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Schultergelenk (Linkmap)

Schulter Bizeps Trizeps Glenoid Processus coracoideus Clavicula Acromion Labrum glenoidale Lig. trapezoideum Lig. acromioclaviculare Lig. coracoclaviculare (conoideum) Lig. coracoacromiale

Bänder des Schultergelenks siehe unten.

Schultergelenk (Glenohumeralgelenk)

Das Schultergelenk ist das Gelenk, in dem sich die obere Extremität Arm relativ zum Oberkörper, genauer: zum Schulterblatt) bewegen lässt. Als Schultergelenk wird, je nach Literaturstelle, die Gesamtheit aus glenohumoralem Gelenk (das Schulterblatt-Arm-Gelenk, in dem der Kopf des Humerus medial der Scapula anliegt, die Gelenkfläche heißt Glenoid) und dem unechten acromiohumoralen Gelenk (das Schulterblatt-Arm-Gelenk, in dem der Kopf des Humerus dorsal-kranial mit einem gewissen Abstand (0,8 – 1 cm) unter dem Akromion (Schulterhöhe) liegt) bezeichnet. Diese stellen aber nicht den gesamten Bewegungsspielraum bereit, den wir vom Arm kennen, er wird erst zusammen mit der Bewegung des Schulterblatts auf dem Rücken ermöglicht: es lässt sich in seiner Ebene unten nach außen drehen (Außenrotation) und nach vorn (Protraktion) und hinten (Retraktion) sowie oben (Elevation) und unten (Depression) bewegen.

Das Schulter-Armgelenk ermöglicht bereits eine dreidimensionale Bewegungsfähigkeit: seitlich (laterale Abduktion), frontal (frontale Abduktion, auch: Anteversion) und die Drehung (Endorotation / Exorotation) des Arms. Neben dem glenohumoralen und acromiohumoralen Gelenk gehören zum „Schultergelenk“ noch das acromioclaviculare Gelenk, in dem sich die Scapula am beweglichen Schlüsselbein (Clavicula) abstützt (auf der anderen Seite liegt die Clavicula im sternoklavikularen Gelenk dem Brustbein an) und das scapulothorakale „Gelenk“ (genauer: scapulothorakales Gleitlager), in dem die Scapula durch zwei Muskeln vom Thorax getrennt (Serratus anterior und Subscapularis) i.w. frei auf dem Rücken beweglich ist.

Bänder

Das Schultergelenk besitzt nur wenige Bänder, die angesichts des großen Verkehrsraums des Gelenkes keine hinreichende Führung bieten:

Diese kommt erst durch die das Schultergelenk überziehende Muskulatur, vor allem die sog. Rotatorenmanschette. Das Lig. transversum humeri gehört im strengen Sinne nicht zum Schultergelenk, es hält die Ursprungssehne des langen Kopfes des Bizeps im Sulcus intertubercularis. Die Bänder des Schultergelenks sind im einzelnen:

Lig. coracohumerale

Das Lig. coracohumerale verbindet den Processus coracoideus mit dem Humerus und besitzt einen anterioren Anteil, der vom lateralen Rand der Basis des Processus coracoideus zum Tuberculum minus humeri zieht und einen posterioren Anteil, der das Tuberculum majus mit dem Lig. coracoacromiale verbindet. Kranial und ventral ist es mit der Gelenkkapsel verewachsen und liegt kaudal des Supraspinatus und kranial des Supscapularis. Neben allgemein schulterstabilisierender Funktion hilft es bei der Sicherung der Sehne des caput longum des Bizeps und begrenzt das Absinken des Humerus nach kaudal. Aufgrund seines Verlaufs begrenzt es die laterale Abduktion ohne Exorotation.

Lig. coracoglenoidale

Das Lig. coracoglenoidale zieht vom Processus coracoideus zur Gelenkkapsel und zum Labrum glenoidale, an dessen Oberseite es ansetzt.

Lig. coracoacromiale

Das Lig. coracoaromiale ist ein sarkes Band, das dreiecksförmig den Processus coracoideus mit der Unterseite des Acromion verbindet. Das spitze Ende setzt unmittelbar vor dem Acromioclacivulargelenk an. Die breite Seite umfasst die ganze Länge des Processus coracoideus. Kranial liegt es unterhalb des Deltoideus und nach kaudal schließt sich mit einer Bursa der Supraspinatus an. Das Lig. coracoaromiale bildet zusammen mit dem Acromion und dem Processus coradoideus das „Schulterdach“.

