pathologie: werferellbogen

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Definition

Überlastungschaden des ulnaren (medialen) Kollateralbandes des Ellbogengelenks durch wiederholte intensive Wurfbewegungen. Dies ist eine typische Sportverletzung, betroffen sind vor allem Pitcher beim Baseball, aber auch von American Football, Volleyball, Tennis und Speerwerfen ist die Verletzung bekannt. Die Beschleunigung des Arms zum Wurf besteht aus einer Ausholbewegung, der eigentlichen Wurfbewegung und dem Abstoppen. Vor allem im Übergang vom nach dorsal gerichteten Ausholen zum nach ventral gerichteten Wurf kommt es zu einer großen Belastung auf dem Lig. collaterale ulnare (MCL), da die trunkohumerale und skapulohumerale Muskulatur den Oberarm aus einer Bewegung nach hinten in eine Bewegung nach vorn und aus einer Exorotation in eine Endorotation umkehrt und der Unterarm mit seiner Massenträgheit und dem geworfenen Gegenstand der Bewegung des Oberarms erst verzögert folgt.
Für das Lig. collaterale ulnare wird eine Belastbarkeit angegeben, die nur einem Valgusmoment von ungefähr 33 Nm entspricht, in den Sportarten treten aber Drehmomente bzw. Impulse von teils über 60 Nm auf. Für den medialen Ellbogen werden Scherkräfte bis 300 N berechnet, für den lateralen Ellbogen Kompressionen von bis zu 500 N. Die Muskulatur wie die Handgelenkpalmarflexoren, Fingerbeuger und der Pronator teres fangen dies nur unzureichend auf, so daß über die Zeit eine ligamentäre Insuffizienz des MCL mit Medial Gapping, also Aufklappbarkeit in Valgusrichtung entsteht. Dies wiederum beeinträchtigt die Kraftverteilung im Gelenk und kann zu Arthrose mit Bildung von Osteophyten führen. Auch kann der N. ulnaris durch das Medial Gapping betroffen sein. Die Entwicklung eines Golferellbogens durch die für die Kompensation aquirierten am medialen Epicondylus entspringenden Unterarmmuskeln ist ebenfalls möglich. Als weitere Komplikationen können freie Gelenkkörper entstehen und ggf. durch die laterale Kompression auch radiocapitellare osteochondrale Läsionen entstehen. Desweiteren ist eine mediale Apophysitis am medialen Epicondylus (94% in einer Studie) möglich, genauso wie bei wiederholten kraftvollen Hyperextensionen des Ellbogengelenks Ostophytenbildung am Olecranon und Stressfrakturen des Olecranon.
Es zeigt sich, daß Technikänderungen beim Wurf das Problem nicht unbedingt lösen können, da sie den Streß nur reduzieren können, der Faktor Repetition aber also wichtige verursachende Komponente verbleibt.

Werfer entwickeln zusammen mit dem Werferellbogen oft Veränderungen im Schultergelenk wie vermehrte Exorotation wegen Laxizität der Gelenkkapsel und verminderte Endorotation durch ossäre Anpassungen und Verdickung der dorsalen Gelenkkapsel.

Ursache

  1. Wiederholte intensive Wurfbewegungen

Prädisponierend

  1. vorhandene Valgusinstabilität

Diagnose

  1. Tests und Zeichen: Valgus Stress Test, Milking Maneuver, Moving Valgus Stress Test

Symptome

  1. zu Beginn asymptomatisch
  2. Schmerzen bei Würfen am Innenellbogen
  3. Instabilität mit Medial Gapping, teilweise asymptomatisch

Komplikationen

  1. Golferellbogen
  2. lateral betonte Arthrose des Ellbogengelenks
  3. Irritation des N. ulnaris
  4. freie Gelenkkörper
  5. Traktionsapophysitis
  6. radiocapitellare, osteochondrale Läsionen
  7. Osteophytenbildung am Olecranon

Therapie

  1. Belastungsreduktion

Externe Links:

https://www.germanjournalsportsmedicine.com/fileadmin/content/archiv2017/Heft_10/Uebersicht_Nietschke_Ellenbogeninstabilitaeten_10-2017.pdf
https://www.drronakpatel.com/wp-content/uploads/2023/01/17-The-Thrower_s-Elbow.pdf