knochen: scapula

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Die Verbindung von Schulterblatt und Brustkorb ist kein echtes Gelenk, insbesondere, da die Knochen nicht direkt artikulieren und ihnen deswegen auch die Knorpelüberzüge fehlen. Sie wird daher als Scapulothorakales Gleitlager bezeichnet, da die Scapula auf den beiden an ihrem ventralen Innenrand (Margo medialis) ansetzenden Muskeln Serratus anterior (ventral liegend, also profunder, Rippen-seitig) und Subscapularis (dorsaler liegend, also superfizieller, direkt unter der Scapula) gleitet, die auf ihrer ventralen Seite vor den Rippen liegen. Das Schulterblatt artikuliert in seiner Gelenkfläche namens Glenoid mit dem Humerus des Oberarms. Das Schulterblatt ist frei beweglich auf dem Rücken mit folgenden Bewegungen:

Protraktion / Retraktion: die Bewegung von der Wirbelsäule weg nach seitlich-vorn (Protraktion) bzw. nach hinten-innen (Retraktion) zur Wirbelsäule
Elevation / Depression: das Anheben nach kranial (Elevation) bzw. Absenken nach kaudal (Depression) des Schulterblatts.
Rotation: mit seiner unteren Spitze (Angulus inferior) nach außen-oben (Außenrotation) bzw. wieder zurück (Innenrotation). Für ein Anheben des Arms über 90° angehoben muss das Schulterblatt außenrotieren, beim Absenken des Arms wird die Außenrotation wieder aufgehoben.

Damit hat das Schulterblatt drei hauptsächliche Bewegungsdimensionen. Dazu kann es pathologisch, vor allem bei Schwäche der Retraktoren wie der Rhomboiden, auch bei Schwäche der Protraktoren wie des Serratus anterior, die gemeinsam die Scapula auf den Thorax drücken, eine vom Rücken abhebende Kippbewegung ausführen, die bei den verschiedenen Formen der scapula alata (siehe bei Wikipedia) gut zu sehen ist. Für eine genauere Beschreibung und seiner Strukturen siehe Wikipedia.

Angulus inferior (Schulterblatt)

Untere Spitze des Schulterblatts, welche sich bei der Außenrotation erkennbar und palpabel nach lateral bewegt sowie bei der Elevation erkennbar und palpabel nach kranial und daher einen guten Orientierungspunkt darstellt.

Margo medialis

Der mediale Rand des Schulterblatts, Insertionsbereich für Rhomboideus major, Rhomboideus minor, Levator scapulae, Serratus anterior. Die ersten dieser drei ziehen den Innenrand des Schulterblatts nach medial und heben damit eine Außenrotation auf, gleichzeitig ziehen sie es nach kranial und elevieren es damit. Der von lateral kommende Serratus anterior hingegen ist Teil des scapulothorakalen Gleitlagers und zieht das Schulterblatt in die Protraktion.

Spina

Die Spina des Schulterblatts ist die kaudal nach dorsal quer verlaufende Schulterblattgräte, oberhalb der (namensgebend) der Supraspinatus entspringt und unterhalb der der Infraspinatus entspringt.

Glenoid

die Gelenkfläche des Schulterblattes, in der der Humerus (Oberarmknochen) artikuliert. Da die Gelenkfläche sehr klein und relativ flach ist, damit ein möglichst großer Bewegungsumfang realisiert werden kann, ist sie von einem Labrum (einer Knorpellippe) umgeben, an deren oberem Bereich das caput longum des Bizeps ansetzt. Damit ist der Ursprung dieses Kopfes grundsätzlich etwas anfälliger gegen Verletzungen durch exteme Lasten wie sie beim Auffangen von schweren Gegenständen, Traumata oder in Gegnerkontaksituationen im Sport auftreten können, wenn der Bizeps ruckartig in kräftiger exzentrischer Kontraktion belastet wird. Diese Auslöser können dann zu einer SLAP-Läsion führen. Aus dem gleichen Grund der kleinen, recht flachen Gelenkfläche des Glenoids kann die Schulter leichter als andere Gelenke luxieren:

in 95-97% nach anteriore (nach dorsal ausgestreckter Arm beim Sturz renkt nach vorn aus)
in 2-4% posterior (Krampf, Elektrounfall, wird gerne übersehen)
in 0,5% inferior (Sturz auf den frontalabduzierten Arm)
eine superiore Luxation ist nicht möglich, da dort das Acromium die Bewegung des Humerus stoppt.

Labrum glenoidale

Die Knorpelllippe, die das Glenoid an dessen Rand umgibt und dem Schultergelenk zusätzliche Stabiiltät gibt. Nach Konstruktion ist es vor allem auf dreidimensionale Flexibilität mit großem ROM ausgelegt, was ein kleines und flaches Glenoid notwendig macht, dem allerdings durch zusätzliche Maßnahmen (wie etwa die Rotatorenmanschette) und eben die Knorpellippe Labrum glenoidale zusätzliche Stabilität verliehen werden muss. Eine ähnliche Konstruktion findet sich beim Hüftgelenk, welches ebenfalls auf eher große dreidimensionale Flexibilität konstruiert ist, aber neben einer Knorpellippe (labrum acetabuli) wegen des großen zu tragenden Teilkörpergewichtes einen robusten Bandapparat besitzt. Eine ungewöhnliche Konstruktion ist der Ursprung des Bizeps brachii caput longum an dieser Knorpellippe statt an einem Knochen. In Überlastungssituationen kommt es daher nicht zu einer Avulsion sondern zu einem Anriss des Bizepsankers an der Knorpellippe.

Bizepsanker

Als Bizepsanker wird der Ursprung des langen Kopfes des Bizeps brachii am superioren Teil des Labrum glenoidale (obere Knorpellippe) des Glenoids (Glenkefläche mit dem Humerus) bezeichnet. Insbesondere durch außerordentliche Zugbelastung kann es zum Einriss pder teilweisen Abriss dieses Bereichs des Knorpels kommen, dies wird als SLAP-Läsion bezeichnet.

Processus coracoideus

der nach ventral hervorstehende Processus am äußeren oberen
Schulterblatt, etwas medial und kaudal vom Akromion, an dem Pectoralis minor, Caput breve des Biceps brachii und Coracobrachialis entspringen. Die dort entspringenden Muskeln haben hauptsächlich die Funktion den Arm zu frontalabduzieren und das Schulterblatt zu deprimieren

Acromion

Das Akromion ist die Schulterhöhe, der äußerste Bereich im oberen Schulterblatt. Am Akromion setzt nach lateral der Deltoideus pars acromialis an, weiter innen befindet sich das Gelenk mit der Clavicula, das Akromioklavikulargelenk (ACG).

Um Informationen zu den mit dem Schulterblatt verbundenen Muskeln zu erhalten, klicken sie auf eine der beiden Linkmaps:

Scapula, costal Scapula costal Scapula dorsal

Schultergürtel von kranial

Schulterblatt bei Transversaladduktion mit Bewegung im Sternoklaviculargelenk

Schulterblatt bei 30° Transversaladduktion ohne Bewegung im Sternoklavikulargelenk

Schulterblatt bei Lateralabduktion