pathologie: golferellbogen

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Golferellbogen(Epicondylitis ulnaris/medialis) / Werferellbogen

Definition

Von einigen Autoren wird der Werferellbogen mit dem Golferellbogen gleichgesetzt, dies ist aber nicht unbedingt korrekt, da der Werferellbogen meist als ligamentäre Instabilität am medialen Ellbogen beschrieben wird. Der Golferellbogen ist hingegen eine Insertionstendopathie (Enthesiopathie) der am Epicondylus medialis humeri entspringenden Unterarmflexoren: aseptisch-entzündlicher oder degenerativer Prozess an den Ansätzen der M. pronator teres, M. palmaris longus, M. flexor carpi ulnaris. Daraus folgt auch die unterscheliche Pronose und Therapie von Golfer- und Werferellbogen. Während der Werferellbogen konservativ kaum nachhaltig zu therapieren ist (Muskelaufbau kann die ligamentäre Insuffizienz nur unzureichend auffangen), wird der Golferellbogen, vor allem in akuten Fällen (weniger als 6 Monate) fast nur konservativ kuriert. Der Golferellbogen ist ein nicht selten vorkommendes Overuse-Syndrom. Anfangs Verquellung des Bindegewebes, später Sehnenumbau mit Kollagenumbau, Vermehrung der Zellen und Anreicherung inbes. von Substanz P, einem schmerzvermittelnden Neurotransmitter und Prostaglandin E2, einem u.a. die nozizeptiven Nervenendigungen sensibilisierenden Stoff. Ist das Akutgeschehen noch leicht reversibel, kann sich bei Chronifizierung ein selbstverstärkender Teufelskreis aus Schmerz, Fehlbelastung, Gewebeveränderung bilden, der auch zu Ruhe- und Nachtschmerz führen kann. Im Unterschied zu RSI sind hier etwas weniger häufige aber deutlich schwerere Bewegungen auslösend – bei RSI können dies sein: Tippen auf Tastatur oder Handy, Klicken der Maus .. Gipfel 35-50. Lj.

ICD M77.1

Ursache

  1. länger andauernder Druck (Ellbogen aufstützen) erzeugen Mikroläsionen und Entzündungsgeschehen
  2. mechanische Auslösung: muskuläre Überbelastung erzeugt Mikroläsionen, z.B. bei Golfern oder häufig Handwerkern, bei Sport auch: fehlerhafte Technik

Prädisponierend

  1. unzureichender Trainings- und Dehnungszustand
  2. häufiges festes Zufassen, häufige Eindrehbewegungen des Unterarms unter Last
  3. racket sports (Schlägersportarten) insbes. mit Technikfehlern, Klettern, verschiedene handwerkliche Tätigkeiten, körperliche Arbeiten wie z.B. Straßenbau, Handwerker, Mechaniker
  4. Seitenschlaf mit stark gebeugtem Arm als Kopfstütze

Diagnose

  1. Anamnese
  2. Palpation: Verhärtung, Hypertonus, lokale Druckschmerzhaftigkeit
  3. vermehrte/frühere Dehnungsschmerzhaftigkeit bei Dorsalflexion der Hand und Finger
  4. meist kann die Diagnose aufgrund Anamnese und Untersuchung gestellt werden
  5. ggf. Röntgen zum Ausschluß von Frakturfolgen; zeigt im chronischen Stadium evtl. Verkalkungsherde an der Sehne; ggf. Sono: zeigt Schwellung; ggf. MRT
  6. Tests und Zeichen: umgekehrter Cozen-Test, Medial-Epicondylitis-Test, Pronation des Unterarms gegen Widerstand, Palmarflexion des Handgelenk gegen Widerstand, Heben schwerer Gegenstände im Untergriff, Ellbogenstrecken in Supination bei passiv dorsalflextiertem Handgelenk

Symptome

  1. stechende Ellbogenschmerzen an der Innenseite, die sich bei Faustschluss und (palmarer) Beugung (besonders gegen Widerstand) im Handgelenk verstärken sowie beim Heben, evtl. ausstrahlend, v.a. in den Unterarm
  2. Druckschmerzhaftigkeit des Epicondylus
  3. möglicherweise geringe Schwellung
  4. schmerzhafte Kraftminderung der betroffenen Muskulatur

Komplikationen

  1. Kubitaltunnelsyndrom (auch: „Sulcus ulnaris-Syndrom“, Nervenwurzelkompressionssyndrom des N. ulnaris im sulcus ulnaris)
  2. Chronifizierung mit Ruhe- und Nachtschmerz und starkem Schmerz bei kleinen Auslösern

Therapie

  1. kurzfristige Ruhigstellung (langfristige kann Rezidivfördernd sein), Abbruch/Vermeidung der auslösenden Belastung
  2. ggf. Lokalanästesie
  3. ggf. lokale Kortisoninfiltration
  4. Injektionen mit körpereigenen Wachstumshormonen oder Botox
  5. Querfriktionen
  6. NSAR
  7. Elektrotherapie (TENS: transcutane elektrische NervenStimulation)
  8. Kryotherapie
  9. extrakorporale Stoßwellentherapie
  10. Dehnung (wichtig !)
  11. Physiotherapie nach weitgehendem Abklingen der akuten Schmerzen
  12. im Akutstadium Kühlen (Eis nicht direkt auf die Haut !)), später Wärmen der Muskulatur
  13. Epicondylitisspange
  14. Bei Ruhigstellung: Ellbogen aussparen !
  15. selten: OP (Querinzision, Längsinzision, Denervation), neuerdings auch mit Anbohren des Knochens bis ins Mark zwecks Einwanderung von Stammzellen in die Heilungszone
  16. die Kombination mehrerer Therapien ist i.d.R. erfolgreicher als die Einzeltherapie
  17. Dauertherapie/Prävention: Dehnung der Flexoren
  18. präventiv/rezidivprophylaktisch: vor Belastung dehnen, nach Belastung mit Eis kühlen; Bei Sport: Technik optimieren; Heben wo möglich vermehrt mit Obergriff (Vorsicht: Epicondylitis humeri radialis-Gefahr !)

