten können. Neben dem monoartikulären Soleus ist das vor allem der Gastrocnemius, der zudem im Kniegelenk beugt, was ihm einen günstigen Arbeitsbereich verschafft, da beim Schritt nach vorn das Kniegelenk gebeugt und das Fußgelenk dorsalflektiert wird, beim Abdrücken nach hinten aber in beiden Gelenken das Gegenteil geschieht: palmare Flexion und Streckung im Kniegelenk. Eine vergleichbare Struktur fehlt bei den Fußhebern völlig, keiner von ihnen überzieht das Kniegelenk. Dies ist auch nicht erforderlich, denn die von ihnen aufzubringende Kraft ist weitaus geringer, da sie nur durch die Dorsalflexion des Fußgelenks verhindern müssen, dass die Zehen am Boden anstoßen, wenn der Fuß für den nächsten Schritt nach vorn gezogen wird, aber wie oben erwähnt keinen Beitrag zum Vorschub leisten müssen.

dorsale Flexion (Hand)

Verkleinerung des dorsalen (handrückenseitigen) Winkels der Hand zum Unterarm im Handgelenk.

dorsale Hüftmuskulatur

siehe die eigene Seite dorsale Hüftmuskulatur

Dorsalflexoren (Fuss)

diese werden im Allgemeinen als Fußheber bezeichnet, siehe dort.

Dorsalflexoren (Fuß) „Fußheber

Sämtliche Muskeln, die die dorsale Flexion im Fußgelenk (genauer: den Fußgelenken, obwohl diese Bewegung fast nur im OSG stattfindet und nur sehr nachranging in den Gelenklinien Chopart und Lisfranc) ausführen, also den dorsalen (fußrückenseitigen) Winkel des Fußes zum Unterschenkel verkleinern oder den Füßrücken zum Unterschenkel hin bewegt. Das sind: M. extensor hallucis longus, M. extensor digitorum longus, M. tibialis anterior.

Dorsalflexoren (Hand)

Muskelgruppe, die den Handrücken zum Unterarm hin bewegt, das sind:

Drehachse

die Achse, um die eine eindimensionale Bewegung stattfindet. Dies ist z.B. eine Linie durch einen Kondylus eines bewegten Knochens. Wenn man das Ellbogengelenks nur im Sinne des Humeroulnar-Gelenks (das Gelenk zwischen Oberarmknochen und Elle: Articulatio humeroulnaris) betrachtet, ist es ein reines Scharniergelenk, in dem der Unterarm um eine Achse quer durch den Unterarmknochen Ulna zwischen Schaft und Olecranon dreht und damit Flexion und Extension des Ellbogengelenks ermöglicht. Ist die Bewegungsfähigkeit mehr als eindimensional, existiert ein Drehzentrum.

Drehmoment

die Drehwirkung einer Kraft, die an einem Hebelarm auf einen um eine Achse drehbaren Festkörper wirkt. Dabei ist das Drehmoment das Produkt aus Kraft (F in N Newton) und Strecke, also Länge des Hebels r in m Meter, wird also in Nm gemessen. Bei einer kreisförmigen Bewegung wirkt das Drehmoment auf einer Tangente an den Kreisbogen am Ort, an dem die Kraft ansetzt.

Drehzentrum

der Punkt, um den eine mehrdimensionale Bewegung stattfindet. Dies ist meist ein Punkt in einem Kondylus eines bewegten Knochens. Wenn man das Acetabulum idealisiert als Teil einer Kugeloberfläche annimmt, ist es der Mittelpunkt der Kugel, in den die dreidimensionale Bewegung im Hüftgelenk stattfindet: Abduktion / Adduktion, Flexion/Extension und Exorotation/Endorotation. Findet nur eine eindimensionale Bewegung statt, spricht man von einer Drehachse.

Druck

Druck ist Kraft pro Fläche. Steht ein Mensch mit beiden Füßen auf dem Boden, entsteht durch das große wirksame Teilkörpergewicht eine Kompression der Gewebe unter den Fußknochen, was wir als ein sehr moderates Maß an Druck empfinden. Stehen wir nur noch auf den Ballen oder der Ferse, ist der Druck (ungleich kleinere Fläche bei gleichbleibendem TKG) deutlich erhöht, was die Pressorezeptoren im Fuß uns als subjektiv höhere Druckempfindung melden. Würden wir versuchen auf der extrem kleinen Fläche einer Nagelspitze zu stehen, wäre der punktuelle Druck so hoch, daß die Haut dem nicht standhielte und sich der Nagel in den Fuß bohren würde und möglicherweise auch Bänder zwischen den Fußknochen dem Druck nicht standhielten. Ein wichtige Besonderheit des Drucks sehen wir, wenn wir den Bereich der Festkörperphysik verlassen: das Pascal’sche Prinzip. In Flüssigkeiten (auf einem bestimmten Niveau, also einer festen darüber stehenden Flüssigkeitssäule) und Gasen (hier spielt das Niveau praktisch keine Rolle) ist der Druck an jeder Stelle gleichen Niveaus gleich und ungerichtet, also an einer bestimmten Stelle „in jede Richtung gleich“. Dies ist beispielsweise für das Verständnis der von den Pressorezeptoren vermittelten Empfindungen wichtig, genauso wie für das Verständnis der Bandscheiben der WS und die bezüglichen Pathomechanismen.

Druckschmerz

Schmerz, der durch externe Intervention wie Palpation oder anderweitige mechanische Einwirkung auf ein Gewebe ausgelöst wird, welches Druckschmerzhaftigkeit (Druckdolenz) aufweist. Meist ist die Schmerzempfindung abhängig von der Intensität des Drucks. Bei diesem Druck kann es sich auch um durch Bekleidung oder Schuhwerk verursachten Druck handeln. Der Druckschmerz kann mit Stopp des externen Drucks sofort nachlassen oder ein wenig „nachhallen“ (Nachbelastungsschmerz). Druckschmerz weist sehr häufig auf eine Entzündung hin. Er muß begrifflich unterschieden werden von einem „drückenden Schmerz“, der eine erhöhte Spannung eines Gewebes anzeigt, ebenfalls häufig entzündlich bedingt ist, aber nicht durch willentlichen Druck von außen ausgelöst wird, sondern ohne irgendwelche Intervention gegeben ist.

Druckschmerzhaftigkeit / Druckdolenz

Druckschmerzhaftigkeit oder Druckdolenz bezeichnet die aktuelle Eigenschaft einer Körperstelle aktuell auf von außen ausgeübten Druck Schmerzempfindung (Druckschmerz) zu produzieren. Meist steht die Quantität der übermittelten Schmerzempfindung („Intensität“) mit der Höhe des ausgeübten Drucks in monotoner Abhängigkeit. Der resultierende Schmerz wird als Druckschmerz bezeichnet. Er darf nicht verwechselt werden mit dem Spannungsschmerz, der ohne externe Intervention wie Palpation auftritt.

Dyskinesie

Störung des physiologischen Bewegungsablaufs, Störfaktoren führen zu einer unphysiologischer Bewegung. Neben dem Bewegungsapparat wird dieser Begriff auch in anderen Disziplinen verwendet.

Dysphagie

Schluckbeschwerden.

Dyspnoe

Atemnot.

E

Eigelenk

siehe bei Gelenkformen

Elevation (Schulterblatt)

Bewegung des Schulterblatts nach oben (kranial), weg vom Becken. Die ausführenden Muskeln sind die Elevatoren des Schulterblatts. Die Gegenbewegung heißt Depression. Die Elevation des Schulterblatts entsüricht seinem Anheben beim Achselzucken. Je weiter die Arme abduziert sind (nach lateral oder frontal), desto mehr ist die mögliche Elevation abhängig von der Flexibilität z.B. des Latissimus dorsi, der – am hauptsächlich Rumpf ansetzend – ein mittelbarer Depressor des Schulterblatts ist. In aufrechter Körperhaltung geschieht die Elevation gegen die Schwerkraft, so daß sie aus deren Wirkung von selbst rückgestellt wird. Dennoch halten viele Menschen ihre Schulterblätter aus endogenen Gründen teil-eleviert, was zu Verspannung von Elevatoren wier dem Levator scapulae oder dem Trapezius führt.

Elevatoren (Schulterblatt)

Muskeln, die das Schulterblatt nach kranial, also in Richtung Kopf bewegen:

  1. Trapezius pars descendens
  2. Levator scapulae
  3. Rhomboideus major
  4. Rhomboideus minor
  5. Serratus anterior

endgradig

Eine Gelenkstellung heißt endgradig, wenn von der Mitte des ROM aus in ihre Richtung keine weitere Bewegung mehr möglich ist. Diese Richtung, in der die Bewegungsgrenze auftritt, muß nicht streng einer einzigen Bewegungsdimension entsprechen, sondern kann sich mehreren kombinieren. Diese Definition ist unabhängig von der Anzahl der Bewegungsdimensionen eines Gelenks, sie gilt also sowohl für das eindimensional bewegliche Ellbogengelenk wie für das dreidimensional bewegliche Glenohumeralgelenk oder Hüftgelenk. Auch erfordert diese Definition keine genaue Zerlegung der Bewegung in die Bewegungsdimensionen. Die Grenze der Bewegung kann physiologisch von verschiedenen Strukturen gesetzt werden und wird bei passiver Untersuchung vom Untersucher auf verschiedene Weise wahrgenommen:

  1. Muskeln: weich-elastisches Endgefühl (z.B. Einschränkung der Hüftflexion bei gestrecktem Kniegelenk durch die Ischiocrurale Gruppe)
  2. Bänder: fest-elastisches Endgefühl (z.B. Begrenzung der Inversion und Eversion des Fußgelenkkomplexes durch verschiedene Bänder)
  3. der knöcherne Gelenkstruktur, also die Knorpeln der artikulierenden Gelenkpartner: hart-elastisches Endgefühl (z.B. Ellbogengelenk bzw. der Extension durch Anstoßen des Olecranons an den Humerus)

Der weich-elastische Fall, also die Begrenzung der Bewegung durch Muskeln, ist durch Training in nennenswertem Maß beeinflußbar, etwa durch dehnendes Training, welches durch (positive) longitudinale Muskeladaption die Beweglichkeit der Muskeln erhöht. Anderseits kann durch ungünstig gewählte längere Immobilisation negative longitudinale Muskeladaption zu einer verminderten Anzahl serieller Sarkomere und damit zu geringerer Beweglichkeit der Muskeln führen. Auf der anderen Seite kann sich ein Muskel an schwere Lasten anpassen und an Kraft und Umfang zunehmen, was je nachdem, wie es ausgeführt wird, auch die Beweglichkeit des Muskels vermindern kann. Jegliche Art von sportlichem Training sollte die nicht-muskulären Grenzen jedoch nicht zu verändern suchen: im Fall der Knorpel hätte dies per definitionem eine Arthrose zur Folge, im Fall der Bänder wäre eine Bandlaxität bzw. Insuffizienz des Bandes zur Folge, die durch die nach Ausmaß oder Art übermäßige Verschieblichkeit der Knochen gegeneinander eine Prädisposition für Arthrose darstellt.

Endorotation (Arm)

Eindrehen des Arms im Schultergelenk: in Neutral Null den Bizeps und Innenellbogen nach hinten. Mehr dazu siehe hier.

Endorotation (Bein)

Eindrehen des Oberschenkenls im Hüftgelenk, mehr dazu siehe hier.

Endorotation (Hüftgelenk)

Rotation der Oberschenkels, die dadurch entsteht, dass (bezogen auf Anatomisch Null) das Innenknie mehr nach hinten und das Außenknie mehr nach vorn gebracht wird. Das Maß der Fähigkeit zur Endorotation im Hüftgelenk hängt nur sehr wenig von der Bewegung des Beins in der Sagittalebene, also von Flexion / Extension ab, ganz anders als etwa im Falle der Abhängigkeit der Abduktionsfähigkeit von der Rotationssituation. Die Fähigkeit zur Endorotation im Hüftgelenk ist grundsätzlich wesentlich weniger ausgeprägt als die Exorotationsfähigkeit.

Das mag im menschlichen Bewegungsverhalten begründet sein: Eine Endorotation eines Beins beim Gehen oder Laufen führt bereits ab einem geringen Winkel dazu, daß die Beine aneinander stoßen. Hingegen ist die Exorotation der Beine schon für einen schnellen Richtungswechsel aus dem Lauf obligat, viel mehr aber noch für Sitzweisen wie den Schneidersitz. Zum Heben eines instabilen Gegenstandes ist ein niedriger Körperschwerpunkt günstig, also werden die Kniegelenke gebeugt. Ist der Gegenstand sehr schwer, sollte das Schwerelot des Gegenstandes nahe dem Schwerelot des Körpers liegt, was bei nach vorn gebeugten Kniegelenken nicht möglich ist, sehr wohl aber bei nach seitlich vorn gebeugten Kniegelenken bei geöffneten Beinen. Dies dürfte ein weiterer in der Menschheitsgeschichte wichtiger Faktor gewesen sein, weshalb sich weite Exorotationsfähigkeit in den Hüftgelenken ausgeprägt hat.

Endorotation (Kniegelenk)

die Endorotation des Unterschenkels im gebeugten Kniegelenk wird von den Muskeln der inneren Ischiocruralen Gruppe unternommen: Semimembranosus, Semitendinosus, Gracilis, und zusätzlich dem Sartorius, also allen Muskeln, die am Pes anserinus ansetzen. Zur Gegenbewegung siehe Exorotation im Kniegelenk. Im gestreckten Zustand des

die Endorotation des Unterschenkels im gebeugten Kniegelenk wird von den Muskeln der inneren Ischiocruralen Gruppe unternommen: Semimembranosus, Semitendinosus, Gracilis, und zusätzlich dem Sartorius, also allen Muskeln, die am Pes anserinus ansetzen. Zur Gegenbewegung siehe Exorotation im Kniegelenk. Im gestreckten Zustand des

die Endorotation des Unterschenkels im gebeugten Kniegelenk wird von den Muskeln der inneren Ischiocruralen Gruppe unternommen: Semimembranosus, Semitendinosus, Gracilis, und zusätzlich dem Sartorius, also allen Muskeln, die am Pes anserinus ansetzen. Zur Gegenbewegung siehe Exorotation im Kniegelenk. Im gestreckten Zustand des Kniegelenks verhindern die Kreuzbänder eine Rotation.

Endorotation (Schultergelenk)

Drehung des Humerus im Glenohumeralgelenk, die in Anatomisch-Null dadurch beschrieben wird, dass der Innenellbogen über vorn nach innen dreht, also das Olecranon nach lateral.

Endorotatoren des (Schultergelenks)

die Muskulatur, die den Oberarm im Schultergelenk eindreht, also in anatomisch Null den Innenellbogen nach medial dreht, das sind Subscapularis, Pectoralis major, Deltoideus (pars clavicularis), Teres major, Bizeps (caput longum), Latissimus dorsi.

Energie

Energie ist die quantifizierte Fähigkeit etwas zu bewirken, sei es in Form von Arbeit oder Strahlung, also auch Wärme. Energie tritt in verschiedenen, grundsätzlich ineinander umwandelbaren Formen auf, beispielsweise als potentielle, kinetische, elektrische, chemische und Wärmeenergie. Hebt der Mensch einen Gegenstand an, „verbraucht“ er chemische Energie und fügt dem Gegenstand potentielle Energie hinzu. Beschleunigt er sein Fahrrad, wandelt er (ebenfalls chemische) Energie in kinetische Energie um. Ein konventionelles Glühfadenleuchtmittel (Glühbirne) wandelt elektrische Energie in 95% Wärmestrahlung und 5% Lichtstrahlung um.

Entzündung / Inflammation

Körpereigene Reaktion auf schädliche Reize. Diese Reize können sein

  1. chemisch (Säuren, Laugen, Toxine, Enzymexposition wie bei der Pankreatitis)
  2. physikalisch (Druck, Reibung, Trauma, Fremdkörper, Stoffwechselprodukte wie z.B. Harnsäurekristalle (etwa bei Gicht), Hitze, Kälte)
  3. traumatisch
  4. Keime (Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten)
  5. Allergene
  6. Autoallergene (Auslöser von rheumatischen und Autoimmunerkrankungen)

Nicht von Erregern verursachte Entzündungen werden als aseptisch bezeichnet. Die Entzündungen ist eine Reaktion des Körpers, mit der er versucht, den physiologischen Ausgangszustand wiederherzustellen, weshalb man auch von einer Entzündungsreaktion spricht. Zur Reparatur muß das betroffene Gebiet stärker durchblutet werden, die Poren der Membranen müssen dazu von entsprechenden Entzündungsmediatoren weiter gestellt werden, damit Immunzellen (Leukozyten) in das Gebiet einströmen können. Terminologisch wird an die anatomische Bezeichnung der entzündeten anatomischen Struktur die Endung „-itis“ angehängt. Nicht alle Entzündungsgeschehen sind aus medizinischer Perspektive sinnvoll. Es gibt auch autoimmunologische Entzüngungsgeschehen, bei denen der Körper gesundene körpereigene Zellen schädigt. Dieses Fehlverhalten geht auf eine Fehlleistung des Immunsystems zurück, bei der z.B. im Sinne einer Kreuzreaktion vormals gegen eine Erkrankungserreger gebildete Antikörper auch gegen körpereigene Gewebe agieren. Entzüngungsgeschehen können in Organen, dem sie umgebenden Bindegewebe, in Blutgefäßen und Lymphen entstehen. Es gibt 5 typische Anzeichen einer Entzündung:

  • Dolor (Schmerz)
  • Calor (Überwärmung)
  • Rubor (Rötung)
  • Tumor (Schwellung) und
  • Functio laesa (Funktionseinschränkung.)

Je nachdem wie ausgeprägt bzw. voluminös das entzündete Gewebe ist und wie tief es im Körper liegt, können einige dieser 5 Zeichen eventuell nicht wahrnehmbar sein.

Entzündungszeichen

Es gibt 5 typische Anzeichen einer Entzündung:

  • Dolor (Schmerz)
  • Calor (Überwärmung)
  • Rubor (Rötung)
  • Tumor (Schwellung)
  • Functio laesa (Funktionseinschränkung.)

Je nachdem wie ausgeprägt bzw. voluminös das entzündete Gewebe ist und wie tief es im Körper liegt, können einige dieser 5 Zeichen eventuell nicht wahrnehmbar sein. Rubor und Tumor gehen auf eine (Interleukin-1 und Prostaglandin I2- vermittelte) erhöhte Permeabilität zurück, bei der vermehrt Plasma und auch Blutzellen in das Gewebe eintreten. Dolor geht auf Schmerz-Botenstoffe wie Prostaglandin E2, Prostaglandin I2, Bradykinin und andere Kinine sowie Zytokine (Tumor-Nekrose-Faktor) zurück und soll eine Schonung des betroffenen Gebietes bewirken. Calor entsteht durch die von Zytokinen wie Interleukin-6 (über die Produktion von Prostaglandin E2) vermittelte erhöhte Stoffwechselaktivität. Teilweise werden irreparable Zellen aufgegeben (Apoptose, programmierter Zelltod) oder Teile von Geweben nekrotisieren, damit neue Zellen sie ersetzen können. Eine Entzündung verursachende Erreger können unter ungünstigen Bedingungen dem lokalen Immunsystem entkommen und sich auf dem Blutweg im Körper auf affine Gewebe verbreiten (Sepsis) oder in den Lymphwegen zu deren Entzündung führen (Lymphangitis). Therapeutisch muß geprüft werden, ob das Entzündungsgeschehen beeinflußt werden sollte, damit die Symptome gemildert werden, oder ob der Körper die Reparatur ungestört nach seinen eigenen Mechanismen durchführen sollte, was möglicherweise zu einer schnelleren Heilung führt.

Epiphyse / Epiphysis ossis

das knorpelig angelegte Ende eines Röhrenknochen, in dem sich während des Wachstums Knochenkerne entwickeln, die den Knochen wachsen lassen. Die Epiphyse ist durch die Epiphysenfuge (Wachstumsfuge) von der Diaphyse getrennt, in der sich das Knochenmark befindet. In Bezug auf die Körpermitte wird von einer proximalen und einer distalen Epiphyse gesprochen. Ist die Epiphyse Teil eines Gelenks (anders als die proximale Epiphyse der distalen Phalangen von Zehen und Fingern), so ist die im Bereich der Artikulation mit hyalinem Knorpel (Gelenkknorpel) überzogen.

Epiphysenfuge / Wachstumsfuge

der knorpelige Übergangsbereich von der Epiphyse eines Röhrenknochens zur Metaphyse, in dem sich während des Wachstums Knochenkerne entwickeln, die den Knochen wachsen lassen. Mit etwa 20 Jahren ist das Längenwachstum abgeschlossen, das von den Epiphysenfugen ausgeht. Dazu verringert sich der STH-Spiegel, und die Epiphysenfugen verknöchern.

Erholungspuls

Der Erholungspuls, korrekt müßte man z.B. von der 1-Minuten-Erholungsherzfrequenz sprechen, ist die Herzfrequenz, die 1 Minute nach Belastung vorliegt. Der Erholungspuls zeigt die schnelle regulative Phase der Regenerationsfähigkeit an. Über die Zeit gesehen fällt der Puls nach einer Belastung exponentiell ab. Die Erholung hängt ab vor allem von dem Leistungsstand, der Dauer, Intensität und Art der Belastung sowie der Art der Erholung.

Erneuerungszeit (Turn over, Zellmauserung, Zellaustausch)

Die Zeit, in der sich ein Gewebe komplett erneuert, genauer in der differenzierte Zellen eines Gewebes ersetzt werden. In der Physiologie unterscheidet man in bradytrophe und tachytrophe, also langsam und schnell stoffwechselnde Gewebe. Zu den bradytrophen Geweben gehören die meisten Gewebe ohne eigene arterielle Versorgung, das sind die meisten Knorpel, Bänder und Sehnen. Hingegen haben Zellen mit Außenweltkontakt in der Regel eine höhere Stoffwechselrate, sowohl die offensichtlich zum Äußeren des Menschen gehörigen Haut- und Schleimhautzellen als auch die der Schleimhäute des Verdauungs- und Atemtrakts sind tachytroph. Die Anteile des ZNS hingegen erneuern sich nicht. Im Schnitt erneuert sich das Skelett alle 10 Jahre, die Leber erneuert sich in 300 bis 500 Tagen. Die von Jonas Frisen (Karoslinska-Institut) errechneten Erneuerungszeiten verschiedener Gewebe und Organe:

  1. Dünndarm-Epithel: 2-4 Tage
  2. Magenschleimhaut: 2-9 Tage
  3. Gebärmutterhals: 6 Tage
  4. Synovia (Gelenksflüssigkeit) 7-14 Tage
  5. Alveolen: 8 Tage
  6. Geschmacksknospen: 10 Tage
  7. Thrombozyten: 10 Tage
  8. Osteoklasten: 2 Wochen
  9. Bandscheibe (Gallertkern) 2 – 3 Wochen
  10. Epidermiszellen 10-30 Tage
  11. Muskelgewebe 3 – 4 Wochen
  12. Knochengewebe 4 – 6 Wochen
  13. Lymphgefäßgewebe 4 – 6 Wochen
  14. Luftröhre: 1-2 Monate
  15. Spermien: 2 Monate
  16. Osteoblasten: 3 Monate
  17. Erythrozyten 4 Monate
  18. Hepatozyten: 0,5-1 Jahr
  19. Bandscheibe (Faserring) 1 – 1,5 Jahre
  20. Sehnengewebe 1 – 1,5 Jahre
  21. Gelenkkapselgewebe 1 – 1,5 Jahre
  22. Bandgewebe 1 – 1,5 Jahre
  23. Fettzellen: 8 Jahre
  24. Skelett: 10 Jahre
  25. Herz: 100 Jahre (im Alter zunehmend)
  26. Knorpelgewebe: 200 – 400 Jahre

Aus diesen Zahlen ergeben sich auch unterschiedliche Zeiten für die Heilung von Verletzungen: während Schleimhaut und Haut schnell heilen und auch die Knochen noch, brauchen andere, passive Teile des Bewegungsapparates deutlich länger oder haben im Falle des Knorpels sogar einen Turnover, der jenseits der Lebensspanne liegt.

Eversion (Fuß)

die Eversion ist als genaue Gegenbewegung zur Inversion die Summe von Bewegungen im unteren Sprunggelenk (hinteres unteres Sprunggelenk und Chopart-Gelenklinie) und der Dorsalflexion im oberen Sprunggelenk: Die Eversion besteht aus Pronation, Dorsalflexion und Abduktion.

Exorotation (Arm)

Ausdrehen des Arms im Schultergelenk: in Neutral Null den Bizeps und Innenellbogen nach vorn. Mehr dazu siehe hier. Beim Klatschen, etwa in Konzert oder Theater, ist die Ausholbewegung eine Exorotation des Arms.

Exorotation (Bein)

Ausdrehen des Oberschenkels im Hüftgelenk, mehr dazu siehe hier.

Exorotation (Hüftgelenk)

Rotation des Oberschenkels, die dadurch entsteht, dass (bezogen auf Anatomisch Null) das Innenknie mehr nach vorn und das Außenknie mehr nach hinten bewegt wird. Das Maß der Exorotationsfähigkeit im Hüftgelenk hängt von der Bewegung des Beins in der Sagittalebene, also von Flexion / Extension ab, allerdings weniger als etwa im Falle der Abhängigkeit der Abduktionsfähigkeit von der Rotationssituation. Die Exorotationsfähigkeit im Hüftgelenk ist grundsätzlich wesentlich ausgeprägter als die Endorotationsfähigkeit. Zur Begründung siehe unter Endorotation im Hüftgelenk.

Exorotation (Kniegelenk)

Das Kniegelenk erlaubt eine Drehbewegung (Rotation) des Unterschenkels gegenüber dem Oberschenkel, wenn das Kniegelenk nicht gestreckt ist. Im gestreckten Zustand unterbindet der Zug der Kollateralbänder diese Bewegung. Ist sie trotzdem möglich, gilt das als Hinweis auf einen Kollateralbandschaden. Die Exorotation wird vom einzigen Muskel der äußeren Ischiocruralen Gruppe, dem Bizeps femoris ausgeführt. Die Gegenbewegung ist die von der inneren Ischiocruralen Gruppe ausgeführte Endorotation im Kniegelenk. In der Regel ist die Exorotation etwas kraftvoller und in etwas größerem Umfang möglich als die Endorotation.

Exorotation (Schultergelenk)

Drehung des Humerus im Glenohumeralgelenk, die in Anatomisch-Null dadurch beschrieben wird, dass der Innenellbogen nach vorn dreht, also das Olecranon nach medial.

Exorotatoren des (Schultergelenks)

die Muskulatur, die die Exorotation im Schultergelenk ausführt: Infraspinatus, Teres minor, Deltoideus (pars spinalis).

Exostose

Die Exostose ist eine Knochenwucherung der Compacta, z.B. als gutartiger Knochentumor oder Osteom. Sie kann reizbedingt sein, also etwa durch wiederholten lokalen Druck verursacht, man spricht dann auch von einem knöchernen Überbein (Ganglion).

Exspiration

Ausatmung. Diese hat wie die Einatmung 2 mögliche Anteile: Brust- und Bauchatmung. Zur Bauch-Exspiration wird das Zwerchfell entspannt, so dass es wieder in seine weiter nach kranial ausgedehnte Ruhelage zurückkehren kann. Die Brustausatmung geschieht in langsamem Tempo in aufrechter Körperhaltung (Oberkörper halbwegs senkrecht, Kopf oben) schwerkraftgemäß von selbst. Leicht beschleunigt geschieht sie mit Hilfe der exspiratorischen Atemmuskulatur, forciert kommt die exspiratorische Atemhilfsmuskulatur hinzu. In der Lungenfunktionsdiagnostik wird mit dem Tiffeneau-Test auf obstruktive Einschränkungen in den Atemwegen untersucht, die die Exspiration behindern.

exspiratorische Atemhilfsmuskeln

Muskeln, die bei kräftiger Ausatmung mit eingesetzt werden können:

  1. M. obliquus externus abdominis
  2. M. obliquus internus abdominis
  3. M. transversus abdominis
  4. M. latissimus dorsi („Hustenmuskel“)
  5. M. quadratus lumborum
  6. M. rectus abdominis

exspiratorische Atemmuskeln

Muskeln, die bei normaler Ausatmung eingesetzt werden:

  1. Mm. intercostales interni et intimi (innere Zwischenrippenmuskeln)
  2. M. subcostalis
  3. M. transversus thoracis

exspiratorisches Reservevolumen

das Lungenvolumen, das nach normaler, unangestrengter Exspiration bei forcierter Exspiration noch zusätzlich ausgeatmet werden kann.

Extension (Ellbogengelenk)

Streckung im Ellbogengelenk, also Vergrößerung des (Innen-)Winkels zwischen Ober- und Unterarm bis 180° und evtl. darüber („Überstrecken„).

Extension (Fingergelenk)

bis auf den Daumen gibt es zusätzlich zum Grundgelenk (Metacarpophalangealgelenk, MCP) pro Finger je 2 Gelenke, ein proximales (körpernäheres: proximales Interphalangealgelenk, PIP) und ein distales (körperferneres: distales Interphalangealgelenk, DIP). In beiden ist eine Extension (Streckung) im Sinne der Vergrößerung des palmaren (Innen-)winkels bis 180° möglich und evtl. darüber („Überstrecken„). Ein Überstrecken aller Fingergelenke ist in geringem Maß physiologisch, im Grundgelenk etwas mehr als in PIP und DIP. Ist allerdings ein Kleinfingergrundgelenk um mindestens 90° überstreckbar, so wird dafür ein Punkt im Bighton-Score für Hypermobilität vergeben.

Extension (HWS)

Neigung des Kopfes nach hinten in Richtung Rücken, also den Kopf „in den Nacken nehmen“. Die Extension der HWS wird auch gerne als Reklination bezeichnet.

Extension (Hüftgelenk)

Verkleinerung des dorsalen (körperrückseitigen) Winkels des Oberschenkels zum Becken, das Gegenteil zur „Hüftbeugung“ oder „Hüftflexion„, also eine Bewegung des Oberschenkels in der Sagittalebene nach dorsal.

Extension (Kniegelenk)

Verkleinerung des Patella-seitigen („Streckseite“) Winkels im Kniegelenk, also Vergrößerung des knierückseitigen (poplitealen) Winkels im Kniegelenk bis zu 180 ° und evtl. darüber („Überstrecken„) hinaus.

Extension (Wirbelsäule)

Bewegung, die in Teilen der Wirbelsäule oder der ganzen Wirbelsäule dadurch entsteht, dass über mehrere Wirbelsegmente die Wirbel in der Sagittalebene nach hinten kippen, sich die Dornfortsätze also annähern. Die Extension ist in der BWS in deutlich geringerem Maß möglich als in HWS und LWS. Dies resultiert unter anderem aus der Bewegungsebene der jeweiligen Facettengelenke.

Extensoren (Kniegelenk, „Kniestrecker“)

Einziger Strecker des Kniegelenks ist der Quadrizeps. Sowohl in Oberschenkel als auch (anders als bei der Beugung des Kniegelenks) im Unterschenkel gibt es keine Synergisten.

externes Moment

von außen (nicht körpereigen) auf ein Gelenk einwirkendes Drehmoment, welches in Richtung Beugung oder Streckung des Gelenks oder als Drehmoment in Richtung einer Rotation wirkt.

Extremum

Extremum ist der mathematische Begriff dafür, daß eine Funktion (mit nicht notwendigerweise nur eindimensionalem Wertebereich) überall in einer Umgebung kleiner ist als am Extrempunkt (Maximum) oder überall größer ist (Minimum). Die Algorithmen, die das Einnehmen der Yogahaltungen beschreiben, enthalten viele extremale Angaben der Art „strecke den Arm mit Schulterblatt maximal zur Decke“, wie es etwa in urdhva hastasana heißt oder „kippe das Becken maximal in die Flexion„, wie es in uttanasana heißt. Wie in der Einleitung hergeleitet, sind viele Extrema an Nebenbedingungen gekoppelt, die exakt erfüllt sein müssen, so wird bei der maximalen Hüftflexion der uttanasana gefordert, daß das Kniegelenk 180° Winkel hat, also anatomisch in 0° Flexion ist, da der Winkel im Kniegelenk wegen der Biartikularität der Ischiocrurlaen Gruppe einen gravierenden Einfluß auf die Flexionsfähigkeit im Hüftgelenk hat.

exzentrische Kontraktion

Muskelkontraktion, bei der sich in den Sarkomeren das Ineinandergreifen von Aktin und Myosin vermindert, also der Abstand zwischen M- und Z-Scheibe vergrößert, so dass sich der Abstand zwischen Ursprung und Ansatz des Muskels vergrößert. Neben der exzentrischen Kontraktion gibt es noch die konzentrische, die isometrische und die isotonische Kontraktion. Die exzentrische Kontraktion wird auch als pliometrische Kontraktion bezeichnet (plio: gr.: lang).

exzentrisches Muskelversagen

die zuletzt, nach den beiden anderen Formen oder Stufen eintretende Form des Muskelversagens: die Unfähigkeit, eine exzentrische Kontraktion mit einer langsamen Geschwindigkeit kontrolliert durchzuführen. Erklärung und Beispiel siehe bei Muskelversagen.

F

Faszie

Faszien sind Bindegewebe: wenig dehnbare, aus gekreuzt verlaufenden kollagenen Fasern und elastischen Netzen aufgebaute Hülle einzelner Organe, Muskeln (ganzer Köpfe wie auch innerhalb dieser zwischen allen Untergliederungen wie Fasern und Faserbündel) oder Muskelgruppen; Faszien sind i.w. rein passiv, nicht kontraktil. An den Enden der Muskeln vereinigen sich die Faszien mit den Sehnen. Die Faszien der Muskeln grenzen diese gegenüber benachbarten Strukturen wie Organen, Fellen, Knochen, aber auch untereinander ab und ermöglichen das reibungsarme Gleiten der Strukturen aufeinander. Verhärtung und Verklebung führen zu Beschwerden. Faszien können viel Wasser binden und dienen als Wasserspeicher. Sie enthalten Fresszellen, die enzymatisch gegen Eindringendes vorgehen. Man unterscheidet:

  1. oberflächliche Faszien: lockeres Fasziengewebe im Unterhautgewebe; sie umgeben und verbinden Organe, Drüsen, neurovaskuläre Leitbahnen und Gewebe; Wasser- und Fettspeicher, Verschieblichkeit. Es wird vermutet, daß diese Faszien ein körperweites nicht-neurales Netzwerk bilden. Dehnbarkeit: gut
  2. tiefe Faszien: umgeben alle Muskeln, Knochen, Gelenke, Nervenbahnen, Blutgefäße; bilden Sehnen, Sehnenplatten, Bänder, Gelenkkapseln, Retinaculae, Periost, Perichondrium, Tunica externa der Blutgefäße und Perineurium der Nervenbahnen; besitzen Mechano-, Thermo- und Chemosensoren und Nervenendigungen des PNS. Das Endomysium umhüllt einzelne Muskelfasern, das Perimysium Muskelfaserbündel und das Epimysium den ganzen Muskel. Dehnbarkeit: weniger gut als die oberflächlichen Faszien
  3. viszerale Faszien: Aufhängung und Einbettung der inneren Organe und des Gehirns. Hirnhaut und Pleura, Peritoneum, Pericard gehören hierzu. Es gibt jeweils eine viszerale Schicht direkt auf dem Organ und eine parietale Schicht darum. Blut und Lymphgefäße durchziehen die Faszien.

Länger anhaltende Verspannungen und damit zu wenig Bewegung in den Faszien führt zu Aktivierung von Fibrinogen in der Lymphflüssigkeit, damit zu Fibrin und damit zu verfilzten, verklebten und vermindert beweglichen Faszien sowie Druck auf die Nervenendigungen. Durch Altern und Bewegungsmangel verändern sich die Faszien, verlieren Wasser und verkleben und verhärten zunehmend, was immer weitere Beweglichkeitseinschränkungen und Schmerzen bei Bewegung mit sich bringt. Die Einwirkung der Stresshormone führt ebenfalls zu Überspannung der Faszien, die kurzfristig gesehen reversibel ist, chronisch aber nur sehr schwer. Übersäuerung führt zu Verhärtung der Faszien und Einschränkung des Blut- und Lymphflusses. Sensoren dieser Faszien: Schmerz (Nozizeptoren), Bewegungsänderungen (Propriozeptoren), Änderungen von Druck und Schwingungen (Mechanorezeptoren), Änderungen des chemischen Milieus (Chemorezeptoren) sowie Temperaturschwankungen (Thermorezeptoren). Tiefe Faszien können auf chemische und mechanische Stimulation mit Entspannung oder Kontraktion sowie Umbau ihrer selbst reagieren, sie enthalten Glattmuskel-ähnliche Bindegewebszellen (Myofibroblasten) für langfristige Kontraktion. Je höher die Myofibroblasten-Kontraktion, desto steifer die tiefe Faszie (auch im pathologischen Geschehen, siehe Dupuytren, Frozen Shoulder) Dehnbarkeit: weniger gut als die oberflächlichen Faszien

fest-elastisch

eine Beweglichkeitsgrenze in einem Gelenk, die durch Bänder gegeben ist, wird als fest-elastisch bezeichnet, siehe auch unter endgradige Position.

Fingerbeuger (Fingerflexoren)

Gruppe der Muskeln, die die Finger in Grundgelenk (MCP), proximalem (PIP) oder distalem (DIP) Interphalangealgelenk beugen. Diese Gruppe besteht aus:

  1. M. flexor digitorum profundus (extrinsisch): beugen Distalgelenke (DIP) der Finger 2-5, deren Proximalgelenke (PIP), das Fingergrundgelenk (MCP) und das Handgelenk.
  2. M. flexor digitorum superficialis (extrinsisch): beugen Proximalgelenke (DIP) der Finger 2-5, deren Proximalgelenke (PIP) und Grundgelenke (MCP), das Handgelenk und das Ellbogengelenk.
  3. Mm. lumbricales (intrinsisch): beugen in den Fingergrundgelenken und strecken in Proximalgelenke (PIP) und Distalgelenke (DIP); hilfreich für feines Greifen, Schreiben
  4. im Fall des kleinen Fingers: M. flexor digiti minimi brevis (Hand): beugt das Proximalgelenk (PIP)

Fingerstrecker (Fingerextensoren)

Gruppe der Muskeln, die die Finger in Grundgelenk (MCP), proximalem (PIP) oder distalem (DIP) Interphalangealgelenk streckt:

  1. M. extensor digitorum: im Unterarm sitzender gemeinsamer Fingerstrecker
  2. Mm. lumbricales (Hand): beugen zwar in den Fingergrundgelenken (MCP), strecken aber in Proximal (PIP)– und Distalgelenk (DIP); hilfreich für feines Greifen, Schreiben
  3. M. extensor indicis: Zeigefingerstrecker, einer der wenigen nicht am lateralen Epicondylus entspringenden Strecker

Fitness

Im engeren, sportwissenschaftlichen Sinne bedeutet Fitness einen größtenteils quantifizierbaren Zustand körperlicher Leistungsfähigkeit, der durch die 5 Kernkomponenten

  1. Kraft
  2. Ausdauer
  3. Schnelligkeit
  4. Beweglichkeit
  5. Koordination

definiert ist. Die ersten vier Komponenten sind sehr gut quantifizierbar, Koordination grundsätzlich auch. Sport und Fitnesstraining in einem gesunden Maß tragen nachweislich zu einer Steigerung von Gesundheit und Wohlbefinden bei. In einem Übermaß oder mit falschen Parametern zeigen sie jedoch entsprechende Nebenwirkungen und können beides stören. Folgt man der positiven gefassten Definition der Weltgesundheitsorganisation WHO von „Gesundheit“ als „Zustand völligen körperlichen, sozialen und psychischen Wohlbefindens“ und nicht lediglich negierend als Freisein von Krankheit, zeigt sich eine gewisse Nähe der Begriffe Gesundheit und Fitness, wobei der Gedanke der Leistungsfähigkeit dem Begriff Gesundheit fremd ist, jedoch folgt aus keinem der beiden Begriffe der jeweils andere, Gegenbeispiele lassen sich leicht konstruieren. Die Identikikation der beiden Begriffe, die zuweilen vorgefunden wird, stimmt also nicht.

