yogabuch / pathologie / knickfuß
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Knickfuß (Pes valgus)
Da der Knickfuß meist mit einem Senkfuß oder gar Plattfuß vergesellschaftet ist, siehe auch unter Plattfuß.
Definition
vermehrte Eversion im Subtalargelenk zwischen Talus und Kalkaneus, sich nach medial-plantar, also in Pronation verdrehender Talus, mit Folge vermehrter Valgusstellung der Ferse (der mediale Rand ist abgesenkt), tritt meist schon im Kindesalter auf (bis zum 7. Lj ist eine beim Fußballenstand reversible Knickfußstellung physiologisch) und wächst sich manchmal, aber nicht immer aus, muss beobachtet und ggf. therapiert werden. Der Knickfuß tritt häufig zusammen mit Senk– oder/Plattfuß auf und ist bei Erwachsenen häufig Folge eines Tibialis-posterior-Syndroms (Tibialis-Posterior-Dysfunktion). Der Häufigkeitsgipfel liegt bei Frauen jenseits des 40. Lj. W:M 3:1.
Ätiopathologisch spielt auch der Trizeps surae eine bedeutende Rolle, der physiologisch unter Kontraktion einen supinatorischen Effekt auf den Calcaneus ausübt, da das Mittel seiner Sehne, der Achillessehne, leicht medial an der Drehachse des Subtalargelenks vorbei läuft. Ist einmal ein gewisses Maß an Knickfuß bzw. Calcaneus valgus erreicht, kehrt sich seine Wirkung um, da nun das Mittel seiner Sehne lateral an der Drehachse vorbei läuft, so daß jede seiner Aktionen den Calcaneus weiter in eine Valgusstellung zieht und die Progredienz des Knickfußes beschleunigt. In diesem Stadium kann nur noch der Tibialis posterior als supinierender Plantarflexor helfen, dessen funktionale Insuffizienz allerdings zur Entwicklung des Knickfußes maßgeblich beigetragen haben bzw. diesen verursacht haben dürfte. Solange seine Sehne noch nicht elongiert ist, ist er allerdings noch trainierbar. Im elongierten Zustand erlaubt sie dann trotz maximaler Innervation des Tibialis posterior keine Wirkung mehr auf seine plantaren Insertionen an bis zu 8 Knochen, die damit keinen Widerstand mehr für ein Training des Muskels bieten können.
ICD Q66.6
Ursache
- Bandschwäche des Subtalargelenks, Tibialis Posterior-Syndrom (PTTD): Sehnenschwäche des Tibialis posterior, die den Fuß mit in Form hält
- Trauma, z.B. Sportverletzung
- Infektionen
- Knochenerkrankungen
Prädisponierend
- Diabetes mellitus
- arterielle Hypertonie
- langjährige Cortison-Einnahme
- starkes Übergewicht
- rheumatische Erkrankungen
Diagnose
- Muskelkraft-Testung, klinische Funktionstests
- Pedobarographie (statische und kinetische Darstellung der Druckverhältnisse an der Fußsohle)
- Sono (zeigt Entzündung), MRT, Röntgen (zeigt Knochenstellung)
- Tests und Zeichen: too many toes sign, single heel rise test, Fussflexibilitätstest
Symptome
- häufig lange klinisch inapparent
- oft zeigen sich die Symptome eines Tibialis-Posterior-Syndroms, siehe auch dort
- prominierender Innenknöchel, der Talus wird unter dem Innenknöchel sichtbar
- ggf. belastungsabhängige Schmerzen im Bereich Innenfuß oder Innenknöchel, evtl. mit Ausstrahlung in den Unterschenkel
- schon nach kurzer Belastung auftretende Knieschmerzen
- medial betontes Verschleißbild der Schuhe
Komplikationen
- O-Beine oder X-Beine
- Knieschäden
- Skoliose
- Hyperlosdorierung der LWS
Therapie
- Einlagen in einem stabilen Schuh (!)
- Kyrotherapie, Ultraschalltherapie
- PT
- Schienung
- Steroide gegen Entzündung
- wenn erfolderlich OP
- häufiges Barfußgehen, v.a. auf unebenen Naturböden
Leitlinie
Kindlicher Knick-Senkfuß
AWMF, externer Link: https://register.awmf.org/assets/guidelines/187-053l_S2k_Kindlicher-Knick-Senkfuss_2022-11.pdf
Asana-Praxis und Bewegungstherapie
Da überwiegend das Tibialis-Posterior-Syndrom (PTTD) der Pathomechanismus ist, nach dem der Knickfuß entsteht, siehe dort angegebenen Empfehlungen.