bewegungsphysiologie: schwimmen

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Bereits vor 5000 Jahren in Ägypten belegte Fortbewegungsform, bei der zyklisch mit Armen und Beinen Vortrieb erzeugt wird. Dazu gibt es mehrere Schwimmstile, hauptsächlich Brustschwimmen, Delphinschwimmen, Rückenschwimmen und Kraulschwimmen. Schwimmen gilt vielen als gut langzeitverträgliche Sportart, jedoch kommen Traumata durch Kontakt mit anderen Schwimmenden oder etwa einem Beckenrand nicht selten vor. Aber auch atraumatische Schäden wie die Schwimmerschulter kommen gehäuft vor. Je nach Intensität und Dauer der Ausübung liegt die Quote bei bis zu 66% bei Hochleistungsschwimmern, die pro Jahr bis zu 750.000 Armzüge absolvieren. Vor allem Rücken- und Kraulschwimmer sind davon betroffen. Zum Spektrum des Störungsbild der Schwimmerschulter gehören:

Die zweite nach dem Schultergelenk am häufigsten betroffene Region ist das Kniegelenk, das vor allem unter häufigerem Brustschwimmen leidet, da die Adduktion der Beine mit der schwunghaften Endorotation der Unterschenkel (siehe unten) aus einer weit exorotierten Stellung, aus der 70% des Vortriebs kommt, eine Belastung des inneren Kollateralbandes darstellt. Schließlich werden die Unterschenkel gegen den Wasserwiderstand aus der nicht gerade geringen Kraft der Adduktoren nach innen geführt und erzeugen dabei ein Valgusmoment, welches das Innenband auffangen muß. Zudem erfolgt im Sinne der richtigen Technik eine ständige Rotation des Unterschenkels im Kniegelenk. Dieser wird nach anfänglichem Beugen des Kniegelenks ausgedreht, um ihn dann in einer möglichst explosionsartigen Kombinationsbewegung aus Endorotation des Unterschenkels bis zur Nullrotation, Streckung des Kniegelenks und Adduktion des Beins im Hüftgelenk wieder in die Ausgangsposition zu bringen. Die ständige schwungvolle Endorotation im Kniegelenk bei Varusstreß durch Adduktion im Hüftgelenk wegen des Wasserwiderstandes während das Kniegelenken gestreckt wird, ist an sich eine mißliche Konstruktion. Auf einem festen Medium oder in einem flüssigen Medium mit höherer Viskosität würde man wohl niemals auf die Idee kommen, diese Bewegungen gleichzeitig gegen Widerstand auszuführen. Der Widerstand des Wassers wird hier also unterschätzt. Zu der Belastung der Strukturen des Innenknies, zu dem auch das distale Ende des medialen Kolalteralbandes zählt, kommt noch die Entwicklung eines relativen Hypertonus der den Unterschenkel eindrehenden inneren Ischiocruralen Gruppe, die mit ihrem gespannten Gracilis ein
Varusmoment im Kniegelenk erzeugt und zu der Entwicklung von O-Beinen neigt. Würde der Tonus der Ischiocruralen Gruppe deutlich höher als der des Bizeps femoris, würde sich daraus eine Patelladyskinesie entwickeln.

Die Knietik des Kniegelenks beim Brustschwimmen belastet vor allem die distale Insertion des medialen Kolalteralbandes an der Tibia und die Kapsel. Patellare Fehlstellungen und Beinachsenfehlstellungen wie X-Beine und O-Beine können die Situation erschweren. Recht regelmäßig resultieren muskuläre Dysbalancen in der unteren Extremität, die mit speziellem Training ausgeglichen werden müssen, ohne daß dies die prolematische Situation des Kniegelenks komplett beseitigen könnte. Wird das Kniegelenk bei der Adduktion inkomplett gestreckt, wird das mediale Retinakulum der Patella übermäßig belastet, genauso wie bei übermäßigem Beinschlagtraining (Overuse) oder Einsatz von Flossen. Kleinere Becken mit vermehrten Starts oder Wenden erschweren die Situation für die Knieglenke.

Neben dem prädominanten Problembereich Kniegelenk ist auch die LWS-Region mit 20% bei Hochleistungsschwimmern auffällig. Delphin- und Brustschwimmer sind hier besonders disponiert, da sie zur Einatmung in die Hyperlordose gehen müssen. Streng genommen besteht hier keine bewegungsphysiologischer Zwang zur Hyperlordose der LWS, jedoch läßt sich in einem derart züzigen Bewegungsablauf keine Extension von HWS und BWS ausführen ohne Autochthone Muskulatur mitzubenutzen, die die LWS hyperlordosiert. Beim Delphin- und Brustschwimmen entsteht ebenfalls eine Hyperlordose, da die Arme zwecks geringerem Widerstand in der Bewegung nach vorn (kranial) aus dem Wasser gehoben werden müssen. Daher hatten in einer Studie 50% der Hochleistungsschwimmer radiologisch nachweisbare Veränderungen der WS. Ist die Autochthone Muskulatur von Delphin- und Brustschwimmern schwach, verschärft dies die Situation und führt umso eher zu ihrem Hypertonus.

Im Bereich Asana kann dem obigen folgend unterstützt werden mit Haltungen zur Förderung der