Einige der im positiven Sinne gesundheitlich relevanten Effekte von Sport und Fitnesstraining vieler Art ist eine Steigerung der Immumleistung und eine gehobene Stimmmung, die psychoimmunologisch gesehen auch gesundheitlich relevant ist. Weiter ist etwa belegt, daß Krafttraining eine gute präventive Wirkung gegen Osteoporose hat, daß moderate, physiologische Bewegungen vor allem zyklischer Art protektive Wirkung gegen Arthrose zeigt und Ausdauersport mit zu den besten Möglichkeiten gehört, präventiv zu wirken gegen Herz-/Kreislauferkrankungen wie (unblutigen) Schlaganfall, Herzinfarkt, vaskuläre Demenz, Arteriosklerose, arterielle Hypertonie, Insulin-Resistenz-Diabetes. Die präventive Wirkung hängt dabei offensichtlich eher davon ab, daß halbwegs regelmäßig ein gewisses Mindestmaß absolviert wird, und weniger davon, welche Gesamtleistung oder -Arbeit vollbracht wird. Der Leistungsgedanke steht dabei nicht im Vordergrund. Aus gesundheitlicher Sicht ist wichtig, dass halbwegs regelmäßig ein Mindestmaß an Training absolviert wird, das gesundheitlich relevant ist. Damit dürfte nebenbei auch ein gewisses Maß an Leisungsfähigkeit erhalten oder gar ausgebaut werden.

Das erreichbare Maß an Fitness hängt maßgeblich von Art, Umfang und Qualität des Trainings ab, daneben auch von anderen Faktoren wie Ernährung, Regeneration, möglicherweise vorhandenen gesundheitlichen Einschränkungen und Alter. Daneben gibt es konstitutionelle Faktoren wie etwa Anabolismus und Katabolismus. Das Training kann sich speziell um eine oder zwei der Kernkomponenten drehen, aber auch breiter angelegt sein. Ist das Training zu stark auf eine Komponente spezialisiert, kann es grundsätzlich zu unzureichendem Zuwachs in den anderen Komponenten oder sogar zu Rückläufigkeit in einer anderen Komponente führen. So wird der reine Kraftsportler oder Bodybuilder, der nicht beweglichkeitserhaltend trainiert, in dem er nur spezielle Bereiche seines ROM nutzt, Einbußen in seiner Beweglichkeit hervorrufen. Der Langläufer wird kaum einen Zuwachs in seiner Kraft der oberen Extremität erwarten können,und der nur auf Beweglichkeit trainierende Gymnast erreicht mit seinem Training keinen Zuwachs von Kraft oder Ausdauer.

In einer allgemeineren Bedeutung, die dem englischen Verb „to fit“, also deutsch „passen“, „geeignet sein“ nahekommt, bedeutet Fitness so viel wie Gesundheit, Tauglichkeit, Tüchtigkeit und einige Dinge mehr. Ein französischer Weinbauer wird eine andere spezifische Fitness ausprägen als ein Briefträger, ein Paketzusteller, eine Biergartenbedienung, ein Heizungsmonteur, ein Industriekletterer, ein städtischer Fitnesssportler oder ein Sherpa. In diesem Sinne kann man davon sprechen, daß ein Mensch bezogen auf seinen Lebenskontext fit ist.

Flexion (Ellbogengelenk)

Beugung im Ellbogengelenk, also Verkleinerung des (Innen-)Winkels zwischen Ober- und Unterarm bis ca. 30°. Während die Extension hart-elastisch begrenzt ist, ist die Flexion in der Regel fest-elastisch begrenzt und nur selten weich-elastisch. Ausführende Muskeln der Beugung des Ellbogengelenks sind die Armbeuger.

Flexion (Fingergelenk)

bis auf den Daumen gibt es zusätzlich zum Grundgelenk pro Finger je 2 Gelenke, ein proximales Interphalangealgelenk (körpernäheres, PIP) und ein distales (körperferneres, DIP). In beiden ist eine Flexion (Beugung) im Sinne der Verkleinerung des palmaren (Innen-)winkels bis evtl. teilweise 90° möglich.

Flexion (Hüftgelenk)

Verkleinerung des frontalen (körpervorderseitigen) Winkels des Oberschenkels zum Becken, also eine Bewegung in der Sagittalebene. Als Synonym wird selten auch zuweilen „Anteversion“ im Hüftgelenk gebraucht. Die Flexion wird von den Hüftbeugern ausgeführt, antagonistisch sind die Hüftextensoren oder Hüftstrecker.

Flexion (Kniegelenk)

Vergrößerung des Patella-seitigen („Streckseite“) Winkels im Kniegelenk, also Verkleinerung des knierückseitigen (poplitealen) Winkels im Kniegelenk. Ausführende Muskeln sind die Kniebeuger, also hauptsächlich die Ischiocrurale Gruppe.

Flexion (Nacken)

Neigung des Kopfes nach vorn in Richtung Brust, zuweilen auch als Inklination bezeichnet. Dies ist nichts anderes als die Flexion der Wirbelsäule im Bereich der HWS.

Flexion der Wirbelsäule

Vorwärtsbeugung der Wirbelsäule, also Verkleinerung der ventralen Winkel der Wirbelkörper in der Sagittalebene. Die Flexion der WS wird im Bereich der BWS und LWS hauptsächlich durch die gerade und schräge Bauchmuskulatur bewirkt. Die Gegenbewegung ist die Extension der Wirbelsäule, die hauptsächlich durch die autochthone Rückenmuskulatur bewirkt wird.

Flexoren (Kniegelenk, „Kniebeuger“)

die meisten Beuger des Kniegelenks sitzen in der Oberschenkelrückseite: die gesamte Ischiocrurale Gruppe mit Ausnahme des monoartikulären caput breve des Biceps femoris beugt das Kniegelenk (also M. semimembranosus, M. semitendinosus, M. biceps femoris caput longum), zusätzlich der Gracilis und der Sartorius. Auch der Tensor fasciae latae hat bei einem Beugewinkel von größer als 30° im Kniegelenk über den Tractus iliotibialis eine beugende Wirkung im Kniegelenk. Weitere Beuger des Kniegelenks sind die Unterschenkelmuskeln Gastrocnemius und (schwach auch) Plantaris sowie popliteal der im Kniegelenk selbst angesiedelte Popliteus, dessen beugende Wirkung allerdings sehr schwach ist, da seine Hauptaufgabe in der Aufhebung der Schlussrotation liegt, weshalb seine Fasern eher transversal als longitudinal verlaufen.

Frontalabduktoren des (Schultergelenks)

die Muskulatur, die die Frontalabduktion (auch: Anteversion) im Schultergelenk ausführt, das sind: Deltoideus, Coracobrachialis, Bizeps und unter gewissen Bedingungen noch Anteile des Pectoralis major.

Frontaladduktoren des (Schultergelenks)

die Muskulatur, die die Frontaladduktion im Schultergelenk ausführt, das sind: Teres major, Latissimus dorsi, Trizeps (nur caput longum), Deltoideus (pars spinalis, pars acromialis teilweise).

frontal

bezeichnet eine Richtung und bedeutet „vorn oder nach vorn“ und ist identisch mit dem Begriff anterior oder ventral. Das begriffliche Gegenteil ist dorsal, welches wiederum dem Begriff posterior entspricht.

Frontalebene

eine von links nach rechts durch den in Anatomisch Null stehenden Menschen verlaufende vertikale Ebene, sie verläuft also parallel zu der Ebene durch die linken und Malleolen sowie durch linkes und rechtes Akromion.

funktioneller Schmerz

Funktioneller Schmerz ist kein scharf definierter Begriff. In der Regel werden darunter Schmerzen ohne nachweisbares nicht-klinisches Korrelat verstanden, das etwa im Nachweis einer Entzündung, eines Bruchs, einer Bursitis, eines Muskelfaserrisses, einer Arthrose oder anderen manifesten, nachweisbaren Störungen bestehen könnte. Häufig werden unter funktionellem Schmerz auch Schmerzen verstanden, die durch mit entsprechenden Mitteln durchaus nachweisbare, aber schwach auffällige Störungen entstehen, wie etwa die degenerativen Erscheinungen einer Insertionstendopathie. Zu den klassischen funktionalen Schmerzen gehören Muskelverspannungen, aber auch Veränderungen der Kapsel– oder Bandspannungen der Gelenke. Das begriffliche Gegenstück zum funktionellen Schmerz ist der strukturelle Schmerz.

Funktionstest

Eine der Methoden der körperlichen Untersuchung: Funktionstest. Dies umfasst viele medizinische Funktionstests unterschiedlicher Art. Dazu gehören neurologische Tests, einfachstenfalls etwa auf Eigenreflexe wie der Trizeps-surae-Reflex (Achillessehnenreflex) oder der Patellarsehnereflex (Quadrizepsreflex). Weiter gehören viele Schmerzprovokationstests (oft durch Dehnung oder Anstrengung) wie etwa das Payr-Zeichen, Verhaltenstests wie etwa der anteriore oder posteriore Schubladentest.

Fußdeformität

Angeborene oder erworbene Fehlstellung von Fußknochen: Klumpfuß, Plattfuß, Knickfuß, Spreizfuß, Spitzfuß, Hohlfuß, Sichelfuß, Senkfuß. Fußdeformitäten können reponierbar oder kontrakt sein. Sind kontrakte Deformitäten ausgeprägter, muß meist operativ interveniert werden, damit keine Folgeschäden am Bewegungsapparat auftreten.

Fußlängsgewölbe

Die von plantar aus gesehen konkave Höhlung des Fußes in Längsrichtung des Fußes. Neben der passiven Verspannung bestehend aus dem Lig. plantare longum, Lig. calcaneonaviculare plantare und der Plantarfaszie, die die Zuggurtung gegen den Zusammenbruch des Längsgewölbes darstellt, sind als aktive Verspannung auch einige Muskeln daran beteiligt dieses aufrechtzuerhalten: Im Unterschenkel die tiefen Flexoren:

  1. Flexor hallucis longus
  2. Flexor digitorum longus

Im Fuß:

  1. Abduktor hallucis
  2. Flexor hallucis brevis
  3. Flexor digitorum brevis
  4. Quadratus plantae
  5. Abduktor digiti minimi pedis

Neben dem ausgeprägten medialen Längsgewölbe gibt es ein sehr gering ausgeprägtes, relativ starres laterales Längsgewöble, welches von den Muskeln

  1. Flexor digiti minimi
  2. Opponens digiti minimi
  3. Abduktor digiti minimi

verspannt wird. Beim Gehen und Laufen flacht sich im Standbein das Längsgewölbe ab, um sich beim und nach dem Abdrücken durch den Einsatz der plantaren Fußmuskeln wiederaufzubauen. Eine Verminderung bzw. ein Zusammenbruch des Längsgewölbes zeigt sich in einem Senkfuß oder Plattfuß. Siehe dazu auch die Übersichtskarte der dorsalen Fußmuskeln

Fußquergewölbe

Die von plantar aus gesehen konkave Höhlung des Mittel- und Vorfußes in Querrichtung des Fußes. Die passive Verspannung besteht aus Lig. metatarsale transversum profundum und Lig. cuboideonaviculare plantare sowie nachrangig der Plantaraponeurose, die aktive aus den Unterschenkelmuskeln

  1. Tibialis posterior
  2. Fibularis longus

sowie unter den intrinsischen Fußmuskeln vor allem dem:

  1. Caput transversum des Adduktor hallucis

Eine Verminderung bzw. ein Zusammenbruch des Quergewölbes zeigt sich in einem Spreizfuß, der meist leicht an der Schwielenbildung im Bereich der Grundgelenke 2-3 zu erkennen ist. Siehe dazu auch die Übersichtskarte der dorsalen Fußmuskeln

G

Gehen

siehe die eigene Seite zum Gehen

Gelenkformen

siehe dazu die eigene Seite Gelenkformen

GIRD (Glenohumeral Internal Rotational Deficit / Glenohumerales Endorotationsdefizit)

Das GIRD (Glenohumeral Internal Rotational Deficit) ist ein glenohumerales Innenrotationsdefizit, das meist nicht auf verkürzte Exorotatoren des Schultergelenks sondern auf eine Verdickung und Verhärtung der dorsalen/dorsoinferioren Gelenkkapsel zurückgeht, die als Reaktion auf bestimmte Tätigkeiten wie Werfen entstanden ist. Eine dorsale Verhärtung schiebt den Humeruskopf nach ventral, dorsoinferiore Verhärtungen können den Humeruskopf nach dorsosuperior drücken. Vor allem die dorsale Verhärtung neigt dazu, die vordere Kapsel zu dehnen. Gerade überkopf werfende Sportarten sind neben dem Leistungsturnen davon betroffen.

Das GIRD entsteht häufig bei Werfern, die ersten Veränderungen der dorsalen Gelenkkapsel entstehen bereits nach 40 – 60 Würfen. Es wird auch als Werferschulter bezeichnet.

Es wird vermutet, daß das GIRD als ein Frühindikator von behandlungsbedürftigen Schulterproblemen angesehen werden muß. Es entsteht das Bild einer glenohumeralen Instabilität, eine interne Impingement-Neigung sowie eine Disposition zu Schäden am Labrum glenoidale wie etwa der SLAP-Läsion, nicht selten bis hin zum Karriereende. Die Diagnose GIRD wird bei einem Defizit von 20° gegenüber kontralateral gestellt.

Gluteen

die drei Pomuskeln: Gluteus maximus, Gluteus medius, Gluteus minimus.

H

habituell

ständiges, wiederholtes, gewohnheitsmäßiges Verhalten. Damit werden z.B. Haltungsgewohnheiten bezeichnet wie etwa ein Rundrücken bei der Arbeit am Computer oder ständig hochgezogene (teilelevierte) Schulterblätter. Habituelle Faktoren können geeignet sein, den Bewegungspparat und innere Organe in ihrer Funktion zu beeinflussen und zu beeinträchtigen.

Haltung / Körperhaltung

Der Mensch als einziger ausschließlich bipeder Hominide hat eine Menge Anpassungsleistungen seines Skeletts und seiner Muskulatur gegenüber den überwiegend oder ausschließlich quadrupeden Vörgängerspezies hinter sich. Dazu gehört beispielsweise die Erweiterung des ROM der Hüftgelenke (der ursprünglichen Hinterbeine) und deren um 90° verschobeneNormal-Null-Position, weiter die durch die Entlastung der Arme (ursprüngliche Vorderbeine) mögliche Differenzierung der Hand zum vielseitigen Werkzeug mit der Vergrößerung des ROM des zugehörigen Extremitätengelenks (Schultergelenk) sowie als vielleicht bekannteste Anpassung: die Doppel-S-Form der WS statt der C-förmig konvexen WS. Diese ist heute so beschaffen, daß pyhsiologischerweise das Schwerelot des Teilkörpergewichts aus Armen (zumindest nahe Anatomisch Null) mit Kopf und Öberkörper durch die Verbindungslinie der beiden Acetabuli läuft, so daß ebendieses Teilkörpergewichts mit einem muskulären Mindestaufwand im Lot gehalten werden kann.

Für einen überwiegend im Stehen tätigen Menschen sind Skelettgeometrie und muskuläre Ausstattung optimal. Das heutige zivilisierte Leben legt dem Menschen aber deutlich andere Bewegungs- und Haltungsmuster nahe, für die er nicht hinreichend adaptiert ist, oder anders herum, mit seiner vorhandenen Ausstattung nur in gewissen Parameterbereichen stabil bleibt und ansonsten Nebenwirkungen in Kauf nehmen oder Kompensation betreiben muß.

So hat etwa das angelehnte Sitzen, das Millionen Menschen tagtäglich praktizieren, viele unerwünschte Wirkungen. Zuerst finden sich durch die Hüftflexion und Knieflexion entsprechende Verkürzungen der Ischiocruralen Muskulatur, am deutlichsten im monoartikulären Biceps femoris caput breve, sowie im Hüftbereich allem im hüftbeugenden Iliopsoas. Weiter neigen die Muskeln, die das oben beschriebene Teilkörpergewicht kranial der Hüftgelenke abstützen, also Hüftflexoren (Hüftbeuger) und Hüftextensoren durch die fehlende Notwendigkeit ihrer Arbeit zur Atrophie und damit zum Verlust ihrer Kompetenz, andere Alltagssituationen als das abgestützte Sitzen souverän oder überhaupt zu bewältigen, so daß die sitzende Lebensweise sich rückverstärkt. Aber nicht nur die Kraft dieser Muskeln läßt nach, ihr täglicher „Arbeitsbereich“ (hier muß eigentlich von mangelnder Arbeit gesprochen werden) verschiebt sich von Anatomisch Null um runde 90°, dazu wird über viele Stunden des Tages überhaupt kein Bruchteil des ROM genutzt außer der einen sitzenden Position, was zu entsprechenden Kontrakturen führt, kein Wunder also, wenn der Büromensch sich am Ende des Bürotages steif fühlt, ohne Ausgleich ist er am Ende des Tages steif und wird jeden Tag ein wenig steifer. Im Bereich der Beine ist der biartiukuläre Gastrocnemius zu erwähnen, der als für die bipede Fortbewegung wichtiger Wadenmuskel ebenfalls atrophiert und zu Verkürzung neigt. Dies Verhalten schwächt aber nicht nur die Wadenmuskeln, die durch aufrechtes Stehen und Gehen kräftig gehalten werden und mit der Muskel-Pumpe und den Venenklappen für einen guten venösen Rückstrom sorgen, sondern kann auch zu Kontrakturen und Einschränkungen des Geh- und Laufverhaltens führen sowie zur Verkürzung und Schwächung der Achillessehne (Achillodynie) bis hin zum Riss. Es schließen sich hier viele Störungen des Fußes an, die die Verkürzung des Trizeps surae aus Gastrocnemius und Soleus als Risikofaktor haben und ihrerseits wiederum konsekutive Schäden des weiter proximal liegenden Bewegungsapparates zeitigen können. Ein weiterer Faktor ist, daß mit der Schwächung der oben genannten Muskulatur auch die Schwächung ihrer Sehnen einhergeht, so daß beispielsweise ein deutlich erhöhtes Risiko für Insertionstendopathien oder Sehnenrisse gegeben ist.

Neben den Auswirkungen auf die untere Extremität erschlafft auch die Muskulatur des Rumpfes, da das angelehnte Sitzen die Notwendigkeit ihrer Arbeit drastisch reduziert. Die Autochthone Rückenmuskulatur („Rückenstrecker“) und Bauchmuskulatur als wichtigste Haltungsmuskulatur, aber auch wichtigste bewegende Muskulatur des Oberkörpers, verlieren weitgehend ihre Kompetenz, was wiederum zur Rückverstärkung der sitzenden Lebensweise beiträgt. Abhängig von der genauen Position des Beckens und dem Abstützen des Rückens kommt es oft zu einer Überforderung der BWS-begleitenden Autochthonen Rückenmuskulatur, die sich dann meist in einem in der Regel einseitigen Ziehen neben der Wirbelsäule bemerkbar macht. Das zuerst einseitige Auftreten ist eine Folge des häufig skoliotisch veränderten Rückens, durch Seitendifferenzen ist eine Seite zu Mißempfindungen disponiert.

Die genauere Analyse des Sitzverhaltens zeigt oft eine kyphosierte LWS, die dann entsteht, wenn Sitzmöbel ohne Lordosenstütze benutzt werden oder diese durch Abstand des Gesäßes von der Lehne ausgehebelt wird. Die immer wieder lange innegehaltene LWS-Kyphose ist ein massiver Risikofaktor für Bandscheibengeschehen. Sie verursacht und erhält diese und löst die entsprechenden Symptome immer wieder aus. Weiter überspannen viele Muskeln der Autochthonen Rückenmuskulatur mehrere oder viele WS-Segmente, so daß die LWS-Kyphose auf die BWS kyphosierend wirkt. Die Kyphose beider Bereiche legt aber eine Kompensation im Bereich der HWS nahe, damit eine halbwegs aufrechte Haltung des Kopfes ermöglicht und eine Überanstrengung der Augenmuskulatur vermieden wird. Kommt dazu noch eine hohe Bildschirmauflösung oder eine kleine Darstellung der bearbeiteten Inhalte oder auch nur der Bedienelemente, so wird der Kopf relativ zum Thorax nach vorn geschoben, was das ungute Vollbild des Büroarbeiters fast komplettiert. Die Kombination aus HWS-Hyperlordose und hebelarmvergrößernder Kopfvorschubhaltung disponiert zu nachhaltigen Störungen im Bereich der HWS bis hin zu Bandscheibengeschehen. Richtig komplett wird die Fehlhaltung dann, wenn zusätlich die Schulterblätter aus innerer Anspannung ein wenig eleviert werden. Die von Levator scapulae und Trapezius pars descendum geleistete Arbeit verursacht dann früher oder später in diesen Muskeln schmerzhafte Verspannungen, nicht selten auch vom Nacken ausgehenden Verspannungskopfschmerz.

Der Großraum BWS/Schulter/Nacken ist auch auf andere Weise oft von den Folgen der Bürotätigkeit betroffen. Die Orientierung auf ein Bildschirmarbeitsgerät hin, heute zumeist Computer, bringt je nach gegebenen Parametern gleich mehrere Risiken und Nebenwirkungen mit sich. Die manuelle Bedienung der verbreiteten Eingabegeräte Maus und Tastatur neigt dazu, die Schulterblätter in einer gewissen Protraktion zu halten, was bei Benutzung einer Tastatur als Eingabegerät zusätzlich durch die konvergenten Unterarme und die dafür notwendige leichte Endorotation der Oberarme gefördert wird. Die daraus resultierende Umverteilung der Körpermassen gegenüber Anatomisch Null verlagert den Schwerpunkt nach vorn, weshalb nur allzu häufig mittels einer BWS-Hyperkyhose kompensiert wird, damit die autochthone Rückenmuskulatur weniger beansprucht wird. Da der Mensch hier meist eher homo oeconomicus als homo exercitus ist, vermeidet er, seine Rückenmuskulatur beim Tun entsprechend zu trainieren, was ein durchaus nicht unanstrengender Weg sein kann, sondern gibt der Ökonomie des runden Sitzens nach. Die Endorotation der Oberarme trägt in den sie verursachenden Muskeln, vor allem dem Trapezius, ebenfalls zur Verspannung bei. Werden andererseits die Schulterblätter gewohnheitsmäßig retrahiert gehalten und der Aufwand betrieben, den Oberkörper gestreckt zu halten, so kann dies auf Dauer zu einer Steilstellung der BWS führen.

Wird durch häufiges Sitzen ohne Ausgleich der Auswirkungen eine Verkürzung der Hüftbeuger erworben, wird sich das auch im Stehen auswirken, wenn die Verkürzung ein gewisses Maß erreicht hat. Bei gestreckten Kniegelenken ist es dann nicht mehr möglich das Becken aufrecht zu halten. Dies gilt umso mehr, als die muskuläre Kompetenz dazu in Form hinreichend kräftiger und ausdauernder Hüftextensoren nicht mehr vorhanden ist oder gar nicht erst erworben wurde. Aber auch bei guter Kompetenz hätten die Hüftextensoren gegen kontrakte Hüftbeuger keine Chance das Becken aufzurichten, und so wird der Mensch unausweichlich im Hohlkreuz stehen. Dazu wird er auch umso mehr neigen, als der Versuch das Becken aufzurichten mit spürbarer bis massiver Anstrengung verbunden wäre.

Genügt es im physiologischen Fall hinreichend kräftiger Hüftextensoren und hinreichend flexibler Hüftbeuger, das Becken mit der Ischiocruralen Gruppe aufrecht zu halten, so wird deren Einsatz allein einem gewissen Grad an Verkürzung der Hüftbeuger nicht mehr ausreichen, sondern der Gluteus maximus muß zusätzlich akquiriert werden, was der Mensch bereits als unnatürlich empfinden dürfte. Das Hohlkreuz im Stehen findet sich genauso im Gehen, da die Abdrückphase des hinteren Beins eine Hüftextension enthält – falls sie möglich ist. Ersatzweise muß das Becken nach vorn gekippt gehalten werden, was zu einer Hypertrophie einiger Teile der Muskulatur im Bereich der LWS führt, was an sich nicht unbedingt pathogen wäre, aber der dabei mitentstehende Hypertonus ist es.

Es würde diesbezüglich entlasten, würden die Kniegelenke leicht gebeugt, dies bleibt aber meist aus, weil die damit verbundene Anstrengung vor allem im Quadrizeps gescheut wird. Dieser wird schließlich bei weitgehend sitzender Tätigkeit nicht unbedingt gekräftigt oder kräftig erhalten.

Zu den negativen Auswirkungen überwiegend sitzender Tätigkeit gehören noch weitere Phänomene. Liegt dieses Verhalten bereits in der Kindheit und Jugend vor, so werden etwa die Flexoren und Extensoren des Kniegelenks ebenfalls unterentwickelt bleiben, was im Stehen zu einer kompensatorischen Hyperextension des Kniegelenks mit Schwächung der Bandstrukturen führen kann, was Gelenkinstabilität des Knies bedeutet. Zusätzlich kann sich die Gewohnheit entwickeln, den Kraftaufwand der Hüftextensoren zu vermeiden, was mit einer Extension der Hüftgelenke einfach gelingt und zu einer deutlichen und deutlich pathogenen Fehlhaltung der LWS und konsekutiv der weiter oben liegenden Teile der WS führt.

Eine ganze andere Relevanz bekommt der Rücken auch unabhängig von der täglichen Haltung in psychosomatischem Sinne, da er bei vielen Menschen der erste Bereich ist, in dem sich Belastung körperlich niederschlägt. Nicht umsonst ist die Quote der Menschen, die sich mit Rückenschmerzen verschiedener Art bei ihrem Arzt vorstellen, so hoch. Dabei handelt es sich durchweg erst einmal um einen funktionalen und nicht um einen strukturellen Schmerz. Die Art der Belastung ist dabei sehr variabel und bezieht sich nicht nur auf das Arbeitsleben. Auch das Privatleben oder Aspekte dessen können sich als Belastung psychosomatisch auswirken. Möglicherweise ist auch die Summe der Anforderungen aus verschiedenen Bereichen höher als auf Dauer zu tragen wäre.

Im Zusammenhang mit den Begriff Hohlkreuz sind viele irrige Vorstellungen endemisch. Vieler Orten gibt es eine regelrechte Angst davor ein Hohlkreuz zu machen oder ein Hohlkreuz zu haben. Dies soll ein wenig aufgeklärt werden. Hohlkreuz ist im allgemeinen Sprachgebrauch die Bezeichnung für eine Hyperlordose der LWS, es betrifft also den Bereich L1 bis L5. Dabei muß unterschieden werden zwischen einem mehr oder weniger ständigen „habituellenHohlkreuz und einer vorübergehend, etwa zu Übungszwecken, temporär eingenommenen Hyperlordose der LWS. Das Hohlkreuz an sich kann, je nach Ausmaß und Dauer, mehr oder weniger pathogen sein. Eine deutliche habituelle Hyperlordose der LWS kann zum Beispiel zu einer Spondylolisthesis (Wirbelgleiten) oder einer Spinalkanalstenose führen, beides Störungsbilder, die neuroradikuläre Beschwerden mit sich bringen können, also Schmerzausstrahlung ins Bein, Taubheit oder Empfindungsstörungen und sogar motorische Ausfälle. Auch kann der Tonus der Rückenmuskulatur sich so weit erhöhen, daß gerade in Verbindung mit Kyphosierungen der LWS, wie sie häufig im Sitzen vorzufinden sind, der Druck auf die Bandscheiben chronisch erhöht ist, was früher oder später zu strukturellen Schäden (Diskopathien wie Bandscheibenvorwölbung oder -vorfall) führen wird, die ebenfalls neuroradikuläre Beschwerden hervorrufen können.

Oft ist das Hohlkreuz Folge von oder vergesellschaftet mit verkürzten Hüftbeugern, die das Becken (oben) nach vorn kippen. Ohne die ursächliche Verkürzung zu beseitigen, dürfte das Hohlkreuz dann wohl kaum zu lindern sein. Andererseits ist die Hyperlordosierung der LWS etwa im Rahmen einer Hundestellung Kopf nach oben, einer urdhva dhanurasana (Brücke) oder setu bandha sarvangasana („Schulterbrücke“) nicht in der Lage, einem nicht bereits massiv vorgeschädigten Rücken irgendeinen Schaden zuzufügen. Sie wird allerdings den Tonus der LWS-begleitenden autochthonen Rückenmuskulatur ein wenig erhöhen, so daß der Ausführende möglicherweise nach Ausgleich sucht.

Für viele Menschen ist es nicht einfach, zu spüren, ob sie in irgendeiner Körperhaltung ein Hohlkreuz haben/machen. Das gilt für das Sitzen und Stehen oder Gehen, erst recht aber für ungewöhnlichere Haltungen, insbesondere, wenn sie Hüftflexion und Streckung des Rückens als Aufgabe enthalten. Wenn die Möglichkeit besteht, mit den Fingern einer Hand nach den Dornfortsätzen zu fühlen, kann leichter eine Aussage getroffen werden. Treten die Dornfortsätze (optisch oder fühlbar) erkennbar aus dem Rücken aus, so kann angenommen werden, daß das Gegenteil einer Lordose vorliegt, nämlich eine Kyphose. Treten sie nicht erkennbar aus, sind immer noch viele Möglichkeiten gegeben: eine Steilstellung der WS, eine physiologische Lordose oder eine Hyperlordose. Wird jetzt das Becken in den Hüftgelenken abwechselnd in beide Richtungen gekippt, so kann meist angenommen werden, daß bis zu dem Punkt, an dem eine spürbare Tonuszunahme der Muskulatur der LWS erfolgt, noch keine Hyperlordose vorliegt. Geht man von dem Punkt, an dem die spürbare Tonuszunahme erfolgt, ein wenig zurück in Richtung des geraden Rückens, so findet man die physiologische Lordose, oder wenn man keinen einzelnen exakten Winkel als physiologisch annehmen will, das Intervall, das man mit einer Randunschärfe behaftet, als physiologisch ansehen kann. Dieses Verfahren kann in den meisten Körperhaltungen angewendet werden und ist auch für Menschen mit noch weniger ausgeprägtem Körperbewußtsein praktikabel.

hart-elastisch

eine Beweglichkeitsgrenze in einem Gelenk, die durch Knochen bzw. deren Knorpelüberzug gegeben ist, wird als hart-elastisch bezeichnet, siehe auch unter endgradige Position.

Hebel

mechanischer Kraftwandler aus einem starren Körper, der um einen festen Punkt drehbar ist. Eine an dem Körper ansetzende Kraft wird in eine Drehbewegung umgesetzt, womit die ansetzende Kraft in ein Drehmoment umgesetzt wird.

Hebelarm

der Abstand zwischen Drehzentrum und dem Punkt, an dem die Kraft eines Hebels ansetzt, wird als Hebelarm bezeichnet.

Hebelgesetz

bei einem im Gleichgewicht befindlichen Hebel ist die Summe aller ansetzenden Drehmomente (bzgl. eines identischen Bezugspunktes) Null. Für den Fall eines zweisetigen Hebels ist dies als „Kraft * Kraftarm gleich Last * Lastarm allgemein“ bekannt, wobei Kraftarm bzw. Lastarm Hebelarme sind und den Abstand der ansetzenden Kraft bzw. des zu bewirkenden Kraft. bedeuten.

Herz-Raten-Variabilität / Heart rate variability / HRV

Der gemessene Ruhepuls, besser gesagt die gemessene Herzfrequenz, ist meist eine über ein Zeitintervall ermittelte, also gemittelt. Physiologisch schlägt das Herz aber in Ruhe nicht völlig gleichmäßig, sondern leicht unregelmäßig. Das war schon dem chinesischen Arzt Wang Shuhe bekannt, der bei einem völlig gleichmäßigen Schlag das Eintreten des Todes binnen drei Tagen prognostizierte. Die kleinen Schwankungen im Bereich einer Zehntelsekunde gehen auf den Einfluß von Sympathikus (Noradrenalin-vermittelt) und Parasympathikus (Acetylcholin-vermittelt) zurück, derentwegen auch kleine mentale/emotionale Vorgänge Schwankungen im Takt des Herzens hervorrufen. In Ruhe und unter geringer Belastung überwiegt die vagale Steuerung. Je besser das Herz an die hohe physische Belastungen angepasst ist, desto höher ist der vagale Ruhetonus. Das spiegelt sich in einem niedrigeren Ruhepuls und einer höheren HRV wieder. Davon ab hat die Atmung einen deutlichen Einfluß auf die Herzfrequenz: während der Einatmung beschleunigt sich der Puls ein wenig, mit der Ausatmung verlangsamt er sich wieder. Das ist um so ausgeprägter, je tiefer und angestrengter die Einatmung ist. Die Atemzyklen liegt meist im Bereich von 2 – 7 Sekunden, die dadurch bedingte Abweichung der Herzfrequenz wird als Respiratorische Sinusarrhythmie (RSA) bezeichnet. Diese hochfrequenten Schwankungen werden fast ausschließlich über den Vagusnerv vermittelt, langsamere meist vagal und sympathisch. Beide Phänomene gehen in die Herzratenvariabilität HRV ein. Gemessen wird dabei der Abstand zweier benachbarter R-Zacken im EKG, auch RR-Intervall oder (um Verwechselungen mit Blutdruck zu vermeiden) NN-Intervall genannt. Chronischer Streß etwa bewirkt einen dauerhaften Sympathikotonus mit dauerhafter Pulserhöhung und (weitgehend unbeeinflußt vom Parasympathikus) eine Verstetigung des Takts mit Abschwächung oder gar Entfall der HRV. In den letzten Jahrzehnten ist viel zur HRV geforscht worden, so daß sie heute zur Risikoprognose, Leistungsobjektivierung und in der Streßmedizin und Psychophysiologie genutzt werden kann. Einige Faktoren wie Alter, Herzinfarkte, Herz-Kreislauf-Pathologien, oder chronischer Stress schädigen den schnell leitenden myelinisierten Vagusnerv, der Hauptfaktor in der HRV ist, so daß diese sich chronisch erniedrigt zeigt. Handelt es sich um passagere Störeinflüsse und dauern diese nur einige Monate an, so kann sich der Vagusnerv erholen, das zeigt sich dann in Tagesmüdigkeit. Insbesondere bei über Jahre anhaltendem Streß ist der Vagusnerv nicht mehr erholungsfähig, dann verschlechtern sich auch die nächtlichen Erholungsphasen. Aus der HRV-Messung kann man das Ausmaß der Schädigung des Vagusnervs erkennen und ggf. ein Burn Out als nächste Stufe voraussagen, zu den wenigen objektiven Parametern neben niedrigem DHEA, Noradrenalin/Adrenalin-Rate des Burn Out gehört zuallererst die HRV. Ist der Parasympathikus zusammengebrochen, kann in Folge auch der Sympathikus zusammenbrechen. Eine schlechte HRV kann als Prädiktor für kardiovaskuläre Mortalität gelten. Zu den Faktoren, die die HRV beeinflussen gehören: Alkohol kurzfristig und chronisch: -, Atmung im Sinne der respiratorischen Sinusarythmie RSA, Sportliche Aktivität: während der Aktivität: – nach Erholung: +, Geschlecht: meist ist bei Frauen die parasympathische Aktivität höher als bei Männern, Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Herzinsuffizienz -, arterielle Hypertonie und prähypertensive Blutdrücke -, bei stattgefundenem Myokardinfarkt, bestehender KHK oder Angina pectoris: – Hitze -, Kälte -/+ Adaption an Kälte meist erst nach 60 Tagen, erhöhtes Körperfett -, Lärm -, Alter im jungen Erwachsenenjahren ist die HRV am höchsten und fällt dann nichtlinear ab, Angststörungen, PTBS, Depression -, Inhalations- und Passivrauchen -, Schichtarbeit mit Nachtschichten -, Diabetes mellitus und metabolisches Syndrom -, Stress – Die HRV folgt einem zirkadianen Rhythmus: während des Schlafs erreicht sie ein Maximum und fällt mit dem Sympathokitonus des Tages ab.

Hohlkreuz (LWS-Hyperlordose)

Die Wirbelsäule hat zwei physiologische Lordosen (von dorsal, also von hinten gesehen konkave Krümmungen) und eine physiologische Kyphose (von dorsal gesehen konvexe Krümmung). Alle drei Krümmungen dürfen in der Referenzposition Anatomisch Null ein gewisses Maß nicht unter- noch überschreiten. Mit Hohlkreuz wird im Allgemeinen eine über das physiologische Maß hinausgehende Lordosierung der LWS bezeichnet, die nicht selten auf Basis muskulärer Dysbalancen im Bein-/Beckenbereich entsteht, vor allem durch verkürzte Hüftbeuger. Generell entstehen diese oft habituell (z.B. durch zu langes und häufiges Sitzen) als auch auf Basis von in Kindheit/Jugend zu schwacher Beinmuskulatur aber auch durch wiederholte Tätigkeiten oder Sportarten, bei denen die Hüftbeuger kraftvoll oder sehr häufig wiederholt eingesetzt werden. Siehe dazu auch den Artikel in der FAQ. Zu den möglichen Auswirkungen eines Hohlkreuzes siehe die Pathologie-Seite.

Hüftbeuger

Bezeichnung für eine Gruppe von Muskeln, deren Funktion (nicht notwendig ausschließlich) in der Flexion im Hüftgelenk, also dem Verkleinern des körpervorderseitigen Winkels zwischen Oberschenkel und Becken besteht. Dies sind neben dem biartikulären und zusätzlich das Kniegelenk streckenden M. rectus femoris pars Quadrizeps auch der monoartikuläre, nur das Hüftgelenk überziehende M. iliacus und der daneben auch einige Wirbelgelenke überziehende M. psoas major. Ein ggf. vorhandener Psoas minor gehört nicht zu den Hüftbeugern, da er am Schambein statt am Oberschenkel ansetzt. Auch wenn die Adduktoren ebenfalls eine leicht hüftbeugende Wirkung haben, werden sie meist nicht dazugerechnet. Auch der tensor fasciae latae hat eine hüftbeugende Wirkung. Die stärksten Hüftbeuger und damit die meist erwähnten sind aber der Iliopsoas, bestehend aus Psoas major und Iliacus und der Rectus femoris, ein Teil des Quadrizeps. Der Rectus femoris beugt im Hüftgelenk und streckt im Kniegelenk, wobei die Bewegung im Hüftgelenk pro Winkelgrad Flexion mehr Kontraktion erfordert als die Streckung im Kniegelenk. Dies liegt an den unterschiedlichen Entfernungen des Muskels (im Falle des Hüftgelenks) bzw. seiner Sehne/der Patella (im Falle des Kniegelenks) vom Drehzentrum im Gelenk.

