pathologie: schwimmerschulter (swimmer’s shoulder)

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Definition

Syndrom von Störungen im Schulterbereich, welches durch die Schwimmstile mit Überkopfbewegung der Arme entsteht: Kraulen, Delphin, Rückenschwimmen. Es handelt sich in der Regel nicht um ein Akutgeschehen, sondern um chronische Veränderungen. Grundsätzlich werden alle Störungen der Muskeln und ihrer Sehnen, der Bänder, Schleimbeutel und Knochen des Schultergelenks als Schwimmerschulter bezeichnet, die in Verbindung mit regelmäßiger Ausübung dieses Sports stehen, immerhin absolviert ein Leistungsschwimmer pro Jahr in Training und Wetttbewerb zwischen 500.000 und 800.00 Armzyklen. Ein Übergewicht der Endorotatoren bei zu schwachen Exorotatoren und der Adduktoren gegenüber den Abduktoren des Schultergelenks sowie eine Impingement-Neigung gehören häufig zum Störungsbild, Kraulen und Delphin sind die wichtigsten Auslöser. Grundsätzlich sind Leistungsschwimmer stärker/häufiger betroffen als Freizeitsportler, da das Auftreten des Störungsbildes von den erworbenen Kräften und Dysbalancen abhängt. Beide Geschlechter trifft es etwa gleich häufig. Das Störungsbild ähnelt den Störungen, die andere Menschen erwerben, die viel überkopf arbeiten. Dabei ist in beiden Fällen die Seite des dominanten Arms häufiger und meist zuerst betroffen. Die auftretenden Schmerzen sind anfangs (Stadium 1) nur nach dem Schwimmen zu spüren, in Stadium 2 während und nach dem Schwimmen. In Stadium 3 ist er beim Schwimmen so ausgeprägt, daß er die Leistungsentfaltung beeinträchtigt. In Stadium 4 ist die Leistungserbringung schmerzbedingt nicht mehr möglich.
30-50% aller Leistungsschwimmer und Triathleten sind mindestens vom Erstauftreten betroffen. In einer Studie unter Leistungsschwimmern hatten 100% der Teilnehmenden, die mindestens 60 Wochenkilometer bzw. 20 Stunden Schwimmen absolvierten, Probleme mit der Supraspinatussehne.

Ursache

  1. umfangreichere Ausübung des Schwimmsports, v.a. in den Disziplinen, Kraulen, Delphin, Butterfly, Rückenschwimmen

Prädisponierend

  1. Technikmängel
  2. zu rasche Steigerung der Leistungsanforderung oder des Trainingsumfangs
  3. mangelndes Ausgleichstraining
  4. präexistente muskuläre Dysbalancen, insbesondere Übergewicht der Endorotatoren
  5. ligamentäre oder muskuläre Instabilität des Schultergelenks
  6. Einsatz von Paddles, je größer desto mehr

Diagnose

  1. Bei Verdacht auf SLAP-Läsion: MRT

Symptome

  1. subakromiale Geschehen wie primäres und sekundäres Impingement (meist inneres)
  2. Dysbalancen mit verkürzten Endorotatoren bei minder suffizienten Exorotatoren, was ebenfalls zum Impingement-Syndrom disponiert
  3. HWS-Störungen, die aus zwei Gründen entstehen können, einerseits durch den in Reklination gehaltenen Kopf beim Brustschwimmen, andererseits durch den iterierten Zug des Trapezius pars descendens an der HWS
  4. Insertionstendopathie des Trapezius, vor allem an der Clavicula
  5. Reizung der Sehnen des Supraspinatus, nachrangig auch des Infraspinatus und Teres Major

Komplikationen

  1. Rezidiv, vor allem bei Wiederaufnahme intensiven Trainings oder Vernachlässigung des Ausgleichstrainings
  2. Überdehnung der Gelenkkapsel des Schultergelenks und der Ligamenta glenohumeralia mit Folge der Instabilität des Schultergelenks und Labrumschäden bis zu Einriß oder Abscherung. SLAP-Läsion
  3. Bursitiden
  4. Tendinits des Supraspinatus
  5. Subluxtionsneigung
  6. Anrisse von Muskeln der Rotatorenmanschette

Therapie

In der Regel konservativ, nur bei Versagen der konservativen Therapie wird versucht, den subakromialen Raum operativ zu vergrößern und ggf. andre vorhandene Störungen zu sanieren.

  1. Je nach Ausmaß der Störung Karenz, Reduktion oder Anpassung des Trainings
  2. Aufarbeiten der muskulären Dysbalancen, entsprechendes Kräftigungstraining (vor allem Deltoideus pars spinalis, Teres minor, Infraspinatus) und Dehnungstraining (vor allem Endorotatoren)
  3. ggf. NSAR
  4. ggf. lokale Infiltrationen (Lokalanästhetika, Cortison)
  5. rezidivprophylaktisch: Begrenzung des Paddletrainings auf 20% des Trainingsumfangs und Umgewichtung des Krafttrainings: weniger Kräftigung der endorotierenden Muskeln (auch des Leistungserbringers Pectoralis major) und verstärktes Training der exorotierenden Antagonisten, zusätzlich Dehnungstraining
  6. bei Versagen konservativer Therapie Arthroskopie mit ggf. Straffung der Kapsel, Sanierung des Labrums

Zur Biomechanik des Schwimmens siehe auch diesen Artikel auf Sportaerzte.com