pathologie: gewichtheberschulter / distale klavikulaosteolyse / atraumatic osteolysis of distal clavicle, AODC, distal clavicle osteolysis, DCO, stress-induced osteolysis, clavicular osteolysis

yogabuch / pathologie / gewichtheberschulter

Definition

Die Gewichtheberschulter ist eine eher seltene Überlastungsverletzung des Akromioklavikulargelenks, die vor allem Schweratlethen bzw. Gewichthebern betrifft. Die Bandscheibe im Gelenk verschleißt, später auch der Knorpel. Danach setzt eine mechanisch induzierte Entzündung der aufeinander reibenden Knochen ein und schließlich eine Osteolyse/Knochennekrose. Das ACG gilt aufgrund der inkongruenten Gelenkflächen und der dreidimensionalen Bewegung, die von einer Bankscheibe gepuffert wird, als wenig robust. Die Stabilität erhält es vor allem von der Kapsel und den Bändern. Als auslösende Bewegungen werden Transversaladduktion, laterale Adduktion, Endorotation und Frontalabduktion angegeben, explizit Bankdrücken und überkopfdrücken von Gewichten, aber auch Volleyball, Basketball, Tennis, und Schwimmen kommen als Auslöser in Frage. Es werden zwei Formen unterschieden:

  1. posttraumatisch: traumatisch bedingte subchondrale Frakturen führen Wochen bis Jahre später zur Osteolyse
  2. atraumatisch: repetitive Mikrotraumata durch iteriertes intensives Training können zu Ermüdungsfrakturen führen

In beiden Fällen werden verschiedene pathogenetische Faktoren angenommen wie leichte chronische Instabilitäten oder insuffiziente operative Versorgung, eine posttraumatische Synovialitis oder autonome Dysfunktionen. Es sind metaplastische Knochenformationen zu finden und erhöhte Osteoklasten- und Osteoblastenaktivität. Die Störung entwickelt sich mit unterschiedlicher Geschwindigkeit von subchondralen Veränderungen und Zysten bis zur manifesten Osteolyse und gilt als selbstlimitierend. Betroffen sind vor allem junge Menschen, wobei die Störung grundsätzlich in jedem Alter auftreten kann. Mit dem sich ändernden Sportverhalten sind heutezutage zunehmend mehr Frauen betroffen als in früheren Zeiten, als diese Störung fast ausschließlich junge männliche Athleten betraf. In der Anamnese finden sich nicht selten Phasen der ausgesetzten sportlichen Ttätigkeit, die Besserung der Symptome gebracht haben. In der MRT ist sie erst 4 Wochen nach dem Trauma zu sehen. Die Symptomatik der Störung ist eher moderat, die Schmerzen sind nicht besonders ausgeprägt, palpatorisch sind Krepitationen wahrnehmbar und die Beweglichkeit im ACG ist vermindert. Regelmäßig ist eine Druckschmerzhaftigkeit über dem ACG gegeben, zuweilen eine schmerzbedingte Einschränkung des Krafteinsatzes. Bewegungsscheinschränkungen müssen nicht bestehen. Häufig sind moderate Haltungen und Bewegungen des Arms schmerzfrei, insbesondere wenn weite Endorotation und weite Lateralabduktion sowie Frontalabduktion vermieden werden.

Ursachen

  1. Overuse bei Bewegungen, die das ACG belasten
  2. traumatisch

Prädisponierend

  1. intensiv ausgeübter Kraftsport
  2. Gewichtheben
  3. Volleyball, Basketball, Tennis, Schwimmen

Diagnose

  1. Das Röntgen ist im Frühstadium noch unauffällig, die MRT zeigt die Störung wesentlich früher an. Bei längerem Bestehen ist ein etwa 0,5 bis 3 cm breiter Streifen der Clavicula betroffen.
  2. Tests und Zeichen: Hawkins-Test, Scarf-Test
  3. MRT, Ultraschall
  4. testweise intraartiklär verabreichte Kortikoidinjektionen muß den Schmerz verbessern

Symptome

  1. Druckschmerzhaftigkeit des ACG
  2. Belastungsschmerzhaftigkeit des ACG vor allem bei Gelenkpositionen weitab von Anatomisch Null
  3. ggf. schmerzlose, meist aber schmerzhafte Bewegungseinschränkungen

Therapie

  1. typischerweise konservativ, in einer Studie war sie konservative Therapie in 93% erfolgreich
  2. von Belastungsreduktion bis Immobilisierung
  3. ggf. NSAR
  4. Herstellen einer gute Mobilität des Schultergelenks und Kraft der Rotatorenmanschette bei zusätzlichen Schulterpathologien
  5. Technikänderungen wie ein Mindestabstand von 4-6 cm über der Brust und die Begrenzung des Handabstands auf das 1,5-fache des Acromionabstands beim Bankdrücken
  6. Botulinum-Injektionen als Schmerztherapie
  7. ggf. offene oder arthroskopische OP. Die operativen Interventionen können schnelleres RTS ermöglichen
  8. die verursachende Tätigkeit muß möglicherweise dauerhaft eingestellt werden

Komplikationen

  1. ACGArthrose