Um die Kraft der Hüftbeuger zu testen, können z.B. aktiv aus savasana die gestreckten Beine angehoben werden, einzeln oder zusammen. Gelingt das leicht und rasch, sollten die Hüftbeuger für alle Alltagsfälle genügend kräftig sein. Fällt dies schwer oder gelingt nur sehr langsam, kann getestet werden, wie kräftig ein in Rückenlage durch 90° Flexion im Hüftgelenk senkrechter Oberschenkel (bei locker gebeugtem Kniegelenk, damit der Rectus femoris nicht krampft) gegen externen Widerstand weiter in Richtung Brustkorb bewegt werden kann. Während der erste Test vor allem die Kraft des Rectus femoris und nachrangig des ebenfalls hüftbeugendenTensor fasciae latae testet, da der Abstand der Anteile des Iliopsoas vom Drehzentrum im Hüftgelenk, dem Zentrum des Femurkopfes bzw. dem Kugelmittelpunkt des Acetabulums noch sehr gering ist, testet der zweite Test vor allem diese Muskeln, die bei 90° Flexion im Hüftgelenk einen hervorragenden Kraftarm aufweisen. Ist dieser Test auffällig im Sinne eines Mangels an ausgeübter (objektiv oder subjektiv erhobener) Kraft, weist das auf einen Mangel an Kraft des Iliopsoas hin. Physiologischerweise ist die von diesem bei 90° Flexion erzielbare Kraft (bzw. das schwerer zu erhebende entsprechende Drehmoment im Hüftgelenk) deutlich größer als die im ersten Test zu erwartende Kraft. In einigen pathologischen Fällen muss der Test auch und vor allem im Seitenvergleich ausgeführt werden.

Etwas schwieriger ist der Test auf Beweglichkeit. Der Hüftbeugerbeweglichkeitstest gibt eine erste Einschätzung. Gelingt er gut, kann von hinreichender Beweglichkeit des Iliopsoas und für alle Alltagsfälle auch hinreichender Beweglichkeit des Rectus femoris ausgegangen werden. Der Hüftbeugerbeweglichkeitstest erfasst die relevanten Hüftbeuger als funktionale Einheit. Der Rectus femoris schränkt dabei i.d.R. am meisten ein, mehr als die im Becken liegenden Hüftbeuger (Iliopsoas), da die Kniegelenke weit gebeugt sind. Soll mit dem Testaufbau des Hüftbeugerbeweglichkeitstests die Beweglichkeit des Iliopsoas erhoben werden, muss die Beugung der Kniegelenke auf 90° begrenzt werden. Dann können die Kniegelenke nur noch passiv vom Supporter/Untersucher vom Boden abgehoben werden. Ein weiterer Test, dessen Spezifität allerdings nicht bestens ist, ist die 1. Hüftöffnung. In dieser wird das Becken bei gestrecktem hinteren Kniegelenk maximal abgesenkt, was ab einem gewissen Punkt eine Extension in dem zugehörigen Hüftgelenk bedeutet und über dessen Extensionsfähigkeit eine gute Aussage erlaubt, wenn – und das stellt eine echte Voraussetzung bzw. Einschränkung dar – die Hüftextensoren des vorderen Beins genügend beweglich sind um das Absenken des Beckens nicht zu behindern. In der Praxis zeigen sich durchaus Fälle, in denen etwa der Gluteus maximus oder die Ischiocrurale Gruppe des vorderen Beins ein weiteres Absenken des Beckens verhindern, was durch deutliche und über das Absenken zunehmende Dehnungsempfindung in den entsprechenden Muskeln auffällig wird. Andere Haltungen um die Beweglichkeit des Iliopsoas zu erheben, sind z.B. die 1. Kriegerstellung, die Brücke, purvottanasana, setu bandha sarvangasana und ustrasana. In den letztgenannten vier Haltungen ist die Beugung des Kniegelenks bestenfalls 90°, so dass der Rectus femoris in aller Regel nicht einschränkend wirken kann. Um die Beweglichkeit des Rectus femoris zu erheben, eignen sich neben der Quadrizepsdehnung 2 an der Wand auch folgende orthopädische Tests:

  1. Thomas-Handgriff
  2. Ely Test
  3. Kendall Test
  4. Patrick

Hüftextensoren (Hüftstrecker)

Bezeichnung für eine Gruppe von Muskeln, deren Funktion (nicht notwendig ausschließlich) in der Extension im Hüftgelenk, also dem Verkleinern des körperrückseitigen Winkels zwischen Oberschenkel und Becken besteht. Dazu gehört der dreiteilige hauptsächlich monoartikuläre Pomuskel Gluteus mit seinem Anteil maximus (nur dieser überzieht mit einigen Faserbereichen neben dem Hüftgelenk auch das ISG), medius und minimus sowie M. semitendinosus, M. semimembranosus und der Bizeps femoris mit seinem caput longum (nicht aber caput breve).
Antagonisten:   Hüftbeuger: Iliopsoas, Rectus femoris

Hüftknochen

umgangssprachlicher Begriff für den SIAS, nicht zu verwechseln mit dem Hüftbein, der Gesamtheit aus Darmbein, Schambein und Sitzbein, die gegen das 15. Lj. im Acetabulum miteinander verwachsen. Natürlich ist der „Hüftknochen“ kein eigener Knochen sondern ein Knochenvorsprung am Hüftbein.

HWS (Halswirbelsäule)

Der aus 7 Wirbeln bestehende Teil der Wirbelsäule oberhalb der
BWS und unterhalb des Occiput (Hinterhauptbein).

Hyperkyphose

eine in Neutral Null gegenüber dem physiologischen Zustand übermäßig ausgeprägte Kyphose der BWS, selten und mit deutlich pathogenem Wert auch der LWS oder der HWS. Im Falle der BWS wird eine Hyperkyphose im Volksmund auch als „Buckel“ bezeichnet.

Hyperlordose

eine in Neutral Null gegenüber dem physiologischen Zustand übermäßig ausgeprägte Lordose der LWS oder HWS. Im Falle der LWS wird sie auch als Hohlkreuz bezeichnet.

Hypermobilität (Gelenk)

Hypermobilität eines Gelenks ist eine anguläre Mehrbeweglichkeit in einer oder mehrer Bewegungsdimensionen eines Gelenks. Sie ist per Definition keine Instabilität und nicht pathogen, kann aber zur Ausprägung von Instabilitäten disponieren. Der Begriff Hypermobilität wird häufig leichtfertig verwendet. Die physiologischen Beweglichkeiten in den Gelenken werden von den Anatomen uneinheitlich angegeben, als physiologischen gelten aber meist etwa die Hyperextensionen des Kniegelenks und des Ellbogengelenks bis zu einem gewissen, von den Autoren verschieden angegebenen Grad. Häufig wird leichtfertig die Diagnose Hypermobilität (Überbeweglichkeit) gestellt und als Ursache für vorhandene Beschwerden ausgemacht. In der absolut überwiegenden Zahl der Fälle handelt es sich aber nicht um eine echte Überbeweglichkeit im Sinne eines Hypermobilitaetssyndrom – solche sind sehr selten – sondern nur um über den Bevölkerungsschnitt hinausgehende Beweglichkeit, die nicht an sich pathologisch oder pathogen ist.

Hyperpronation

eine übermäßige Pronation beim Laufen / Gehen. Sie ist Prädisposition für einige Störungen im Bereich der unteren Extremität, insbesondere wenn diese intensiver genutzt wird: DGS (Piriformis-Syndrom), Plantarfasziitis, Fersensporn, Runners Knee, Achillodynie (Achillessehnenzeizung), Schienbeinkantensyndrom, (Innen-)Meniskusschäden, Pes-anserinus-Syndrom, entgegen früherer Auffassung aber nicht für PFPS (Chondropathia/Chondromalazia patellae).

Hypersupination

eine übermäßige Supination beim Laufen und Gehen. Sie ist Risikofaktor für einige Störungen und Verletzungen im Bereich der unteren Extremität, insbesondere wenn diese intensiver genutzt wird: (Innen-)Meniskusschäden, Supinationstrauma.

Hypothenar

Der dem Daumen auf der Seite des kleinen Fingers gegenüberliegende Handballen

I

Immobilisation

Unter Immobilisation versteht man das therapeutische Stilllegen eines Körperbereichs, etwa nach Brüchen oder Erkrankungen oder zum Zweck des Transports bei Schwerverletzten, um weitere, schwer absehbare Schäden zu verhindern. Das kann beispielsweise mit Hilfsmitteln wie Schienen oder Gips oder auch einer Trage mit Gurten erfolgen.

Impingement

Mit Impingement wird das pathologische (und grundsätzlich pathogene) Anstoßen einer Struktur, meist eines Knochens, an eine andere Struktur bezeichnet. Häufige Impingements sind etwa die des Schultergelenk (als Subakromiales Impingement bezeichnet) sowie des Hüftgelenks.

inferior

bezeichnet eine Lage nah oder (im Vergleich) näher an den Füßen. Das begriffliche Gegenteil ist superior. Damit geht der Begriff über den Begriff kaudal hinaus, der eine Lage nahe am unteren Ende des Rumpfes bezeichnet.

Innenrotation (Schulterblatt)

Bewegung des Schulterblatts in der Ebene, in der es sich hauptsächlich ausdehnt, mit dem Angulus inferior (untere Spitze) nach unten-innen, was das Schulterblatt aus der Position zurückführt, in der es bei weit angehobenem Arm ist. Diese Muskeln drehen das Schulterblatt nach innen.

Innenrotatoren (Schulterblatt)

Muskeln, die die Innenrotation des Schulterblatts ausführen:

  1. Latissimus dorsi (mittelbar)
  2. Levator scapulae
  3. Pectoralis minor
  4. Pectoralis major (mittelbar)
  5. Rhomboideus major
  6. Rhomboideus minor

Insertion

Der Bereich eines Knochens, an dem ein Band oder die Sehne eines Muskel ansetzt. Im Falle eines Muskels wird die proximale Insertion als Ursprung und die distale als Ansatz bezeichnet. Nur wenige Muskeln setzen nicht-sehnig an einem Knochen an wie z.B. der Ursprung des Iliacus in der Fossa iliaca des Os ilium.

Inspektion

Eine der Methoden der körperlichen Untersuchung: das visuelle Auswerten oder optische Begutachten. Beispiele hierfür sind zahlreich, etwa die Beobachtung der Geradheit der WS in Haltungen, der Parallelität von Sehnen der Mittelfinger oder Fußmittellinien, der Höhe von Hüftknochen oder Schultern im Seitenvergleich (ist eine von beiden höher?), die Einschätzung eines Winkels, etwa der Fußmittellinien, aber auch der Silhouette, etwa des Gluteus maximus in der Hundestellung Kopf nach oben, dessen Breiten- und Höhenausdehnung einen Rückschluss darauf ermöglicht, ob der Gluteus maximus einen Beitrag zur Extension oder zur Reduzierung der Flexion im Hüftgelenk leistet. Auch gibt die Inspektion der Trapeziuslinie einen Aufschluss darüber, ob die Schulterblätter etwa in der 2. Kriegerstellung eleviert, deprimiert oder in einer Position dazwischen sind. Die Inspektion der WS gibt in vielen Fällen wichtigen Aufschluß über das Vorliegen einer Skoliose, die des Beckens in symmetrischen Stehhaltungen über das Vorliegen eines Beckenschiefstandes. In supta virasana zeigt sich häufig ein SIAS erhöht gegenüber dem anderen oder ein Bein weicht erkennbar in die Abduktion aus, während das andere in der Adduktion liegt. Dann ist die Inspektion Grundlage für weitere Untersuchung, etwa aus welcher Kraft das Ausweichen geschieht. Viele auf Inspektion beruhende Bewertungen können nur relativ, also durch Seitenvergleich oder Vergleich mit einer endgradigen Stellung getroffen werden.

Inspiration

Einatmung. Geschieht in langsamem Tempo in aufrechter Körperhaltung mit Hilfe der inspiratorischen Atemmuskulatur, beginnend mit den Scaleni, die für leichte Einatmung bereits ausreichen können; bei etwas kräftigerer Einatmung werden u.a. die Interkostalmuskeln hinzugezogen, forciert kommt die inspiratorische Atemhilfsmuskulatur hinzu. Die Einatmung (Inspiration) besteht aus zwei Anteilen, der Brust – und der Bauchinspiration Bei der Brusteinatmung werden die Rippen nach kranial-ventral angehoben, was den Thorax vergrößert und Luft in die Lungen saugt: ohne einfließende Luft würde sich in den Lungen ein Unterdruck relativ zur Umgebung ergeben, die einströmende Luft gleicht das aus. Die Baucheinatmung entsteht durch Kontraktion des Zwerchfells, welches sich nach kaudal zusammenzieht und damit ebenfalls das Lungenvolumen vergrößert, da die Lungen kaudal mit dem Zwerchfell verwachsen sind. In der Lungenfunktionsdiagnostik wird u.a. die inspiratorische Vitalkapazität, also das nach forcierter Exspiration maximal einatembare Luftvolumen bzw. umgekehrt das nach forcierter Einatmung maximal ausatembare Luftvolumen ermittelt, um auf restriktive Lungenerkrankungen zu untersuchen.

Die folgende Graphik zeigt die exspirierte und die forciert inspirierte Stellung der Rippen von kranial mit den Bewegungsachsen, die sich durch die Gelenke am Wirbel ergeben.

In der Ansicht von lateral ist die hebende Bewegung gut erkennbar wie auch die Veränderung der Neigung in der Sagittalebene:

inspiratorische Atemhilfsmuskeln

Muskeln, die bei kräftiger Einatmung mit eingesetzt werden können:

  1. M. levatores costarum
  2. M. serratus anterior (vorderer Sägemuskel)
  3. M. serratus posterior superior (hinterer oberer Sägemuskel)
  4. M. pectoralis minor und Pectoralis major (letzterer nur bei aufgestütztem Arm)
  5. M. sternocleidomastoideus
  6. M. erector spinae

inspiratorische Atemmuskeln

Muskeln, die bei normaler Einatmung eingesetzt werden:

  1. Zwerchfell (Diaphragma)
  2. Mm. intercostales externi (äußere Zwischenrippenmuskeln)
  3. M. scaleni
  4. M. intercartilaginei (der Teil der inneren Zwischenrippenmuskeln zwischen den Rippenknorpeln)

inspiratorisches Reservevolumen

das Volumen, das nach ruhiger, unangestrengter Inspiration noch zusätzlich eingeatmet werden kann.

Instabilität (Gelenk)

angeborene oder entstandene Bewegungsfähigkeit eines Gelenks in einer anderen als den physiologischen Bewegungsdimensionen. Die Ursache liegt in der Regel in einer Insuffizienz des passiven Bewegungsapparates, also der Bänder und der Gelenkkapsel. Sie kann traumatisch bedingt sein, auf mangelnden Trainigsreizen beruhen (Underuse), auf degenerativen Prozessen (Ursachen: mangelhafte Trophik, mangelnde Trainingsreize, Overuse, physiologische Alterung) oder Schmerzen (greifen in die Proriozeption, Steuerung und damit auch in die Gelenkkontrolle ein) beruhen oder Folge von Erkrankungen oder Verletzungen (Ursachen: iatrogen bei Arthoskopien, chirurgischer Intervention; Alltagstraumen, Sportverletzungen) sein. Instabilität ist immer pathologisch und in der Regel auch pathogen. Im Falle des Knies etwa kann eine Insuffizienz der Kollalteralbänder sowohl zu Varus- und Valgusbewegungen im Kniegelenk führen als auch zur transversalen Translation der Tibia gegenüber dem Femur. Im ersten Fall noch mehr als im zweiten Fall geht die Artikulation partiell verloren, die Gelenkflächen haben also merklichen bis dramatisch verminderten Kontakt, was zu signifikant erhöhten Belastungen der Knochen und deren Knorpelüberzügen führt. Hierin liegt ein kardinaler Unterschied zur Hypermobilität, bei der zwar das anguläre Winkelmaß einer oder mehrerer physiologischer Bewegungsdimensionen vergrößert ist, die Bewegung aber immer noch (zumindest weitestgehend) auf den vorgesehenen Knorpelflächen stattfindet.

Interkostalmuskeln

Zwischenrippenmuskeln, die der Atmung dienen:

  1. Mm. intercostales externi (äußere Zwischenrippenmuskeln), oberflächlich, inspiratorisch
  2. Mm. intercostales interni (innere Zwischenrippenmuskeln), profund, exspiratorisch
  3. Musculi intercostales intimi, Abspaltung der Mm. Mm. intercostales interni, exspiratorisch
  4. Musculi subcostales, Derivate der Mm. Mm. intercostales interni, exspiratorisch
  5. Musculus transversus thoracis, hat durch Verspannung der Rippenknorpel Einfluss auf die Elastizität des Brustkorbs

Interspinales System

die zwischen Dornfortsätzen verschiedener Wirbel verlaufenden, zum medialen Trakt der autochthonen Rückenmuskulatur gehörigen Muskeln: Interspinalis (lumborum, thoracis, cervicis), Spinalis (thoracis, cervicis, capitis)

Intertransversales System

die zwischen seitengleichen Transversalfortsätzen verschiedener Wirbel verlaufenden, zum lateralen Trakt der autochthonen Rückenmuskulatur gehörigen Muskeln: Intertransversarii lumborum (mediales und laterales), thoracis, cervicis (anteriores und posteriores), die die WS einseitig innerviert lateralflektieren und beidseitig innerviert extendieren.

Inversion (Fuß)

die Inversion ist als genaue Gegenbewegung zur Eversion Summe von Bewegungen im oberen und unteren Sprunggelenk, bestehend aus Supination, Plantarflexion und Adduktion des Fußes.

Ischiasnerv

Als „Ischiasnerv“ werden der gemeinsam bindegewebig verpackten Nervus fibularis communis und Nervus tibialis bezeichnet. Beide treten unabhängig voneinander aus dem Plexus lumbosacralis aus, gehen aber durch das Foramen intrapirimorme in einer gemeinsamen Hülle. Der Ischiasnerv versorgt die untere Extremität, dabei werden sämtliche Beuger (Ausnahme: M. biceps femoris caput breve) des Kniegelenks und OSG vom Nervus tibialis versorgt und die Strecker und Pronatoren der Sprunggelenke vom Nervus fibularis communis. Wird der Nerv in seinem Verlauf gereizt oder komprimiert, seien es die zugrundeliegenden Spinalnerven oder der Ischiasnerv in seinem Verlauf im dorsalen Hüftbereich, kommt es zu Störungsbildern wie der Ischialgie oder Lumbalgie bzw. ischialgiformen oder lumbalgiformen Schmerzen. Diese können allerdings auch schlicht durch Kompression durch einen Muskel hervorgerufen werden wie beim Piriformis-Syndrom/Deep Gluteal Syndrom DGS. Ähnliche Störungsbilder entstehen auch, wenn die bezüglichen Nerven noch im Rückenmarkskanal komprimiert werden wie etwa bei einer Spondylolisthesis (Wirbelgleiten) oder einer Spinalkanalstenose, so dass diese Bilder differentialdiagnostisch unterschieden werden müssen. Teilweise gelingt dies schon mit Hilfe von Anamnese und Provokationstests, sonst muss Bildgebung wie MRT bemüht werden. Reizungen des Ischiasnervs können auch durch Kälteeinwirkung oder Druck (teils dem DGS zugehörig) ausgelöst werden. Bei einem Facettensyndrom treten ähnliche Schmerzen auf, die jedoch pseudoradikulär und nicht radikulär sind und keine muskulären Ausfälle verursachen.

Ischiocrurale Gruppe

die oberschenkelrückseitige Muskulatur, die im Kniegelenk beugt und, soweit biartikulär das Hüftgelenk überspannend, eine Extension im Hüftgelenk verursacht. Das sind auf der Außenseite des hinteren Oberschenkels M. biceps femoris, und auf dessen Innenseite M. semimembranosus und M. semitendinosus. Die innere Ischiocrurale Gruppe dreht bei gebeugtem Kniegelenk den Unterschenkel im Kniegelenk ein, die äußere dreht ihn aus. Bei etwa gestrecktem Hüftgelenk unterstützt die innere Ischiocrurale Gruppe die Endorotation im Hüftgelenk, die äußere die Exorotation.
Der M. semitendinosus erzeugt ein gewisses Varus-Moment, der
M. biceps femoris ein gewisses Valgus-Moment. Weiter wirkt der Semimembranosus leicht adduzierend. Die Muskeln der Ischiocruralen Gruppe ziehen das Tibiaplateau nach dorsal und spannen damit das hintere Kreuzband, womit sie das vordere entlasten.

Antagonisten:   bezüglich der Extension im Hüftgelenk: die Hüftbeuger Iliopsoas und Rectus femoris. Bezüglich der Beugung im Kniegelenk: Quadrizeps.

isometrische Kontraktion

Muskelkontraktion, bei der in den Sarkomeren die Position von Aktin und Myosin, sowie der Abstand zwischen M- und Z-Scheibe unverändert und damit auch der Abstand zwischen Ursprung und Ansatz des Muskels gleich bleibt. Neben der isometrischen Kontraktion gibt es noch die exzentrische, die konzentrische und die isotonische Kontraktion.

isometrisches Muskelversagen

die mittlere der drei Formen oder Stufen des Muskelversagens: die Unfähigkeit, eine gegebene isometrische Kontraktion aufrechtzuerhalten. Erklärung und Beispiel siehe bei Muskelversagen.

isotonische Kontraktion

Muskelkontraktion, bei die Spannung der Muskulatur (Kontraktionskraft) gleich bleibt. Ob eine exzentrische oder konzentrische Kontraktion resultiert, also ob und wie der Abstand zwischen Ursprung und Ansatz des Muskels sich verändert, hängt von dem externen Widerstand gegen die Kontraktion ab. Dazu gehören nicht nur von außen auf den Körper einwirkende Kräfte sondern auch die Spannung des oder der Antagonisten. Neben der isotonischen Kontraktion gibt es noch die konzentrische, die exzentrische, und die isometrische Kontraktion.

J

Jogging

siehe die eigene Seite zum Jogging

K

Kälte

Kälte ist physikalisch ein geringerer Grad an Molekularschwingungen. Für die Physiologie ist dies ein erschwerender Faktor. Muskeln sind bei Kälte weniger elastisch, die Durchblutung des Körpers im allgemeinen und speziell auch der Muskeln wird schlechter, weil sich die Kapillaren als Reaktion auf Kälte zusammenziehen, damit weniger Wärmeenergie an die Außenwelt verloren geht. Die Synovia wird zäher, die Gelenkschmierung also schlechter. In Folge dieser Faktoren sinkt die Leistungsfähigkeit und die Verletzungsgefahr steigt deutlich an. Nässe ist ein wichtiger Kofaktor von Kälte.

Kapsel (Gelenkkapsel)

Teil des passiven Bewegungsapparates, der die äußere Grenze eines Gelenks bildet und die artikulierenden Knochenenden einschließt.
Die Gelenkkapsel bildet mit ihrer innersten Schicht, der Synovia (Membrana synovialis, Synovialmembran), die gleichnamige Gelenkschmiere, eine stark Hyaluronsäure-haltige Flüssigkeit, deren Viskosität sich mit abnehmender Temperatur nachteilig verändert.
Die äußere Schicht (Membrana fibrosa) besteht aus staffem kollagenen Gewebe und ist mit dem Periost der Knochens verbunden. Die Gelenkkapsel enthält mit Ruffini-Körperchen, Vater-Pacini-Körperchen und Golgi-Sehnenorganen Sensoren, die der Propriozeption dienen. Freie Nervenendigungen dienen als Nozizeptoren der Schmerzwahrnehmung. Teilweise sind Gelenkkapseln streifenförmig verstärkt um Kapselbänder (Ligamenta capsularia) auszuprägen. Neben der Begrenzung der Bewegung durch die Kapsel können sowohl außerhalb der Gelenkkapsel (extrakapsulär) als auch innerhalb (intrakapsulär) weitere Bänder liegen. Sind mehr als zwei Knochen an einem Gelenk beteiligt, wie etwa im Falle des Handgelenks, Kniegelenks oder OSG kann die Synovialmembran einzelne Räume abgrenzen. Kapseln können durch Trauma geschädigt werden und eventuell die Knochen dauerhaft nicht genügend führen, was eine Gelenkinstabilität bedeutet. In diesen Fällen liegt oft auch ein Muskelfaserriss oder ein Bänderriss vor. Reißt die Kapsel bei einem Trauma, kann es zu einem Hämarthros (Einblutung in die Kapsel) kommen. Entzündliche Prozesse können zum Aufquellen der Bänder und zum Verlust von Flexibilität führen. Auf Verletzungen der Kapsel reagiert die Synovialmembran häufig mit einer Mehrproduktion von Synovia.

Kapsulitis (Capsulitis)

Eine potentiell an verschiedenen Gelenken vorkommende entzündliche, vor allem aber mit teils ausgeprägten Schmerzen und Beweglichkeitseinschränkungen einhergehende Veränderung der Gelenkkapsel. Am verbreitetesten ist die Capsulitis adhaesiva des Schultergelenks (Periarthropathia humeroscapularis). Am zweithäufigsten nach dem Schultergelenks betroffen ist das Hüftgelenk.

Karpaltunnel

palmare Vertiefung im Karpus (Gesamtheit der Handwurzelknochen), durch die der N. medianus, die Sehnen der profunden Fingerbeuger (M. flexor digitorum profundus), superfiziellen Fingerbeuger (M. flexor digitorum superficialis) und der lange Daumenbeuger (M. flexor pollicis longus) verläuft. Einige Autoren zählen auch den M. flexor carpi radialis dazu. Der Karpaltunnel wird von einem Rückhalteband, dem Retinaculum flexorum abgedeckt. Anschwellen der Sehnen kann zu Druck auf den Nerven führen und damit zum Karpaltunnelsyndrom, einem Nevenkompressionssyndrom.

kaudal

bezeichnet eine Lage nah oder (im Vergleich) näher am unteren Ende des Rumpfes. Das begriffliche Gegenteil ist kranial.

Kennmuskeln

Kennmuskeln sind Muskeln, die in der klinischen Testung stellvertretend für ein Myotom getestet werden, etwa wenn der Verdacht auf Schäden an einem WS-Segment besteht.

  1. C4: Diaphragma
  2. C5: Deltoideus, Infraspinatus, Supraspinatus, Rhomboiden
  3. C6: Bizeps, Brachioradialis
  4. C7: Trizeps, Pronator Teres, Extensor carpi radialis, Flexor carpi radialis, Pectoralis major
  5. C8: Interossei, Abduktor pollicis brevis, Abduktor digiti minimi, Flexor carpi ulnaris, Flexor pollicis brevis
  6. Th10-Th12: Bauchmuskeln
  7. L1: Cremaster
  8. L3: Quadrizeps, Iliopsoas, Adduktor longus, Adduktor brevis, Adduktor magnus
  9. L4: Quadrizeps femoris: Vastus lateralis
  10. L5: Fibularis longus, Extensor hallucis longus, Tibialis anterior, Tibialis posterior, Gluteus medius
  11. S1: Trizeps surae, Gluteus maximus
  12. S2: Flexor digitorum brevis
  13. S3/S4: Bulbospongiosus
  14. S4/S5: Sphinkter ani externus

Einige der Kennmuskeln sind mit sehr leichten Tests prüfbar:

  1. Quadrizeps: Kniebeuge
  2. Trizeps surae: Zehenstand
  3. Tibialis anterior: Fußballenstand

kinetische Energie

die in der Bewegung eines Körpers gespeichterte Energie. Wird der Körper abrupt verzögert, wird diese Energie z.B. in Wärme oder Kaltverformung umgesetzt. Die Geschwindigkeit geht quadratisch als Faktor in die Energie des Körpers ein, daneben geht die Masse linear ein. Um einen Körper zu beschleunigen, muss Energie eingesetzt werden, die dann als kinetische Energie in ihm enthalten ist, es wird also eine Energieform in eine andere umgewandelt.

Kippmoment

Das Kippmoment ist das kleinste Moment, das dazu führt, dass ein Körper entlang des Randes seiner PSB schwerkraftgemäß umkippt. Damit ist das Kippmoment von der PSB und dem Schwerpunkt abhängig.

Kniehub

Das Maß, in dem das Bein beim Laufen angehoben wird. Zu geringer Kniehub ist meist Folge muskulärer Schwächen der Bein- und Hüftbeugemuskulatur. Er disponiert zu Cirkumduktion des Beins und verschiedenen Gelenkbeschwerden.

Knorpel

Knorpel ist ein Teil des passiven Bewegungsapparates. Er ist zumeist nicht vaskularisiert, seine Versorgung geschieht dann per Diffusion bei Druckwechseln in Bewegungen. Er dient als druckelastischer sowie biegeelastischer Puffer. Als solcher bildet er die Überzüge artikulierender Knochenareale

Körperhaltung

(siehe Haltung)

Kollateralband

Als Kollateralbänder werden Bänder von Gelenken bezeichnet, die parallel zur Ausdehnung eines Teils einer Extremität liegen und nicht auf der Beuge- oder Streckseite, sondern medial oder lateral. Im Beispiel des Kniegelenks sind dies das Innenband und Außenband.

Kollateralband (Knie)

die longitudinal auf der medialen bzw. lateralen Seite des Kniegelenks verlaufenden Innen- und Außenbänder, die sich bei Streckung des
Kniegelenks spannen und damit die Endo– und Exorotation des Unterschenkels im Kniegelenk unterbinden. Eine weitere Aufgabe der Kollateralbänder ist, varus– und valgusartige Bewegungen bzw. entsprechende Kräfte abzufangen.

kontrakt

bezeichnet eine verfestigte Fehlstellung, die nicht mehr in die physiologische Position gebracht werden kann als begriffliches Gegenteil von reponierbar. Kontrakte Fehlstellungen sind nicht konservativ behebbar.

Kontraktion

Mit Kontraktion eines Muskels oder Muskelkontraktion wird der Vorgang bezeichnet, bei dem ein Muskel über seine Ruheinnervation hinaus unter einem Mehrverbrauch an Energie (gegenüber Ruhezustand) in Form von Hydrolyse von ATP zu ADP Kontraktionskraft aufbringt. Dabei bewirkt eine chemische Reaktion des Proteins Myosin, das an der Mittelscheibe des Sarkomers festgemacht ist, eine geometrische Änderung seines Kopfes, der an variable Stellen des Proteins Aktin andockt, welches an der das Sarkomer begrenzenden Z-Scheibe festgemacht ist, dies führt zu einer Verkürzung des Sarkomers. Dabei unterscheidet man zwischen konzentrischer, exzentrischer, isometrischer und isotonischer Kontraktion. Wenn nichts weiter angegeben ist, wird unter Kontraktion in der Regel konzentrische Kontraktion verstanden. Für eine genauere Beschreibung siehe den Aufbau des Sarkomers und die Beschreibung des Kontraktionsmechanismus auf Wikipedia.

Kontraktionskraft

Die Kraft, mit der ein Muskel kontrahiert, also seinen Ansatz und Ursprung zueinander zieht. Am einfachsten ist die Kontraktionskraft aufzufassen als die in einer (manche Muskeln des Bewegungsapparates setzen nicht an beiden Enden mit Sehnen an, sondern ggf. direkt an Knochen) oder beiden Sehnen anliegende axiale Zugbelastung, die Sehnenkraft.

konzentrische Kontraktion

Muskelkontraktion, bei der in den Sarkomeren Aktin und Myosin weiter ineinandergreifen, wodurch sich der Abstand zwischen M- und Z-Scheibe verkleinert, so dass sich der Abstand zwischen Ursprung und Ansatz des Muskels verkleinert. Neben der konzentrischen Kontraktion gibt es noch die exzentrische, die isometrische und die isotonische Kontraktion. Die konzentrische Kontraktion wird auch als miometrische Kontraktion bezeichnet (mio: gr.: kurz).

konzentrisches Muskelversagen

die zuerst eintretende Form des Muskelversagens: die Unfähigkeit zu weiterer konzentrischer Kontraktion, Erklärung und Beispiel siehe bei Muskelversagen.

Körpermasse

Mit Körpermasse wird die physikalische Masse des Körpers bezeichnet. In der Anwendung ist jedoch die Gewichtskraft dieser Masse im Schwerkraftfeld der Erde meist relevanter. Verschiedene Autoren haben anhand unterschiedlicher Stichproben leicht voneinander abweichende Werte dazu angegeben, hier nur einige Beispiele.

Bernstein
Männner / Frauen
FischerHochmuth
Kopf6,72 / 8,127,068,1
Rumpf46,30 / 43,9042,7049,7
Oberarm2,65 / 2,603,362,8
Unterarm1,82 / 1,822,281,6
Hand0,70 / 0,550,840,6
Oberschenkel12,21 / 12,8911,589,9
Unterschenkel4,65 / 4,345,274,0
Fuß1,46 / 1,291,791,4

Die Schwerpunkte der Teilkörpergewichts der genannten Körperteile liegen relativ genau auf den Verbindungslinien der Gelenkdrehzentren. Im Falle der Extremitäten können sie als proximale Anteile an der Gesamtstrecke zwischen den Gelenkdrehzentren angegeben werden etwa wie folgt: Oberarm: 47%, Unterarm 42%, Oberschenkel 44%, Unterschenkel 42%, Fuß 44%. Dies reflektiert die Tatsache, daß die Glieder der Extremitäten sich nach distal verschlanken. Der Schwerpunkt des Kopfes liegt etwa mittig zwischen den Gehörgängen, der des Rumpfes etwa bei kranialen 44% seiner Länge.

Kraft

Kraft ist der physikalische Begriff für eine gerichtete Einwirkung auf einen Körper, die dessen Richtung oder Lage ändern, ihn verformen oder andere Veränderungen bewirken kann. Da Kräfte gerichtet sind und ihre Stärke eine skalare Größe ist, können sie gut als Vektoren darstellt werden. Die Richtung des Vektors ist dann die Richtung der Kraft und die Länge des Vektors, also die mathematische Norm, ist die Stärke der Kraft. Kräfte lassen sich vektoriell addieren. Entgegengesetzte, gleich starke Kräfte anullieren sich. In einem allgemeinen Sinne bezeichnet Kraft die Fähigkeit, etwas zu bewirken. Wird eine Kraft entlang eines bestimmten Weges ausgeübt, so ist dies Arbeit. Einfaches Beispiel dafür ist das Anheben eines Gegenstandes. Um ihn gegen die Schwerkraft zu halten, ist eine bestimmte Kraft erforderlich, etwa eine Federspannung. Diese Kraft ist seiner Gravitationskraft entgegengesetzt und gleich groß. Wird der Gegenstand nun um einen Meter angehoben, indem größere Kraft auf in ausgeübt wird als zum bloßen Halten erforderlich ist, wird damit Arbeit geleistet, und der angehobene Gegenstand hat in Folge eine höhere potentielle Energie als zuvor. Die geleistete Arbeit ist also der Energie äquivalent. Wird der Körper nicht angehoben sondern erwärmt, so enthält er aber auch mehr Energie, hier eben Wärmeenergie. Der Begriff der Arbeit muß also verallgemeinert werden, so daß etwa auch das Erwärmen als Arbeit aufgefasst werden kann. Damit ist dann auch der Erhalt der Körpertemperatur gegen die ständig stattfindende Wärmeabgang an die Umwelt erklärt. Der Muskeln leistet Arbeit und konsumiert Energie, je größer die Wärmeabgabe (z.B. bei niedriger Umgebungstemperatur und unzureichender Kleidung oder im „Kühlmodus“ des Körpers bei und nach größerer körperlicher Leistung), desto mehr.

Im Sinne der Yogahaltungen treten viele unterschiedliche Kräfte auf, allen voran die Gravitationskraft, die ein Teilkörpergewicht ausübt (korrekt, die auf ein TKG einwirkt), und die Sehnenkraft der Muskeln, die ein Gelenk in Position hält oder darüber hinaus eine Bewegung induziert. Nun funktioniert ein Muskel aber deutlich anders als eine Federwaage, ein Riegel oder eine Stütze, mit denen eine schwerkraftgemäße Bewegung unterbunden werden könnte. Im Muskel erfolgt seiner Konstruktion und Ansteuerung gemäß ein ständiger Wechsel von Muskelfasern, die zusammen eine gewisse Sehnenkraft aufbringen. Deshalb konsumiert das Aufbringen einer gewissen Sehnenkraft über eine Zeit eine gewisse Menge (chemischer) Energie. Liegt die vom dem Muskel geforderte Sehnenkraft eine Zeit lang über einer bestimmten Schwelle, so geht dies über die Versorgungs- oder entsorgungskapazität hinaus und der Muskel fängt in Folge an zu ermüden und zu brennen. Die Faktoren Zeit und Sehnenkraft stehen dabei im Verhältnis. Damit ist klar, daß im Gegensatz zu arretierten Gegenständen das Innehalten einer asana Energie kostet, je größer die aufzuwendenden Kräfte, desto mehr. Die benötigte Energie stammt dabei unmittelbar aus der Reaktion von ATP zu ADP, letztlich also aus der Nahrung. Ein weiteres Beispiel für Energieverbrauch ohne daß äußerlich sichtbare Arbeit verrichtet wird, ist das gleichzeitige und gleich intensive Anspannen der Ellbogenbeuger und -strecker, so daß keine Bewegung im Ellbogengelenk resultiert. Um die angestrebten Sehnenkräfte zu erreichen und aufrechtzuerhalten, müssen ständig andere Muskelfasern in Aktion gebracht werden um ihren Anteil an der „Haltearbeit“ zu leisten und verbrauchen dabei Energie.

Kraft-Längen-Funktion („Kraft-Längen-Relation“)

die Kraft, die ein Muskel entfalten kann, ist abhängig von der aktuellen Sarkomerlänge, dazu existiert ein funktionaler Zusammenhang, der grob gesehen, von einer auf dem Kopf stehenden Parabel beschrieben wird. In Wirklichkeit ist diese Kurve kleinschrittig polygonal: mit der Position maximaler Dehnung beginnend können bei zunehmender Kontraktion immer mehr Myosinköpfchen in das Aktin eingreifen und mit ihrer geometrischen Veränderung Kraft beisteuern. Kurz nach Erreichen des Maximums der Kontraktionskraft greift ein gegenteiliger Effekt: die Bindungsstellen am Aktin, an denen die Myosinköpfchen andocken können, werden immer weniger bis schließlich Aktin und Myosin maximal ineinander gegriffen haben und eine weitere Kontraktion nicht mehr möglich ist. An dieser Stelle ist die Kontraktionskraft auf Null gesunken. Auf der anderen, zuerst betrachteten, Seite (weiteste Dehnung) der Kurve existiert auch ein Nullpunkt der Funktion, nämlich dort, wo noch kein Myosinköpfchen in das Aktin eingegriffen hat. Oft wird die Funktion auf der Seite großer Sarkomerlängen als etwas flacher als auf der anderen Seite beschrieben. Siehe dazu die Kraft-Längen-Funktion.

Kraftarm

im Sinne der Biomechanik ist dies der Hebelarm, also die Länge des Hebels, an dem eine Kraft eine Last um ein Drehzentrum bewegt.

kranial

bezeichnet eine Lage nah oder (im Vergleich) näher am oberen Ende des Rumpfes bzw. Kopf. Das begriffliche Gegenteil ist kaudal.

