pathologie: tennisellbogen

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Epicondylitis humeri lateralis/radialis / Epicondylitis humeri lateralis / Tennisellbogen / Tennisarm

Definition

schmerzhafte Insertionstendopathie an den Muskelursprüngen der Handgelenkdorsalflexoren und Fingerstrecker am lateralen Epicondylus humeri. Insofern ist der Begriff Epicondylitis irreführend, weil in der Regel weniger die entzündliche (betriff nicht die Sehne sondern ist peritendinös) als die durch eine Folge von Mikrotraumata verursachte degenerative Komponente prominiert, weshalb manche Autoren von einer Epiconylopathia sprechen. Wie häufig, spricht man ab 6 Monaten von einem chronischen Verlauf. Der Tennisarm ist ein klassisches, häufig vorkommendes Overuse-Syndrom und entsteht durch kummulative Belastung, möglicherweise mit neurologischer Irritation und metabolischen Veränderungen: Überlastung der Muskeln führt zu Übersäurung bis zum Muskelhartspann (wie eine Dauerkontraktur) mit Folge der Überreizung der Sehnen und Knochenhaut und intratendinösen Nekrosen. Die am meisten betroffenen Muskeln sind Extensor carpi radialis brevis und Extensor communis. Meist ist die Epicondylitis selbstlimitierend, die akute Phase beträgt meist 6-12 Wochen. Rezidive sind nicht selten und verschlechtern die Prognose, zumal wenn belastende Faktoren nicht abgebaut werden können. Ebenfalls prognoseverschlechternd sind starke Schmerzen, Andauern der Schmerzen für mehr als 3 Monate und Depression. Pathophysiologisch bleibt die Sehnenheilung nach Belastung aus, eine angiofibroplatische Hyperplasie stellt sich ein. Die Gefahr einer Calcifizierung besteht ebenfalls.

ICD M77.0

Ursache

  1. Überbelastung, z.B. durch Tennis, mechanische Arbeiten (Fließbandproduktion), intensives Spielen eines Musikinstruments, Hausarbeit, früher auch bei Stenotypistinnen
  2. Fluorchinolon-Antibiotika (haben tendotoxische Wirkung)

Prädisponierend

– Verhalten des Bewegungsapparates

  1. verschiedene Sportarten wie Ruder, Tennis, andere Racketsports
  2. verschiedene Musikinstrumente wie Geige
  3. intensive Benutzung der Computermaus
  4. repetitive Bewegungsabläufe ab 2 h / d oder ab 20 kg

– andere gesundheitliche Faktoren

  1. Alter (über vor allem 45)
  2. Rauchen
  3. Übergewicht

Diagnose

  1. Hypertonus der Strecker
  2. lokaler Druckschmerz
  3. Tests und Zeichen: Thomsen-Test, Mill-Test, Cozen-Test, Maudsley-Test, Bowden-Test, Chair-Test

Symptome

  1. Anfangs nur Belastungsschmerzhaftigkeit, Dehnungsschmerzhaftigkeit später möglicherweise auch Bewegungs- oder Ruheschmerz
  2. Druckschmerz im Bereich der betroffenen Epicondyli
  3. schmerzhafter Händedruck
  4. schmerzhafte Krafteinschränkung
  5. Schmerz bei Anspannung oder Dehnung des Streckapparates des Handgelenks oder der Finger, v.a. bei aktiver Supination, Überstreckung der Finger, Dorsalflexion der Hand

Therapie

  1. Ruhigstellung (nicht den Ellbogen !)
  2. ggf. Injektion von Lokalanästetika
  3. lokale Kostisoninfiltration
  4. ggf. Analgetika, Antiphlogistika
  5. Reizstromtherapie
  6. Homöopathie, Traumeel
  7. im Akutstadium Kühlen
  8. später wärmen
  9. Dehnen
  10. progressive Kräftigungstherapie mit Schmerzvermeidung
  11. Querfriktion
  12. Epicondylitis-Spange, Taping
  13. Taping
  14. Therapiedauer ca 4 Monate
  15. Dauertherapie/Prävention: Erhaltung der Dehnfähigkeit der palmaren Handgelenkdorsalflexoren und Fingerstrecker

Asana-Praxis

Beim Tennisellbogen bestehen deutlich weniger Einschränkungen für die asanas als beim Golferellbogen. Es muß vor allem darauf geachtet werden, daß weite Dorsalflexionen des Handgelenks nicht schmerzhaft sind. Dies wird vor allem in Kombination mit Supination des Arms auftreten, weniger in Pronation. Typische Haltungen, in denen der Schmerz auftreten kann, sind also

  1. purvottanasana
  2. Schulterstand
  3. setu bandha sarvangasana
  4. urdhva dhanurasana mit nach hinten gedrehten Händen

In einigen Fällen wird der Schmerz weniger oder verschwindet, wenn die antagonistischen Palmarflexoren und Fingerbeuger intensiver arbeiten. In der Regel werden sich vor allem die Fingerstrecker als schmerzauslösend erweisen. Das kann gestetet werden, in dem in der Unterarmdehnung dorsal der Faustschluß gelöst wird. Verschwindet dann nicht nur die Dehnung der Unterarmmuskulatur, sondern auch der Epicondylitis-Schmerz, so sind die Fingerstrecker auf jeden Fall mit am Schmerzgeschehen beteiligt. Nach gelöstem Faustschluß läßt sich das Handgelenk in der Regel weiter nach dorsal flektieren. Tritt dann nicht nur Dehnung, sondern auch der Epicondylitis-Schmerz wieder auf, so sind auch reine Dorsalflexoren des Handgelenks am Schmerzgeschehen beteiligt. Zusätzlich zur Dehnung der Dorsalflexoren und Fingerstrecker sollten diese auch gekräftigt werden, möglichst wieder ohne Schmerzauslösung, also mit hinreichend kleinem Gewicht oder mit mittlerem Gewicht nur bis vor den Punkt der Schmerzauslösung. In beiden Fällen sind hohe Wiederholungszahlen indiziert. Analog dem Golferellbogen bieten sich auch hier funktionale Kräftigungen mit Kurzhantel als bzgl. ROM und an Krafteinsatz hervorragend skalierbare Übungen an.

Asanas

Unterarmdehnung dorsal