NHK

  1. Akupunktur
  2. Massage (Querfriktion)
  3. Blutegeltherapie
  4. Kinesiotaping
  5. Homöopathie: Arnica, Ruta, Bryonia u.a.

DD

  1. Bursitis
  2. Arthrose
  3. Tumoren
  4. Zervikalsyndrom
  5. Fibromyalgie
  6. Supinatorlogen-Syndrom, Druckschmerzen in der Ellbeuge mehr radialseitig (Kompressionssyndrom des N. radialis)
  7. Pronator-teres-Syndrom, Druckschmerzen in der Ellbeuge mehr ulnar (Kompressionssyndrom des N. medianus).

Asana-Praxis

Wie bei allen Insertionstendopathie muß hier darauf geachtet werden, daß der Schmerz nicht ausgelöst wird, da jegliche Auslösung des Schmerzes den Heilungsprozeß stört und damit geeignet ist, das Schmerzphänomen zu erhalten. Eine intensiv mit den Armen arbeitende Hundestellung Kopf nach oben oder Hundestellung Kopf nach unten sowie deren Übergänge wären im allgemeinen sehr geeignete Auslöser. Daher dürfen die Palmarflexoren des Handgelenks und die Fingerflexoren nicht dafür benutzt werden, den Körper nach hinten zu drücken. Dies gilt für viele andere Haltungen analog: das, was sonst erwünscht ist, nämlich Stabilität und Intensität der Haltung aus der Unterarmmuskulatur zu schaffen und deren möglichst vollständige Arbeit zu erreichen, muß hier gemieden werden, da sie bzw. ihre Insertion dazu zu vulnerabel ist.

Auch die vollständige Pronation des Arms muß möglicherweise gemieden werden. Stattdessen sollten besser funktionale Kräftigungen ausgeführt werden, die gut skalierbar sind. Das sind vor allem verschiedene Übungen mit Kurzhanteln wie Bizepscurls oder Palmarflexion. Ergänzend muß geprüft werden, wie der Dehnungszustand und Tonus der angesprochenen Muskeln ist, dazu eignen sich die Unterarmdehnung palmar und die Unterarmdehnung palmar in upavista konasana hervorragend. Bei ersterer ist das Ellbogengelenks gebeugt und wird im Verlauf der Ausführung weiter gebeugt, bei der zweiten ist es durchgehend gestreckt, was eine intensivere Ausführung erlaubt, da die angesprochenen Muskeln proximal des Ellbogengelenks am medialen Epicondylus des Humerus (daher der Name) ansetzen, dessen Position also relevant für das Ausmaß der Dehnung ist. Dabei sollte bzgl. der Insertion am am Epicondylus nur bis an die Schmerzgrenze herangegangen werden, die Muskulaturköpfe selbst dürfen selbstverständlich intensive Dehnungsempfindung melden. Zeigt es sich, daß in den beiden Haltungen der Schmerz am Epicondylus bei Ausführung mit gebeugten Fingern (Handfläche auf einem Klotz, Finger frei) in einer größeren Winkel der Dorsalflexion des Handgelenks auftritt, so ist dies ein Zeichen dafür, daß der der M. flexor carpi ulnaris maßgeblich verantwortlich (wenn auch nicht notwendigerweise allein) ist für die Schmerzphänomen.

Armbalancen, deren Stabilität sowohl bei korrekter Ausführung ohne „Mauselöcher“ als auch bei inkorrekter Ausführung von den Fingerbeugern abhängt, sollte gemieden werden, solange die Epicondylitis besteht. Der angelehnte Handstand und der rechtwinklige Handstand können problemlos ausgeführt werden, wenn die betroffene Muskulatur nicht eingesetzt wird. Im Falle des Handstandaufschwungs gehört sie allerdings zu den wichtigen Muskeln, die die Bewegung der Schulter zur Wand hin begrenzen. Für weniger Geübte dürfte der Handstand daher nicht geeignet sein, da es sehr schwierig sein dürfte ein Maß des Einsatzes der betroffenen Muskulatur zu finden, die es erlaubt, die Bewegung der Schulter zur Wand hin hinreichend zu begrenzen und andererseits den Epicondylitis-Schmerz nicht auszulösen. Der Ellbogenstand hingegen ist problemlos und uneingeschränkt ausführbar. Schwierig werden die ardha vasisthasana und vasisthasana, da die Stabilität maßgeblich von der betroffenen Muskulatur abhängt. Beide Haltungen, die vasisthasana selbst noch mehr, müssen vermutlich längere Zeit gemieden werden.

Asanas

  1. Unterarmdehnung palmar
  2. Unterarmdehnung palmar in upavista konasana