Kreiselkraft

Die Kreiselkraft, genauer der gyroskopische Effekt, ist die Trägheit einer Drehachse gegen Veränderungen. Damit stabilisiert sich etwa ein symmetrischer Kreisel oder ein rollendes Rad selbst, was Radfahrenden bestens bekannt ist als mit der Geschwindigkeit abnehmende Neigung (bei ansonsten gleichen Bedingungen) umzukippen. In Vorgängen wie dem einbeinigen Handstand-Ausschwung hilft der gyroskopische Effekt nicht seitwärts instabil zu werden, wenn der Aufschwung nur schnell genug ausgeführt wird.

Krepitationen

Der meist im Plural benutzte Begriff Krepitationen bezeichnet ein palpatorisches oder auskultatorisches „Knistern“ oder „Rascheln“, manchmal auch als „Knisterrasseln“ bezeichnet. Dazu gehört auch das „Schnellballknirschen“, welches typisch für Tendovaginitiden ist. Andere Erkrankungen mit Krepitationen sind Frakturen und fortgeschrittene Arthrose, bei der bereits Knochen (statt deren Knorpelflächen) aufeinander reiben.

Kreuzband

die beiden im Kniegelenk extraartikulär (= extrakapsulär) verlaufenden Bänder, die eine Verschiebung der Tibia gegenüber dem Femur nach ventral bzw. dorsal verhindern: vorderes Kreuzband und hinteres Kreuzband. Im Falle von deren Schädigung entstehen unphysiologische Verschieblichkeiten mit Folge von Instabilität bei Bewegung und erhöhtem Verschleiß des Kniegelenks. Erkennbar sind Schädigung wie Überdehnung und Riss am vorderen bzw. hinteren Schubladeneffekt. In der englischen Literatur wird das vordere Kreuzband als ACL (anterior cruciate ligament) und das hintere als PCL (posterior cruciate ligament) bezeichnet.

Kubitaltunnel

laterale Vertiefung im Ellbogenbereich, einige Zentimeter nach proximal und distal des Ellbogengelenks, durch die der N. ulnaris verläuft, der v.a. den 4. und 5. Finger versorgt. Daher kann anhaltender Druck auf den Nerven oder ein Trauma zum Kubitaltunnelsyndrom (Sulcus-ulnaris-Syndorm, Ulnarisrinnen-Syndrom) führen, dem zweithäufigsten Nevenkompressionssyndrom bei Menschen.

Kugelgelenk

siehe bei Gelenkformen

Kyphose

Buckel; die Kyphose kann physiologisch (BWS-Kyphosierung) oder pathologisch (z.B. BWS-Hyper-Kyphosierung oder LWS-Kyphose) sein. Mehr dazu auf der Pathologie-Seite.

L

Labrum

Ein Labrum ist eine Knorpellippe. Solche Strukturen sind vor allem dort notwendig, wo eine sehr kleine, flache Gelenkfläche einen Knochen mit großem Radius/Umfang halten muß. Beispiele sind etwa die beiden großen Gelenke am Rumpf mit großem Bewegungsumfang: das Hüftgelenk und das Schultergelenk.

Laktatschwelle

Die Laktatschwelle ist die maximale Belastung, bei der noch genauso viel Laktat abtransportiert werden kann wie entsteht. Sie stellt den Beginn der anaeroben Zone dar, die i.d.R. bei 80% der Maximalleistungsfähigkeit beginnt. Ab dieser Schwelle ist eine zunehmende Sauerstoffschuld und eine zunehmende Latkatansammlung im Muskels unvermeidbar.

Lastarm

im Sinne der Biomechanik ist dies der Hebelarm, an dem eine Last um ein Drehzentrum bewegt, also in der Regel der Abstand des Schwerpunkts des Gegenstandes vom Drehzentrum.

Lastmaximum

in vielen nichtzyklischen und zyklischen Bewegungen variiert die Last über den Arbeitsbereich. Dabei tritt meist an irgendeinem Punkt ein Maximum auf. Abhängig von der Konstruktion der Übung hängt das Lastmaximum eher ab von

  • intrinsischen biomechanischen Faktoren ab wie der Kraft-Längen-Funktion der Muskeln
  • äußeren Faktoren etwa wie dem Winkel zwischen der Richtung der Bewegung mit externem Gewicht und der Schwerkraftrichtung (die Senkrechte), was meist bei Übungen mit externen Gewichten wie Hanteln der Fall ist,
  • der physikalischen Beschaffenheit eines Hilfsmittels wie im Falle eines Therabands mit seinem weitgehend linear progressiven Widerstand, das das Lastmaximum recht regelmäßig an das Ende der Bewegung verlegt.

Zur Konstruktion einer Übung gehört die Überlegung, wie sich die physikalische Kinetik der Übung zur Kraft-Längen-Funktion der Muskeln verhalten soll. Liegt die physikalisch größte Last und damit ein lokales Lastmaximum in sehr großer Sarkomerlänge, kann nur geringes Gewicht bewegt werden, die Bewegung wird aber in Richtung der Mitte des ROM leichter. Ein Beispiel dafür ist die Ellbogengelenkbeugung aus der Rückenlage. Der Kinetik der Übung gemäß nimmt die Last in Richtung der Senkrechte des Arms ab bis auf Null. Der Rest des ROM ist im Sinne der Übung nicht nutzbar.

Ein anderes Verhalten sehen wir bei klassischen Bizepscurls: die initiale Ellbogengelenkbeugung bei senkrechtem Arm ist beliebig leicht, die benötigte Kraft nimmt zu bis zum waagerechten Unterarm, der das (globale) Lastmaximum aufweist, und wieder ab mit weiterer Beugung des Ellbogengelenks. Bei gestrecktem, senkrechtem Arm sehen wir ein globales Lastminimum und bei maximaler Beugung ein lokales Lastminimum. Das Lastmaximum liegt halbwegs mittig im ROM, was der Kraft-Längen-Funktion entgegenkommt und diese Übung auszeichnet. Würde der Oberkörper, etwa auf einer Schrägbank, nach hinten gekippt divergieren mit zunehmendem Winkel gegen die Senkrechte das physikalische Lastmaximum und die maximale Kraft nach Kraft-Längen-Funktion immer weiter. Bei 45° Neigung sind nur noch 135° des ROM im Sinne der Übung nutzbar, nämlich bis zur Senkrechte des Unterarms, in flacher Rückenlage nur noch 90°, das Lastmaximum läge dann bei waagerechtem, gestrecktem Arm vor, wo der Bizeps so gut wie keine Kraft hat, da hier der theoretische Nullpunkt der Kraft-Längen-Funktion erreicht wird, der aus dem mangelnden Eingriff des Myosins ins das Aktin resultiert, und zudem der Hebelarm des Bizeps im Ellbogengelenk sehr gering ist, da die Sehne bei dem Winkel sehr profund liegt .

Wieder eine andere Situation sehen wir bei den sogenannten Scott-Curls, auf einem etwa 45° schrägen Pult ausgeführte Bizeps -Curls. Zu Beginn sind die Ellbogengelenke gestreckt und die Armbeuger müssen gegen eine bereits recht großen waagerechten Hebel aus großer Sarkomerlänge anheben. Für den monoartikulären Brachialis ist dies noch machbar, der biartikuläre Bizeps hingegen befindet sich noch nahe der Nullstelle seiner Kraft. Mit dem ersten Beugen wird die Situation für den Bizeps zunehmend günstiger, jedoch nähert sich der Unterarm der Waagerechte und damit der maximalen Schwerkraftwirkung. Erst danach wird die Bewegung zunehmend leichter. Das physikalische Lastmaximum liegt hier zwar beim waagerechten Unterarm, jedoch ist subjektiv das initiale Abheben am schwersten.

Das Theraband mit seinem weitgehend linear progressiven Widerstand überwiegt oft die physikalischen Effekte und den Einfluß der Kraft-Längen-Relation weitgehend oder gleicht diese ein Stück weit aus, wie es etwa im Falle von mit einem Theraband ausgeführten Bizepscurl ist, dessen Befestigungspunkt etwa im 45° Winkel dorsal hinter der Hand des gestreckten Arms in Ausgangsposition liegt. Die Bewegung startet wegen des geringen Zugs des Bandes leicht, was der noch geringen Kraft der Armbeuger nach Kraft-Längen-Funktion entgegenkommt, bei 45° Beugung des Ellbogengelenks ist das Band senkrecht zum Unterarm und der physikalische Hebelarm maximal, was die nach Kraft-Längen-Funktion zunehmnede Kraft weitgehend aufwiegt, deren Maximum bei etwa 90° Beugung des Arms sich einer bereits sehr großen Zugspannung des Bandes entgegenstellt. Erleichtern kommt dann der geringere Hebelarm des Unterarms gegen die Zugrichtung hinzu.

lateral

bezeichnet eine Lage weit oder (im Vergleich) weiter entfernt von der Mitte, in der Transversalebene gesehen. Das begriffliche Gegenteil ist
medial.

Laterale Abduktoren des (Schultergelenks)

die Muskulatur, die die laterale Abduktion im Schultergelenk ausführt: Deltoideus mit allen drei Köpfen, am stärksten mit dem pars acromialis, Supraspinatus (bereits vor der Deltoideus ein Moment aufbauen kann), Bizeps (schwach mit dem caput longum).

Laterale Adduktoren des (Schultergelenks)

die Muskulatur, die die laterale Adduktion im Schultergelenk ausführt: Trizeps (caput longum), Teres minor, Teres major, Latissimus dorsi, Deltoideus (teilweise mit pars spinalis und pars clavicularis), Pectoralis major.

lateraler Trakt

Teil der autochthonen Rückenmuskulatur: Intertransversales System, Spinotransversales System, Sakrospinales System und die Levatores costarum.

Lateralflexion

Seitbeuge der Wirbelsäule. Diese ist in allen Teilen der Wirbelsäule möglich, entsprechend deren unterschiedlicher Beweglichkeit, also in der BWS am gerinsten ausgeprägt und in der HWS am stärksten. Entsprechend dem Bereich der Wirbelsäule bewirken verschiedene lateralflektorisch wirksame Muskeln die Seitbeuge der Wirbelsäule, eine Aufzählung siehe unter Lateralflexoren.

Lateralflexoren

Die die Lateralflexion, also Seitbeuge der Wirbelsäule ausführende Muskulatur. Diese sind

  1. allgemein: schräge Bauchmuskulatur, Latissimus dorsi, Quadratus lumborum, daneben das Schrägsystem der autochthonen Rückenmuskulatur: Spinalis, Semispinalis, Longissimus, Iliocostalis, Multifidi, Intertransversarii, Interspinales.
  2. spieziell im Bereich der BWS: Levatores costarum
  3. speziell im Bereich der LWS: Psoas major, falls vorhanden auch Psoas minor
  4. speziell im Bereich der HWS: Sternocleidomastoideus, Levator scapulae, Scalenus anterior, Scalenus posterior, Scalenus medius, Rectus capitis anterior, daneben autochthone: Longus colli, Splenius, Obliquus capitis superior, Rectus capitis posterior minor, Rectus capitis lateralis

Lateralisation (Schulterblatt)

Bewegung des Schulterblatts nach maximal lateral, also weg von der Wirbelsäule ohne es deutlich nach vorn zu ziehen. Diese Position ist deutlich entfernt von der Retraktion, aber auch weit von der Protraktion. Sie wird in der Regel am leichtesten erreicht, wenn der Arm bei rund 90° lateraler Abduktion nach außen von der Wirbelsäule weggestreckt wird, wie es etwa in der 2. Kriegerstellung oder der trikonasana der Fall ist. Würde der Arm aus der Position, in der er sich in der 2. Kriegerstellung befindet (90° laterale Abduktion) im Sinne einer transversalen Adduktion maximal nach vorn und später medial bewegt, so würde bei guter Beweglichkeit bei etwa 20° Adduktion das Schulterblatt in die Protraktion zu gehen beginnen. Bei weniger guter Beweglichkeit auch schon früher.
Auch in maximaler Frontalabduktion ist eine Lateralisierung möglich, wie z.B. in caturkonasana, wenn die Handflächen kraftvoll aufeinandergepresst werden. Wie sich die Lateralisierung und die Protraktion unterscheiden, kann experimentell leicht demonstriert werden, wenn aus der Lateralisierung bei seitlich auf 90° lateraler Abduktion angehobenem Arm dieser maximal transversal adduziert wird.

Laufen (allgemein, in jeder Form)

Zyklische Vorwärtsbewegung auf zwei Beinen zum Überbrücken von Distanzen, die i.w. daraus besteht ein Bein (versetzt) vor das andere zu setzen und in der Summe der Schritte die gewünschte Distanz zu überwinden. Der umgangssprachliche Begriff „Laufen“ fasst grob klassifiziert die folgenden Tätigkeiten zusammen:

  1. Gehen
  2. Jogging
  3. Running
  4. Sprinting

Bereits beim Jogging und nicht erst beim Running zeigen sich eine Reihe positiver körperlicher Auswirkungen: Steigerung der Ausdauer und des kariopulmonalen Leistungsvermögens, präventive Effekte gegen einige wichtige Zivilisationskrankheiten wie Herzinfarkt, (unblutiger) Schlaganfall, Arteriosklerose, vaskuläre Demenz, Diabetes mellitus. positiver Einfluß auf die Knochendichte und Unterstützung bei der Gewichtsreduktion, immerhin verbrennt Jogging zwischen 700 und 800 kcal / h und damit ein Drittel des Bedarf eines ruhig lebenden Menschen mit Bürotätigkeit. Running verbraucht (bei einem 80 kg schweren Probanden und 15 km/h) etwa 1200 kcal/h, davon werden zwischen 70% und 80% als Abwärme über den Schweiß abgegeben, etwa 1-2 l / h. Während auch beim Jogging die Schrittfrequenz häufig zwischen 140 und 170 / Minute liegt, ist die Schrittlänge im Vergleich zum Running doch eher klein, häufig geht sie nicht über die Schrittlänge beim Gehen hinaus und unterschreitet die Schrittlänge bei forciertem Gehen deutlich. Ein typischer Jogger setzt einen Fuß in nicht mehr als einer Fußlänge Abstand vom anderen auf, hat also eine Schrittlänge von nicht mehr als zwei Fußlängen. Dagegen erreichen auch wenig trainierte Läufer recht schnell Schrittlängen von deutlich über einem Meter, bei Fußlängen von durchschnittlich etwa 20 (Schuhgröße 32) – 30 (Schuhgröße 47) cm entspricht das einem meist weit mehr als dreifachen der Fußlänge. Die Weltspitze der Sprinter hat Schrittlängen von 2,50 m, das ist mehr als das achtfache der Fußlänge. Selbst Top-Marathonläufer haben noch Schrittlängen von 1,50 m, also mehr als dem fünffachen der Fußlänge. Trotz und gerade wegen der kurzen, häufigen Schritte hat Jogging aber auch seine Kehrseiten: Die Schwerpunktkurve besitzt beim Jogging eine stärkere Krümmung als beim Running , die vertikale Oszillation ist – je nach Laufmuster – im Verhältnis zur Schrittlänge meist etwas ausgeprägter, vor allem in Relation zur Schrittlänge wird dies sehr deutlich.

Während beim Running das Abstoßen des Fußes vom Boden aus Kraft des Trizeps surae den Körperschwerpunkt vor allem nach vorn bewegt – Ziel ist ja Geschwindigkeit – ist der Fokus beim Jogging wegen der kleinen Schrittlänge relativ gesehen mehr in Richtung der Absprungbewegung nach oben verschoben. Daraus resultiert eine deutlich geringere Kräftigung des ganzen Extensorenbereichs des Hüftgelenks, aber auch der Hüftflexoren: bei gleicher Schrittfrequenz müssen für eine größere Schrittlänge die Hüftgelenke proportional mehr und überproportional kraftvoller extendiert und flektiert werden. Letzteres beruht darauf, daß die Beine ständig beschleunigt und verzögert (also negativ beschleunigt) werden müssen, und bei der Beschleunigung der Faktor Zeit im Nenner steht, also einen hyperbolischen Einfluß hat. Wie die Schrittlänge ist der Hub (das Bogenmaß) im Fußgelenk beim Running signifikant größer, die Abrollbewegung also weit ausgeprägter. Im Verhältnis zu den kräftigenden Wirkungen zeigt das Jogging also weit mehr Stoßbelastungen durch das Aufsetzen des Fußes. Dies ist für alle beteiligten Gelenke weniger günstig. Gerade postpartum wird dies auch außerhalb des Bewegungsapparates zu einem gewichtigen Faktor, wenn die Beckenbodenmuskulatur noch gedehnt und schwach ist. Jogging sollte daher erst nach einiger Zeit regelmäßigen Beckenbodentrainings und völliger Beschwerdefreiheit begonnen bzw. wiederaufgenommen werden. Die geringe Schrittlänge hat auch eine weit geringere zu leistende Stabilisierungsarbeit der Rumpfmuskulatur zur Folge.

Da das Becken beim Running eine Oszillation um eine Transversalachse (eine quere Waagerechte) ausführt, genauso wie eine um die Longitudinalachse (eine Vertikale), nachrangig auch noch eine Pendelbewegung um eine saggitale Wasgerechte, muß ein nennenswerter Teil der Muskulatur vor allem des unteren Rumpfs gegensteuern, damit der Rumpf möglichst wenig den Bewegungen des Beckens folgen muß, was einen immensen Energie- bzw. Geschwindkeitsverlust und rasche Ermüdung zur Folge hätte. Während Gehen auf der einen Seite und Jogging und Running auf der anderen Seite dadurch klar abgrenzbar sind, daß beim Gehen immer mindestens ein Fuß Kontakt mit dem Boden hat, trifft dies für Jogging und Running nicht zu, hier gibt es eine Flugphase. Diese gibt es auch bei der schärfsten Form des Running , dem Sprinting. Eine scharfe Abgrenzung von Jogging und Running anhand objektiver Parameter ist schwer, am besten taugt noch die obige Betrachtung der Schrittlänge. Daneben kann beim Joggen bequem und zeitlich unbegrenzt Konversation betrieben werden, was beim Running nicht der Fall ist, da dadurch die Tilgugn der höheren Sauerstoffschuld und die Artikulation zu deutlich beeinträchtigt wird. Die Abgrenzung von Running und Sprinting ist hingegen leicht, da Running eine aerobe Disziplin ist, also kein Ausmaß an Sauerstoffschuld in den Geweben erzeugt wird, das nicht in Echtzeit zu tilgen wäre. Beim Sprinting hingegen handelt es sich klar um eine anaerobe Disziplin, die bestenfalls wenige hundert Meter durchzuhalten ist. Die Schwerpunktkurve ist recht glatt, die Höhenoszillation des Körperschwerpunkts also gering. Sprinting ist immer Vorfußlauf, längere Strecken finden fast immer mit Abrollbewegung mindestens als Mittelfußlauf, meist und fast immer auf hobbyistischem Niveau als Rückfußlauf statt.

Allen 4 Bewegungsformen (Gehen, Jogging, Running, Sprinting) ist gemeinsam, daß der Vortrieb fast ausschließlich aus den Hüftextensoren und dem Trizeps surae (und anderen weniger beitragenden Fußgelenkstreckern) kommt. Dabei wird der Anteil des Gluteus maximus als Kraftextensor des Hüftgelenks bei geringen Geschwindigkeiten noch sehr gering sein, beim Sprinting überwiegt er dann. Gerade beim Gehen kann stark zwischen dem Krafteinsatz des Trizeps surae und der Ischiocruralen Gruppe variiert werden, die normalerweise den größten Anteil zum Vortrieb beiträgt. Grundsätzlich ist ein kraftvoller Einsatz des Gluteus maximmus beim Gehen möglich, aber bei moderaten Geschwindkgkeiten wenig typisch. Unterschiede liegen etwa im Aufsetzpunkt des Fußes bzw. des Körperschwerpunkts: beim schnelleren Laufen und Sprinten muß der Fuß etwa unter dem Körperschwerpunkts aufgesetzt werden. Ein zu weit vor dem Schwerpunkt liegender Aufsetzpunkt ist unökonomisch und fördert den Verschleiß. Beim Sprinting steigt gegenüber dem Running nicht so sehr die Schrittlänge sondern vor allem die Schrittfrequenz an, was auch den dramatisch erhöhten Energiebedarf erklärt, da die Zeit, wie bereits geschildert, hyperbolisch in die Rechnung eingeht. Auch wenn einge Autoren eine Geschwindigkeit von 10 km/h als ungefähre Grenze zwischen Jogging und Running angeben, ist dies hoch individuell. Noch klarer wird dies beim Running vs. Sprinting. Hochklassige Marathonläufer laufen problemlos 18 km/h, was ein deutlich weniger trainierter Läufer oft nichtmals im Sprint erreicht. Genauso kann im Gehen leicht eine Geschwindigkeit von 7 – 8 km/h erreicht werden, wobei gemütliche Jogger möglicherweise kaum das Spaziergängertempo 5 km/h erreichen. In diesem Fall liegt der größte Unterschied in der Schrittlänge, die beim ambitionierten Gehen deutlich länger sein kann als beim trippelnden Jogging. Die Steigerung der Schrittlänge von Gehen über Jogging zu Running (und kaum noch zum Sprinting) zeigt sich auch in den erreichten ROM in den jeweiligen Gelenken. Objektive Zeitangeben oder Geschwindigkeiten taugen also kaum zur Abgrenzung.

Leistenschmerz

Funktioneller Schmerz oder struktureller Schmerz in der Leistenregion. Der funktionelle Schmerz wird in der Regel durch Insertionstendopathien folgender Muskeln verursacht:

  1. Adduktor longus
  2. Gracilis
  3. Pectineus
  4. Rectus femoris
  5. Iliopsoas
  6. Rectus abdominis

Damit finden sich Muskeln aus verschiedenen Funktionalitäten, im wesentlichen: Bauchmuskeln, Hüftbeuger, Adduktoren. Der strukturelle Schmerz hingegen beruht auf manifesten strukturellen Störungen wie Gelenkblockaden (meist des ISG (ISG-Blockade), nachrangig des Hüftgelenks), Arthrose vor allem des Hüftgelenks (Coxarthrose), nachrangig des ISG, Störungen der Schambeinsymphyse, Frakturen und Stressfrakturen, bei Jüngeren auch Störungen des Hüftgelenks wie Morbus Perthes oder Morbus Neck. Auch bei Erwachsenen finden sich nicht selten Störungsbilder, die auf in der Kindheit/Jugend unversorgte oder unzureichend versorgte Störungen dieser Art, auf Dysplasien und Inkongruenzen zurückgehen.

Die Sportanamnese ist bei Leistenschmerz häufig aufschlußreich und richtungsweisend. Häufig enstehen die Störungsbilder durch oder bei Fußball, Laufsportarten (insbesondere Sprint und Hürdenlauf), nachrangig beim Gehen, Springen und in Kampfsportarten. Bei akuten Verletzungen handelt es sich häufig um Muskelfaserrisse oder Sehnenrisse (bzw. Anrisse). Chronische Störungsbilder sind häufig Overuse-Syndrome, etwa Insertionstendopathien, Gelenkverschleiß (Arthrose) oft auf dem Boden kleiner Störungen des Bewegungsapparates wie Achsenfehlstellungen, Fußdeformitäten, muskulären Dysbalancen (z.B. Störungen oder Schwächen der Hüftmuskulatur). Bei der klinischen Untersuchung darf nicht übersehen werden, daß Angaben der Schmerzlokalistion nicht immer zuverlässig sind, da z.B. Störungen des Hüftgelenks in Richtung des Knies projizieren können oder des ISG in Richtung der Leiste.

Palpatorisch finden sich häufig eine diagnoseweisende Druckschmerzhaftigkeit. In Funktionstests (Seitenvergleich beachten!) können sich dehnungsschmerzhafte Bewegungseinschränkungen finden oder solche, die mit Gelenkschmerzen assoziiert sind. Gegen Widerstand ausgeführte Bewegungen zeigen durch Belastungsschmerzhaftigkeit meist Insertionstendopathien an, wenn der Schmerz insertionsnahe ist, sonst Störungen des Muskels selbst, was aber nicht in den Bereich des Störungsbildes Leistenschmerz fällt. Störung und Verminderung der Exorotation kann muskulär bedingt sein (Kontraktur/Verkürzung), aber auch bei entsprechender Schmerzangabe assoziiert mit Störungen des ISG. Endorotationseinschränkungen hingegen sind in der Regel artikulärer Ursache und basieren auf Arthrose (meist Coxarthrose), Arthritis oder Kapsulitis. Sind die Bewegungen komplexer, bei denen Schmerzen oder Einschränkungen auftreten, muß weiter untersucht werden, oft findet sich die Ursache dann letztlich im Hüftgelenk. Beinlängendifferenzen sind immer (unter anderen verursachten Störungsbildern) auch Kandidaten für die Verursachung von Leistenschmerzen. Sind sie variabel (mal vorhanden, mal nicht), so geht dies oft eine Störung des ISG zurück.

Linea alba

Die „weiße Linie“ zwischen den beiden linken und rechten Anteilen des Rectus abdominis, also die Mittellinie des Bauchs. Sie liegt damit in der Medianebene. Physiologischerweise verläuft sie in Anatomisch Null exakt senkrecht. Abweichungen davon sind klärungsbedürfig. Eine Krümmung der Linea alba etwa deutet in der Regel auf eine Skoliose hin, eine Abweichung von der Senkrechten auf eine Beinlängendifferenz. Nicht selten tritt beides zusammen auf, da Beinlängendifferenzen dazu neigen, Beckenschiefstände und konsekutiv Skoliosen hervorzurufen.

Linea terminalis

Die durch Promontorium des Kreuzbeins, Pars lateralis des Kreuzbeins, Linea arcuata, Eminentia iliopubica, Pecten ossis pubis, Tuberculum pubicum und Symphyse gebildete Kurve, die das kleine Becken nach kranial gegen das große Becken abgrenzt.

longitudinale Muskeladaption

die Anzahl der Sarkomere in einer Myofibrille ist keine feste, zeitlebens unveränderliche Größe. Die Benutzung des Bewegungsapparates hat durchaus einen Einfluss darauf. Beispielsweise bauen Muskeln, die in kurzer Sarkomerlänge über längere Zeit ruhiggestellt werden (meist therpautisch nach Traumata), die Anzahl der seriellen (also in der Myofibrile hintereinanderliegenden) Sarkomere zurück, verkleinern deren Anzahl also. Genauso ist eine häufigere intensive Benutzung des Muskels in größeren Sarkomerlängen geeignet, die Anzahl der seriellen Sarkomere zu vergrößern. Dies wird als longitudinale Muskeladaption bezeichnet im Gegensatz zum schon weit länger bekannten Dickenwachstum des Muskels durch Training, bei dem sich die Anzahl der parallelen Sarkomere vergrößert. Die Folgen der (reversiblen, siehe oben) longitudinalen Muskeladaption, ergeben sich daraus, dass jetzt mehr Sarkomere in Reihe die gleiche Arbeit leisten als zuvor und sind soweit heute bekannt, durchweg als positiv zu werten:

  1. günstige Verschiebung des Arbeitsbereichs der einzelnen Sarkomere im Sinne der Kraft-Längen-Funktion
  2. leichter Zuwachs der Muskelleistung
  3. leichter Zuwachs der Maximalkraft
  4. leichter Zuwachs der maximalen Kontraktionsgeschwindigkeit
  5. leicht verminderte Verletzungsanfälligkeit

Beispiele für typischer Weise longitudinale Muskeladaption bewirkende Haltungen siehe Erklärung unter Muskelkater.

Lordose

von vorn (ventral) konvexe bzw. von hinten konkave Form eines Teils der Wirbelsäule, Physiologisch ist das in einem gewissen Ausmaß bei der LWS und HWS

LWS (Lendenwirbelsäule)

Die Lendenwirbelsäule ist der Teil der Wirbelsäule direkt oberhalb des Kreuzbeins (Sakrum), meist aus 5 Wirbeln bestehend, jedoch sind Lumbalisierungen von Sakralwirbeln oder Sakralisierungen von Lumbalwirbeln oder auch ein überzähliger Lendenwirbel nicht selten.
Wegen der Lage oberhalb des Sakrums, welches kranial weiter ventral steht, schließt die LWS dort an und kurvt sich physiologisch in einer (von hinten gesehen) konkaven Lordose. Dauerhafte Steilstellungen und Kyphosen der LWS sind pathogen. Die LWS ist wichtiger Urpsrungsbereich für einen wichtigen Hüftbeuger, den Psoas major, der wenn verkürzt, die LWS hyperlordosiert statt (nur) physiologisch lordosiert. Im Gegensatz ist die LWS frei von Rippenansätzen.

Lymphatisches System / Lymphsystem

Das aus den lymphatisches Gewebe enthaltenden Lymphknoten und den Lymphgefäßen bestehende System, welches einen (zu den Venen parallelen, alternativen) Rückweg von dem Interstitium zum Herzen darstellt.

Lymphe

die Lymphe ist eine milchig-gelbliche Flüssigkeit, die höhermolekulare Stoffe, Zelltrümmer, Leukozyten, Reste von Erregern transportiert. Sie bildet sich aus interstitieller Flüssigkeit und wird schließlich, von Lymphknoten gefiltert, dem Blutstrom zugeführt.

Die Lymphe ist eine wässrige Flüssigkeit, die dem Abtransport bestimmter Stoffe aus dem Interstitium den Geweben dient, die nicht im venösen Blutstrom transportiert werden dürfen, weil sie infektiös sind oder sein können, oder etwa weil sie hydrophob sind. Dazu zählen etwa bestimmte Blut-Eiweiße, Fettsäuren, Stoffwechsel- oder Entzündungsprodukte. Auch Stoffe mit großer molarer Masse, die wegen der begrenzten Größe der Poren der Membranen nicht venös transportiert werden können, sind lymphpflichtig. Die im Verdauungstrakt im Fettstoffwechsel anfallenden Nahrungsfette werden in Form von Chylomikronen in der Lymphe transportiert. Wegen der enthaltenen Stoffe ist die Lymphe hellgelb/milchig. In den Lymphgefäßen liegen Lymphknoten, die unter anderem in der Lymphe befindliche Krankheitserreger inaktivieren.

Die Fließgeschwindigkeit der Lymphe beträgt ca. 2-3 cm / Stunde, die täglich produzierte Lymphe etwa 2-3 Liter. Ihr pH liegt mit 7,41 kaum über dem des Blutes. Als Filtrat der interstitiellen Flüssgkeit enthält die
Lymphe auch Harnstoff, Kreatinin, Glucose, Natrium-, Kalium-, Phosphat- und Calciumionen, Enzyme wie Amylasen, Katalase, Dipeptidasen und Lipasen, außerdem Fibrinogen und andere Gerinnungsfaktoren, die eine Gerinnung der Lymphe bei Stase (siehe Virchow-Trias) ermöglichen. Die Lymphproduktion kann mit Lymphagoga (lymphtreibende Mittel) wie Hühnereiweiß, Galle, Pepton, Salze, Harnstoff und Zucker beschleunigt werden. Die Lymphe beträgt physiologisch zusammen mit dem venös zurückfließenden Blut genau
so viel wie der arterielle Blutstrom. Wird der Fluß der Lymphe behindert oder eingeschränkt, so kommt es zum Lymphödem. Wegen der weit geringeren Fließgeschwindigkeit bzw. des weit geringeren Rückflußvolumens pro Zeit entwickeln sich Lymphödeme weit langsamer als venös bedingte Ödeme.

Lymphgefäß / Lymphgang

Die Gefäße, in denen die Lymphe vom Interstitium der Gewebe zum Herzen (Venenwinkel) fließt und in denen Stoffe, Partikel und Erreger transportiert werden, die nicht in den venösen Blutstrom (und in Folge in den arteriellen) eintreten dürfen. In den Lymphgefäßen befinden sich Lymphknoten, im Falle der Lymphgefäße, die genau ein Organ entsorgen, spricht man von Wächterlymphknoten. Teils besitzen Körperregionen eigene Lymphknoten. Die gesamte Lymphe fließt über den Milchbrustgang (Ductus thoracicus), das größte Lymphgefäß, zum Virchow-Lymphknoten (fälschlich auch: „Virchowdrüse“) und von dort direkt in den Venenwinkel des rechten Herzens und damit in den kursierenden Blutstrom. Analog zu den Venen der Extremitäten besitzen die Lymphgefäße nur nach zentral öffnende Klappen, die dem Rücktransport dienen.

Lymphknoten

Typischerweise 5 – 10 mm große, bei Aktivität auch bis 20 mm und darüber große Ansammlungen lymphatischen Gewebes (Retikulumzellen, Lymphozyten, antigenpräsentierende Zellen). Alle Säugetiere besitzen Lymphknoten, teils in deutlich anderer Zahl und Größe. Der Mensch hat in der Regel 300 – 700 Lymphknoten. In ihnen wird nach einer ersten unspezifischen Phagozytose bestimmter Teile der Primärlymphe die Differenzierung von Lymphozyten angeregt, so daß T-, Plasma- und Gedächtniszellen über die Sekundärlymphe und den rechten Venenwinkel schließlich im Blutstrom verfügbar sind. Alle Körperregionen haben regionäre Lymphknoten, die ein entsprechendes tributäres Areal entsorgen, siehe diese Karte. Schwellungen der Lymknoten deuten auf ein Abwehrgeschehen, also in der Regel eine Infektion hin.

Lymphknotenschwellung

Volumenzunahme von Lymphknoten. Vor allem bei Entzündungen und bei malignen Geschehen wird das lymphatische Gewebe in den Lymphknoten aktiv, und es kommt zu einer Volumenzunahme, die subjektiv mit einem mehr oder weniger ausgeprägten Spannungsschmerz und einer Druckschmerzhaftigkeit spürbar ist, und die bei oberflächlichen Lymphknoten palpabel ist. Schmerzhafte vergrößerte Lymphknoten mit einem lokalen Entzündungsgeschehen gehen meist auf eine Infektion zurück. Seltener auftretende schmerzlose, progrediente Lymphknotenschwellungen deuten hingegen häufig auf ein malignes Geschehen hin. Weiter unterscheidet man nach Dauer, 1-2 Wochen: akut, 2-6 Wochen: subakut, über 6 Wochen: chronisch, und nach Vorkommen: lokal bzw. regionär, z.B. bei Wächterlymphknoten oder, falls mehr als zwei nicht zusammenhängende Lymphknoten betroffen sind: generalisiert. Bei Lymphomen liegt die Ursache im lymphathischen Gewebe des Lymphknotens selbst, sonst liegt die Ursache der Schwellung im tributären Gebiet.

M

Maskierung

zuweilen lässt sich beobachten, dass typische Effekte einer Haltung nicht auftreten, weil andere statistisch und physiologisch unwahrscheinlichere Schwierigkeiten das in Erscheinung Treten verhindern. Nachdem diese Schwierigkeiten überwunden sind, zeigt sich der typische Effekt dann. Dieses Verhalten wird als Maskierung (des statistisch und physiologisch zu erwartenden Phänomens) bezeichnet. Maskierungensphänomene sind häufig die Folge der Benutzung des Bewegungsapparates in Alltag, Beruf und Sportverhalten im Sinne der dabei ausgeübten Tätigkeiten und eingenommener Körperhaltungen.

Maskierungskaskade

eine Abfolge von Maskierungseffekten, die sowohl alle einen typischerweise zu erwartenden Effekt maskieren als auch sich untereinander. Wenn der zuerst auftretende Maskierungseffekt gelöst ist, wird der zweite sichtbar, nach dessen Lösen der dritte usw. Nach Lösen der ganzen Maskierungskaskade tritt dann der typische, statistisch und physiologisch zu erwartende Effekt auf.

(Massen)trägheit

Das Beharrungsvermögen eines in Bewegung befindlichen starren Körpers, diese Bewegung ohne selbsttätige Beschleunigung oder Verzögerung (negative Beschleunigung) fortzusetzen. Wenn keine externen Kräfte (wie zum Beispiel Luftwiderstand oder Gravitation) auf den Körper einwirken, würde er die Bewegung unendlich linear fortsetzen. Da diese Gesetzmäßigkeit für positive wie negative Beschleunigung gilt, fällt auch die Beschleunigung aus der Ruhe darunter. Handelt es sich um eine Drehbewegung spricht man von einem Trägheitsmoment.

Maximalpuls / HFmax

Für die Einschätzung der maximalen Herzfrequenz in Abhängigkeit vom Alter und teils zusätzlichen Faktoren gibt es verschiedene Formeln:

  1. Spanaus (für Sportler): 226 – 1,0 × Lebensalter (Frauen) bzw. 223 – 0,9 × Lebensalter (Männer)
  2. Tanaka (für Sportler): 208-0,7 x Lebensalter
  3. Hossack: 206-0,597 x Lebensalter (Frauen) bzw. 227-1,067 x Lebensalter (Männer)
  4. Edwards: 210 – 0,5 × Lebensalter (in Jahren) – 0,11 × Körpergewicht (Frauen) bzw. 214 – 0,5 × Lebensalter – 0,11 × Körpergewicht (Männer)

Die Formeln sind für Sportler mit abnehmendem Alter ungenauer bzw. mit zunehmendem Alter genauer, auch wenn in Einzelfällen sehr deutliche Abweichungen möglich sind. Im Gegensatz zur Berechnung der Trainingszonen ist für die Ermittlung des Maximalpulses der Ruhepuls, soweit bekannt, nicht relevant. Wird der Maximalpuls experimentell ermittelt, spielt die eingesetzte Muskelmasse eine große Rolle.

medial

bezeichnet eine Lage nah oder (im Vergleich) näher der Mitte, seitlich also in der Transversalebene gesehen. Das begriffliche Gegenteil ist lateral.

medialer Trakt

Teil der autochthonen Rückenmuskulatur: Interspinales System und Transversospinales System.

Medianebene

Die genau körpermittig verlaufende Sagittalebene, also die Ebene, die den Körper in eine linke und eine rechte Hälfte teilt.

Mediastinum

Der Raum zwischen den Lungenflügeln wird als Mediastinum bezeichnet. Nach dorsal wird er von der WS bzw. deren Ligamentum longitudinale anterius begrenzt, nach ventral vom Brustbein, beide stellen einen knöchernen Schutz dar. Im Mediastinum liegen weiter oben: Thymus, die herznahen großen Gefäße (Aortenbogen und dessen Abgänge, Truncus pulmonalis, Vena cava superior), Luftröhre, Speiseröhre, Lymphknoten (Mediastinallymphknoten, Tracheobronchallymphknoten), Ductus thoracicus, Nervus phrenicus, N. vagus und Nervus laryngeus recurrens, sowie weiter unten: Speiseröhre, Aorta, Vena cava inferior, Vena azygos, Vena hemiazygos, Ductus thoracicus und N. vagus.

Meniskus

scheibenförmiger aber nicht kreisförmig durchgehender („Meniskus“ bedeutet übersetzt „Möndchen“) Knorpel, der eine puffernde Wirkung in einem Gelenk hat. Im Falle der Kniegelenke werden die Menisken in drei Zonen aufgeteilt, von denen der Innenmeniskus nicht durchblutet ist und deshalb leichter degeneriert und der Außenmeniskus wegen seiner Durchblutung weniger anfällig ist. Neben der Degeneration durch übermäßigen Verschleiß oder Bewegungsmangel kommen nicht selten traumatische Meniskusrisse vor. Siehe dazu auch die Pathologie der Meniskusschäden Aufgabe der Menisken des Kniegelenks ist es, einen Teil des Drucks, mit dem der Femur auf der unteren Extremität ruht, von den Knorpelüberzügen der Knochenenden fernzuhalten, diese also zu entlasten. Weitere Menisken befinden sich z.B. im Akromioklavikulargelenk oder im ulnaren Handgelenk.

