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Talus von lateral (leicht ventral-kranial)

Talus

Das Sprungbein, oberhalb des Kalkaneus angesiedelt und wie dieser, Teil der Fußwurzelknochen. Der Talus stützt im OSG (Art. talocruralis) maßgeblich die auf der Tibia ruhende Last, die bezügliche Gelenkfläche ist die größte im OSG. Daneben wird der Talus medial vom medialen Malleolus, ebenfalls Teil der Tibia, umfasst und lateral vom lateralen Malleolus, Teil der Fibula. Nach kaudal besitzt der Talus Gelenkfacetten mit dem Calcaneus (Art. talocalcanea) und ventral mit dem Kahnbein Os naviculare (Art. talocalcaneonavicularis). Das OSG erlaubt nur Dorsalflexion und Plantarflexion des Fußes, während die unteren Gelenke Inversion und Eversion ermöglichen, aber keine Dorsalflexion und Plantarflexion.

Der Talus besitzt keine einzige Insertion für einen Muskel, weder Ursprung noch Ansatz, dafür aber ausgedehnte Knorpelareale. Das ist für einen Knochen des Bewegungsapparates sehr untypisch und läßt ihn als eine Art „knöchernen Meniskus“ zwischen der Tibia und den Malleolen und andererseits dem Calcaneus erscheinen. Da er im Stehen und allen Fortbewegungsformen auf den Füßen das Körpergewicht – oder dynamisch ein Vielfaches davon – trägt, ist er ein besonders wichtiger Knochen. Frakturen des Talus machen nur 4% aller Fußfrakturen aus und resultieren meist aus Stürzen aus größerer Höhe, ein Rasanztrauma in Richtung Plantarflexion mit hoher kinetischer Energie kann aber mit begleitend stattfindenden Bandrupturen zu einer Luxation führen.

Exorotation des Talus im OSG (bei Dorsalflexion)

Die Gelenkfläche des Talus zur Tibia ist nicht symmetrisch geformt sondern in ap-Längsrichtung lateral länger als medial und ventral breiter als dorsal. Das führt einerseits dazu, daß der Talus bei der Dorsalflexion eine Exorotation (ventral) in der Längsachse der Tibia ausführt, er sich also mit dem Fuß vorn nach außen dreht, was nicht mit der Abduktion des Fußes verwechselt werden darf, die der Fuß in Zusammenhang mit der Pronation ausführt. Zuweilen wird dies auch als Endorotation der Tibia gegenüber dem Talus bei Dorsalflexion beschrieben. Das Ausmaß beträgt je nach Literatur 5-6 bis 8-9° zwischen der Nullstellung und 30°
Dorsalflexion. Andererseits führt die vorn breitere Fläche zu einem leichten Aufspreizen der Syndesmose bei der Dorsalflexion von 1-2 mm, was deren Sinn in diesem Kontext erklärt. Die Bewegung der Tibia ist also keine reine Abrollbewegung auf der Tibia, sondern eine mit an eine leichte Rotation gekoppelte Gleitkomponente. Von der Neutralstellung ausgehend in Richtung Plantarflexion nimmt die Rotationskomponente der Talus-Tibia-Bewegung deutlich ab und ist biomechanisch kaum noch nachvollziehbar.

Damit trägt die durch die Form und Führung des Talocruralgelenks bedingte Exorotation des Talus bei Dorsalflexion dazu bei, die Bewegungs- und Stabilisierungsaufgaben des Kniegelenks im Kontext der Schlussrotation funktional zu ergänzen. Beide Mechanismen können als evolutionäre Optimierungen im bipeden Gang und Stand verstanden werden.

Natürlich greift dies am besten beim Gehen auf flacher Ebene. Sobald es steiler bergauf geht, befindet sich der Fuß durchweg in größerer Dorsalflexion, so dass dieser Mechanismus nicht mehr seine optimale Wirkung entfaltet. Auch wenn es bergab geht, kompensiert die Exorotation des Talus die Schlussrotation des Kniegelenks weniger, was aber wenig ins Gewicht fällt, weil Menschen dazu neigen, mit weiterer durchschnittlicher Kniebeugung, also im Kniegelenk weniger exorotierter Tibia, steiler bergab zu gehen.

Corpus tali

Der ventrale Teil des Talus mit der Trochlea tali, die mit der Facies articularis inferior der Tibia artikuliert. Die Facies malleolaris lateralis des Talus artikuliert mit dem Malleolus lateralis der Fibula. Die medial liegende Facies malleolaris medialis artikuliert mit dem Malleolus medialis der Tibia. Diese drei Gelenkflächen sind der distale Teil der Articulatio talocruralis. Mit der Facies inferior artikuliert der Talus mit der articularis calcanea posterior des Calcaneus. Die Facies posterior weit eine Rinne für die Sehne des Flexor hallucis longus auf.

Tuberculum laterale / Processus posterior

Lateral dieser Rinne liegt der Processus posterior tali (auch: Tuberculum laterale). Das gegenüber dem Tuberculum mediale deutlich prominentere Tuberculum laterale liegt in 13% der Fälle als selbständiger akzessorischen Knochen Os trigonum vor.

Tuberculum mediale

Medial der Rinne im Corpus tali liegt ein kleineres Tuberculum mediale.

Collum tali

Der Collum tali (Hals) ist der eingezogene Mitetlteil des Talus. Auf der Unterseite des Collum tali liegt die Gelenkfläche der Art. calcanea media.

Sulcus tali

Der Collum tali weist inferior einen Sulcus tali auf, der die vorderen Gelenkflächen von der posterioren Facies articularis calcanea posterior trennt. Im Calcaneus liegt eine entsprechende Rinne (Sulcus calcanei), durch die ein Kanal entsteht, in dem das Lig. talocalcaneum interosseum liegt. An der aufgerauten medialen Seite des Collum tali setzen Bänder an.

Caput tali

Am Taluskopf liegt die Gelenkfläche Facies articularis calcanea anterior zum Calcaneus und die zum Kahnbein ausgerichtete Fläche Facies articularis navicularis. In der überknorpelten Fläche dazwischen liegt das Lig. calcaneonaviculare plantare.

Gelenke

Gelenkflächen

Zusammenfassend finden sich am Talus Gelenkflächen mit

  • der Malleolengabel: Trochlea tali, Facies malleolaris lateralis, Facies malleolaris medialis
  • dem Calcaneus: Facies articularis calcanea anterior, Facies articularis calcanea media, Facies articularis calcanea posterior
  • dem Kahnbein Os naviculare: Facies articularis navicularis

Trochlea tali

Die „Sprungbeinrolle“, die kraniale Gelenkfläche des Talus, in der, von der Malleolengabel umgriffen, Plantarflexion und Dorsalflexion des Fußes im OSG geschehen.

Bilder

Talus von kranial-ventral

Talus von kaudal