Lig. coracoclaviculare

Das Lig. coracoclaviculare ist ein zweiteiliges Band, das die Unterseite der Clavicula am Processus coradoideus der Scapula fixiert: Lig. trapezoideum und Lig. conoideum.

Lig. trapezoideum

Das Lig. trapezoideum ist der Teil des Lig. coracoclaviculare, der an der Linea trapezoidea der Clavicula ansetzt.

Lig. conoideum

Das Lig. conoideus ist der Teil des Lig. coracoclaviculare, der am Tuberculum conoideum der Clavicula ansetzt.

Ligg. glenohumeralia

Die Ligg glenohumeralia verstärken als drei Kapselbänder die ventrale Gelenkkapsel. Sie gehen am Tuberculum supraglenoidale der Scapula aus Fasern des Labrum glenoidale hervor und verlaufen als Kapselband zum Collum anatomicum des Humerus. In der Gelenkkapsel erscheinen sie als drei Falten. Dies werden von kranial nach kaudal unterschieden als:

Lig. glenohumerale superius

Das Lig. glenohumerale superius ist ein schmalen, dünnes Band, das mit dem Lig. coracohumerale zusammen den Anatomisch Null-nahen und den lateraladduzierten Arm stabilisiert.

Lig. glenohumerale mediale

ein stärkeres Band, das individuell deutlich variiert. Es stabilisiert gegen Translation nach ventral, vor allem in mittlerer Lateralabduktion.

Lig. glenohumerale inferius

das stärkste der drei Bänder, welches zwei Züge aufweist, einen anterioren und einen posterioren. Zwischen diesen bildet die Gelenkkapsel den recessus axillaris aus. Es wird der Translation nach kaudal, ventral und dorsal entgegen, umso mehr, je mehr das Arm lateralabduziert. Reißt der anteriore Teil dieses Bandes zusammen mit einem Riß am Labrum glenoidale, wie es bei Schulterluxationen geschehen kann, heißt dies Bankart-Läsion.

Lig. acromioclaviculare

Das Lig. acromiclaviculare verbindet das Acromion mit der Scapula. Man kann zwei Faserverläufe unterscheiden:

Lig. acromioclaviculare superius

verstärkt als viereckiges Band die superiore Gelenkkapsel des Akromioklavikulargelenks. Es zieht von der kranialen distalen Clavicula zum benachbarten Acromion. Seine Fasern strahlen in die Faszie des Trapazius und des Deltoideus ein. Das kranial liegende Lig. acromioclaviculare superius ist stärker als das kaudal liegende Lig. acromioclaviculare inferius.

Lig. acromioclaviculare inferius

verstärkt den kaudalen Bereich der Gelenkkapsel und steht in Verbindung mit dem Supraspinatus.

Lig. transversum scapulae inferius

Das Lig. transversum scapulae inferius ist inkonstant vorhanden. Es, zieht vom lateralen Rand der Spina scapulae zum dorsalen Rand des Glenoids.

Lig. transversum scapulae superius

Das Lig. transversum scapulae superius ist ein inkonstantes Band, welches vom lateralen Rand der Spina scapulae des Schulterblatts zum dorsalen Rand des Glenoids zieht.

Lig. transversum humeri

Das Lig. transversum humeri verläuft über dem Sulcus intertubercularis humeri spannt und hält die Urspgungssehne des langen Bizepskopfes im Sulcus. Es verbindet also Tuberculum majus humeri und das Tuberculum minus humeri miteinander verbindet. Die Ansichten gehen darüber auseinander, ob das Lig. transversum humeri ein echtes Band ist oder eher Faserausläufer des Subscapularis.

Pathologie

Das Schultergelenk ist aufgrund der geringen Fläche und weiten Öffnung des Glenoids auf gute Muskelführung angewiesen. Es ist daher anfälliger für Verletzungen als das Hüftgelenk.