Meniskuswurzel

Die ligamentäre Verankerung der Menisken. Normalerweise gibt es zu jedem Meniskus eine hintere und vordere Wurzel, also für Außen- und Innenmeniskus zusammen vier pro Kniegelenk. Reißt eine Meniskuswurzel, kann sich der Meniskus weitgehend frei im Kniegelenk bewegen, was zu Anstoßen an die Gelenkkapsel, zu Einklemmung und vor allem langfristig mit großer Wahrscheinlichkeit zu Arthrose führt, weshalb Meniskuswurzelrisse normalerweise arthroskopisch versorgt werden müssen. Naheres siehe Pathologie: Meniskusschäden.

Metaphyse

Die beiden (proxmimal und distal) Bereiche des Schafts eines Röhrenknochens, in dem noch kein Knochenmark vorhanden ist.

Metatarsalköpfchen

Metatarsalköpfchen sind die distalen Enden der Mittelfußknochen. Die proximalen Ende heißen Basis.

Mikulicz-Linie

Die Mikulicz-Linie ist die Traglinie der unteren Extremität von der Mitte des Oberschenkelkopfs zur Mitte des oberen Sprunggelenks. Physiologischerweise läuft sie durch die Mitte des Kniegelenks, dort wird eine Abweichung von nur gut 2 cm zugelassen, idealerweise liegt der Außenwinkel des Kniegelenks in der Frontalebene bei 174°. Läuft die Mikulicz-Linie weiter lateral durch das Kniegelenk oder lateral am Kniegelenk vorbei, liegt ein X-Bein vor, läuft sie weiter medial durchs Kniegelenk oder medial am Kniegelenk vorbei, liegt ein O-Bein vor.

Mittelfuß

Der Abschnitt des Fußes um die Mittelfußknochen, also zwischen Fußwurzelknochen und Zehen.

Mittelfußlauf

Kompromiss zwischen Rückfußlauf und Vorfußlauf.

Mittelhand

Der Abschnitt des Fußes um die Mittelhandknochen, also zwischen Handwurzelknochen und Fingern.

Moment

die Auswirkung einer an einem Punkt angreifenden Kraft z.B. als Kippmoments oder Drehmoment

monoartikulär

Ein-Gelenkigkeit eines Muskels, also die Eigenschaft eines Muskels, genau ein Gelenk zu überspannen und in diesem eine Bewegung zu verursachen. Generell verursacht ein Muskel des Bewegungsapparates eine Beugung des Gelenks, auf dessen Innenseite er verläuft

monoton

Ein Begriff aus der Mathematik, der besagt, daß eine Funktion (mit eindimensionalem, angeordnetem Wertebereich) nie fällt (monoton steigend) oder nie steigt (monoton fallend). Ist dabei auch das abschnittsweise Gleichbleiben ausgeschlossen, spricht man von strenger Monotonie. Wird etwa die Position der Ferse (um exakt zu sein eines der Processi des Kalkaneus) im Übergang von der Hundestellung Kopf nach unten zur Hundestellung Kopf nach oben oder umgekehrt als Kurve dargestellt, so sollte diese idealerweise streng monoton sein. Hingegen kann bei hinreichend beweglichen Menschen die Schulterposition (festgemacht etwa am Drehzentrum des Glenohumeralgelenks) keine monotone Funktion sein, da bei gestrecktem Hüftgelenk die Entfernung Schulter-Ferse größer ist als in beiden Positionen.

Muskelkater

Muskelkater (eigentlich -katarrh) ist das Schmerzphänomen, das in Folge von mechanischen Schäden an Z-Scheiben entsteht. Durch hohe Belastung, vor allem durch exzentrische Kontraktion (diese kann deutlich kräftiger sein als konzentrische Kontraktion), insbesondere Abbremsbewegungen, bekommen die Z-Scheiben Einrisse. Es folgt ein aseptisches Entzündungsgeschehen mit Einwanderung von Wasser und Bildung eines leichten Ödems. Da die Muskelfasern keine Schmerzrezeptoren (sehr wohl aber Dehnungsrezeptoren) besitzen, tritt Schmerz erst mit einer Verzögerung von 12 bis 24 h auf, wenn bestimmte am Entzündungsgeschehen beteiligte Stoffe aus dem Sarkomer austreten und mit Nervenendigungen in Berührung kommen.

Die Erklärung, dass es sich um eine Milchsäureablagerung handele, ist überholt: die Halbwertszeit von Laktat liegt bei 20 Minuten, das zeitverzögerte Auftreten des Muskelkaters passt also nicht zu dessen Abbau. Darüber hinaus entsteht Muskelkater ja auch bei Krafttraining, bei dem wenig Laktat gebildet wird. Der viel Laktat produzierende 400m-Lauf bringt jedoch i.d.R. weniger Muskelkater mit sich. Dehnen vor oder nach intensiver Anforderung an Muskeln hat keinen großen Einfluss auf die Ausbildung von Muskelkater. Gutes Aufwärmen vermindert allerdings das Verletzungsrisiko und verbessert die Leistungsfähigkeit. Sanfte (nicht kräftige) Massagen vermindern den zu erwartenden Muskelkater ein wenig, da sie die Durchblutung fördern, kräftige Massagen sind kontraproduktiv, da sie die Muskulatur mechanisch zu sehr irritieren. Wärmebehandlungen lindern den Schmerz und fördern die Heilung, weil sie die Durchblutung fördern. Vorbeugende oder nach der Belastung genommene größere Eiweißgaben mildern den Muskelkater, wobei BCAA (verzweigtkettige Aminosäuren) die beste Wirkung haben.

Wird in sehr großer Sarkomerlänge so intensiv trainiert, dass Muskelkater entsteht, kann es zur longitudinalen Muskeladaption kommen, d.h. der Muskel vergrößert die Anzahl serieller Sarkomere (das ist in der Regel eine 4- oder 5-stellige Zahl), um einer weiteren, ähnlichen Beanspruchung besser gerecht werden zu können, da durch die größere Anzahl serieller Sarkomere der Arbeitsbereich (im Sinne der Sarkomerlänge) günstiger wird, sich also von der Obergrenze etwas unterhalb von 5 µm in Richtung mittlerer Länge (etwa 2,5 µm) verschiebt, was den Vorteil bietet, dass die entfaltbare Kraft im Sinne der Kraft-Längen-Funktion größer wird. Ein Beispiel dafür stellt für weniger bewegliche Menschen etwa die rechtwinklige uttanasana dar oder das tief ausgeführte Kreuzheben, betroffen ist dabei die Ischiocrurale Gruppe, da sie ein großes Teilkörpergewicht (im Falle des Kreuzhebens zuzüglich eines externen Gewichts) in sehr großer Sarkomerlänge halten muss.

Muskelleistung

Die physikalische Leistung, die ein Muskel erbringt. Interessant ist gewöhnlich die maximale Muskelleistung (Leistungsfähigkeit), weshalb diese nicht selten gemeint ist, wenn von Muskelleistung gesprochen wird. Da Leistung im physikalischen Sinne der Quotient aus Arbeit (Kraft * Weg) und Zeit ist, führt die Halbierung der Zeit, in der beispielsweise ein Gewicht angehoben wird, zu der doppelten benötigten Leistung. Es handelt sich also um eine hyperbolische Abhängigkeit mit Singularität. Andererseits kann damit bei größerem Zeiteinsatz ein größeres Gewicht gehoben werden. Dieser Prozess findet seine natürliche Grenze bei der maximalen Sehnenkraft, die ein Muskel erzeugen kann und deren Umsetzung entsprechend der Hebelverhältnisse sowie der Relation der Bewegung zur Schwerkraftrichtung entsprechend der Sinusfunktion. Die Extremwerte dieser Abhängigkeit liegen auf der einen Seite beispielsweise im beliebig schnellen Beugen des Ellbogengelenks ohne externes Gewicht (Nutzung der maximalen Leistung im Sinne der Schnellkraft), so dass die Muskulatur nur gegen die Massenträgheit und Schwerkraft des Arms selbst (andere Faktoren wie Luftwiderstand oder Eigenspannung von Geweben inkl. antagonistischer Muskulatur sollen hier vernachlässigt werden) arbeiten muss und andererseits in Schwerkraftbewegungen, die erstens mit minimaler (fest vorgegebener) Geschwindigkeit konzentrisch (F1), zweitens statisch gehalten isometrisch (F2) oder drittens mit definierter Geschwindigkeit exzentrisch (F3) ausgeführt werden, wobei sich die leistbaren Kräfte jeweils gegeneinander abschätzen lassen, so dass F1 kleiner als F2 ist und diese wiederum kleiner als F3 ist. Der isometrische Fall ordnet sich dabei nicht in das klassische Verständnis von Arbeit ein, da keine Masse auf irgendeinem Weg bewegt wird. Dennoch bringt der Muskel mit seinen sich ständig abwechselnden Faserbündeln „immer aufs Neue“ die Kraft auf, das Gewicht zu halten. Über diese Überlegungen hinaus muss beachtet werden, dass die Kraft, die ein Muskel maximal entfalten kann, von der aktuellen Sarkomerlänge abhängt. Daher muss, streng genommen, wegen der von der aktuellen Sarkomerlänge abhängigen Maximalkraft (siehe die Kraft-Längen-Funktion) bei der Messung der Leistung festgelegt werden, in welcher Sarkomerlänge oder in welchem Intervall von Sarkomerlängen (bzw. Gelenkwinkeln) die Leistung gemessen wird. Einen dritten Typ Leistungsanforderung kann man ausmachen als maximale Anzahl an Wiederholungen, die ein Muskel bei deutlich submaximalem Kraftaufwand leisten kann, wie es etwa beim Laufen der Fall ist, wobei hier der Einfluss muskel-externer Faktoren wie etwa Atmung, Sauerstofftransport, Qualität der Atemluft (man denke an größere Höhen), Speicherkapazität für verschiedene Stoffe und der aktuelle Füllstand der Speicher deutlich an Einfluss gewinnen. Je mehr sich eine Leistungsanforderung in Richtung „Ausdauerleistung“ verschiebt, desto mehr fallen die muskel-externen Faktoren ins Gewicht. In Extremfällen wie Mehrtageläufen, etwa dem Self-Transcendence 3100 Mile Race spielt die körperliche Stoffwechselleistung, und da hauptsächlich der intestinale Bereich, eine größere Rolle als die klassische Muskelleistungsfähigkeit, schließlich werden bei diesem Lauf über weit mehr als 40 Tage täglich etwa 10.000 kcal verbraucht, so dass täglich eine möglichst hohe Anzahl an Kalorien aufgenommen und verwertet werden muss.

In der Praxis ist die Leistungsfähigkeit eines Muskels über eine Trainingseinheit nicht konstant, sondern wird zum Ende eines Trainings spür- und messbar geringer, wenn dieses nur eine gewisse Mindestintensität besitzt. Andererseits ist die Leistung, über eine bestimmte Zeit erbracht, direkt proportional zur eingesetzten Energie. Versucht man also, in einem modellhaften Beispiel mit einem PKW möglichst schnell die Geschwindigkeit von 100 km/h zu erreichen, kann man sicher sein, maximal viel Energie dafür eingesetzt zu haben, also maximal viel Kraftstoff dabei verbraucht zu haben. In diesem Beispiel müssen für das Fahren kontinuierlich weitere Widerstände überwunden werden, hauptsächlich Roll- und Luftwiderstand. Dabei bringt eine extrem langsame Beschleunigung auch keinen optimalen Kraftstoffverbrauch (minimalen Energieeinsatz), da das Integral über die weiteren Widerstände mit der Zeit jeden Energieeinsatz zur Beschleunigung übersteigt. Es gibt also ein bestimmtes konstantes, aber moderates Beschleunigungsverhalten, welches energieoptimal ist. Für das obige zu hebende Gewicht heißt das, das Gewicht, welches (gerade noch) gehalten werden kann, größer ist als jedes Gewicht, welches noch aktiv angehoben werden kann, aber ein beliebig langsames Anheben führt ebenfalls zu keinem optimalen Verhalten sondern ermüdet durch Erschöpfung der lokalen Energiereserven des Muskels diesen so sehr, dass Muskelversagen auftritt.

Muskelleistungsfähigkeit

Die maximale physikalische Leistung (Muskelleistung) , die ein Muskel erbringen kann. Diese Größe hängt deutlich von der Zeit ab, über die die Leistung erbracht werden soll.

Muskelverletzungen

Verletzungen von Muskeln und Sehnen machen zwischen 10% und 55% der im Sport vorkommenden Verletzungen aus. Grundsätzlich können sie längere Ausfälle oder sogar das Ende der Karriere als Sportler bedeuten, vor allem wenn sie nicht adäquat versorgt worden sind. Prophylaktisch ist das Aufwärmen des Bewegungsapparates wie auch die Umgebungsbedingungen sehr wichtig: Kälte und Nässe haben viele Nachteile und Risiken für den Bewegungsapparat. Typisch risikohafte Situationen für Muskeln sind schwunghafte exzentrische Kontraktion und der Wechsel aus schwunghafter exzentrischer Kontraktion in konzentrische Kontraktion, wie es etwa beim Abspringen nach dem Aufkommen aus einem Sprung der Fall ist. Muskuläre Ermüdung und Nachlassen der Bewegungs Koordinierung stellen ebenfalls deutliche Risikofaktoren da, weshalb sich im Mannschaftssport viele Verletzungen im letzten Drittel des Wettkampfes ereignen. Aufwärmübungen sind eminent wichtig, aber falsch durchgeführt können sie auch ein Risiko darstellen. Das Aufwärmen des Muskels führt unter anderem zur Bereitstellung einer leistungsadäquaten Durchblutung, die sich ohne Aufwärmen nur entsprechend verzögert einstellen würde. Biartikuläre Muskeln sind weit häufiger von Verletzungen betroffen als monoartikuläre Muskeln. Unzureichend ausgeheilte Muskelprellungen stellen an der Grenze zwischen Narbengewebe und Muskelgewebe durch Elastizitätsunterschiede ebenfalls Prädilektionsstellen für weitere Verletzungen dar.

Bei Verletzung des Muskels muss unterschieden werden zwischen denen an der Ansatzstelle am Knochen, Verletzungen im Verlauf der Sehne selbst, Verletzungen des Muskel-Sehne-Übergangs und Verletzungen des Muskelbauchs. Verletzungen des Muskels können unterteilt werden in drei Typen: erstens Überdehnung/Zerrung oder Anriss, maximal 5% der Fasern betreffend, zweitens Kontinuitätsunterbrechung von mehr als 5% der Fasern und drittens vollständiger Durchriss mit entsprechenden Funktionsverlust. Mit dem Riss von Muskelfasern entsteht zwingend ein Hämatom. Da der Blutdurchsatz eines Muskels sich unter Last etwa um bis zu Faktor 2,5 erhöht, führen Muskelfaserrisse bei sportlicher Tätigkeit zu einem deutlich ausgeprägteren Hämatom als dies in Ruhe der Fall wäre. Anpralltraumen gegen einen angespannten Muskel führen in der Regel zu oberflächlichen Verletzungen und Hämatomen. Erleiden entspannte Muskeln Traumata, sind die Verletzungen und Hämatome meist profund und knochennah, was zu extraossären Verkalkungen führen kann. Daneben gibt es noch eine dritte Art Hämatom, welches in der Bindegewebsschicht zwischen Muskeln entstehen kann.

Verletzungstyp 1 und 2 zeigen meistens keine Ruheschmerzen, spätestens Typ 3 ein ausgeprägtes Hämatom mit entsprechender Druckschmerzhaftigkeit und möglicherweise Spannungsschmerz, so wie häufig einen schmerzhaften Hypertonus. Diagnostisch kann mit Hilfe der Sonographie der Umfang des Hämatoms, die Art der Verletzungen und die Muskelstruktur begutachtet werden. Unter der Sono kann ein Hämatom punktiert und eine intramuskuläre Injektion vorgenommen werden, außerdem die Muskelfunktion in situ beobachtet werden. Eine Kontrast-MRT zeigt Verletzungen der Muskeln und Sehnen sehr gut, wird jedoch im akuten Fall seltener eingesetzt als im chronischen Fall oder bei Insertionstendopathie und bietet ebenfalls die Möglichkeit auf beim Trauma mitentstandene Knochenverletzungen zu begutachten oder auch extraossäre Verkalkungen zu entdecken. Als letztes diagnostisches Mittel steht insbesondere bei Verdacht auf eine Insertionstendopathie die Szintigraphie bereit.

Die unmittelbare Intervention bei frisch eingetretenen Verletzungen der Muskels erfolgt nach dem PECH Schema, um die Hämatombildung und damit die zu erwartende Bindegewebsnarbe möglichst gering zu halten. Mit einer Druckmanschette kann die Durchblutung verringert werden, alle 20 Minuten wird der Muskel gekühlt. Das Hochlagern der Extremität dient dazu den Blutdruck am Ort des Geschehens zu mindern. Spätestens nach 24 Stunden sollte sich das Hämatom nicht weiter ausbreiten. Während dieser Zeit sollte das Geschehen beobachtet werden, um die Folgen eines zu spät entdeckten Kompartmentsyndroms auszuschließen. Während dieser Zeit können Muskelrelaxantien gegeben werden. Nach Abschluss der Ausbildung des Hämatoms, also nach 24 Stunden kann unter Sonokontrolle das Hämatom punktiert werden, was die Heilung begünstigt. Dies kann, falls nötig mehrfach hintereinander erfolgen. Auch nach über 72 Stunden kann das Hämatom koagulieren, was der Intervention bedarf, am besten durch Wiederverflüssigen und Aspiration unter Sonokontrolle. In ausgeprägteren Fällen sollte alle 2-3 Tage einen Solo erfolgen, um rezidivierende Blutungen zu entdecken und zu versorgen. Belastungen der Muskulatur sind in den ersten Tagen ausgeschlossen, bestenfalls Bewegungsübungen ohne Last können durchgeführt werden. Nach einer Woche kann begonnen werden Belastungen einzuschleichen, wobei das Auftreten von Schmerzen die Belastungsgrenze anzeigt.

Dehnungsübungen sind erst ab der zweiten Woche nach dem Geschehen indiziert, sie sollten in der Regel bilateral erfolgen. Gut dosierbare zyklische Bewegungsmuster ohne stoßartige Belastungsspitzen wie Radfahren können ab der dritten Woche wieder aufgenommen werden. Erst ab der vierten Woche kann sportartspezifisches Training wieder begonnen werden, wobei im überwachten angepassten Training in den ersten zwei Wochen NSAR und Muskelrelaxantien eingesetzt werden dürfen. Nach der Belastung kann gekühlt werden. Frühestens zwei Wochen nach dem Geschehen dürfen erste dehnende Massagen bis zur Verletzung Stelle erfolgen. Bei Verletzungen des Typs 3 sollte möglichst binnen 48 Stunden operativ interveniert werden. Bei sehr ausgeprägten Muskelfaserrissen sollte der Muskel genäht werden, was die Regeneration fördert und zu einer größeren erreichbaren Maximalkraft nach Abschluss der Heilung führt als ohne Naht, in Tierversuchen 80% der kontralateralen Kraft. Eine schlechte Prognose ergibt sich aus der Immobilisierung mittels Gips, da dabei ausgeprägte bindegewebige Bereiche entstehen. Nach der chirurgischen Intervention muss der Muskel für 7 Tage immobilisiert und entlastet werden, danach wird nach Sono entschieden, wann die Reha begonnen werden kann. Die Frage, ob ein Muskel nennenswerte Synergisten besitzt, verdient besondere Beachtung und kann über eine OP-Indikation mit entscheiden.

Grundsätzlich liegt die Erneuerungszeit von Muskelfasern bei drei Wochen, im Falle von kompletten Rupturen wird die Regeneration aber zwischen doppelt und vierfach so hoch sein. Die beim Muskelfaserriss entstehenden Hämatome verzögern das Abheilen deutlich. Der Entzündungsprozess, mit dem sich der Muskel repariert, beginnt bereits in der ersten Minute nach dem Trauma. Die Ausbildung von funktionslosem Narbengewebe beginnt nach zwei Wochen nach dem Trauma und ist nach weiteren 4 Wochen abgeschlossen. Zur Beschleunigung der Heilung können bei ausgeprägten Geschehen verschiedene Gewebewachstumsfaktoren in die verletzte Stelle gespritzt werden.

Muskelversagen

Es gibt drei Formen des Muskelversagens, die sich typischerweise bei fortgesetzter intensiver Belastung nacheinander ereignen und damit gegeneinander abschätzen lassen.

  1. Konzentrisches Muskelversagen
  2. Isometrisches Muskelversagen
  3. Exzentrisches Muskelversagen

Die drei Stufen des Muskelversagens lassen sich leicht mit folgendem einfachen Versuch erklären, das die Stadien des Muskelversagens nacheinander provoziert: man hebe ein Gewicht in der Größenordnung von 80-90% der „Maximalkraft“ etwa im Sinne eines Bizepscurls solange möglich immer wieder an. Irgendwann werden die im Muskel gespeicherten Energiereserven zu gering sein, um noch einmal das Gewicht anzuheben. Die über den Blutweg angelieferten Brennstoffe können den bei diesem Gewicht benötigten Energiebedarf ohnehin nicht in Echtzeit decken, so dass die Hantel sichtbar „auf halber Strecke“ stehenbleibt. Das beobachtete Phänomen ist das konzentrische Muskelversagen. Versucht man nun, das Gewicht in dieser Position festzuhalten, wird man bemerken, dass auch dies irgendwann nicht mehr möglich ist, dann tritt isometrisches Muskelversagen auf. Der Versuch das Gewicht beliebig langsam herunterzulassen, wird ebenfalls durch zunehmende Entkräftung ein ungewolltes Ende nehmen, es tritt schließlich exzentrisches Muskelversagen auf: die Unmöglichkeit, das Gewicht mit exzentrischer Muskelkontraktion noch kontrolliert herabzulassen. Der Grund für dieses Verhalten liegt natürlich in der Muskelphysiologie: auch das Halten eines Gegenstandes gegen Schwerkraftwirkung erfordert ständige Muskelarbeit sich abwechselnder Faserbündel und verbraucht damit Energie. Es gibt also, anders als in technischen Systemen realisierbar, keinen Mechanismus, durch den der Muskel gleichsam „einrastet“, so dass das Halten keiner weiteren Energie mehr bedürfte. In dem Sinne, dass das Muskelversagen eine nicht mehr in Echtzeit mögliche Versorgung darstellt, weist es eine Art Analogie auf mit der aeroben Schwelle, bei der Sauerstoff nicht mehr entsprechend dem Verbrauch aufgenommen werden kann. Obiges Experiment zeigt im übrigen, dass eine konzentrisch erreichbare Kraft kleiner ist als die isometrisch leistbare und diese wiederum kleiner als eine exzentrische, wobei die Differenz der leistbaren Kräfte gegenüber der Isometrie umso größer sind, je größer die konzentrische bzw. exzentrische Kontraktionsgeschwindigkeit ist.

(muskuläre) Dysbalance

Ungleichgewicht im Tonus, der Kraft oder der Beweglichkeit der Muskeln, die ein Gelenk überziehen. Dabei spielt vor allem das Agonist-Antagonist-Verhältnis eine Rolle – womit zugleich Bezug auf eine oder mehrere Bewegungsdimensionen genommen wird – oder Seitendifferenzen. Ursächlich dafür können Fehlhaltungen, Fehlbelastungen, einseitiges Training, einseitige Tätigkeiten, Technikmängel, Verletzungen oder unzureichende Regeneration sowie auch Bewegungsmangel sein. In der Folge können schmerzhafte Muskelverspannungen, Überlastungen von Sehnen und Schäden am Gelenk, vor allem den Knorpeln auftreten. Gehen Fehlhaltungen mit endgradigen Stellungen einher wie z.B. das nach hinten gekippte Becken oder die überstreckten Kniegelenke oder Ellbogengelenke, so können sie Bänder, Faszien, Kapseln und Knorpel verändern. Die Dysbalance ist kein Krankheitsbild an sich, jedoch kann sie ab einem gewissen Grad pathogen werden. Die meisten Menschen haben irgendwelche mehr oder weniger ausgeprägte Dysbalancen, die jedoch oft lange Zeit oder gänzlich asymptomatisch bleiben können. Verbreitete Beispiele für muskuläre Dysbalance sind etwa

  1. verkürzte Hüftbeuger, die zu einem Hohlkreuz führen, zu Überspannung der LWS-begleitenden autochthonen Rückenmuskulatur, Schwäche der Bauchmuskulatur und der Hüftextensoren
  2. Ründrücken, der z.B. durch Fehlhaltung oder verkürzte Brustmuskulatur (Pectoralis major) entsteht
  3. Kopfvorschubhaltung, die die Nackenmuskulatur überfordert und die HWS-Flexoren erschlaffen läßt
  4. Überspannung der Protraktoren und Schwäche der Retraktoren der Schulterblätter
  5. teil-elevierte Schulterblätter mit Folge schwacher Depressoren und Hypertonus von v.a. Trapezius und Levator scapulae
  6. Sitzen mit LWS-Kyphose, die die dortige autochthone Muskulatur schwächt und unter überhöhte Spannung setzt, gleichzeitig die Hüftbeuger und Hüftextensoren schwächt.
  7. Dysbalance der Endorotatoren und Exorotatoren des Schultergelenks durch Tätigkeiten am PC, Arbeiten in endorotierter Position oder Wurftätigkeiten
  8. Dysbalancen in allen Teilen der WS, die aus Schlafpositionen resultieren wie dem Seitenschlaf und Bauchschlaf resultieren, insbesondere, wenn die Extremitäten Beine oder Arme asymmetrisch positioniert sind.
  9. Dysbalancen, die aus überschlagenen Beinen resultieren oder aus häufigem langem Schneidersitz oder Lotussitz, insbesondere mit Bevorzugung eines Beins
  10. Schwächen der Abduktoren des Hüftgelenks, die mittels Trendelenburg– oder Duchenne-Zeichen sichtbar werden
  11. Dysbalancen durch somatisierende Fehlhaltung

In aller Regel sind Dysbalancen nicht mit bildgebenden Verfahren nachweisbar, eher mit Elektromyographie (EMG). Neben der Anamnese ist diagnostisch die Funktionsdiagnostik am wichtigsten. Einer der typischen Pathomechanismen besteht darin, daß Muskeln, die Haltungsaufgaben (Muskeln mit eher tonischer Funktion, häufig eher profund) haben, durch eine Fehlhaltung überfordert sind, woraufhin andere Muskel einspringen, die eher bewegende (phasische Funktion, meist eher superfiziell) als haltende Aufgaben haben. Diese werden aber umso schneller ermüden und mit Verkürzung und Verhärtung darauf reagieren. Es muß angenommen werden, dass die unter diesen Bedingungen serielle Sarkomere abbauen. Grundsätzlich können sich Dysbalancen umso mehr auswirken, je mehr der Körper gefordert wird, ob bei Sport, Freizeit oder Beruf. Sie wirken dann leistungsmindernd, stören die Befindlichkeit, verzögern die Regeneration und erhöhen die Verletzungsanfälligkeit. Nicht wenige der Dysbalancen dürften aber auch aus Betätigungen in diesen Lebensbereichen resultieren. Die Tonuserhöhung und Verspannung eines Muskels kann durchblutungsmindernd wirken (siehe den Extremfall des Kompartmentsysdroms) und dadurch Schmerzen verursachen. Diese Schmerzen können durch Vermeidungsverhalten weitere Verschlechterung, ggf. in anderen Muskeln nach sich ziehen. Dieser Circulus vitiosus muss durch Training durchbrochen werden. In eine einfache Formel gebracht resultiert aus

  1. erhöhter Anforderung: Hypertrophie, Zunahme von Kraft und Tonus (je nach Sarkomerlänge bei Beanspruchung)
  2. verminderter Anforderung: Dystrophie und Nachlassen der Kraft, häufig auch der Flexibilität
  3. Überforderung: Hypertrophie mit Verspannungsneigung

Bei Dysbalancen muß immer über den betroffenen Bereich hinaus gedacht werden, und im Sinne der Muskelketten und der Schwerkraftwirkung müssen mitbetroffene Bereiche ebenfalls untersucht werden.

Myogelose

diese umschriebene Verhärtung der Muskulatur gilt als das Resultat von Überbeanspruchung oder Fehlbelastung sowie Stress. Es handelt sich um eine Fixierung, die histologisch wachsartig degeneriert erscheint. Palpatorisch fallen Myogelosen durch verhärtete Knötchen und Druckschmerzhaftigkeit auf. Am häufigsten sind Schulter/Nacken und Rücken betroffen. Myogelosen gelten als palpatorisches Äquivalent der Triggerpunkte, bei denen die Druckschmerzhaftigkeit im Vordergrund steht. Einige Autoren setzen Myogelosen mit Muskelhartspann gleich, andere unterscheiden derart, daß Myogelosen kleinvolumig umschrieben sind und Muskelhartspann den gesamten Muskel betrifft. Ein weitere Unterschied besteht dann darin, daß ein Muskelhartspann auf Dehnung und Lokalanästetika reagiert, die Myogelose aber nicht.

Myotom

Ein Myotom ist die Menge aller von einem Spinalnerven verorgten Muskeln.

N

N. vagus

Der N. vagus ist Gegenspieler des Sympathikus und wichtigster Teil des Parasympathikus. Er ist der 10. Hirnnerv und zieht als einziger aus dem Kopf in den Rumpf, daher auch sein Name „umherschweifender“. Er steuert u.a. die Verdaung und beruhigt das Herz, siehe dazu die Wirkungen des Parasympathikus und die Herzratenvariabilität (HRV).

Nachbelastungsschmerz

Klingt ein Belastungsschmerz nicht sofort nach Ende der Belastung ab, spricht man von einem Nachbelastungsschmerz, umgangssprachlich auch von einem „Nachhall“ des Schmerzes.

Nachtschmerz

Nachtschmerz bedeutet Schmerz, der nur nachts auftritt. Meist handelt es sich dabei um Gelenkschmerzen durch eine Arthritis, Arthrose sowie Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises, insbesondere die rheumatoide Arthritis. Grundsätzlich treten Nachtschmerzen dieser Art häufig auch tags in (hinreichend langer) Ruhe auf. Im Rahmen der Schwangerschaft treten auch zuweilen Nachtschmerzen vor allem durch Flüssigkeitsansammlung in den Lymphgefäßen der Extremitäten (vor allem der Beine) auf. Dabei können mehrere Liter Flüssigkeit eingelagert werden, was zu Spannungsschmerzen und Druckschmerzhaftigkeit im Auflagebereich führt.

Nässe

Nässe ist ein wichtiger Kofaktor von Kälte, sowohl in Form von Flüssigkeit auf der Haut wie beim Schwimmen als auch in Form von hoher Luftfeuchtigkeit. Auch wenn kalte Luft weniger Wasserdampf binden kann als warme, reicht der Wasseranteil in der Luft aus, um dem Körper schneller Wärme zu entziehen. Sehr deutlich ist das beim Aufenthalt im Wasser: während wir in der Bewegung im Medium Luft einen hauchdünnen Luftfilm auf der Haut tragen, der von deren Behaarung gehalten wird und dazu führt, daß die Temperatur nicht abrupt auf Außenniveau abfällt, ist dies beim Aufenthalt im Wasser, vor allem bei Bewegung im Wasser nicht der Fall. Hält sich der Mensch regelmäßig länger im Wasser auf, muß der Körper subkutanes Fettgewebe aufbauen, um sich vor Unterkühlung zu schützen. Dieser Effekt ist im Vergleich von Profi-Schwimmern mit anderen Ausdauerathleten regelmäßig zu sehen. Die Reduzierung des Films, in dem die Temperatur stetig abfällt, und der dadurch reduzierte Schutz vor Kälte ist auch vom Medium Luft bekannt als Wind-Chill-Effekt: je schärfer der Wind weht, desto kälter wird die Luft empfunden.

Narrrowuse-Syndrom

Als Narrowuse-Syndrom bezeichnet man alle Störungen, welche aus der nur eng begrenzten Benutzung des Bewegungsapparates resultieren. Um ein Beispiel zu nennen: ein Büroarbeiter, der einer sitzenden Bildschirm-Tätigkeit nachgeht, bei der er morgens und nachmittags je ca. einmal zum Drucker und zur Kaffeemaschine läuft, je in einem Nebenraum auf derselben Etage stehend, und zusätzlich sich etwa jeden zweiten Nachmittag es sich nicht auf der Couch gemütlich macht, sondern für eine ausgedehnte Runde aufs Rennrad setzt, erbringt sicher mit seiner sportlichen Tätigkeit eine gute Leistung im Sinne kardiopulmonaler Prävention. Zudem sollte die Kraft der unteren Extremität in einigen wichtigen Haupt-Funktionen gesichert sein. Sein Bewegungsspektrum ist dennoch sehr eng begrenzt und er nutzt viele Gelenke nur in einem sehr schmalen ROM, einige davon zuweilen unter Last sehr häufig. Dabei ist zu erwarten – und die Praxis bestätigt dies regelmäßig – daß seine Beweglichkeit sowohl in den Gelenken nachlässt, die er nur wenig und wenn, dann in einem kleinen ROM nutzt, als auch in den Gelenken, die er sehr häufig, aber mit einem nicht allzugroßen ROM nutzt.

So fehlen Frontalabduktion und Lateralabduktion im Schultergelenk weitestgehend, genauso wie Exorotation und Abduktion im Hüftgelenk. Dieses ist zudem sehr überwiegend in deutlicher Flexion, was zumindest den kurzen Kopf des Bizeps femoris deutlich verkürzen dürfte. Die häufig iterierten medium range Bewegungen im Kniegelenk tragen angesichts der von der Ischiocruralen Gruppe geleisteten Arbeit ebenfalls zu deren signifikanter Bewegung bei. Der Rectus femoris ist sowohl bei der beruflichen als auch erst recht bei der sportlichen Tätigkeit in deutlich unter mittlerer Sarkomerlänge, so daß angesichts seiner Leistungsentfaltung beim Radfahren auch deutlich verkürzen dürfte. Selbiges gilt natürlich für den Iliopsoas. Überhaupt ist bei seiner flexionsgeprägten Lebensweise Extension unterrepräsentiert, sowohl im Bereich der Hüftgelenke als auch der WS. Auch die Ellbogengelenke und Kniegelenke sind selten extendiert. Seine HWS kann bei schlechtem Sitzverhalten genauso in Hyperlordose sein wie sie es beim Rennradfahren typischerweise ist. Auch die BWS wird, schlechtes Sitzverhalten vorausgesetzt, nicht selten kyphosiert sein, beim Rennradfahren ist sie es sicherlich. Daher werden ihm Extensionen in vielen Gelenken schwerfallen. Die zu erwartenden progredienten Kontrakturen werden ihm über kurz oder lang Befindlichkeitsstörungen und zu ihrer Zeit auch manifeste Störungsbilder einbringen.

Wenn man nun Fitness in ihrer klassischen Definition als ein Produkt der Grundkomponenten Ausdauer, Kraft, Beweglichkeit, Koordination, Schnelligkeit ansehen will, so wird der Proband sich durchaus nicht im vorderen Bereich der Fitnesssportler angesiedelt finden, da die Disziplin Beweglicheit das Produkt maßgeblich drückt. Auch in der Schnelligkeit wird er nicht besonders viele Punkte (bzw einen guten Faktor) holen, da zwar die Muskelleistungsfähigkeit einiger Muskeln der unteren Extremität und der mit ihr verbundenen Hüftgelenksmuskulatur nicht schlecht dasteht und damit auch ein Mindestmaß an Schnellkraft vorhanden sein muß, jedoch wird er hier aufgrund seiner eingeschränkten Beweglichkeit einen eher geringen ROM besitzen und daher in echten Schnellkraftübungen wie etwa Wurfbewegungen, Sprungbewegungen nicht genügend Bewegungsradius besitzen, um auf vordere Plätze zu kommen, schließlich ist die kinetische Energie (ob nun des geworfenen Gegenstands oder der beschleunigten Extremität) ein Integral der entfalteten Kraft über das Bogenmaß.

NAS/NRS (Numerische Analog Skala, Numeric Rating Scale)

Die im Deutschen meist als Numerische Analog Skala, im Englischen als Numeric Rating Scale (NRS) bezeichnete Methode, Intensitäten oder andere Quantitäten (quantifizierbare Größen) mit Zahlen einzuschätzen, in der Regel von 0 bis 10. Meist wird diese Methode zur Abfrage von Schmerzintensitäten genutzt. Dabei steht 0 für „überhaupt keine wahrnehmbare Schmerzempfindung“ und 10 für den maximal vorstellbaren Schmerz. Mit der Zahl 10 multipliziert lassen sich damit dann Prozentangaben erhalten.
Mit der NRS werden meist aktuelle Schmerzzustände erhoben, es können aber auch etwa durchschnittlich empfundene Schmerzen über einen Zeitraum erfragt werden. Grundsätzlich eignet sich die NRS auch für ganz andere Verwendungen als Schmerzintensitäten.

Nervenkompressions-Syndrom

Syndrom u.a. mit Schmerzen, Sensitivitätsstörungen wie Taubheit, Kribbeln, verminderter Empfindung sowie Innervationsstörungen, welches durch Druck auf einen Nerven entsteht. Dies kann ein gerade aus dem Rückenmark ausgetretener Spinalnerv sein wie beim Bandscheibengeschehen, dann spricht man von einem Nervenwurzelkompressionssyndrom bzw. einer Radikulopathie (lat „Radix“: Wurzel) oder ein weiter in der Peripherie liegender Nerv, etwa wenn Sehnen im Bereich einer physiologischen Engstelle zwischen Knochen anschwillen und auf einen Nerven drücken, wie dies beim Kubitaltunnelsyndrom (betroffen: N. ulnaris), Tarsaltunnelsyndrom (betroffen: N. tibialis) und beim Karpaltunnelsyndrom (betroffen: N. medianus) der Fall ist. Ein anderes verbreitetes Nervenkompressionssyndrom ist das Morton-Neurom, welches meist im Rahmen eines Spreizfußes auftritt und eine Metatarsalgie verursacht.

Nervenwurzel

Nervenwurzeln sind die segmentweise sich vereinigenden und aus dem Rückenmark austretenden Anteile der Spinalnerven. Druck auf diese kann zum Nervenwurzelkompressionssyndrom und im späteren Verlauf zum Nervenkompressionssyndrom führen.

Nervenwurzelkompressions-Syndrom

Ein durch Druck auf einen aus der WS austretenden Spinalnerven verursachtes Nervenkompressionssyndrom. Beschreibung siehe dort.

Neutral-Null

aufrecht stehende Körperhaltung, bei der die Füße parallel und geschlossen stehen, die Beine gestreckt, das Becken aufrecht, der Oberkörper inkl. Halswirbelsäule gestreckt sind und die Arme derart am Körper anliegen, dass die Innenellbogen und Handinnenflächen – im Unterschied zu Anatomisch-Null – zum Körper weisen. Neutral-Null entspricht i.w. tadasana.

Nutation / Kontranutation

Die Bewegung des ISG (Iliosakralgelenke) um eine horizontale Transversale.

