pathologie: hohlfuß

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Hohlfuß (Pes cavus, pes excavatus)

Definition

manchmal angeborere, familiär gehäufte, aber meist erworbene Fehlstellung des Fußes mit überhöhtem Längsgewölbe und supiniertem (varischem) Kalkaneus (Rückfußvarus), weiter ventrale Knochen sind proniert (valgisch). Etwa 10% der Bevölkerung haben einen mehr oder weniger ausgeprägten Hohlfuß. Angeboren (genetisch bedingte Muskeldysbalance) oder erworben entstehen je nach Belastung (Ferse oder Ballen):

  1. Hochgesprengter Fuß: leicht überhöhter Spann, kaum pathogen, eher Normvariante
  2. Ballenhohlfuß: vor allem steiler 1. Strahl, beim Gehen viel Gewicht auf dessen Zehengrundgelenk, Spreizfußneigung und Klauenzehenbildung
  3. Hackenhohlfuß: besonders steil gestellter Kalkaneus, vermindertes Gewicht auf den Ballen und Zehen, dystrophische Wadenmuskulatur

Der Hohlfuß hat meist eine geringere Dämpfung, daher schlechtere Druckverteilung und erhöhte Neigung zu Schwielen, Hornhaut und schmerzhaften Druckstellen sowie zu einem veränderten Gangbild. Es besteht in der Regel eine Varusstellung des Kalkaneus (Rückfußvarus) und benachbarter Knochen, dadurch manchmal überlastungsbedingte Bandschäden im Außenfuß. Die Varusstellung des Kalkaneus führt außerdem über den darüber stehenden Talus zu einer Neigung zu Sprunggelenksarthrose im Gelenk zwischen Talus und Tibia, da die beiden Knochen nicht mehr voll artikulieren. Es zeigt sich eine eingeschränkte Beweglichkeit des OSG, Neigung zu Impingement an der ventralen kaudalen Tibia, welches zu einer Arthrose führen kann. Oft entwickelt sich durch die Vorfußbelastung ein Spreizfuß mit Druckstellen und Hühneraugen, häufig entstehen Krallenzehen (Klauenzehen) sowie eine Metatarsalgie, meist wegen intermetatarsaler Bursitis. Meist entsteht durch den relativ starren Fuß und das veränderte Gangbild eine Schwäche der Fußmuskeln und der Fibularis-Muskulatur (Fibularis brevis und Fibularis longus) bzw. deren Sehnen, die sich chronisch entzünden können, aber auch zu einer zustätzlichen (zu der Winkelfehlstellung) Instabilität des OSG führen, außerdem eine Neigung zur Plantarfasziitis, da die Plantarfaszie zu straff gespannt ist. Die 20% idiopathischen Fälle verlaufen meist mild und nicht progredient. Der Hohlfuß ist gewissermaßen das Gegenteil des KnickPlatt/-Senk-Fußes.

ICD Q66.7

Ursache

  1. angeboren, familiäre Disposition
  2. neurogen: Nervenschäden der Fußmuskeln
  3. Lähmungen: Polyneuritis, Polymyelitis epidemica; Folgen von Spina bifida bei der Geburt
  4. traumatisch: Knochen- und Gelenkschäden, vor allem von Talus oder Kalkaneus
  5. sekündär bei Muskelerkrankungen, dann oft als ersten Zeichen

Prädisponierend

  1. unsicherer Gang
  2. Neigung zum Unknicken (Supinationstrauma)
  3. Störung des das Fußlängsgewölbe stabilisierenden Systems aus Tibialis anterior und Fibularis longus
  4. Hallux valgus plus Rückfußvarus (mit oder ohne O-Bein)

Diagnose

  1. Winkel zwischen Achse des Talus und des os metatarsale I 20-40 statt 0°
  2. mindestens zwei cm angehobenes inneres Fußlängsgewölbe, in seltenen Fällen auch angehobener Außenrand
  3. Röntgen (Knochenstellung), MRT (Weichteile, Knochenödeme), neurologische Untersuchung (Innvervationsstörungen: ENG oder EMG)

Symptome

  1. Druckstellen auf Spann, Ballen und Zehen, insbesondere plantar unter den Grundgelenken, ggf. schmerzhaft
  2. kontrakte Plantarfaszie, oft Plantarfasziitis, Neigung zu Fersensporn, erhöhte Sehnenspannung, Krampfneigung, verminderte Flexibilität des Fußes in Längsrichtung
  3. Hallux valgus
  4. Spreizfuß
  5. Krallenzehen
  6. Hammerzehen
  7. Varusstellung/Supination des Kalkaneus (Rückfußvarus)
  8. Transfermetatarsalgie
  9. Fersenschmerz, Haglund-Ferse
  10. Schwäche der Fußmuskeln
  11. Belastungsschmerzhaftigkeit, v.a. unter dem Kopf des 1. und 5. os metatarsale, ggf. auch diffus im Fußwurzelbereich
  12. scheinbar „zu kurzer“ Fuß
  13. verändertes Gangbild, Gangunsicherheit, Schmerzen beim Gehen
  14. lateral abgelaufenes Verschleißbild der Schuhe
  15. meist geringe Symptomatik in jungen Jahren, die ärtzliche Vorstellung erfolgt meist eher wegen damit verbundener Fuß- oder Fersenschmerzen
  16. ggf. Drehfehlstellung im OSG, Supinationstraumata verstärken das noch
  17. Kribbeln auf dem Spann (in Schuhen)

Komplikationen

  1. wiederholte Supinationstraumata
  2. Stürze
  3. Durch Erhöhten Druck des Schuhs Reizung der Achillessehne (Achillodynie), anteriore (retromalleoläre bzw. retrokalkaneale) Bursitis und Haglundferse
  4. Verstauchungen
  5. Ausprägung eines Spreizfußes mit Krallenzehen
  6. Ermüdungsbrüche von Fußknochen, vor allem lateral
  7. konsekutive muskuläre Dysbalancenund Gelenkschäden weiter proximal, z.B. Rückenschmerzen und Bandscheibenschäden bei einseitigem Hohlfuß

Therapie

  1. Therapie der Ursachen
  2. Einlagen
  3. PT
  4. orthopädische Schuhe
  5. ggf. OP (Osteotomie, Verlegung von Sehnen, Intervention an der Plantarfaszie). Falls nötig: Arthrodese
  6. Prophylaxe: Barfußlaufen auf natürlichen, weichen Untergründen; Meiden von engen Schuhen und hohen Absätzen