bewegungsphysiologie: running

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Siehe auch den erklärenden Vergleichsartikel über die verschiedenen Fortbewegungsarten auf zwei Beinen. Running ist eine Art ambitioniertes Jogging, besser wäre aber umgekehrt: Jogging ist Running ohne Ambition in Punkt Vortrieb und Geschwindigkeit. Im Gegensatz zum Gehen liegt eine Flugphase vor, in der nicht beide Füße am Boden sind. Running hat gegenüber dem Jogging eine wesentlich größere Schrittlänge, was deutlich größeren Krafteinsatz erfordert. Während es beim Jogging typischerweise problemlos möglich ist, auch über längere Strecken eine Konversation zu führen, stellt dies beim ambitionierten Running bereits einen derart großen Eingriff in den Verlauf der Atmung dar, daß dies nicht oder nur sehr kurz möglich ist.

Laufen ist eine intensive Tätigkeit und setzt langsam aufbauendes Training mit korrekter Technik voraus, wenn es langfristig nebenwirkungsfrei oder -arm sein soll. Fehlfunktionen oder Fehlstellungen des Bewegungsapparates sowie muskuläre Dysbalancen können Störungen hervorrufen.

Ambitionierter Lauf bedingt eine gut funktionsfähige und hinreichend kraftvolle Hüftmuskulatur, sonst stellen sich leicht Störungen ein. Daneben ist die Knie- und Fußgesundheit eine sehr wichtige Voraussetzung. Ort der häufigsten Störungen und Schäden ist lange Zeit das Kniegelenk gewesen, heute kommen zunehmend Störungen der Achillessehne hinzu. Beim Kniegelenk sind Störungen des Meniskus recht häufig, nach dessen längerer Schädigung auch der Gelenkknorpel. Grundsätzlich sind die bradytrophen Gewebe (Knorpel, Menisken, Knochen, Bänder) weit stärker gefährdet als die tachytrophen und – bis auf die Sehnen – der passive Bewegungsapparat mehr als der aktive Bewegungsapparat. Der Meniskus selbst ist kein schmerzsensibles Gewebe, jedoch das Anstoßen des Meniskus an schmerzsensible Nachbargewebe wie etwa die Kapsel ruft deutliche Schmerzen hervor. Mit jeder iatrogenen Form von Entnahme von Meniskusgewebe vermindert sich dessen elastische Pufferwirkung und vermehrt sich das Arthroserisiko bis zu Faktor 30 (!) bei Totalresektion. Generell scheint zu gelten, daß Läufer kein erhöhtes Arthroserisiko haben, wenn alle Parameter stimmen, was jedoch eine starke Forderung ist und nicht übermäßig häufig erfüllt sein dürfte. Die Aussage wird nicht zuletzt gestützt durch die Tatsache, daß die verschleißintensivsten bradytrophen Gewebe, der Meniskus und die Gelenkknorpel von Tibia und Femur, von regelmäßiger Bewegung leben, die sie ernährt. Erfahrungsgemäß nimmt das Risiko für Overuse-bedingte Störungen vor allem ab 80 Wochenkilometern deutlich zu. Weitere Faktoren für Overuse sind zu schnelle Steigerung des Trainingsumfangs oder Änderungen anderer wichtiger Parameter (auch gehören auch Untergrund, Schuhwerk, Topographie) sowie unzureichende Regeneration oder präexistente Achsenfehlstellungen oder Störungen in Kniegelenk, Fußgelenk oder Hüftgelenk.

Bei Jugendlichen tritt recht selten eine meist selbstlimitierende Osteochondrose an der Insertion der Achillessehne auf, vergleichbar einem Morbus-Osgood-Schlatter im Kniegelenk, die während einer Phase intensiven Wachstums zu Bewegungsschmerz und verhärteter Wadenmuskulatur führt.

Die häufigsten Störungen sind, teils mit Angabe ihrer Auslöser:

  1. DGS (Piriformis-Syndrom): inadäquate Trainingssteigerungen, vernachlässigtes ergänzendes Krafttraining
  2. Plantarfasziitis: Overuse, Dehnungsmängel des Trizeps surae oder der Fußsohlenmuskulatur und Plantarfaszie
  3. Achillodynie / Achillessehnenreizung und -Riss: Overuse, Dehnungsmängel des Trizeps surae. Sprünge und unerwartete Tritte, etwa beim Crosslauf, stellen deutliche Mehrgefährdungen dar. Mit dem Alter steigt das Risiko für Probleme mit den Achillessehnen ebenfalls.
  4. Schienbeinkantensyndrom: mangelnde Robustheit der Muskulatur für die Anforderung, Overuse
  5. Meniskusschäden: Pronations- oder Supinationneigung, Achsenfehlstellungen, Fußfehlstellungen
  6. Jumpers Knee / Patellaspitzensyndrom: v.a. Laufen mit Sprungkomponenten, häufiges Stop and Go, häufige Richtungswechsel
  7. Plica-Syndrom: Overuse
  8. Morton-Neurom: Overuse
  9. Runners Knee: Hypersupination, nachrangig auch Hyperpronation, nach vorn gekipptes Becken beim Laufen, Schwäche der beckenstabilisierenden Hüftgelenkmuskulatur, Exorotation des Unterschenkels in der Spielbeinphase, weitere kniefordernde Tätigkeiten neben dem Laufen, unzureichendes Aufwärmen, Bergablaufen, Laufen auf seitlicher Neigung, Technikmängel, O-Beine, Overuse
  10. PFPS / Chondropathie patellae: Exorotation des Unterschenkels in der Spielbeinphase, Hüftendorotation
  11. PHT (Proximal Hamstring Tendinopathy): ambitionierter Langstreckenlauf, Bergauflauf, Schwächen anderer Bereiches des Bewegungsapparates
  12. Stressfraktur / Ermüdungsbruch: Overuse
  13. Sprunggelenksdistorsion (Supinationstrauma). Dies ereilt fast jeden Läufer mindestens einmal während seiner Laufkarriere. Gegen Ende des Trainings im bereits ermüdeten Zustand ist die Wahrscheinlichkeit dafür höher. Unebener Grund, laufen im Dunkeln und ein Mangel an Konzentration, etwa beim Laufen in Gruppen und mit Kommunikation, disponieren ebenfalls. Ein weiterer Faktor ist Hyperpronation bzw. ein mehr oder weniger ausgeprägter
  14. Hoffa-(Kastert-)Syndrom. im Bereich des kaudalen Patellapols und leicht kaudal angesiedelter Schmerz (vor allem Bewegungsschmerz beim weiten Strecken), der sich einschleicht, manchmal nach Überstreckung des Kniegelenks auch plötzlich auftritt. Langes Stehen und Hocken sind auslösend bzw. verstärkend. Hier liegt eine Entzündung des Hoffa-Fettkörpers vor, deren Ursachen gefunden und beseitigt werden müssen.
  15. Pes-anserinus-Syndrom. Hyperpronation ist hier disponierend. Der Schmerz kommt vor allem nach der Belastung, aufgewärmt verschwindet er meist oder fast. Am Tag nach dem Training ist er besonders ausgeprägt. Soleus, Flexor digitorum longus und Tibialis posterior sind oft durch Überlastung hart und behandlungsbedürftig.
  16. chronisches Kompartment-Syndrom: Meist ist die vordere Muskelloge betroffen, nachrangig auch die tiefe hintere. Besitzt der Tibialis posterior eine eigene Hülle, kann dieses hartäckig chronisch verlaufen.
  17. weitere Störungen, die als Bursitis, Knochenhautreizung oder Insertionstendopathie auftreten: Insertionstendopathien der Adduktoren (Meist am Ursprung, siehe Fußballerleiste), der Abduktoren (siehe auch das GTPS), eine Osteitis pubis (siehe auch hierzu die Fußballerleiste), die Apophysitis der Spina iliaca anterior inferior (Ursprung des Rectus femoris) oder im Bereich des Unterschenkels als Schienbeinkantensyndrom (medial: Knochenhautreizung oder Tendinose des Tibialis posterior, sowie lateral).
  18. Rückenschmerzen sind vor allem funktionelle Störungen im Bereich der LWS und betreffen vor allem Länfer, die kein ergänzendes Kraft- oder Athletiktraining ausführen. Ein beim Laufen nach vorn gekipptes Becken verstärkt die Neigung zu Beschwerden im LWS-Bereich massiv. Ursache kann eine zu schwache hüftextendierende Muskulatur oder zu schwache Bauchmuskulatur sein oder eine zu kontrakte Hüftbeuger oder ein Mißverhältnis zwischen den genannten. Mit zunehmender Ermüdung beim Laufen und zunehmenden Wochenkilometern steigt die Neigung zu Rückenbeschwerden. Grundsätzlich kommen auch Diskushernien vor. Auch hier gilt es zu bachten, daß Kälte und
  19. sse auch der Rückenmuskulatur zusetzen.

Im Bereich Asana kann dem obigen folgend präventiv, therapeutisch und leistungssteigernd unterstützt werden mit Haltungen zur Förderung der