O

Obergriff

mit Obergriff wird das Greifen eines Gegenstands, häufig eines Sportgeräts wie einer Hantel bezeichnet, bei dem der Handrücken nach oben zeigt und der Gegenstand oder sein Griff von oben von der Handfläche gegriffen wird. Im Gegensatz zum Untergriff sind neben den Fingerbeugern, die den Griff sichern müssen, alle Muskeln mit dorsalflektorischer Wirkung im Handgelenk gefordert, das sind die Fingerextensoren und die Dorsalflexoren des Handgelenks. Im Unterschied zum Untergriff ist der Unterarm hier in Pronation und der Arm-Bizeps kann weniger gut arbeiten, so dass der Brachialis einen höheren Anteil an der ausgeübten Kraft stellt und die erreichbare Maximalkraft geringer ist.

obstruktiv

Einschränkungen der Atmung heißen obstruktiv, wenn sie aus einer Verengung des Querschnitts in den Atemwegen resultieren. Die wichtigsten obstruktiven Lungenerkrankungen sind COPD, Asthma bronchiale, chronisch-obstruktive Bronchitis. Ursächlich sind in der Regel Sekrete, Fremdkörper oder Tumoren in den Atemwegen. Neben bildgebenden und endoskopischen Verfahren kann eine Obstruktion mit dem Tiffeneau-Test funktionsdiagnostisch nachgewiesen werden.

Opposition

Gegenüberstellung des Daumens zur Hand, ermöglicht das Greifen von Gegenständen

Orthese

Nichtinvasiv äußerlich am Körper angebrachtes orthopädisches Hilfsmittel mit dem Zweck zu stützen, Bewegung einzuschränken oder Gewebe oder Gelenke zu entlasten. Dazu gehören alle Arten von Schienen, Stützapparaten, Miedern und Korsetten. Orthesen können komplex und aus mehreren Werkstoffen hergestellt sein. Bandagen werden in der Regel nicht dazu gezählt. Die Orthese ist also ein – in der Regel passives – von außen an den Körper angebrachtes Stück Exoskelett.

Ossikel

abgesprengte Knochenpartikel oder sehr kleine Knöchelchen (Gehörknöchelchen)

Osteophyt

Knochenmassevermehrung, meist im Rahmen von Arthrosen ab Grad 2. Die arthrotische Knorpelveränderung führt zu Inkongruenzen der Gelenkflächen und lokalen Druckerhöhungen, diese zu subchondralen Sklerosen und darüber zu lokalen Knorpel- und Knochennekrosen (Geröllzysten). Dieses Material sammelt sich am Rand der Gelenkflächen an und verkalkt zu Osteophyten. Sie sind in Sono und Röntgen nachweisbar und gelten als Zeichen einer fortgeschrittenen Arthrose. Durch lokalen Druck auf Nerven oder andere Weichteile (Sehnen, Bänder) können sie Folgeschäden verursachen. Brechen sie ab, können sie als freie Gelenkkörper ebenfalls zu weiteren Störungen führen, z.B. Einklemmungen.

Overcrossing

Aufsetzen des Fußes jenseits der Medianlinie, also auf der kontralateralen Körperseite, Ursachen dafür sind

  1. muskuläre Dysbalancen
  2. muskuläre Dysbalancen, v.a. Schwächen der Hüftmuskulatur, allen voran der Abduktoren, Überspannung der Adduktoren
  3. funktionelle Beinlängendifferenzen: disponieren zum Overcrossing vor allem des längeren Beins

Overcrossing führt zu Überpronation, ITBS (Läuferknie), Schienbeinkantensyndrom (?) und Knieschmerzen.

Overuse

Overuse (engl.) bedeutet Überbelastung und meint eine Belastung, die über die Belastbarkeit einer Struktur hinausgeht. Dabei können die verursachenden Faktoren und die betroffenen Strukturen vielfältig sein. Häufig sind die bradytrophen Gewebe von einem Overuse-Syndrom betroffen: Sehnen (Tendinitis, Tendinose, Tendopathie) und ihre Sehnenscheiden (Tendovaginitis, zusammen mit Tendinitis auch Tendosynovitis genannt), Bänder, Kapseln, Knorpel, Knochen sowie die Schleimbeutel (Bursae), die die Muskeln bzw. ihre Sehnen überziehen (Bursitis). Gerade die Knorpel mit einem Turn over jenseits der Lebensspanne sind häufig von Overuse betroffen. Eines der am meisten verbreiteten Beispiel ist neben dem nur allzu bekannten Meniskus des Knies die Bandscheibe im ACG-Gelenk (Akromioklavikulargelenk). Diese sind häufig schon im vierten Lebensjahrzehnt massiv arthrotisch geschädigt und oft im fünften Lebensjahrzehnt gar nicht mehr nachweisbar. Der Muskel selbst kann zwar auch in eine Lage kommen, in welcher er der Beanspruchung nicht mehr standhält, dann reagiert er beispielsweise mit Krampfneigung, Zerrrung, Hypertonus, Leistungsverlust, Overuse meint aber die nicht nur sehr kurzfristigen Störungen, die eine Überbeanspruchung hervorruft. Da der Muskel auf raschen, umfangreichen Stoffwechsel ausgelegt ist, ist er davon weniger betroffen. Overuse kann in Sport aber auch in nichtsportlichen beruflichen Tätigkeiten auftreten, z.B. als RSI-Syndrom der Sekretärin oder als Golferellbogen des häufiger scheppenden Straßenarbeiters. Im Sport ist Overuse häufig mit inadäquaten Leistungssteigerungen oder dem Trainingsstand nicht adäquaten Leistungsanforderungen verbunden. Wer sportliches Training (erstmals) aufnimmt, sieht sich meist der Notwendigkeit gegenüber, daß verschiedene Teile seines Körpers, nicht nur seines Bewegungsapparates, nicht der geforderten Leistungs- oder Kraftanforderung anpassen. Dabei adaptiert der Körper am schnellsten Kraft und kardiopulmonale Ausdauer. Die bradytrophen Gewebe des Bewegungsapparates adaptieren aufgrund ihres teils weit größeren Turn over (Erneuerungszeit) teils deutlich verzögert, so daß sie, je nach Anforderung, der gestiegenen Leistungsfähigkeit keine adäquate Belastbarkeit entgegensetzen können. Sie können dann von einer zur nächsten Anforderung nicht hinreichend regenerieren und noch weniger adaptieren, so daß oft Degenerationserscheinungen die Folge sind.

P

palmare Flexion (Hand)

Vergrößerung des dorsalen (handrückenseitigen) Winkels der Hand zum Unterarm im Handgelenk, also Bewegung der Handfläche zum Unterarm, also des Handrückens weg vom Unterarm.

Palmare Platte

Synonym für das Ligamentum palmare, welches palmarseitig jedes Fingergrundgelenk und die Interphalangealgelenk überzieht und vor Hyperextension schützt.

Palmarfaszie

Die Sehnenplatte der Hohlhand.

Palmarflexoren

Gruppe der Muskeln, die eine Palmarflexion ausführen, also die Handfläche dem Unterarm annähern

Palpation

Eine der Methoden der körperlichen Untersuchung: Befühlen mittels des Tastsinns des Untersuchers. Im einfachsten Fall kann das ein Test auf Druckschmerzhaftigkeit sein oder ein Test auf Unregelmäßigkeiten in einem oberflächlich zu tastenden Gewebe. Beispielsweise kann ein Ganglion, eine Schwellung oder eine Myogelose palpiert werden. Auch Muskelrupturen oder Sehnenrisse können teilweise gut palpiert werden. Das Ausmaß an Muskelanspannung (Tonus) kann mittels Palpation erhoben werden, sowohl des Ruhetonus als auch der Spannung eines benutzten oder zu benutzenden Muskeln in einer Haltung. Beispielsweise kann im freien Drehsitz die Spannung des Armbizeps palpiert werden um zu erheben, ob dieser und überschlägig wie intensiv dieser arbeitet um als Frontalabduktor des Schultergelenks die ipsilaterale Schulterpartie nach hinten zu drücken und damit die Rotation der WS zu fördern und als Ellbogenbeuger wegen der Hand als Punctum fixum um die Schulterpartie herunterzuziehen und damit das Schulterblatt zu deprimieren und zu einer Angleichung der Höhe beider Schultern in der Haltung beizutragen. Will der Untersuchende die Spannung eines Muskels palpieren um daraus abzuleiten, wie intensiv ein Muskel arbeitet, so muss er die gefühlte Spannung, also den Widerstand gegen den Druck des Palpierenden in Relation setzen zu dem palpierten Ruhetonus. Nur aus dem Delta kann er eine überschlägige Bewertung der Arbeit des Muskels abschätzen. Ein Rückschluß auf die genaue Sehnenkraft des Muskels ist aber auch damit nicht möglich. Weitere Beispiele für die Anwendung von Palpation sind etwa die Palpation des Sehnenverlauf des Bizeps in der entsprechenden Exploration, des Gewebetonus des Gastrocnemius in supta virasana / virasana um nachzuvollziehen, ob ein angegebener Schmerz auf Gewebekompression beruht. Auch wird die Palpation etwa eingesetzt um den Tonus des Quadrizeps in uttanasana zu erheben oder den Tonus des Trapezius zu erheben, wenn sich Ausführende über erhöhte Spannung oder Krampfneigung beschweren. Auch der joint line tenderness-Test fällt noch in den Bereich Palpation, auch wenn die Ergebnisse klarer werden, wenn statt mit einer recht empfindsamen Fingerbeere mit dem Fingernagel Druck auf den Gelenkspalt ausgeübt wird. Die Palpation kann auch thermische Veränderungen wie Entzündungen wahrnehmen.

parasympathikoton

Zustand erhöhter Erregung des Parasympathikus.

Parasympathikus

Der Parasympathikus ist der Teil des vegetativen Nervensystems, das für Regeneration und Aufbau von Energiereserven zuständig ist und damit weitgehender Gegenspieler zum ergotropen Sympathikus, der Leistungssteigerung und Mobilisierung von Energiereserven steuert. Diese Wirkungen des Sympathikus werden als ergotrop bezeichnet. Er ist damit weitgehend antagonistisch zum Parasympathikus. Zu den Nervenfasern des Parasympathikus gehören einige der Hirnnerven III (Nervus oculomotorius), VII (Nervus facialis), IX (Nervus glossopharyngeus) und besonders X (N. vagus). Auch der Trigeminus führt streckenweise parasympathische Fasern, die jedoch vom N. facialis stammen. Der Parasympathikus wirkt am Herzen negativ chronotrop und negativ dromotrop (Erregungsleitung fördernd), im Genitalbereich auf die Gefäße vasodilatorisch, in den Bronchien konstriktiv und schleimsekretionsfördernd, verstärkt im Verdauungstrakt Sekretion und Peristaltik, ist im UGT miktionsfördernd, fördert die Kontraktion des Uterus, fördert Miosis (Pupillenengstellung) und Akkomodation und fördert die Speichelproduktion. Eine erhöhte Erregung des Parasympatikus wird als Parasympathikotonus oder meist als Vagotonus bezeichnet, er wirkt HRV verstärkend.

passive Insuffizienz

Zustand eines Muskels nicht vollständig zusammengezogen, also nicht aktiv insuffizienz zu sein, Aktin- und Myosinfäden haben also nicht vollständig ineinander gegriffen, aber an weiterer Kontraktion durch einen Mangel an Flexibilität seines (genauer: eines seiner partiellen) Antagonisten gehindert zu werden. Bei monoartikulären Muskeln ist das Auftreten passiver Insuffizienz pathologisch, bei biartikulären und polyartikulären Muskeln physiologisch.

Patellaluxation

Luxation der Patella. Patellaluxationen sind schmerzhaft und geschehen meist bei weitgehend oder vollständig gestrecktem Kniegelenk und meist nach lateral. Dafür gibt es eine Vielzahl an Gründen. Im Rahmen der physiologischen Schlussrotation wird der Unterschenkel im Kniegelenk exorotiert, dadurch wird das Lig. patellae ein wenig nach lateral gezogen. Außerdem ist der Anpressdruck der Patella in Extension oder Hyperextension des Kniegelenks minimal und die Führung der dorsalen Finne der Patella im Sulcus intercondylaris wird mit zunehmender Streckung des Kniegelenks immer geringer. Davon ab knickt der sulcus intercondylaris im kranialen Bereich leicht nach lateral ab. Schwächt sich durch muskuläre Dysbalance (Schwäche der inneren Ischiocruralen Gruppe oder des Popliteus) die Endorotation des Unterschenkels (gegenüber der exorotierten Stellung in Schlußrotation) ab, so ist die Lateralisationsneigung der Patella ebenfalls erhöht. In Fällen, die zu Patellaluxation neigen, sollte, so sonst keine weitere Störung in dem Bereich vorliegt, der Quadrizeps insgesamt, vor allem aber dessen Vastus medialis sowie die innere Ischiocrurale Gruppe auftrainiert werden, um die Neigung zur Luxation zu vermindern. Der Vastus medialis kann dabei sehr bedeutsam sein, da sein kaudaler Anteil (auch Vastus medialis obliquus genannt) schräg bis hin zu transversal verläuft und vor allem die Aufgabe der Zentrierung der Patella hat. Dazu ist er mit entsprechenden Fasertypen und Rezeptoren ausgestattet. Ein X-Bein führt ebenfalls zu einer unphysiologischen Führung und inkorrekter Druckbelastung der Patella, da sie nach lateral gezogen wird. Eine nach lateral gezogene Patella führt regelmäßig zu einer Mehrbelastung der lateralen Hälfte des femoropatellaren Gleitlagers und damit auch der lateralen Hälfte des retropatellaren Knorpels, was zu einer Chondropathie patellae bzw. später einer
Retropatellararthrose zu führen neigt.

.

Perkussion

Eine der Methoden der körperlichen Untersuchung: das Beklopfen eines Körperteils oder einer -stelle. Die Perkussion hat im Bereich asana nur eine nachgeordnete Bedeutung. Im Sinne der akustischen Auswertung der Perkussion, wie man sie in der medizinischen Untersuchung etwa der Lunge vornimmt, finden sich kaum Beispiele, jedoch wird z.B. bei verschiedenen Tests, etwa vom Tinel-Typ für das Karpaltunnelsyndrom (siehe den Test), das Kubitaltunnel-Syndrom (siehe den Test) oder das Tarsaltunnelsyndrom (siehe den Test) der betroffene Nerven mehrfach perkutiert, um im Sinne eines Provokationstests bekannte Symptome zu reproduzieren.

Phalange (Phalanx)

Finger- oder Zehenglied. Die Finger 2-5 besitzen wie die Zehen 2-5 drei Phalangen, Daumen und Großzehe jeweils zwei.

physiologische Kyphose (BWS)

Das kyphotische Krümmungsmaß einer gesunden BWS in Anatomisch Null bzw. Neutral Null.

physiologische Lordose (LWS)

Das lordotische Krümmungsmaß einer gesunden LWS in Anatomisch Null bzw. Neutral Null.

Planes Gelenk

siehe bei Gelenkformen

plantare Flexion (Fuß)

Vergrößerung des dorsalen (fußrückenseitigen) Winkels des Fußes zum Unterschenkel. Diese Bewegung wird von den Plantarflexoren ausgeführt, deren wichtigster der Trizeps surae ist. Synonym: Extension

Plantare Platte

Die Plantare Platte ist eine Kapselverdickung (bindegwebiger Knorpel, Fibrocartilago) unter den Zehengrundgelenken. Overuse kann die Plantare Platte schädigen, besonders wenn dabei wenig nachgiebiges Schuhwerk getragen wird oder barfuß auf harten Böden gelaufen wird. Hohe Absätze belasten die Plantare Platte ebenfalls, weil sie die Belastung darauf vervielfachen können. Ein weiterer Risikofaktor ist ein langer 2. Strahl. Risse in der Plantaren Platte können zur Metatarsalgie führen. Später können sich Hammerzehen und Krallenzehen ausbilden, ggf. mit Luxation im Grundgelenk und Ausbildung von Zehengrundgelenkarthrose.

Plantarfaszie

Die Aponeurosis plantaris oder Plantaraponeurose ist eine Sehnenplatte zwischen dem Kalkaneus einerseits und den Zehengrundgelenken und Ligamenta plantaria andererseits. Sie überzieht die Mittelfußknochen und einige Fußwurzelknochen. Damit schützt sie die profunder liegenden Strukturen (Nerven, Sehnen, Blutgefäße) und sichert die Lage der Fettpolster des Fußes. Sie ist teilweise Ansatz für

  1. Abduktor hallucis
  2. Flexor digitorum brevis
  3. Abduktor digiti minimi

Als Zuggurtung ist sie wichtig um den Kollaps des Fußlängsgewölbes zu verhindern.

Plantarflexoren

Sämtliche Muskeln, die die plantare Flexion im Fußgelenk (genauer: den Fußgelenken) ausführen, also den dorsalen (fußrückenseitigen) Winkel des Fußes zum Unterschenkel vergrößern. Das sind: M. triceps surae, M. fibularis longus, M. fibularis brevis, M. flexor digitorum longus, M. tibialis posterior

Plexus brachialis

Der Plexus brachialis (Armgeflecht) ist als Teil des PNS ein Nervenplexus aus den ventralen Ästen der Spinalnerven der letzten vier HWS-Segmente und des ersten BWS-Segments (C5-Th1) sowie kleinerer Bündel von C4 und Th2. Eine Kompression des Plexus brachialis kann zum Thoracic Outlet Syndrom führen.

polyartikulär

Mehr-Gelenkigkeit eines Muskels, also die Eigenschaft eines Muskels, mehr als zwei Gelenke zu überspannen und in diesen eine Bewegung zu verursachen

Posterior

bezeichnet eine Richtung und bedeutet „von oder nach hinten“ und ist identisch mit dem Begriff dorsal. Das begriffliche Gegenteil ist anterior, welches wiederum dem Begriff frontal oder ventral entspricht.

potentielle Energie

Die in der Höhe eines Körpers über dem Gravitationszentrum der Gravitationsquelle (hier der Erde) gespeicherte pyhsikalische Energie, die sich bei Loslassen des Körpers beginnt zu vermindern, indem der Körper mit 9,81 m / s² (im Vakuum) in Richtung Erdmittelpunkt beschleunigt. Wird ein Körper weiter vom Erdmittelpunkt weg (also nach oben) bewegt, ist dazu physikalische Arbeit und Energieeinsatz erforderlich.

progredient

Fortschreitend, voranschreitend. Mit progredient bezeichnet man eine Erkrankung oder einen Prozeß, der im Umfang oder Stadium voranschreitet.

Progression

Fortschreiten, Voranschreiten, einer Erkrankung. Für Progression gibt es mehrere Gründe, einer liegt etwa schlicht in einer negativen Bilanz zwischen Heilung und Schädigung, wie es oft bei einer Arthrose der Fall ist, in anderen Fällen ist Regeneration überhaupt nicht mehr möglich. Erkrankungen, die mit Progression verlaufen, werden als progredient bezeichnet.

Pronation (Fuß)

in Anatomisch-Null die Kippbewegung des Fußes um seine Längsachse, die durch das Absenken des Innenfußes gegenüber dem Außenfuß entsteht

Pronation (Unterarm)

Überwendung des Radius über die Ulna, also die „Drehung“ des Unterarms: in Neutral Null Handfläche nach hinten zeigend, also weg vom Bizeps.

Pronation (Unterarm)

die Überwendebewegung des Unterarms, bei der die beiden Unterarmknochen (Elle und Speiche) von ihrem parallelen Verlauf entfernt werden, hin zur (vom Ellbogengelenk aus gesehen) weitergehenden Überkreuzung. Bei nach vorn ausgestrecktem, im Schultergelenk exorotierten Arm entspricht das einer nach unten zeigenden Handfläche. Die Pronation ist bei guter Beweglichkeit bis zu ca. 180 möglich.

Pronatoren (Fuß)

Sämtliche Muskeln, die den Fuß im Fußgelenk (genauer den drei Sprunggelenken jeweils in unterschiedlichem Ausmaß) pronieren, also den lateralen Fußrand anheben oder den medialen Fußrand absenken. Das sind: M. fibularis longus, M. fibularis brevis, M. fibularis tertius, M. extensor digitorum longus.

Pronatoren (Unterarm)

alle Muskeln, die eine Pronation des Unterarms ausführen, das sind M. pronator quadratus, M. pronator teres, M. flexor carpi radialis, M. brachioradialis aus einer supinierten Stellung sowie der M. extensor carpi radialis longus (schwach bei gebeugtem Arm). Siehe dazu auch Ellbogengelenk.

Propriozeption

Eigenwahrnehmung des Körpers unabhängig von äußeren Sensoren, also den 5 Sinnen. Propriozeption ermöglicht es, die Stellung des Körpers im Raum und die Stellung der einzelnen Körperteile zueinander wahrzunehmen, genauso die wie Spannung der Muskulatur und die ausgeübte Kraft. Dabei wird unterschieden zwischen

  • Stellungsinn: Empfinden für die geometrische Stellung des Körpers und der Gelenke
  • Bewegungssinn: kontinuierliche Empfindung für Veränderungen der Lage des Körpers oder von Körperteilen
  • Kraft- und Widerstandssinn: Empfindung von Zug und Druck.
  1. Muskelspindel: im Muskel parallel zu den Muskelfasern angeordnete Fasern, die mit statischen Kernsackfasern das Proportionalverhalten, also die absoluten Länge eines Muskels erfassen und mit den dynamischen Kernsackfasern das Differentialverhalten, also die Längenänderung.
  2. Sehnenspindel (auch: Golgi-Organ, Golgi-Sehnenrezeptor): im Übergangsbereich zwischen Muskel- und Sehnenfasern angesiedelte langsam-adaptierenden Spannungssensoren, Basis der Eigenreflexe
  3. sensible Rezeptoren in Gelenkkapsel, Bändern, Knochenhaut

Im Gegensatz zur Propriozeption ermöglicht die Viszerozeption die Wahrnehmung der inneren Organe. Beide zusammengenommen wird auch von Interozeption gesprochen. Dazu sind verschiedene Propriozeptoren vorhanden.

Man kann zwischen einer bewußten Propriozeption unterscheiden, die etwa bei bewußt und gezielt ausgeführten Bewegungen ausgewertet wird wie Balancieren oder Yogahaltungen und einer unbewußten, die in mechanischen Verrichtungen wie Gehen oder Treppesteigen ausreicht.

Propriozeptoren

Die Rezeptoren, die die Propriozeption ermöglichen, dies sind:

  • Muskelspindel: im Muskel parallel zu den Muskelfasern angeordnete Fasern, die mit statischen Kernsackfasern das Proportionalverhalten, also die absoluten Länge eines Muskels erfassen und mit den dynamischen Kernsackfasern das Differentialverhalten, also die Längenänderung.
  • Sehnenspindel (auch: Golgi-Organ, Golgi-Sehnenrezeptor): im Übergangsbereich zwischen Muskel- und Sehnenfasern angesiedelte langsam-adaptierenden Spannungssensoren, Basis der Eigenreflexe
  • sensible Rezeptoren in Gelenkkapsel, Bändern, Knochenhaut

Protraktion (Schulterblatt)

Bewegung des Schulterblatts nach seitlich-vorn, also weg von der Wirbelsäule. Die ausführenden Muskeln sind die Protraktoren. Die Gegenbewegung heißt Retraktion.

Protraktoren (Schulterblatt)

Muskeln, die das Schulterblatt weg von der Wirbelsäule und nach ventral, also nach außen und vorn, zum Brustbein bewegen:

  1. Serratus anterior
  2. Pectoralis minor
  3. Pectoralis major

proximal

bezeichnet eine Lage in einer Extremität nah oder (im Vergleich) näher an deren Ansatz am Rumpf. Das begriffliche Gegenteil ist
distal.

pseudoradikulärer Schmerz

Unspezifische, örtlich begrenzte Schmerzen mit Ausstrahlung („übertragene Schmerzen“ oder „referred pain“) in Richtung einer Extremität ähnlich einer radikulären Schmerzsymptomatik, aber ohne deren efferente oder afferente neurologische Ausfälle (im Bereich Innvervation oder Sensitivität), da der Spinalnerv selbst in seiner Funktion nicht beeinträchtigt ist. Pseudoradikuläre Schmerzen treten z.B. als Folge eines Facettensyndroms, muskulärer oder gelenkiger Störungen, ISG-Blockaden auf.

Punctum fixum

Der Punctum fixum ist der bei einer Bewegung fixierter (z.B. auf dem Boden stehender) Körperteil. Das Gegenteil ist Punctum mobile. Von diesen beiden hängt ab, welcher Teil ortsständig bleibt und welcher bewegt wird. Als Punctum fixum wird ein nicht bewegter Körperteil bezeichnet, wenn ein mit ihm in Verbindung stehender Muskel Kraft auf ihn ausübt. Beispiele:

  1. Die Beine sind im uttanasana Punctum fixum bzgl. der Arbeit der Hüftbeuger, bewegt wird der Oberkörper.
  2. Der untere Arm ist in parivrtta trikonasana bzgl. der lateralen Adduktion des unteren Arms Punctum fixum, bewegt wird das Schulterblatt und über dies der Oberkörper.
  3. Die Arme sind in der Hundestellung Kopf nach oben Punctum fixum, wenn die frontale Adduktion im Schultergelenk den Oberkörper und mit ihm das Becken nach vorn ziehen.

Die in der Anatomie übliche Betrachtung des Ansatzes und Ursprungs eines Muskels legt nahe, daß der zentralere Ursprung der feste Punkt ist, von dem aus der Ansatz herangezogen wird. Diese in der Sportwissenschaft häufig unzutreffende Annahme wird durch die Betrachtung von bewegtem Punctum mobile und festem Punctum fixum verallgemeinert, auch wenn dieses Modell noch nicht allgemein genug ist, wie Haltungen wie etwa navasana zeigen, bei der die Hüftbeuger die Oberschenkel und das Becken mit dem Oberkörper halbwegs gleichmäßig einander annähern. Ein weiteres Gegenbeispiel ist die Hundstellung Kopf nach unten, in der hauptsächlich der Deltoideus durch seine Frontalabduktion im Schultergelenk den Schulterbereich zu den Füßen hin zieht. Auch hier können weder die Arme noch der Oberkörper als Punctum fixum gelten, da die eingesetzte Kraft beide bewegt.

Punctum mobile

Das betriffliche Gegenstück zum Punctum fixum, siehe die dortige Herleitung des Konzepts. Als Punctum mobile wird ein bewegter Körperteil bezeichnet, wenn ein mit ihm in Verbindung stehender Muskel, dessen Ursprung im Punctum fixum liegt, Kraft auf ihn ausübt.

Q

R

Racketsports (Schlägersportarten)

siehe die eigene Seite zu Racketsports

Radfahren

siehe die eigene Seite zum Radfahren

Radgelenk

siehe bei Gelenkformen

radiale Abduktion (Hand)

Verkleinerung des Abstands und Winkels des Daumen zum Radius (Speiche).

radikulärer Schmerz

Durch Reizung (z.B. durch Druck) einer Nervenwurzel hervorgerufener Schmerz, wie er bei einem Nervenwurzelkompressionssyndrom (Radikulopathie) auftritt. Ursächlich sind in der Regel Bandscheibengeschehen, Osteophyten oder Entzündungen. Typsicherweise projiziert der Schmerz in das Dermatom einer Nervenwurzel. Radiukläre Schmerzen sind abklärungsbedürftig und oft auch behandlungsbedürftig. Die Kompression von Nerven kann zu deren Atrophie führen, aber auch zu Atrophien der versorgten Muskulatur.

Regeneration

Im engeren Sinne bezeichnet in der Trainingstheorie Regeneration nur die Erholung der Muskeln auf ihr ursprüngliches Leistungsniveau, nachdem es durch sportliches Training (oder körperliche Arbeit) eingebrochen ist, dies ist also als muskuläre Regeneration zu verstehen. Der Leistungsverlust resultiert aus mehreren Faktoren, etwa der Erschöpfung intramuskulärer Glykogenvorräte, dem Verlust an Elektrolyten wie Calcium und Magnesium, der Veränderung des pH, der in den Geweben geschaffenen Sauerstoffschuld, der Notwendigkeit zum Abtransport von Metaboliten und der stoffwechselbedingten Hyperthermie. Zu den wichtigen abzubauenden Metaboliten gehört vor allem das Laktat, die Milchsäure, die bei Leistungsanforderungen oberhalb der Laktatschwelle gebildet wird. Regeneration erneuert, wo nötig, Zellgebewe, füllt Speicher wieder auf, passt die neuronale Ansteuerung ggf. an das Training an und beinhaltet ggf. auch die Anpassung von Organen an die Anforderung. Der Körper sorgt nach Abschluß der Regeneration für eine leicht erhöhte Leistungsfähigkeit. Dieser Effekt wird als Superkompensation bezeichnet. Superkompensation beschreibt die (zeitlich recht begrenzte) Phase erhöhter Leistungsfähigkeit als auch den Effekt als solchen. Fehlt über längere Zeit hinreichende Regeneration, fällt die Leistungsfähigkeit kontinuierlich weiter ab, was als Übertraining bezeichnet wird. Dabei nimmt das allgemeine Krankheitsrisiko und das Verletzungsrisiko im Bewegungsapparat zu.

Als ein Beispiel, an dem man die Notwendigkeit muskulärer Regeneration und den Effekt des Übertrainings, auch wenn es sich nicht um die gleiche Art von Belastung handeln sollte, in kleinem Maßstab schnell selbst erfahren kann, ist folgendes Experiment: Man führe an einem Abend nach gutem Aufwärmen hinreichend viele Sätze schweren
Kreuzhebens bis an die Grenze der Leistungsfähigkeit aus, so daß die
Ischiocrurale Gruppe danach erschöpft ist. Am nächsten Mittag (oder auch früher oder später) versuche Running man auf die gewohnte Weise und auf einer gewohnten Runde. Typisches Resultat dieses Experiments ist, daß ein deutlicher Mangel an Leistungsfähigkeit in der Ischiocruralen Gruppe festgestellt wird und sich schon auf den ersten Schritten ein Gefühl von „Blei in den Beinrückseiten“ einstellt, obwohl es sich um deutlich unterschiedliche Anforderungen an die selbse Muskelgruppe handelt. Das Kreuzheben ist ein skaliertes Maximalkrafttraining im gewohnten Muster von leichteren über schwere bis zu maximal schwere Sätze, in denen nur noch wenig Wiederholungen möglich sind. Dabei nutzt es einen recht großen bereich des zur Verfügung stehenden
ROM aus und steht für die Dauer eines Satzes ständig unter Last, die aber in ihrer Schwere oszilliert: bei waagerechtem Becken und Oberkörper ist sie maximal, darüber (bei geringerer Flexion in den
Hüftgelenken) und – falls die Beweglichkeit es zulässt: darunter (also in größerer Flexion) ist sie geringer entsprechend der Schwerkraftwirkung des Teilkörpergewichts aus Oberkörper, Kopf Armen und extermen Gewicht und deren weit von den Hüftgelenken als Drehzentrum entfernt liegendem Schwerpunkt der bewegten Masse.

Das Running hingegen nutzt nur einen eher kleinen Teil des ROM und das auch nur in kurzen Lastspitzen, ist also der Art der Beanspruchung nach deutlich unterschiedlich zum Kreuzheben. Dennoch ist binnen 9-12 Stunden die Regeneration der muskulären Ressourcen noch völlig unzureichend, so daß ein deutlicher Einbruch der Muskelleistungsfähigkeit gegenüber dem gewohnten Niveau festgestellt werden muß. Bei diesem zweistufigen Experiment bestehen kaum Risiken. Das nächste zweistufige Experiment hat demgegenüber ein gewisses Risiko eines Wadenkrampfs oder einer –Zerrung, so daß bei den leisesten Anzeichen für deren Entwicklung das Experiment sofort abgebrochen werden muß. Im ersten Teil führe man eine uttanasana über möglichst 5 Minuten am Stück mit maximal nach vorn (ventral) verlagertem Becken durch, wobei das Schwerelot so weit ventral liegt, daß gerade noch nicht mit den Zehen abgestützt werden muß. Ggf. kann, falls noch keine hinreichende Erschöpfung der Wadenmuskulatur vorliegt, noch die eine oder andere Haltung danach ausgeführt werden, die ebenfalls den Trizeps surae deutlich im Sinne einer Kraftausdauerleistung in eher größerer Sarkomerlänge fordert wie Z.B. 3. Kriegerstellung oder schlicht vrksasana, im Extremfall sogar Johns Folge. Danach führe man binnen der nächsten 6 Stunden Running auf die gewohnte Weise und auf einer gewohnten Runde durch.

In diesem Beispiel zeigt sich, daß Teile der Wadenmuskulatur von den zuvor ausgeführten Asanas soweit erschöpft sind, daß im folgenden Running leichter als gewohnt oder gar recht schnell sich nicht nur das im ersten Beispiel erlebte „Blei-Gefühl“ einstellt, sondern auch die Krampf-, Zerrungs- und Rissneigung erhöht ist, weshalb die eingangs ausgesprochene Warnung gilt, beim leisesten Anzeichen eines solchen Effekts den Versuch sofort anzubrechen.

Reklination (Nacken)

Neigung des Kopfes nach hinten in Richtung Rücken, der Begriff ist synonym zur Extension der HWS.

Rektusscheide

Die Aponeurose, die den Rectus abdominis superfiziell und profund einhüllt. Sie geht seitlich aus den Sehnen der schrägen Bauchmuskeln und des Transversus abdominis hervor und bildet zwischen den beiden Seiten des Rectus abdominis die Linea alba. Die Vorderwand der Rektusscheide (Lamina anterior) zieht bis zum Schambein, die Hinterwand endet jedoch an der Linea acuata.

reponierbar

Die Eigenschaft einer Fehlstellung oder falschen Position, (meist von extern) beseitigt werden zu können. Im Allgemeinen wird darunter die Fähigkeit des oder der fehlstehenden Körperteile verstanden, durch händische Intervention durch die Person selbst oder einen Untersucher, in die richtige Position gebracht werden zu können (der Vorgang heißt Reposition). Was in Spontanreposition geht oder gehen kann, ist per Definition reponierbar. Beispielsweise kann eine erworbene, noch nicht sehr alte Fußdeformität reponierbar sein, diese Eigenschaft durch eine Ansammlung an sekundären Veränderungen des Fußes aber über die Zeit verlieren. Reponierbare Fehlstellungen haben in vielen Fällen Aussicht auf einen konservativen Therapieerfolg, das Gegenteil, kontrakte Fehlstellungen, hingegen nicht.

Reposition

Wieder in die physiologische Lage oder Position bringen. Der Begriff bezieht sich auf alles, was seine physiologische Lage verlassen und in Fehlstellung gehen kann, Knochen in Gelenken, Organe, Bruchenden bei einer Fraktur.

Residualvolumen

Das Volumen in Lunge und Bronchien, welches nach forcierter Exspiration nicht mehr ausgeatmet werden kann.

restriktiv

Einschränkungen der Atmung heißen restriktiv, wenn sie aus einer verminderten Ausdehnungsfähigkeit der Lunge resultierten. Dann sind
Vitalkapazität und Totalkapazität vermindert. Ursächlich sind z.B. Lungenfibrosen, Pleuraverwachsungen oder eine eingeschränkte Thoraxbeweglichkeit wie bei Skoliosen und vor allem bei Hyperkyphosen der BWS, etwa im Rahmen ausgeprägter Formen von Osteoporose, Morbus Scheuermann oder Morbus Bechterew. Restriktive Einschränkungen können mit einer Messung der Vitalkapazität nachgewiesen werden.

Retinaculum

Rückhalteband, das Sehnen in einem gelenknahen Bereich hält und verhindert, dass die Sehnen und die damit verbundenen Muskeln ihrer physikalischen Neigung nachkommen, bei Kontraktion sich auf kürzestem Weg von Ursprung zu Ansatz zu spannen, was z.B. im Falle der am medialen Kondylus des Humerus entspringenden superfiziellen Fingerbeuger und profunden Fingerbeuger extrem hinderlich bei vielen Arbeiten wäre, eine extreme Verletzungsanfälligkeit mit sich bringen würde und sicherlich die Entwicklung der Arten zumindest massiv nachhaltig negativ beeinträchtigt hätte.

Retraktion (Schulterblatt)

Zurückziehen des Schulterblatts, hin zur Wirbelsäule. Die verursachenden Muskeln ist die Gruppe der Retraktoren. Die Gegenbewegung heißt Protraktion.

Retraktoren (Schulterblatt)

Muskeln, die das Schulterblatt nach dorsal und medial also zur Wirbelsäule ziehen. Dies sind:

  1. Trapezius
  2. Rhomboideus major
  3. Rhomboideus minor
  4. Latissimus dorsi

Die Rhomboiden heben auch die Außenrotation des Schulterblatts auf.

Retroversion (Schultergelenk)

Bewegung des Arms im Glenohumeralgelenk nach dorsal, also über Anatomisch Null hinaus. Die Retroversion kann als Fortführung einer Frontaladduktion im Schultergelenk auch als dorsale Abduktion im Schultergelenk bezeichnet werden.

Retrovertoren (Schultergelenk)

die Muskulatur, die die Retroversion im Schultergelenk ausführt: Teres major, Latissimus dorsi, Trizeps (caput longum), Deltoideus (pars spinalis, pars acromialis teilweise).

Rhomboiden

wichtige Retraktoren des Schulterblatts, siehe M. Rhomboideus minor und M. Rhomboideus major.

Röhrenknochen

In der Regel länglicher Knochen mit zwei Enden (Epiphysen) und einem halbwegs zylindrischen Schaft (Diaphyse), in dem sich Knochenmark befindet. Die Epiphysen an beiden Enden des Röhrenknochens sind durch die Wachstumszone (Epiphysenfuge) mit der Diaphyse verbunden. Nach Abschluß des Wachstums sind die Epiphysenfugen dann geschlossen. Apophysen dienen der Ausprägung von Insertionen von Bändern und Sehnen.

ROM

Range Of Motion, der Bewegungsradius in einem Gelenk in eine bestimmte Richtung oder Bewegungsdimension. Dabei muß unterschieden werden zwischen dem passiven, von einem Untersucher bewirkbaren Bewegungsradius, den ein Gelenk ermöglicht bis eine der möglichen Grenzen der Bewegung Einhalt gebietet und dem aktiven Bewegungsradius, den das Gelenk überziehende Muskeln tatsächlich abdecken. Man unterscheidet folgende Bewegungsgrenzen:

  • weich-elastisch: eine durch einen Muskel gesetzte Bewegungsgrenze. Die Bewegungsgrenze wird als weich und mit über zunehmende Bewegung in Richtung der Grenze zunehmender Dehnungsempfindung wahrgenommen. Dabei kann die Dehnungsempfindung den gesamten Bereich (0 bis 10) der NAS umfassen. Neben diesem, aktuell die Bewegung begrenzenden Muskel kann auch einer seiner Synergisten eine weich-elastische Grenze setzen, nachdem die des ersten verschoben worden ist. In diesem Fall kann durch Verbesserung der Flexibilität der Muskulatur der ROM vergrößert werden.
  • fest-elastisch: eine durch ein Band gegebene Grenze. In diesem Fall setzt kein bei der Bewegung gedehnter Muskel eine weich-elastische Grenze und eine knöcherne Grenze ist (noch) nicht gegeben. Dies ist oft bei Fußgelenken der Fall.
  • hart-elastisch: eine durch einen Knochen, genauer: die Knorpel der artikulierenden Knochen gesetzte Grenze. Eine solche Grenze findet sich bei den meisten Menschen etwa im Ellbogengelenk in Anatomisch Null in Richtung Extension des Ellbogengelenks. Wenn die Armbeuger hinreichend flexibel sind, existiert vor der hart-elastischen Bewegungsgrenze weder eine fest-elastische (ligamentäre) noch eine weich-elastische (muskuläre).