  1. Impingement Syndrom
  2. Frozen Shoulder (Periarthritis humeroscapularis)
  3. Tendinosis calcarea (Kalkschulter)
  4. Arthrose
  5. HWS-Syndrom
  6. Verrenkung(Dislokation, Luxation)
  7. Bänderdehnung
  8. SLAP-Läsion

Instabilitäten des Schultergelenks sind nicht wenig verbreitet. Beim jungen Menschen zwischen dem 10. und 12. Lj. gehen sie meist auf eine klassische in Sport und Freizeit erlittene Verletzung zurück. Ursachen können sein ein Außenrotations-Abduktions-Trauma oder direkte Traumata genauso wie wiederholte Mikrotraumen. Die Klassifikation nach Gerber unterteilt in 6 Stufen:

  1. verhakte Luxation
  2. unidirektionale Instabilität ohne Hyperlaxität
  3. unidirektionale Instabilität mit Hyperlaxizität
  4. multidirektionale Instabilität ohne Hyperlaxität
  5. multidirektionale Instabilität mit Hyperlaxizität
  6. willkürliche Luxation

Bei jungen Menschen spielen häufig Traumata während Überkopf-Sportarten eine Rolle. In 80 bis 95% der Fälle führt eine rein konservative Behandlung zum Rezidiv. Bei dem klassischen Außenrotation-Abduktions-Trauma wird häufig das inferiore glenohumerale ligament oder das mediale glenohumerale ligament betroffen.

Die Degeneration der Rotatorenmanschette beginnt mit dem 30. Lebensjahr und ist progredient. Die zunehmende Insuffizienz begründet sich vor allem in der Minderperfusion des ansatznahen Sehnengewebes. Unter den Rupturen sind 50% atraumatisch. Häufig ist ein Outlet-impingement mit einer sekundären Ruptur verbunden, rein traumatische Rupturen sind selten und liegen bei 8% der Fälle, dann häufig bei über 40-jährigen mit Luxationen. Rupturen des Subscapularis sind zu 70% traumatisch verursacht und werden in 50% der Fälle nicht erkannt. Häufig sind Rupturen der Supraspinatussehne oder Infraspinatussehne auf dem Boden degenerativer Vorschädigungen. Vor allem Überkopf-Sportler zeigen häufig die Kombination aus subacromialen Impingement und Instabilität. In der Gruppe der Schulterschmerzen bei Überkopfsportarten zeigt sich

  1. primäres Outlet impingement verursacht durch den subakromialen Bogen
  2. primäre Instabilität sekundäres impingement verursacht durch rezidivierende Mikrotraumen
  3. primäre Instabilität sekundäres impingement verursacht durch allgemeine hyperlaxizität
  4. Instabilität verursacht durch Makrotraumen ohne Impingement

Zu den OP-Indikationen gehören:

  1. traumatisch bedingte isolierte SubscapularisRuptur, sie muss binnen vier Wochen versorgt werden
  2. traumatische Ruptur in der Rotatorenmanschette ohne Vorschaden mit Funktionsausfall
  3. Ruptur in der Rotatorenmanschette nach Schulterluxationen im erwerbsfähigen Alter bei angenommen guter Compliance des Patienten
  4. als relative Indikation: akute Ruptur in der Rotatorenmanschette mit degenerativen Vorschaden und tiefer gelenkseitige Supraspinatusruptur

Eine weitere Läsion der Schulter mit OP-Indikation ist die Andrews Läsion. Wiederholte Traktionsbelastungen an der langen Bizepssehne bei jungen Überkopfwerfern führen durch die maximale Ausholbewegung zum Ablösen des minder vaskularisierten Labrums. ACG-Luxationen entstehen meistens beim Sturz auf den nach vorne ausgestreckten Arm und bei direkten Anpralltraumen z.b. beim Sturz vom Fahrrad. Für das Ausmaß der Bandverletzung gelten die Grade 1 bis 3 nach Tossy sowie allgemein die Grade 1 bis 4 nach Rockwood. Typischerweise stellen Läsionen nach Tossy Grad 3 oder Rockwood Grad 3 oder 4 eine OP-Indikation dar.

Glenoid (Bild verlinkt zu Linkmap)

Bänder (Bild verlinkt zu Linkmap)

Bänder (Bild verlinkt zu Linkmap)

Schultergelenk von ventral (Bild verlinkt zu Linkmap)

frontaler Schnitt (Bild verlinkt zu Linkmap)

Ventrale Muskeln: Scapula bis Finger