Der Unterschied zwisch dem dem aktiven und passiven Bewegungsspielraum wird recht deutlich am Beispiel des Kniegelenks: die aktive Beugung des Kniegelenks durch Muskeln der Ischiocruralen Gruppe findet ihre Grenze durch aktive Insuffizienz oder bei schlechter Beweglichkeit der monoartikulären Anteile des Quadrizeps auch schon früher durch passive Insuffizienz, also durch mangelnde Dehnfähigkeit ihres antagonistischen Quadrizeps. Dieser Unterschied darf nicht verwechselt werden mit den Grenzen, die durch Anteile des aktiven Bewegungsapparates (weich-elastisch) oder des passiven Bewegungsapparates (fest-elastisch, hart-elastisch) gesetzt werden.

Der aktive oder passive ROM kann in Winkelgrad (°) angegeben werden oder bei Bewegungen, etwa zu Trainingszwecken, in Prozent (%) der Kontraktionsmöglichkeit eines zu trainierenden Muskels, dann bezieht sich die Angabe letztlich auf das Intervall der Sarkomerlängen.

Rotation (Kopf)

Drehung des Kopfes um seine Längsachse (in Anatomisch Null: nach links oder rechts), siehe dazu auch: Rotation der WS.

Rotation (Schulterblatt)

Bewegung des Schulterblatts in der Ebene, in der es sich hauptsächlich ausdehnt, also mit dem Angulus inferior (untere Spitze) nach außen-oben oder wieder zurück nach innen-unten. Die Rotation des Angulus inferior nach außen-oben („Außenrotation„) ist Voraussetzung für das Anheben des Arms über 90°

Rotation (Wirbelsäule)

Drehung von Teilen der Wirbelsäule um ihre Längsachse. Die einzelnen Wirbelsegmente, bestehend aus zwei benachbarten Wirbeln und der dazwischen liegenden Bandscheibe (sowie muskulär gesehen, der überspannenden Muskulatur und ligamentär gesehen den bezüglichen Bändern), erlauben in unterschiedlichem Maß eine Rotation des oberen Wirbelkörpers gegenüber dem unteren. Diese wird typischerweise von der autochthonen Rückenmuskulatur verursacht, von anderer Rumpfmuskulatur wie den schrägen Bauchmuskeln, oder von Kräften, die über die Extremitäten auf den Rumpf einwirken. Innerhalb der autochthonen Rückenmuskulatur bewirkt das Schrägsystem die Rotation, das gleichzeitig neben den rotatorischen auch extensorische Momente erzeugt. Die Rotation ist neben der Extension / Flexion und Lateralflexion eine der drei Dimensionen der Beweglichkeit der Wirbelsäule und erfolgt wie anderen beiden nur in Großbereichen, im Wesentlichen der ganzen HWS, der ganzen BWS oder der ganzen LWS.

Rotationsmoment

auf ein Gelenk in Richtung Rotation einwirkendes Drehmoment

Rotatorenmanschette

Bezeichnung für eine Gruppe von Muskeln, dazu gehören:

  1. Teres minor (Exorotator und Adduktor)
  2. Supraspinatus, (Exorotator und initialer lateraler Abduktor)
  3. Infraspinatus (stärkster Exorotator)
  4. Subscapularis (Adduktor und wichtigster Endorotator)

Zusammen mit dem Lig. coracohumerale bilden sie eine Sehnenkappe um den Humeruskopf und das Glenuhumeralgelenk. Gemeinsam fixieren sie den Humeruskopf im Glenoid. Einige Autoren halten die Begriffsbildung für überholt.

Rückenmark

(lat. medulla spinalis oder medulla dorsalis) im Spinalkanal verlaufender Teil des zentralen Nervensystems. Das Rückenmark endet kaudal als conus medullaris (Markkegel) im Bereich L1 / L2, dort verlaufen die Nerven einzeln weiter als cauda equina. Die Existenz eines Rückenmarks ist allen Wirbeltieren gemein. Es ist von Meningen (Hirnhaut, von außen nach innen: dura mater, arachnoidea, pia mater) umhüllt, die wiederum von Liquor (Gehirn-/Rückenmarksflüssigkeit) umspült werden. Kranial geht das Rückenmark aus der oberhalb des Foramen Magnum liegenden Medulla Oblongata hervor. Im Rückenmark befinden sich die grau und weiße Substanz, für eine eingehendere Beschreibung siehe z.B. Wikipedia.

Rückfuß

die beiden Fußwurzelknochen Kalkaneus und Talus

Rückfußlauf (Fersenlauf)

In Freizeitsport und auf langen Distanzen am weitesten verbreiteter Laufstil. Das Aufsetzen des Fußes erfolgt mit der Ferse, der Aufsetzpunkt liegt dabei deutlich vor dem Körperschwerelot. Bei der Landung muß das Knie leicht gebeugt sein, um den Stoß muskulär abfangen zu können. In der Stützphase wird das Kniegelenk bis zu 40° gebeugt, insbesondere bei schwächerer Glutealmuskulatur kippt dabei das Becken nennenswert nach vorn. In der Abdrückphase wird wird das Hüftgelenk nur bis etwa 0° gestreckt, das Bein gelangt also gerade in Verlängerung des Oberkörpers. Das Becken bleibt mehr oder weniger nach vorn gekippt. Vorteile: leicht zu erlernen, da leichter aus dem gewohnten Gehen abzuleiten, geringerer Krafteinsatz als Vorfußlauf. Der Rückfußlauf ist leicht zu erlernen, einigermaßen energieeffizient, wenn auch nicht so sehr wie der Vorfußlauf und koordinativ nicht anspruchsvoll. Nachteile: höhere Gelenkbelastung (Sprunggelenke, Kniegelenk, Hüftgelenk) beim Landen als beim Vorfußlauf, Abbremsen des Vortriebs bei der Landung mit Energieverlust, Neigung zu Achillodynie, Fersensporn, größere Neigung zu Meniskusschäden (bei X-Beinen Außenmenisken), bei O-Beinen Innemenisken), größere Neigung zu Patellalateralisation. Die Auswirkung des Stoßes ist allerdings faktisch geringer als in der Vergangenheit häufig angenommen. Neuere Ergebnisse zeigen, daß der Fuß sich an die Lauftechnik und die Härte des Untergrunds anpasst.

Rückfußvalgus

Störung der Fußstellung mit Valgusstellung des Kalkaneus und oft auch weiterer Fußwurzelknochen. Meist fußt diese Störung auf einem Tibialis-posterior-Dysfunktionssyndrom und zieht einen Senkfuß oder später auch Plattfuß nach sich. Hat sich die Störung so weit manifestiert, entsteht oft noch ein Spreizfuß und noch später ein Hallux valgus.

Rückfußvarus

Störung der Fußstellung mit Varusstellung des Kalkaneus und oft auch weiterer Fußwurzelknochen. Im Gegensatz zu Störungen mit Valgusstellung des Kalkaneus ist diese bedeutend seltener und tritt meist mit Hohlfuß oder Klumpfuß auf

Rudern

siehe die eigene Seite zum Rudern

Ruhepuls / Herzfrequenz / Heart rate

Mit Ruhepuls wird normalerweise die Anzahl der hämodynamisch wirksamen Herzschläge pro Zeiteinheit (meist Minuten) bezeichnet. In bestimmten Fällen kann der Extremitätenpuls teilweise oder ganz ausfallen. Auch sind hämodynamisch unwirksame Schläge des Herzens denkbar, also Kontraktionen der Herzkammern, die zu keinem relevanten Auswurf von Blut und damit zu keiner palpablen oder auskultierbaren Pulswelle in der Peripherie führen (man spricht dann von einem Pulsdefizit), deswegen ist die obige Präzisierung nötig, korrekter wäre: Ruhe-Herzfrequenz oder resting heart rate RHR. Als normal gilt ein Ruhepuls zwischen 60 und 80 Schlägen pro Minuten, ab 100 bpm liegt eine Tachykardie vor. Nach der Geburt liegt der Ruhepuls bei 120 – 140 bpm, bei Kleinkindern bei 100 – 120 bpm, bei älteren Kindern und Jugendlichen bei 80 bis 100 bpm, um dann weiter abzufallen auf den erwachsenen Ruhepuls. Der Ruhepuls sollte morgens nach dem Aufwachen, bevor die ersten Gedanken an die kommenden Anstrengungen des Tages aufkommen, oder abends gemessen werden, wenn der Mensch völlig zur Ruhe gekommen ist. Es gibt eine Menge von Falsch-Positiv-Faktoren für den Puls, etwa: Koffein, Tein, ein voller Mangen, volles Gedärm oder eine volle Harnblase, wahrnehmbarer Miktions- oder Defäkationsdrang, absolvierte Anstrengung oder Sport, Stress, Tageszeit, Wetter, deutlich erhöhte oder erniedrigte Außentemperatur, Infekte und viele andere Erkrankungen, endokrinologische Abweichungen. Dazu kommt der Weißkitteleffekt: Die Untersuchungssituation erzeugt eine sympathische Erhöhung des Pulses, das kann auch gelten, wenn man sich selbst untersucht. In der Regenerationsphase nach intnesivem Training kann auch am Folgetag der Puls noch um einige Schläge (nicht über 10) erhöht sein, das kann als Zeichen für die (ggf. zu hohe Intensität) des Trainings gewertet werden. Darüber hinaus ist der Ruhepuls deutlich vom Trainingsstand und Alter abhängig. Langjährige Ausdauersportler haben häufig Ruhepulse von unter 50, im Falle von Langläufern sogar etwa 40 oder bei Radfahrern auch bis Mitte 30. Die Basis dieser Adaption ist das Wachstum des Herzmuskels, mit dem Training wird das Herz größer und entwickelt auch eine größere Kontraktionskraft. Bei Leistungsanforderung steigt zuerst die eingesetzte Herzkraft und damit das Volumen, danach die Schlagfrequenz und zuletzt die elektrische Überleitzeit. Andererseits steigt der Ruhepuls bei älteren Menschen ganz langsam an. Der Takt des Herzens in Ruhe ist nicht völlig gleichmäßig, es treten leichte Schwankung im Zehntelsekundenbereich auf, davon ab wird der Puls bei jeder Einatmung ein wenig beschleunigt, um mit der Ausatmung wieder abzufallen. Diese Phänomene gehen in die Herzratenvariabilität ein. Häufig ist der Einfluß psychischer Faktoren auf den Puls zu groß, um einen gesicherten Ruhepuls zu ermitteln. Dann kann ein Bezugspuls ermittelt werden, der bei 20W Leistung auf dem Ergometer in entspannter Atmospäre ermittelt wird. Der Einfluß psychische Faktoren wird durch die Arbeit i.d.R. weitestgehend ausgeschaltet. Dieser Bezugspuls liegt im Schnitt bei Männern um 18.5 bpm und bei Frauen um 24,5% über dem Ruhepuls, die Schwankungsbreite ist recht gering. Die Erholung korreliert mit dem Vagustonus.

Ruheschmerz

Schmerz, der (auch oder nur) in Ruhe auftritt ohne aktive oder passive Bewegung und ohne Belastung. Ruheschmerzhafte Körperteile sind meist auch bewegungsschmerzhaft. Ruheschmerz tritt im Bewegungsapparat häufig auf bei Arthrose, Arthritis, Insertionstendopathien, Frakturen, Nervenengpass-Syndromen (Karpaltunnelsyndrom, Kubilaltunnelsyndrom, Tarsaltunnelsyndrom), HWS-Syndrom. Weitere Arten von Ruheschmerz sind ischämische, kardiovaskuläre und neurologische Ruheschmerzen. Ruheschmerz kann von unterschiedlicher Qualität sein, etwa Spannungsschmerz (Entzündungen) oder bohrender Schmerz (Knochengeschehen).

Running

siehe die eigene Seite zum Running

S

Sagittalebene

Eine vertikale Ebene durch einen in Anatomisch Null stehenden Menschen von ventral nach dorsal, also – namensgebend – die Ebene, in der ein von vorn auf den Menschen abgeschossener Pfeil fliegt. Der mittige Spezialfall durch Symphyse, Linea alba, Mittellinie des Sternum und die Nase heißt Medianebene.

Sakrospinales System

die zwischen dem Beckenkamm und Dornfortsätzen von Wirbeln verlaufenden, zum lateralen Trakt der autochthonen Rückenmuskulatur gehörigen Muskeln: Longissimus: (thoracis, cervicis, capitis) und Iliocostales (lumborum, thoracis, cervicis), die die WS einseitig innerviert lateralflektieren und beidseitig innerviert extendieren.

Sarkomer

das Sarkomer ist die kleinste funktionale Einheit des Muskels. Es wird zu beiden Seiten von sogenannten Z-Scheiben begrenzt, an denen die Aktinfilamente hängen, in welche die Myosinfilamente eingreifen, die mittig des Sarkomers an der sogenannten M-Scheibe befestigt sind. Myosin ist das Motorprotein, welches durch Spaltung von ATP eine Änderung seiner Geometrie bewirken und an wechselnden Positionen des Aktinfilaments andocken kann, wodurch sich die Länge jedes einzelnen Sarkomers und damit des Muskels ändert. Bei konzentrischer Kontraktion verändert das Sarkomer seine mittlere Ruhelänge von 2-2,5 µm in Richtung 1 µm, bei Dehnung in Richtung 4 µm. Das Protein Titin ist für die Elastizität des Muskels zuständig, genau gesagt für die Rückstellung des Sarkomers nach Dehnung. Es ist mit beeindruckenden 3,6 Megadalton (1 Dalton ist 1/12 der Masse eines Kohlenstoffatoms) das größte Protein im menschlichen Körper. Eine ausführlichere Darstellung des Sarkomers siehe Wikipedia.

Sarkomerlänge

die Sarkomerlänge ist die aktuelle Länge des Sarkomers, also der Abstand zweier Z-Scheiben und damit ein Maß, wie weit sich ein Muskel noch kontrahieren bzw. wie weit er sich noch dehnen kann. Die durchschnittliche Ruhelänge eines Sarkomers liegt bei etwa 2 – 2,5 µm, bei etwas über 1 µm ist der Muskel vollständig kontrahiert und keine weitere Kontraktion oder Verkürzung des Muskels mehr möglich. Bei etwas über 4 µm ist die maximale Länge eines Muskels (guter Dehnungszustand vorausgesetzt) erreicht.

Sattelgelenk

siehe bei Gelenkformen

Schambeinsymphyse (Schambeinfuge)

Die Schambeinfuge (Symphysis pubica) zwischen dem linken und rechten Schambein. Sie spielt in der Schwangerschaft eine Rolle, weil sie sich hormonell gesteuert weitet, siehe auch Symphyse. Auch bei vielen Bewegungen spielen die kleinen hier möglichen Bewegungen eine Rolle.

Scharniergelenk

siehe bei Gelenkformen

Scheibenmeniskus / Meniscus disciformis

Entgegen früherer Auffassung und nach neusten Forschungen nicht angeborene sondern durch mechanische Fehlbelastung erworbene Anomalie der Meniskusform, bei der selten (5%) der innere, meist (95%) der äußere Meniskus nicht halbmondförmig sondern als Scheibe angelegt ist, in 20% auch bilateral. Im Embryonalstadium konnte bisher noch kein Scheibenmeniskus nachgewiesen werden. Oft bleibt der Scheibenmeniskus lange Zeit asymptomatisch und unentdeckt. Der Scheibenmemiskus wurde bereits 1889 von Young beschrieben. Betroffen sind je nach Literatur 0,4% bis 17% der Bevölkerung, in asiatischen Ländern, vor allem Japan, auch deutlich mehr. Einklemmen des Meniskus zwischen Tibia und Femur kann zu einem reproduzierbaren in der Regel schmerzhaften Schnappphänomen führen, was in der Regel nicht vor dem 6. – 8. Lj. auftritt. Die MRT kann den Scheibenmeniskus nachweisen. Er neigt zu zentralen Einrissen. Seine Fixierung kann sehr verschieden ausfallen, was ggf. zu freier Beweglichkeit, Druck auf die Gelenkkapsel oder Blockieren des Gelenks mit entsprechender Schmerzhaftigkeit führen kann. Risse stellen die Indikation für eine arthroskopische Entfernung und Herstellung einer physiologischen Form da. Erweist sich der Meniskus dabei als unzureichend fixiert, muss dies ebenfalls behoben werden. Eine komplette Entfernung des Meniskus, auch nur des lateralen oder in selten in diesem Zusammenhang nötig, medialen Teils, führt zu einem zig-fach erhöhten Arthroserisiko, weshalb ohne strengste Indikation davon abgesehen werden muss.

Schleimbeutel (Bursa)

Die Schleimbeutel sind Polster für Muskeln oder Sehnen in ihrem Verlauf, um lokale Druckspitzen von ihnen fern zu halten. Beispielsweise puffert die Bursa iliopectinea den Verlauf der Sehne des Iliopsoas über die Eminentia iliopubica. Bei extendiertem Hüftgelenk liegt die Verbindungslinie von Ansatz und Ursprung des Iliopsoas hinter der Eminentia iliopubica, so daß hier deutlicher Druck auf die Sehne entstehen muss. Ohne Bursa käme es recht schnell zu einer Reizung und Degeneration der Sehne.

Schlussrotation

Die Schlussrotation des Kniegelenks ist eine unwillkürliche eine etwa 5°-10° große Exorotation des Unterschenkels im Kniegelenk, verursacht durch die Spannung des vorderen Kreuzbands in Verbindung mit der des Tractus Iliotibialis. Beim Standbein sehen wir sie dann als Eindrehung des Oberschenkels im Kniegelenk bei festem Unterschenkel mit konsekutiver Endorotation des Oberschenkels im Hüftgelenk statt als Exorotation des Unterschenkels im Kniegelenk beim Spielbein. Die Schlussrotation stellt eine Art „physiologischer Subluxation“ dar, die das gestreckte, belastete Gelenk in einen stabileren Zustand bringt. Um das Kniegelenk wieder beugen zu können, muss der Popliteus als weitgehend transversal verlaufender Muskel, der hauptsächlich den Unterschenkel endorotiert und das Kniegelenk ein wenig beugt, die Schlussrotation wieder aufheben. Dabei wird er von den Knieflexoren in der inneren Ischiocruralen Gruppe, also dem Semimembranosus, dem Sartorius und dem Gracilis unterstützt. Der Beginn der Schussrotation ist schon bei 20°-30° Flexion im Kniegelenk nachweisbar, weshalb die Diskussionen darüber noch nicht abgeschlossen sind, inwiefern bzw. wie ausgeprägt die Schlussrotation beim normalen Gehen stattfindet. Dies ist sicherlich auch vom individuellen Gangbild abhängig.

Schmerzqualität

Schmerz wird nach sensorischen und affektiven Qualitäten unterschieden. Sensorische Qualitäten sind etwa „brennend“, „drückend“, „bohrend“, „stechend“, peitschend“, „ziehend“, „klopfend/pochend“, „einschießend“, „scharf“. Affektorische Qualitäten sind beispielsweise „marternd“, „heftig“, „vernichtend“, „lähmend“. Daneben können subjektive Schmerzquantitäten verbal angegeben werden wie etwa „unterschwellig“, „dumpf“ oder „hell“.

schräge Bauchmuskeln

die schrägen Bauchmuskeln: Mm. obliqui externi abdomini und Mm. obliqui interni abdomini, welche in großem Winkel gekreuzt verlaufen und an Rotation des Rumpfs, Lateralflexion und Flexion im Bereich LWS und unterer BWS mitwirken. Bezüglich der Rotation sind sie teils Synergisten, teils Antagonisten zu entsprechenden Muskeln des Schrägsystems der autochthonen Rückenmuskulatur, bezüglich deren extensorischer Wirkung Antagonisten. Die schrägen Bauchmuskeln gehören zu den exspiratorischen Atemhilfsmuskeln.

Schrägsystem

der Teil der autochthonen Rückenmuskulatur, der die Wirbelsäule lateralflektiert, eine Aufzählung findet sich dort.

Schwerelot

Das Schwerelot (engl.: gravity perpendicular) ist die Projektion des Schwerpunkts eines Körpers auf die ihn stützende Fläche entlang der Schwerkraftrichtung. Dabei muss die stützende Fläche nicht notwendiger Weise waagerecht sein. Soll eine Körperhaltung oder eine Anordnung physikalischer Körper statisch stabil sein, muss das Schwerelot in der physikalischen Stützbasis liegen. Je näher am Rand der Stützbasis das Schwerelot liegt, desto weniger stabil wird die Konfiguration bzw. Haltung sein. Ebenfalls gilt: je höher der Schwerpunkts über der stützenden Fläche ist, genau: je größer der Abstand des Schwerpunkts vom Schwerelot (also die Höhendifferenz der beiden Punkte), desto weniger stabil ist die Haltung. In beiden Fällen resultiert der Verlust an Stabilität aus der Abnahme des Kippmoments, also dem Moment, das aufgewendet werden muss um den Körper zum Kippen zu bringen, da mit zumehmender Höhe des Schwerpunkts der Hebelarm länger, ergo die zum Kippen benötigte Kraft geringer wird.

Schwerkraft (Gravitation)

Schwerkraft, kann für unsere Betrachtungen vereinfachend mit Gravitation, Gravitationskraft oder Massenanziehungskraft gleichgesetzt werden. Die Gravitationskraft ist eine der vier Grundkräfte der Materie. Sie bewirkt, dass sich Massen anziehen. Sie nimmt linear mit der Masse zu und quadratisch mit der Entfernung ab. Im Gegensatz zur elektrischen und magnetischen Kraft lässt sich Gravitation nicht abschirmen und wird durch die Umgebungsdichte (z.B. ein Vakuum) nicht beeinflusst. Auf der Erde gilt der Erdmittelpunkt als Gravitationszentrum, abgesehen davon, dass dies ein wenig dadurch verzerrt wird, dass die Erdoberfläche bei genauer Betrachtung alles andere als rund oder gleichförmig ist, da Dichte- und Höhenunterschiede eine Rolle spielen. Für die asanas und deren Übergänge hat die Schwerkraft große Bedeutung. Zum Beispiel muss das Schwerelot in der physikalischen Stützbasis liegen, wenn eine Haltung statisch stabil sein soll. Um die meisten Körperhaltungen savasana und viparita karani bilden Ausnahmen) aufrechtzuerhalten, müssen Muskeln gegen die Schwerkraftwirkung bestimmter Teilkörpergewichte anarbeiten. Dies bedingt, dass manche Haltungen nicht beliebig lange innegehalten werden können, weil die Muskulatur nicht beliebige Kraftausdauerleistungen erbringen kann, Beispiele sind etwa urdhva dhanurasana, Stab oder die Kriegerstellung 2. Für viele Übergänge, in denen sich die physikalische Stützbasis verändert, z.B. in dem von zwei auf vier stützende Extremitäten oder umgekehrt von vier auf zwei gewechselt wird, impliziert die Schwerkraft, dass diese Übergänge nicht beliebig langsam durchgeführt werden können, da die Einwirkung der Schwerkraft über die Zeit den Übergang zwischendurch mit einem anderen als dem angestrebten Ergebnis beendet. Beispiele dafür sind etwa der Sprung von Hund Kopf nach unten zu uttanasana und zurück oder von uttanasana in den Stab sowie der springende Seitenwechsel in der 1. Hüftöffnung. Eine weitere Bedeutung hat die Schwerkraft in Umkehrhaltungen wie dem Kopfstand, in denen sich Blut von den unteren in die oberen Körperregionen verlagert, was z.B. zu einer gefühlten (und tatsächlichen) Blutfülle im Kopf führt. Weiter ist die Schwerkraft wichtig für entstehende Beugemomente in Gelenken etwa dem Kniegelenk in virasana oder Kriegerstellung 2.

Schwerpunkt

Der Schwerpunkt eines (üblicherweise 3-dimensionalen) Körpers ist das mit der Masse gewichtete Mittel der Positionen seiner Massepunkte und wird daher auch vereinfachend als „Massenmittelpunkt“ bezeichnet, korrekter wäre wohl Masse-gewichteter Mittelwert“. Damit muss der Schwerpunkt nicht unbedingt in dem Körper liegen, Gegenbeispiele sind etwa einen Bumerang oder ein in der Brücke oder in der Hundestellung Kopf nach unten stehender Mensch.

Schwimmen

siehe die eigene Seite zum Schwimmen

Segment (Wirbelsäule)

Zwei Wirbel mit der dazwischenliegenden Bandscheiben und den verbindenden Bändern. Das Segment ist die Einheit, in der die Bewegungen stattfinden und entspricht damit einem Wirbelgelenk.

Sehne

Eine Sehne (lat. tendinum) ist ein bindegewebiger, nicht kontraktiler Teil eines Muskels, der den kontraktilen Teil (Muskelbauch) mit einem Knochen verbindet. In selteneren Fällen setzen Muskeln auch an anderen Sehnen, Faszien oder Knochen an. Nicht selten konfluieren Sehnen mehrer Muskeln oder Muskelbäuche zu einer. In Gelenknähe verlaufen Sehnen häufig in einer Bindegebshülle, der Sehnenscheide. Gegen Druck von Knochen sind sie häufig mit Schleimbeuteln gepolstert. Sehnen bestehen aus parallel verlaufenden, fest miteinander verbundenen Fasern und sind, je nach Form des Muskels, ründlich oder flach. Grundsätzlich sind Sehnen schwach vaskularisiert, was ihre Regenerationszeit bzw. ihren Turn Over erhöht. Damit zählen zu den bradytrophen Geweben. Sie werden je etwa zu einem Drittel durch ihren Muskel, durch das Periost der knöchernen Insertionsstelle und durch den Lymphstrom versorgt. Die Ausstattung mit Nerven ist ebenfalls eher gering. Mit dem Golgi-Sehnenorgan, welches die Sehnenkraft mißt, liegt einer der wichtigsten Rezeptoren der Propriozeption im Übergang vom kontraktilen zum sehnigen Bereich des Muskels. Sehnen besitzen eine Elastizität von bis zu etwa 15%.

Sehnenkraft

Die Kraft, mit der ein Muskel an seinem Ansatz und Ursprung zieht. Im vereinfachten Modell setzt ein Muskel je in Ursprung und Ansatz sehnig an einem Knochen an. Würde man nun eine Sehne durchtrennen um ein Element zur Messung der Zugspannung dazwischenschalten, erhielte man die Sehnenkraft des Muskels. Die aktuelle Sehnenkraft hängt von dem Ruhetonus, den Stellungen der überzogenen Gelenke und natürlich hochgradig der Innervation ab. Selbst ohne willkürliche Innervation hat ein Muskel einen gewissen Ruhetonus, die Sehnenkraft ist also selbst bei günstigsten Gelenkstellungen von Null verschieden. Würde man auf einer Seite die Sehne durchtrennen, würde sich der Kopf des Muskels also zusammenziehen.

  1. günstige Verschiebung des Arbeitsbereichs der einzelnen Sarkomere im Sinne der Kraft-Längen-Funktion
  2. leichter Zuwachs der Muskelleistung
  3. leichter Zuwachs der Maximalkraft
  4. leichter Zuwachs der maximalen Kontraktionsgeschwindigkeit
  5. leicht verminderte Verletzungsanfälligkeit

Sehnenscheide / Vagina synovialis tendinis

Die Sehnenscheide ist die doppelwandig bindegewebige Umhüllung der Sehne, in der diese gleitet. Dabei wird sie unmittelbar von einem zweiblättrigen Stratum (inneres und äußeres Blatt) umhüllt. Das innere Blatt ist mit der Sehne verwachsen, das äußeren mit dem Stratum fibrosum, dem Äußeren der Sehnenscheide. Zwischen diesen beiden Strati liegt ein Puffer aus Synovia, die die Synovialschicht der Gelenkkapsel produziert, mit dem das Innere der Sehnenscheide verbunden ist.

Seitendifferenz

In der Regel wird mit Seitendifferenz eine muskuläre Dysbalance bezeichnet, bei der ein oder häufig konsekutiv mehrere Muskeln kontralateral vor allem einen anderen Tonus (und oft auch eine andere Beweglichkeit) haben als ipsilateral. Damit sind Seitendifferenzen, je nach Ausmaß und betroffenen Muskeln mehr oder weniger pathogen. Beispielsweise kann bei einer Seitendifferenz in den Hüftbeugern und Hüftextensoren eine Beckenverwringung und eine konsekutive Störung der ISG resultieren oder bei einer Seitendifferenz in den Adduktoren und Abduktoren des Hüftgelenks ein Beckenschiefstand und eine konsekutive Skoliose. Das Ausmaß der Störung hängt von vielen Faktoren ab, darunter einerseits das Ausmaß der Seitendifferenz, aber andererseits auch, auf welchem Niveau etwa der Beweglichkeit sie sich abspielt und damit auch, wie groß der Einfluß auf täglich lange innegehaltene Haltungen ist.

Seitenvergleich

In nicht wenigen Situationen ist wegen der individuellen Schwankungsbreite der Parameter des Bewegungsapparates ein Vergleich zwischen den beiden Seiten des Körpers wesentlich aussagefähiger als ein Abgleich dieses Parameters mit anderen Personen oder mit einem nachzulesenden Referenzbereich. Insbesondere neigen Seitendifferenzen, auch wenn die Werte beider Seiten in einem Referenzbereich liegen, dazu sich in anderen Bereiche des Körpers auszuwirken und dort Folgeerscheinungen zu zeitigen, nicht selten sind sie pathogen.

Sesambein

kleiner Knochen, der in eine Sehne eingelagert oder einer Sehne aufgelagert ist, um die Sehne oder die darunterliegende Struktur zu schützen oder den Hebelarm der Sehne zu vergrößern, so daß der ausführende Muskel ein größeres Moment erreichen kann.

Sitzriese

Als Sitzriese wird ein Mensch bezeichnet, dessen Oberkörper in Vergleich zu seinen Beinen besonders lang ist. Meist ist auch die andere Extremität in Relation zum Oberkörper länger: die Arme. Das Arm-Oberkörper-Verhältnis kann sehr leicht getestet werden: sind in Anatomisch Null die Handgelenke deutlich über dem Trochanter major des Femur, sehen wir einen Sitzriesen Handgelenke unterhalb des Trochanter major, sehen wir einen Sitzzwerg. Siehe dazu auch die Exploration: Sitzriese.

Sitzzwerg

Das Gegenteil des Sitzriesen.

skalierbar

skalierbar bedeutet an Anforderungen anpassbar, variabel, ohne kategorische Veränderungen vornehmen zu müssen. Ein einfaches Beispiel ist der Verbrennungsmotor als Wärmekraftmaschine. Wird mehr Leistung benötigt, etwas für größere Beschleunigung oder eine höhere Geschwindkgkeit (überproportional anwachsende Arbeit gegen Luftwiderstand) reicht es (vereinfacht) aus, ihm in entsprechendem, aber nicht notwendigerweise exakt proportionalem Maße mehr Kraftstoff(-Luftgemisch) zuzuführen. Dies ist naturgemäß auch nur naheliegend, da Leistung über eine feste Zeit dem Energiegehalt des eingesetzten Kraftstoffs äquivalent ist. In Yogahaltungen sind viele Faktoren nicht skalierbar, wenn die Wirkung reinweg auf der Schwerkraft eines Teilkörpergewichts beruht. So ist der Kontraktionsgrad des Deltoideus in der 2. Kriegerstellung (wenn keine Lateraladduktoren des Schultergelenks) hauptsächlich von dessen Maximalkraft und der Schwerkraft des Arms selbst abhängig, nachrangig im Sinne des Hebelgesetzes natürlich auch von dessen Länge. Ebenso wenig skalierbar ist die Dehnungswirkung in der Ischiocruralen Gruppe in uttanasana, wenn weder mit den Armen an den Unterschenkeln gezogen wird noch die Hüftbeuger eingesetzt werden, um die Hüftflexion über das vom Teilkörpergewicht induzierte Maß hinaus zu fördern. Wird dagegen eines dieser Mittel zusätzlich angewandt, erhält die Haltung eine in der Regel gute Skalierbarbeit. Genauso erschöpft sich die auf ein festes Zeitintervall bezogene Kräftigung des Pectoralis major und Trizeps in der Stabstellung bei einer gegebenen Position der Hände, weil das gehaltene Teilkörpergewicht nicht variabl sondern fest ist. Eine Skalierbarkeit gewinnt die Stabstellung erst durch Veränderung der zeitlichen Dauer oder des Hebelarms, an dem die genannten Muskeln den Oberkörper halten müssen, also wenn die Hände näher am Becken aufgesetzt werden.

Skapuladyskinesie

Mangelhaftige Beweglichkeit oder mangelhaftes Bewegungsmuster des Schulterblatts bei seinen Bewegungen auf dem Rumpf (im Skapulothorakalen Gleitlager) oder bei den Bewegungen des Arms. Ursächlich sind vor allem muskuläre Dysbalancen und Schwächen sowie Risse von Muskeln der Rotatorenmanschette. Bei der verbreitesten Form der Skapuladyskinesie sieht man eine scapula alata bei gesenktem, endorotiertem Arm beruhend auf einem GIRD (glenohumeral internal rotational deficit) mit zusätzlich schmerzhafter weiter Exorotation des Arms gegen Widerstand, basierend auf einer Verkürzung der Außenrotatoren und der Protraktoren bei Schwäche der Retraktoren des Schulterblatts, einer allgemeinen Schwäche der Muskeln, die das Schulterblatt auf dem Rücken fixieren, also neben dem verkürzten Serratus anterior vor allem der Rhomboiden. Häufig sind auch Zeichen einer subakromialen Enge bzw. eines Impingement-Syndroms zu finden.

Spannungsschmerz

Spannungsschmerz ist Schmerz, der duch eine erhöhte Gewebespannung in Geweben auftritt, die Rezeptoren bezitzen, um diese Art von Veränderung vom physiologischen Zustand zu registrieren und ans Gehirn zu übermitteln. Spannungsschmerz darf nicht mit Druckschmerzhaftigkeit (Druckdolenz) oder dem durch Palpation resultierenden Druckschmerz verwechselt werden. Ein klassisches Beispiel für deutlichen Spannungsschmerz mit zusätzlicher Druckschmerzhaftigkeit (Druckdolenz) ist Herpes labialis: bereits ohne Berührung besteht ein schmerzhaftes Spannungsempfinden, das durch Berührung oder druck nochmals gesteigert werden kann. Die Schmerzqualität von Spannungsschmerz wird i.a. wie die bei Druckschmerz als „drückend“ bezeichnet.

Spielbein

Das nicht mit dem Boden verbundene (Standbein), sondern eine Haltung oder Bewegung ausführende Bein, siehe die Definition des Standbeins.

Spinalkanal

Der Rückenmarkskanal, in dem das Rückenmark verläuft, und aus dem die Spinalnerven durch die Wirbellöcher austreten.

Spinalnerv

Die Spinalnerven sind die paarig (rechts/links) aus dem Rückenmark austretenden Nerven. Ab ihrem Austritt aus dem Rückenmark zählen sie zum PNS. Die Spinalnerven vereinen die vorderen und hinteren afferenten und efferenten Nervenwurzeln: Afferenzen mit sensiblen Informationen treten durch die hintere Nervenwurzel (Radix posterior) ein, Efferenzen mit motorischen Nervenfasern und teils auch Fasern des N. vagus treten durch die vordere Nervenwurzel aus. Druck auf eine Nervenwurzel bzw. den sie enthaltenden Spinalnerv kann zum Nervenkompressionssyndromführen. Die Vereinigung der Nervenwurzeln erfolgt bereits im Rückenmarkskanal.

Spinotransversales System

die zwischen Dornfortsätzen und weiter kranial liegenden Transversalfortsätzen verschiedener Wirbel verlaufenden, zum lateralen Trakt der autochthonen Rückenmuskulatur gehörigen Muskeln: Splenius mit Anteilen cervicis und capitis, die die HWS einseitig innerviert drehen und beidseitig innerviert lateralflektieren.

Spondylodese

Arthrodese eines oder mehrerer Segmente der Wirbelsäule

Sport im Wachstum

siehe die eigene Seite zu Sport im Wachstum

Sprengung

Mit Sprengung wird die Höhendifferenz Höhe der Ferse minus Höhe der Ballen bezeichnet. Hohe Sprengung entspricht also einem höheren „Absatz“. Die Sprengung eines Schuhs hat Einfluß auf den Laufstil, die Lastverteilung auf die Muskulatur und die Belastungen für den Bwegungsaaparat. Grundsätzlich hat eine höhere Sprengung einen geringeren Hub der Achillessehne und damit eine geringere Ausnutzung der Leistungsfähigkeit des Trizeps surae zur Folge. Außerdem behindert eine größere Sprengung das Abrollen bei größeren Schrittlängen und höherem Tempo und würde zu Nebenwirkungen führen. Andererseits kann eine moderate Sprengung bei Achillodynie vorübergehend angezeigt sein, eine Dauerlösung oder kausale Therapie ist sie aber nicht.

Sprinting

siehe die eigene Seite zum Sprinting

Standbein

Der Begriff des Standbeins bezeichnet dasjenige von beiden Beinen, welches alleinig das Körpergewicht trägt oder einen größeren Teil des Körpergewichtes trägt. Das andere Bein wird als Spielbein bezeichnet. Aus dieser Definition geht hervor, daß der Übergang eines Beins vom Status des vom Standbeins zum Status des Spielbeins fließend sein kann. In Sportarten mit Flugphase wie dem Laufen ist kein fließender Übergang möglich, sondern Standbein und Spielbein wechseln ständig ab (zyklische Bewegung). Je nach Bewegungsablauf trägt das Standbein nicht nur das Teilkörpergewicht (hier das gesamte Körpergewicht minus das des Beins) sondern auch kinetische (dynamische) Lasten, die ein vielfaches des Körpergewichts betragen können, etwa beim Landen aus einem Sprung, bis zum 7-fachen des Körpergewichts etwa bei einem Blocksprung im Volleyball.

Streckdefizit

Die Unmöglichkeit, ein Gelenk in die vollständige Streckung zu bringen, wie es physiologischer Weise möglich wäre bzw. das Winkelmaß der Diskrepanz. Genauso, aber seltener, wie ein Gelenk wie etwa das Kniegelenk oder das Ellbogengelenk überstrecken können, gibt es auch den Fall, dass die gerade Streckung gar nicht erst erreicht werden kann. Dann spricht man von einem Streckdefizit. Das Ausmaß in Grad wird genauso wie die reine Möglichkeit als „Streckdefizit“ bezeichnet. Zur Prüfung auf ein Streckdefizit muss man den Einfluss das Gelenk überspannender biartikulären und polyartikulärer Muskeln auf den Test ausschließen. Beispielsweise darf zum Test auf Streckfähigkeit des Ellbogengelenks der Oberarm nicht in Retroversion sein, da sonst ein nicht besonders flexibler Bizeps ein Streckdefzit vortäuschen könnte. Um dessen Einfluss auszuschließen wird der Arm besser in knapp 90° Frontalabduktion gebracht, wo dann versucht wird das Ellbogengelenk zu strecken. Wird das Kniegelenk im Standbein (das gilt nicht, wenn ein Spielbein untersucht wird) auf ein Streckdefizit untersucht, muss das Hüftgelenk deutlich flektiert werden, damit der Einfluss der den Oberschenkel nach ventral ziehenden Hüftbeuger kein falsch positives Ergebnis hervorruft. Der Flexionswinkel darf aber auch nicht zu groß sein, da sonst der biartikuläre Anteil der Ischiocruralen Gruppe ebenfalls ein falsch positives Ergebnis bewirken kann. Aufseiten des dem Kniegelenkkaudal benachbarten Gelenks, dem Fußgelenk muss ebenfalls ausgeschlossen werden, dass biartikulären und polyartikuläre Muskeln das Ergebnis verfälschen. Hierzu muss das Fußgelenk nur aus einer Dorsalflexion heraus einen Anatomisch Null-konformen Winkel erreichen können, was bis auf wenige pathologische Situationen immer gegeben sein dürfte, weil die dem Menschen als Fortbewegung gewohnte Bewegung des Gehens mit der ihr eigenen Plantarflexion, die typischerweise einen Beitrag zum Vortrieb leistet, eine hinreichende Beweglichkeit regelmäßig aufrechterhalten dürfte. Anders könnte es sich verhalten, wenn die Tätigkeit des Gehens etwa aufgrund einer Tetraplegie vollständig entfällt und zudem noch der Fuß regelmäßig langanhaltend in dorsalflektierter Stellung abgesetzt wäre. Dann könnten beim Versuch zu stehen gleich drei auf negative longitudinale Muskeladaption beruhende Kontrakturen das Strecken des Kniegelenks des Standbeins verhindern:

  1. im Fußgelenk mit seiner durch lange Dorsalflexion erworbenen Kontraktur, die eine Anatomisch-Null-konforme Stellung des Fußgelenks verhindert
  2. im Kniegelenk vor allem mit seinem durch langes knieflektiertes Sitzen verkürzten Bizeps femoris caput breve
  3. das Hüftgelenk mit seinen durch hauptsächlich hüftflektiertes Sitzen verkürzten Hüftbeugern

Der erste und dritte Effekt müssen durch deutliche aber nicht übermäßige (15° sollten ausreichen, schon 30° sind in Extremfällen zu viel) Flexion im Hüftgelenk bzw. leichte Dorsalflexion im Fußgelenk ausgeschlossen werden, um auf ein echtes Streckdefizit im Kniegelenk testen zu können. Dann gilt es bei positivem Testergebnis auf Streckdefizit (das Kniegelenk lässt sich sowohl aktiv als auch passiv mit externem Krafteinsatz nicht strecken) noch herauszufinden, ob das Streckdefizit muskulärer Natur ist oder nicht. In ersterem Fall würde bei dem vorsichtig progredient durchgeführten Versuch das Gelenk durch externe Krafteinwirkung zu strecken im verkürzten Muskel ein deutliches Dehnungsempfinden auftreten, also im obigen Beispiel im Bizeps femoris caput breve auf der äußeren Rückseite des Oberschenkels, lateral vom Knie aus nach beckenwärts ausstrahlend. Tritt überhaupt keine Dehnungsempfindung in das Gelenk überspannenden Muskeln auf, liegt der Verdacht nahe, dass das Streckdefizit nichtmuskulär ist. Treten hierbei nichtmuskuläre Missempfindungen auf, sollte der Versuch das Gelenk zu strecken abgebrochen und eine fachliche Abklärung eingeleitet werden. In Analogie zum Streckdefizit gibt es auch das Beugedefizit.

struktureller Schmerz

Struktureller Schmerz ist wie sein begriffliches Gegenteil, der funktionelle Schmerz, nicht hinreichend scharf definiert. Strukturelle Schmerzen sind solche, die durch eine (oft: nicht allzu aufwendig) nachweisbare Störung wie etwa eine Entzündung, einen Bruch, eine Burtisis, einen Muskelfaserriss, eine Arthrose entstehen.

Stützbasis (physikalische, auch: PSB)

Konvexe Hülle der Menge der lasttragenden Punkte eines Körpers in der Ebene, wobei egal ist, ob die Ebene waagerecht ist. Im Falle eines viereckigen Tisches ist dies etwa das kleinste Rechteck, welches die Tischbeinkontaktflächen mit dem Boden einschließt.

subokzipitales System

die von Wirbeln zum Occiput verlaufenden Muskeln:

  1. M. rectus capitis posterior major
  2. M. rectus capitis posterior minor
  3. M. obliquus capitis inferior
  4. M. obliquus capitis superior

superior

bezeichnet eine Lage nah oder (im Vergleich) näher am Kopf. Das begriffliche Gegenteil ist inferior.

Superkompensation

Der Körper sorgt nach Abschluß der Regeneration von einem schwereren Training oder auch einer intensiven körperlichen Arbeit nicht-sportlicher Natur für eine leicht erhöhte Leistungsfähigkeit. Dieser Effekt wird als Superkompensation bezeichnet. Superkompensation beschreibt also die (zeitlich recht begrenzte) Phase erhöhter Leistung als auch den Effekt als solchen. Der Körper versucht sich also ein wenig gegen die Art der Anforderung bzw. die Überforderung zu wappnen. Die Superkompensationsphase beginnt unmittelbar nach vollständiger
Regeneration, das Leistungsniveau steigt langsam um einen kleinen Betrag bis zu einer maximalen Steigerung an, um danach langsam wieder abzufallen und schließlich auf das ursprüngliche Leistungsniveau zu sinken. Nun würde man sich natürlich wünschen, das nächste Training direkt in das Maximum der Superkompensation hinein zu platzieren, um diesen Effekt auf einem leicht erhöhten Niveau wieder auszubeuten. Und wieder und wieder. Allerdings steigt die Zunahme der Leistungsfähigkeit nicht endlos proportional an, sondern gehorcht vermutlich eher einer logarithmischen Kurve, so dass der erzielbare Zuwachs nach hinten raus immer weiter abnimmt bzw. für den gleichen Zuwachs überproportional mehr Einsatz gebracht werden muss. Für ein optimales Training müssen also die Verlaufskurve der Superkompensation beachtet werden, wobei diese schwer allgemein vorausgesagt oder berechnet werden kann. Sie sind sehr individuell und von Art und Härte des Trainings abhängig.

Supination (Fuß)

in Anatomisch-Null die Kippbewegung des Fußes um seine Längsachse, die durch das Anheben des Innenfußes gegenüber dem Außenfuß entsteht

Supination (Unterarm)

die Drehbewegung (Umkehrung der Überwendebewegung) des Radius über die Ulna, die die beiden Unterarmknochen (Elle und Speiche) ihrem parallelen Verlauf annähert wie er Neutral Null mit nach vorn weisenden Handflächen entspricht. Bei nach vorn ausgestrecktem, im Schultergelenk ausgedrehtem Arm entspricht das einer nach oben zeigenden Handfläche

Supinatoren (Arm)

alle Muskeln, die eine Supination des Unterarms ausführen, das sind der Bizeps, indem er den Unterarm aus einer pronierten Stellung heraus ein Stück weit supiniert, weiter Brachioradialis, Supinator, M. extensor carpi radialis longus, M. extensor pollicis longus, M. extensor pollicis brevis, M. extensor indicis. Siehe dazu auch Ellbogengelenk.

Supinatoren (Fuß)

Sämtliche Muskeln, die den Fuß supinieren, also den medialen Fußrand anheben. Das sind: M. triceps surae, M. tibialis posterior, M. flexor digitorum longus, M. flexor hallucis longus, M. tibialis anterior.

sympathikoton

Zustand erhöhter Erregung des Sympathikus.

Sympathikus

Der Sympathikus ist der Teil des vegetativen Nervensystems, der die Leistungssteigerung und Mobilisierung von Energiereserven steuert. Diese Wirkungen werden als ergotrop bezeichnet. Er ist dabei weitgehend antagonistisch zum Parasympathikus. Der Sympathikus ist am Herzen positiv chronotrop, positiv dromotrop (Reizleitung beschleunigend), positiv inotrop (Kontraktionskraft verstärkend), positiv bathmotrop (Reizschwelle senkend), positiv lutitrop (Erschlaffung fördernd) und steigert damit das Herzzeitvolumen auf jede mögliche Weise. In den Blutgefäßen wirkt er vasokonstriktiv, auf die Bronchien dilatierend und Schleimproduktion hemmend und schleimverflüssigend, im Gastrointestinaltrakt vermindert er Drüsensekretion und Peristaktik, im UGT strafft er den Blasensphinkter und schwächt den Musculus detrusor vesicae, im Auge bewirkt er eine Mydriasis (Weitstellung der Pupille) und führt allgemein zu verermehrter Schweißsekretion. Eine erhöhte Erregung des Sympatikus wird als Sympathikotonus bezeichnet, er wirkt HRV abschwächend.

Symphyse (Schambeinsymphyse)

Symphysen im eigentlichen Sinne sind Verbindungen von Knochen durch Faserknorpel, gehören also wie die Synchondrosen zu den Articulationes cartilagineae. Die bekannteste Symphyse ist die Schambeinfuge (Symphysis pubica) zwischen dem linken und rechten Schambein. In den Symphysen liegt eine Bandscheibe (Discus interpubicus), die die Verbindung beweglich erhält. In verschiedenen Haltungen kann diese Beweglichkeit gespürt und als Marginaleffekt genutzt werden, etwa durch das Auseinanderziehen der Sitzbeinfuge in Vorwärtsbeugen. Die Verbindungen zwischen zwei Wirbeln (Symphysis intervertebralis) ist ebenfalls eine Symphyse. Die verbundenen Knochen bilden mit den Bandscheiben (und begleitenden Bändern) eine Symphyse.

Synchondrose

Eine Synchondrose ist eine knorpelige Verbindung zwischen zwei Knochen. Damit stellt sie kein echtes Gelenk dar sondern gehört zu den Articulationes cartilagineae. Normalerweise verbindet die Knochen hyaliner Knorpel. Handelt es sich stattdessen um Faserknorpel, spricht man von einer Symphyse. Beispiele sind etwa die Knorpel zwischen den Rippen 1, 6 und 7 und dem Brustbein (Synchondroses costosternales), weiter die zwischen Keilbein und Os occipitale (Synchondrosis sphenooccipitalis) oder zwischen Keilbein und Felsenbein (Synchondrosis sphenopetrosa). Die Knorpelverbindung zwischen den drei Teilen des Sternums (Synchondroses sternales) sind Symphysen .

Syndesmose

Eine Syndesmose ist eine bindegewebige (kollagene oder elastische) Verbindung zwischen zwei Knochen. Damit stellt sie kein echtes Gelenk dar, sondern gehört zu den Articulationes fibrosae. Die verbindende Bindegewebsmembran ist meist auch Ansatzbereich für Muskeln. Im Gegensatz zu den überwiegend auf Druck belasteten Synchondrosen werden Syndesmose vor allem auf Zug beansprucht. Das Vorhandensein von Syndesmosen ermöglichst nicht die Aussage, daß die artikulierenden Knochen keine echten Gelenke miteinander haben. Wichtige Gegenbeispiele sind etwa die Syndesmosen sind die zwischen Ulna und Radius (Membrana interossea antebrachii) oder die zwischen Tibia und Fibula (Membrana interossea cruris).

Synergist

muskulärer Mitwirker, der (zumindest teilweise) die gleiche Beweung ausführt, also den Agonisten unterstützt. Vielfach sind Muskeln nur teilweise synergistisch, weil die meisten Muskeln mehrere Bewegungsdimension gleichzeitig bedienen.

Synovia

Synovia bezeichnet sowohl die Gelenksflüssigkeit, in der sich die von den Knorpelüberzügen der Knochen benötigten Nährstoffe befinden, und an die die Knorpel unter Druck die Stoffwechselendprodukte wieder abgeben, als auch die innerste Schicht der Gelenkkapsel, die diese Flüssigkeit produziert. Im Volksmund wird die Flüssigkeit auch als „Gelenkschmiere“ bezeichnet. Die Gelenksflüssigkeit ist bzgl. niedermolekularer Stoffe (unter 100.000 Dalton) weitgehend ein Dialysat des Blutserums, zeigt aber eine veränderte Zusammensetzung in den Eiweißen, beispielsweise fehlen die Gerinnungsfaktoren Prothrombin, Proaccelerin, Proconvertin, Fibrinogen, sie ist daher nicht gerinnungsfähig. Physiologisch enthält sie kaum Blutzellen, darunter vor allem Lymohpzyten. Sie wird von den Synovia-B-Zellen der Synovialschicht mit Muzinen angereichert, darunter vor allem Hyaluronsäure, welche zur nicht austauschbaren Phase der Synovia gehört und mit ihrem Gehalt maßgeblich die Viskosität der Synovia bestimmt. Kälte verändert die Viskosität der Synovia nachteilig, die schmierende Wirkung der Hyaluronsäure läßt nach.

Synovitis

Entzündung der Synovia, häufig verursacht durch Overuse; einen weiteren Risikofaktor dafür stellen Ergonomie- oder Materialmängel dar, genauso wie mangelnde Regeneration.

T

Tachykardie

mit Tachykardie wird ein Ruhepuls bezeichnet, der deutlich über der alterbedingten physiologischen Frequenz liegt, also etwa über 100 Schlägen pro Minute bei Erwachsenen. Neben Störungen des Herzens selbst und Drogenkonsum können auch psychogene Faktoren eine verursachende Rolle spielen. Siehe auch Bradykardie.

Tachypnoe

Mit Tachypnoe wird eine erhöhte Atemfrequenz in Ruhe bezeichnet, bei Erwachsenen über 20 Atemzüge . Die Atemfrequenz ist im physiologischen Fall abhängig vom Sauerstoffbedarf der Gewebe, also bei körperlicher Aktivität erhöht. In Ruhe liegt sie in der Regel zwischen 12 und 16 Atemzüge pro Minute, bei Neugeborenen bei 30 bis 50, bei Frühgeborenen auch bis 80. Bei Sport kann sie massiv ansteigen, aber auch etwa bei Fieber und verschiedenen Erkrankungen ist liegt häufig eine gewisse Tachypnoe vor. Eine zu langsame Atemfrequenz heißt Bradypnoe.

tachytroph

Tachytrophe Gewebe sind solche mit schnellem Stoffwechsel und kurzem Turn over. Das begriffliche Gegenteil von tachytroph ist bradytroph. Diese Gewebe erneuern sich schnell, adaptieren schnell und heilen schnell. Von Overuse-Syndromen sind sie eher selten betroffen.

Tarsaltunnel

mediale Vertiefung im Bereich der Fußwurzelknochen zwischen Talus, Kalkaneus und innerem Malleolus, durch die der n. tibialis, die a. tibialis posterior sowie die Sehnen des M. tibialis posterior, des Flexor digitorum longus und des Flexor hallucis longus verlaufen. Der Tarsaltunnel wird von einem Rückhalteband, dem Retinaculum flexorum abgedeckt. Anschwellen der Sehne des M. tibialis posterior kann zu Druck auf den Nerven und damit zum Tarsaltunnelsyndrom, einem Nevenkompressionssyndrom führen.

Teilkörpergewicht

das Gewicht, welches abgestützt wird und selbst nicht zu den abstützenden Körperteilen (meist Extremitäten) zuzurechnen ist. Dies ist am Beispiel des Handstands das gesamte Körpergewicht minus das beider Arme, im Falle der ardha chandrasana das gesamte Körpergewicht minus das des Standbeins. Das Teilkörpergewicht ist ein wichtiger Faktor in den Momenten, die in der oder den stützenden Extremitäten bzw. ihren Gelenken auftreten, letztlich hängt ihr Betrag aber zusätzlich vom Hebelarm (Abstand Drehzentrum des Gelenks zum Schwerpunkt des Teilkörpers) und dem Sinus des Winkels zur Schwerkraftrichtung ab.

Tendinitis

Entzündung einer Sehne. Diese kann zusammen mit oder ohne Entzündung ihrer Sehnenscheide (Tendovaginitis) auftreten und wird dann auch als Tendosynovitis bezeichnet. Ursache ist meist Overuse.

Tendopathie / Tendinopathie

Sehnenleiden ohne Angabe der Ätiologie, meist entzündlicher oder degenerativer Natur. Eine häufige Ursache ist Overuse, einen Risikofaktor dafür stellen Ergonomie- oder Materialmängel dar, genauso wie mangelnde Regeneration.

Thenar

Der Daumenballen, der wichtige Muskulatur zur Bewegung des Daumens enthält:

Tiffenau Index

das in einer Sekunde ausatembare focierte expiratorische Volumen FEV1 sollte 70% der forcierten Vitalkapazität (FVK) betragen, also des forciert maximal einatembaren Volumens. Der Tiffeneau-Index aus FEV1 / FVK sollte also mindestens 0,7 betragen. Durchschnittlich liegt der Index bei 0,75 (75%), bei gesunden älteren Patienten eher bei 0,7 (bzw. 70%). Der Tiffenau-Index wird mittels Tiffenau-Test ermittelt.

Tonus (Muskeltonus)

Grundspannung der Muskulatur. Kraft (am Ansatz oder Ursprung gemessen), mit der die Muskulatur Ursprung und Ansatz zueinander zieht. Erzeugt in den meisten Gelenken des Bewegungsapparats ein (Dreh-)Moment

Torsionsmoment

auf einen Körper in Richtung Torsion einwirkendes Drehmoment

Totalendoprothese (TEP)

Eine Totalendoprothese ist ein vollständiger, oft eingeschränkt funktionaler Ersatz eines Gelenks. Zu den Einschränkungen und möglichen Komplikationen siehe auch in der Pathologie: Zustand nach Endoptothese.

Totalkapazität

Die Summe aller Atemvolumina inklusive des inspiratorischen und exspiratorischen Reservevolumina und des Residualvolumens.

Totraumvolumen

Das Totraumvolumen ist der Raum aus Nasenraum, Mundraum, Rachen, Trachea und Bronchien im Atemsystem, der der Fortleitung der Atemluft beteiligt ist. Er liegt im Schnitt bei etwa 150 ml und muss von dem respiratorisch wirksamen Atemzugvolumen von etwa 500 ml abgezogen werden, so dass nur etwa 350 ml zum Gasaustausch beitragen.

Traktion

Unter Traktion wird in der Physiotherapie eine passive Maßnahme verstanden, die die artikulierenden Partner eines Gelenkes voneinander weg zieht. Dies kann der Entlastung von Knorpel oder Bandscheiben dienen, den Tonus von Muskulatur reduzieren, wenn nötig Bänder dehnen oder Druck auf das Gelenk begleitende Nerven reduzieren. Unter Traktion soll die Produktion von Synovia (Gelenkflüssigkeit) angeregt werden, was Gelenk bessert schmiert. Die Traktion kann vom Therapeuten manuell vorgenommen werden (manuelle Therapie) oder von Gewichten. Bei Luxationsgefahr oder Hypermobilität muß besonders umsichtig vorgegangen werden.

transversal

Richtung von lateral nach medial oder weiter nach lateral, anders gesagt ist eine transversale Richtung ein Vektor in der Schnittgeraden zwischen
Frontalebene und Transversalebene durch den in
Anatomisch Null stehenden Menschen

Tansversale Abduktion (Schultergelenk)

horizontale Abduktion (in der Transversalebene) bei beibehaltener frontaler Abduktion (Anteversion). Bis zu einem gewissen Maß ist diese Bewegung ohne Bewegung des Schulterblatts möglich, darüber hinaus erzwingt sie eine weitere Retraktion.

Transversale Adduktion (Schultergelenk)

horizontale Adduktion (in der Transversalebene) bei beibehaltener frontaler Abduktion (Anteversion) Bis zu einem gewissen Maß ist diese Bewegung ohne Bewegung des Schulterblatts möglich, darüber hinaus erzwingt sie eine weitere Protraktion.

Transversalebene

eine waagerechte Schnittebene durch den in Anatomisch Null stehenden Menschen

Transversospinales System

die zwischen Transversalfortsätzen und Dornfortsätzen verschiedener Wirbel verlaufenden, zum medialen Trakt der autochthonen Rückenmuskulatur gehörigen Muskeln: Rotatores breves et longi (lumborum, thoracis et cervicis), Multifidi (lumbales, thoracici, cervicis), Semispinalis (thoracis, cervicis, capitis)

Trapeziuslinie

im Bereich zwischen dem Akromion und dem Hals bildet der Trapezius den kranialsten Teil des Körpers und damit einen Teil der Silhouette, noch oberhalb der Clavicula. Betrachtet man diesen Bereich von dorsal oder ventral, so sieht man in Anatomisch Null ein Ansteigen des Trapezius von lateral nach medial, dieser Teil der Silhouette wird als Trapeziuslinie bezeichnet. Ab einem gewissen Grad an Elevation der Schulterblätter geht der beschriebene Anstieg von lateral nach medial verloren. Eine nicht nach medial ansteigende Trapeziuslinie kann also als ein Zeichen für nicht vollständig deprimierte Schulterblätter gewertet werden. Bei voll elevierten Schulterblättern sollte sich der Verlauf der Linie umkehren: von lateral nach medial abfallend. Allerdings ist das Ausmaß der möglichen Elevation und damit dieses Phänomens von Beweglichkeitseinschränkungen der Depressoren des Schulterblatts und der lateralen und vor allem frontalen Adduktoren des Schultergelenks abhängig, die als mittelbare Depressoren des Schulterblatts.

Trizeps coxae

Trizeps coxae ist die Bezeichnung für die drei von kaudal-medial (Gemellus superior vom Sitzbein), medial (Gemellus inferior vom Sitzbein), kranial (Obturatorius internus vom Darmbein) zur Fossa trochanteria des hinteren Femur ziehenden und den Oberschenkel im Hüftgelenk exorotierenden Muskeln. Der Obturatorius externus gehört nicht dazu, da er ventral am Sitzbein ansetzt und damit den Oberschenkel im Hüftgelenk endorotiert.

U

Überpronation

Von den drei Phasen des Bodenkontakts eines Fußes beim Gehen oder Laufen (Landephase, Stützphase, Abdrückphase) ist die mittlere, die Stützphase diejenige, in der eine Überpronation, also eine übermäßige Absenkung des Innenfußes gegenüber dem Außenfuß erkennbar ist und zum Tragen kommt. Es kommt dadurch zu einer übermäßigen Belastung der medialen Strukturen des Systems Bein. Etwa die Hälfte der Läufer sind von Überpronation betroffen, Frauen mehe als Männer. Knickfuß, Senkfuß, Plattfuß, Übergewicht und Ermüdung kann zu Überpronation führen, genauso wie Schwäche der Supinatoren oder Overcrossing beim Laufen. Für Überpronierer stehen spezielle Modelle von Laufschuhen zur Verfügung. Laufanfänger sind häufiger betroffen.

Überstrecken

Hyperextension eines Gelenks über den Winkel die 180° hinaus, die in Neutral Null vorliegen. Dies kann z.B. auftreten im Kniegelenk, Ellbogengelenk, in den Fingergrundgelenken oder anderen Fingergelenken. In den Zehengelenken ist die eine weitere Extension als der gestreckte Winkel, wie er in Anatomisch-Null vorliegt, Teil der Abrollbewegung des Fußes beim Gehen und physiologisch. Jedes Überstrecken kann mit nichtmuskulären Missempfindungen verbunden sein, die als Anzeichen von unphysiologischer Belastung von Gelenkstrukturen gewertet werden müssen, was gebietet die Position des Gelenks zumindest soweit in Richtung 180° wieder zu reduzieren, dass die Missempfindung verschwindet. Mit einer gewissen Häufigkeit ist eine Überstreckfähigkeit insbesondere von Kniegelenken und Fingergrundgelenken vor allem beim weiblichen Geschlecht verbreitet. Dies kann u.a. auf Haltungsgewohnheiten fußen, die teils auf die muskuläre Ausstattung und die Adaption daran zurückgehen, siehe auch die FAQ. In anderen Fällen ist eine Überstreckneigung anatomisch begünstigt, wie etwa das Überstrecken der Kniegelenke im Falle einer „Minusferse“, also eines flachen Fersenbeins. Pathologisch überstreckbare Kniegelenke werden als Genu recurvatum bezeichnet, Ellbogengelenke als cubitus recurvatum.

Übersupination

Nur 2-3% der Läufer sind Supinierer. Diese belastet die lateralen Strukturen des Systems Bein übermäßig und disponiert zum Supinationstrauma. Für Supinierer stehen in der Regel keine speziellen Modelle von Laufschuhen zur Verfügung, einerseits, da diese Gruppe sehr klein ist, andererseits da bei hinreichender dorsaler Führung des Fußes durch den Schuh das Schwimmen des Fußes nach außen und damit eine das Supinationstrauma benünstigende Kinetik vermieden werden kann. X-Beine, Hohlfuß, Insuffizienz der Fuß- und Unterschenkelmuskulatur sowie schwache Bänder können zu Übersupination disponieren.

Übertraining

Mit Übertraining wird der Effekt einer chronischen Überlastungsreaktion beschrieben, der sich einstellt, wenn häufiges Training ohne hinreichende Regeneration durchgeführt wird und durch folgende mögliche Symptome charakterisiert ist:

  • nachlassende (statt ansteigende) Leistungsfähigkeit,
  • eventuell Motivations- oder Konzentrationsverlust,
  • Anstieg der Verletzungsanfälligkeit und Infektanfälligkeit,
  • erhöhter Ruhe- und Arbeitspuls bzw. Belastungspuls,
  • Kopfschmerzen
  • Schlafstörungen
  • Auslösung einer Depression

Werden einige dieser Symptome festgestellt und ein Übertraining als Ursache angenommen, hat dies den Stellenwert einer Erkrankung.
Zu den Auslösern der somatischen und physiologischen Störung gibt es verschiene Hypothesen: ursachenbezogene, klinikbezogene und pathophysiologische. Wird Übertraining festgestellt, ist eine Belastungspause obligat, möglicherweise ist sportärztliche Begleitung erforderlich. Doping oder Medikamentenabusus ist keinesfalls ein geeigneter Umgang mit der Störung. In schweren Fällen kann sich die Therapie als langwierig und schwierig erweisen. Am besten ist, der Möglichkeit von Übertraining bei der Ausgestaltung des Trainings wachsam gegenüber zu sein.

ulnare Abduktion (Hand)

Verkleinerung des Abstands und Winkels des Daumen zur Ulna (Elle).

Umstellungsosteotomie

auch Achsenkorrektur genannt: chirurgische Entnahme eines keilförmigen Knochenstücks, um einen fehlerhafte Gelenkstellung zu korrigieren. Die Umstellungsosteotomie wird vor allem bei den beiden großen Gelenken der unteren Extremität angewendet, beim Kniegelenk im Falle ausgeprägter X-Beine oder O-Beine oder beim Hüftgelenk, etwa beim Morbus Perthes. Ziel der Umstellungsosteotomie ist, eine schwere Schädigung zu vermeiden, die als Folge der Fehlstellung zu erwarten ist, der Arthrose im Falle der Kniefehlstellungen oder der Hüftkopfnekrose im Falles des Morbus Perthes.

Underuse

Zu geringe Benutzung von Körperfunktionen führen zu Störungen. Dieser Begriff wird meist auf den Bewegungsapparat bezogen und meint einen quantitaviven Bewegungsmangel. Werden bestimmte Bewegungsmöglichkeiten zu wenig genutzt, handelt es sich hingegen um Narrowuse. In der Praxis treten Underuse und Narrowuse häufig vergesellschaftet auf. Hier sind vielfältige Auswirkungen zu beobachten von der Osteoporose des alternden, bequemen Bewegungs- und Anstrengungsvermeiders über Instabilitäten, die ein mangelnd benutzer Bewegungsapparat aufgrund fehlender Trainingsreize entwickelt, bis hin zu der Knorpelschädigung, die lange Immobilisation nach Verletzungen mit sich bringen kann. Die ungewollte Gewichtszunahme ist als Symptom mittelfristigen Bewegungsmangels (und einer inadäquaten Kalorienbilanz) bestens bekannt, Versuche zeigen jedoch auch, daß massiver Underuse (ein Limit von wenigen hundert Schritten pro Tag) binnen 14 Tagen zur klar nachweisbaren Leber- und Herzverfettung führt. Auch das durch Underuse verursachte Nachlassen kardoipulmonaler Belastbarkeit, das Ansteigen der Risiken für Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes, Adipositas mit ihren Risikofaktoren, Arteriosklerose, vaskuläre Demenz sind hinlänglich bekannt. Aber nicht nur in der Anatomie und Physiologie macht sich Underuse pathologisch oder pathogen bemerkbar, auch psychisch lassen sich die positiven Wirkungen eines hinreichenden Bewegungsverhaltens in Form von geringerer Neigung zu Depressionen und besserer Alltagsbewältigung nachweisen, um nur einige zu nennen.

Untergriff

mit Untergriff wird das Greifen eines Gegenstands, häufig eines Sportgeräts wie einer Hantel bezeichnet, bei dem der Handrücken nach unten zeigt und der Gegenstand in der Handfläche ruht sowie der Gegenstand oder dessen Griff von den Fingern aus Kraft der Fingerbeuger umschlossen wird. Im Unterschied zum Obergriff ist der Unterarm hier in Supination und die Palmarflexoren halten mit den Fingerbeugern zusammen das Gewicht. Im Untergriff kommt neben dem Brachialis auch der Arm-Bizeps kraftvoll zum Einsatz.

Untersuchungsmethoden

Methoden der körperlichen Untersuchung sind Inspektion, Perkussion, Palpation, Auskultation und Funktionstests.

V

vagoton

Zustand erhöhter Erregung des N. vagus.

Valgusstellung

Fehlstellung, bei der der körperferne Teil über das Normalmaß hinaus nach lateral abweicht. Im Fall der Knie etwa wären das X-Beine, im Fall der Großzehe ist das eine Stellung zu nahe am 2. Zeh, also ein Hallux valgus.

Valgusstress

auf ein Gelenk senkrecht zu seiner physiologischen Bewegungsrichtung einwirkende Kraft, die dadurch entsteht, dass das distale Körperteil gegenüber dem proximalen Körperteil nach medial gedrückt wird. Im Falle des Knies wäre dies etwa eine Kraft, die bei fixiertem Becken und Fuß das dazwischenliegende Knie nach außen (lateral) drückt oder bei fixiertem Oberschenkel den Fuß nach medial drückt. In Asanas tritt ein gewisser Valgusstress etwa in upavista konasana auf, insbesondere wenn sie gegen die Wand oder als Partnerübung ausgeführt wird, bei der gegen die Unterschenkel oder Füße gedrückt wird. Bei der liegenden Variante tritt ebenfalls ein Valgusstress auf, wenn die Fersen zu tief auf der Wand aufgesetzt werden. Zur Vermeidung von Valgusstress in den Fingergelenken (vor allem den proximalen und distalen) wird im Drehsitz die Handfläche aufgesetzt statt wie häufiger zu sehen der Finger quer zur Richtung der ausgeübten Kraft. Würden nämlich dabei die Finger vom Becken weg zeigen, entstünde in den Fingern 2-5 ein Valgusstress und im Daumen ein Varusstress. Im Falle von X-Beinen ist das Kniegelenk bei belastetem Bein, also in Standbeinsituationen, einem Valgusstress ausgesetzt.

Varusstellung

Fehlstellung, bei der der körperferne Teil über das Normalmaß hinaus nach medial abweicht. Im Fall der Knie etwa wären das O-Beine.

Varusstress

auf ein Gelenk senkrecht zu seiner physiologischen Bewegungsrichtung einwirkende Kraft, die dadurch entsteht, dass das distale Körperteil gegenüber dem proximalen Körperteil nach medial gedrückt wird. Im Falle des Knies wäre dies etwa eine Kraft, die bei fixiertem Becken und Fuß das dazwischenliegende Knie nach außen (lateral) drückt oder bei fixiertem Oberschenkel den Fuß nach medial drückt. Bei der upavista konasana tritt in der liegenden Variante ein Varusstress auf, wenn die Füße zu hoch auf der Wand aufgesetzt werden. Werden sie zu tief aufgesetzt, tritt ein Valgusstress auf. Zur Vermeidung von Varusstress in den Daumengelenken (v.a. dem distalen) wird im Drehsitz die Handfläche aufgesetzt statt wie häufiger zu sehen der Finger quer zur Richtung der ausgeübten Kraft. Würden nämlich dabei die Finger vom Becken weg zeigen, entstünde in den Fingern 2-5 ein Valgusstress und im Daumen ein Varusstress. Im Falle von O-Beinen ist das Kniegelenk bei belastetem Bein, also in Standbeinsituationen, einem Varusstress ausgesetzt.

ventral

bezeichnet eine Richtung und bedeutet „von oder nach vorn“ und ist identisch mit dem Begriff anterior oder frontal. Das begriffliche Gegenteil ist dorsal, welches wiederum dem Begriff posterior entspricht.

Vitalkapazität

Die Vitalkapazität ist die Summe aus Atemzugvolumen, inspiratorischem und exspiratorischem Reservevolumen und damit die Menge Luft, die ein Mensch maximal ein- und ausatmen kann.

Vorfußlauf (Ballenlauf)

Bei schnellen Tempi und kürzeren Distanzen eingesetzter Laufstil. Der Landepunkt befindet sich kurz vor dem Schwerelot des Körpers. Der Flexionswinkel im Kniegelenk beträgt maximal 10°, der Winkel im OSG über 90°. Erforderlich für den Vorfußlauf sind Laufschuhe mit geringer Sprengung (die Höhendifferenz Höhe der Ferse minus Höhe der Ballen), ein stabiles Fußlängsgewölbe und gute muskuläre Ausstattung. Auch Rückfußläufer stellen barfuß schnell auf Vorfußlauf um. Bei Umstellung von anderen Lauftechniken auf Vorfußlauf können Anpassungsschwierigkeiten mit entsprechenden Symptomen auftreten, abgesehen von Muskelkater ist das vor allem Achillodynie. Das Abnutzungsbild der Schuhe zeigt den größten Abrieb im Bereich des 5. Zehen. Zu den Vorteilen des Vorfußlaufs gehören bessere Energieeffizienz, reduzierte Bodenkontaktzeit, geringere Notwendigkeit die Landung abzufangen, besseres Abfangen des Stoßes durch Fußlängsgewölbe, Sehnen und Muskulatur des Unterschenkels, verminderte Überpronation. Nachteile sind große Anforderung an Muskulatur und deren Sehnen und große Neigung zur Überforderung derselben, gerade für Anfänger des Vorfußlaufs. Anforderungen an das Schuhwerk: flach, flexibel, geringe Sprengung, keine Pronationsstütze, im Zehenbereich genügend flexibel und trotzdem stabil. Größere Neigung zu Achillodynie, PFPS, Metatarsalgie und Schwächung der Ischiocruralen Gruppe. Kontraindikationen für den Vorfußlauf sind: Hallux valgus, Hallux ridigus, Knickfuß, Senkfuß, Spreizfuß, Achillodynie, PFPS, Neigung zu Wadenproblemen.

W

weich-elastisch

eine Beweglichkeitsgrenze in einem Gelenk, die durch Muskulatur gegeben ist, wird als weich-elastisch bezeichnet, siehe auch unter endgradige Position.

Windlass-Mechanismus

Mit Windlass-Mechanismus (Seilwinden-Mechanismus) wird die Tatsache bezeichnet, daß mit der Dorsalflexion der Zehen gegen Ende der Abrollphase des Fußes die plantare Platte der Zehengrundgelenke nach vorn gezogen und damit die Plantarfaszie gespannt wird, was einen Zug des Vorfußes nach dorsal in Richtung Kalkaneus zur Folge hat und damit das Fußlängsgewölbe aufrichtet. Unter physiologischen Bedingungen kann die Verkürzung der Strecke zwischen Mittelfußköpfchen und Kalkaneus mehr als 1 cm betragen, entsprechend ist die Aufrichtung des Fußlängsgewölbes. Der Windlass-Mechanismus kann durch eine Vielzahl von Störungen des Fußes beeinträchtigt werden. Diese Funktionseinbuße kann mittels Orthesen nicht aufgefangen werden.

X

Y

Z

Zirkumduktion

Mit der (pathologischen oder unphysiologischen) Zirkumduktion wird eine kreisbogenförmige Bewegung des Beins im Hüftgelenk bezeichnet, wenn die Hüftbeuger als die Muskulatur, die es geradlinig nach vorne bringen können, ausgefallen, insuffizient oder an der Anforderung gemessen zu schwach sind. Im Gangbild nach Wernike-Mann ist dies beispielsweise als Folge der Apoplexie zu sehen, aber auch die Multiple Sklerose kann dazu führen.

Zügelsystem

Ein Zügelsystem ist eine Struktur aus partiell antagonistischen Muskeln, die das Drehzentrum oder die Drehachse eines Gelenks auf gegenüberliegenden Seiten überspannen, so daß sie beide Richtungen einer Bewegungsdimension bedienen können. Dabei kann es sich um einzelne Muskeln a und b oder Gruppen/Mengen von Muskeln A und B handeln. Beispiele für Zügelsysteme sind etwa:

  1. Das Fußgelenk wird bzgl. der Bewegungsdimension PronationSupination aus dem Zügelsystem von medial Tibialis posterior und seinen lateralen Antagonisten Fibularis brevis stabilisiert und bewegt.
  2. Das Kniegelenk wird bzgl. der Rotation des Unterschenkels (EndorotationExorotation) stabilisiert und bewegt von medial der inneren Ischiocruralen Gruppe aus Semimembranosus und Semitendinosus und lateral dem Antagonisten Bizeps femoris.
  3. In gewissen Sinne kann man auch den Steigbügel aus Fibularis longus und Tibialis anterior als Zügelsystem bezeichnen, wobei beide Muskeln an den gleichen Knochen ansetzen: Os cuneiforme mediale, Os metatarsale I, nur daß der Fibularis longus dazu plantar von lateral nach medial über den Fuß läuft. In ihren beiden Funktionen sind sie genaue Antagonisten: Fibularis longus: Pronation und Plantarflexion, Tibialis anterior: Supination und Dorsalflexion.

Im Standbein stabilisieren und bewegen sie willkürlich in die entsprechende Richtung. Sind die beigen Zügel nicht im Gleichgewicht, verursacht dies eine veränderte Position und Kinetik des Gelenks. Im Spielbein verursachen sie dann eine ungewollte Bewegung, wenn nicht bewußt gegengesteuert wird.

Zuggurtung

Anatomisches Prinzip zur Entlastung von Knochenstrukturen durch Weichteilstrukturen. Die wohl bekannteste Zuggurtung ist die des Oberschenkels: die durch den Tractus Iliotibialis gebildete Entlastung des Femur, die das deutliche Moment auffängt, das insbesondere im Winkel zwischen seinem Schaft und Hals (dem CCD-Winkel von physiologischen 120° bei Erwachsenen), aber auch im langen Schaft des Knochens als Biegemoment auftritt. Bei Belastung des Beins mit auch nur leicht gebeugtem Kniegelenk spannt sich der Quadrizeps und damit auch dessen Vastus lateralis an, dessen Volumen bzw. Querschnitt die Wirkung der Zuggurtung vermehrt.

Eine andere Zuggurtung findet sich im Fuß: das Fußlängsgewölbe würde ohne Plantarfaszie unter der statischen Last des Körpergewichts und den dynamischen Lasten beim Gehen und Laufen dazu neigen, nach plantar zu kollabieren. Die Zuggurtung durch die Plantarfaszie fängt dies zusammen mit Muskeln des Fußes auf.

zyklische Bewegung

Eine zyklische Bewegung ist ein Bewegungsablauf, dessen Ende mit dem Anfang identisch ist, so daß er beliebig häufig hintereinander ausgeführt werden kann. Beispiele sind etwa alle Formen des Gehens, Laufens, Running, Sprinting, aber auch die Dips der Hundestellung, des Handstandes, des Stabs, caturkonasana-jumpings oder – in sportlichen Disziplinen gedacht, etwa Bankdrücken oder Rudern. Grundsätzlich gehören die meisten Fortbewegugsformen, die eine größere Strecke zurückzulegen ermöglichen, zu den zyklischen Bewegungsmustern.