pathologie: hoffa-syndrom

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Hoffa (-Kastert) Syndrom (Infrapatellar Fat Pad Syndrome, Hoffaitis)

Definition

partielle Einklemmung (Impingement) des hypertrophierten infrapatellaren intracapsulären extrasynovialen Hoffa‘schen Fettkörpers, der ventral subpatellar vor dem Gelenkspalt liegt. Kastert hat gezeigt, dass Fettkörperveränderungen fast immer sekundär mit einem (häufig traumatischen) oft entzündlichen Knieschaden vergesellschaftet sind. Wichtige primäre Ursachen: Meniskusschaden, Arthritis, iatrogen (Arthroskopie). Neben Entzündung des Hoffa-Körpers sind Verhärtung, Verkalkung und Verklebung mit umliegendem Gewebe möglich. Der Fettkörper ist gut durchblutet und reich an Nervenzellen, was ihn zum schmerzsensibelsten Teil des Kniebereichs macht. Bei Fortbestand des verursachenden Schadens kann der Fetttkörper verhärten, später auch teilweise calcifizieren.

ICD M79.4

Ursache

  1. Traumatisch
  2. Kniebinnenschäden
  3. Infektionen
  4. Overuse, Fehlbelastungen
  5. Distorsion mit Einblutung und Hämarthros

Prädisponierend

  1. Kniebinnenschäden: Meniskusschaden, Arthritis, iatrogen (Arthroskopie)
  2. Bandschwächen wie bei genu recurvatum
  3. Patelladysplasie
  4. sekundär bei Meniskusschaden, Kreuzbandschäden

Diagnose

Tests und Zeichen müssen im Seitenvergleich ausgeführt werden. Wegen der hohen Nozizeptorendichte können einige Zeichen auch auf der gesunden Seite leicht positiv sein.

  1. eher klinisch als mit Bildgebung. Weiche bis derbe druckschmerzhafte Verdickung medial und lateral des lig. Patellae.
  2. Tests und Zeichen: Hoffa-Test, Bounce-Test (passive Hyperextension des Knie zeigt Schmerz); mediale und laterale joint line tenderness (ähnlich Meniskusbeschwerden), Druckschmerzhaftigkeit beiderseits des Lig. patellae
  3. Röntgen zeigt ggf. Calcifizierung
  4. MRT sichert die Diagnose

Symptome

  1. Auftreten der Symptome spontan oder nach Knietrauma (85%, allerdings oft anamnestisch nicht mehr erhebbar)
  2. Schwellung um die Patellarsehne
  3. Bewegungs- und Druckschmerz am unteren Patellapol subpattellar oder retropatellar. Der Druckschmerz kann bei gebeugtem Kniegelenk geringer (oder verschwunden) sein als bei voll gestrecktem.
  4. Beweglichkeitseinschränkung (weicher als bei Meniskuseinklemmung) vor allem bei Beugung
  5. schmerzhafte endgradige Streckung des Knies
  6. Spannungsgefühl bei Flexion des Knies
  7. Anstrengung/Training verschlechtert
  8. ggf. leicht angehobener kaudaler Patellapol
  9. bei Einklemmungen von hypertrophen Zotten des Fettkörpers: blutiger Gelenkerguss
  10. schmerzbedingtes blitzartiges Einknicken des Kniegelenkes (Giving-Way-Phänomen) bei Einklemmungsphänomenen
  11. Krepitationen
  12. Belastungsschmerzhaftigkeit, z.B. beim Treppensteigen, Aufstehen vom Sitzen; vor allem nach längerer Ruhe. Das gilt für alle Bewegungen, die den Fettkörper (zwischen Tibia und Patella) komprimieren
  13. geringe Spontanheilungstendenz ohne abgestellte Ursache, stattdessen meist Progredienz
  14. Möglicherweise Ruheschmerz

Komplikationen

  1. Fibrosen können die Gelenkkapsel betroffen
  2. Umwandlung in Faserknorpel und anschließende Calcifizierung (entspricht Ossifikation bzw. Weichteilchondrom)
  3. Synovitis mit hyperplastischer Synovialmembran, dabei Neigung zu Adhäsionen, z.B. an den Menisken, Tibiaplateau, Lig mucosum; Veränderung der synovialen Gefäße

Therapie

  1. Verschiedene Ansätze muskulärer Intervention: Quadrizeps (vor allem vastus medialis)- und Gluteustraining, Dehnung
  2. Vermeiden von Überstreckung
  3. Kryotherapie, Tape
  4. Therapie der Ursache führt i.d.R. nur Normalisierung des Fettkörpers
  5. ggf. OP mit Beseitigung des primären Knieschadens
  6. Nur in Ausnahmefällen sind arthroskopische Teilresektion des Hoffa-Körpers nötig
  7. organischer Schwefel, lokale Injektion von thrombozytenreichem Plasma
  8. möglichst keine Cortision-Injektion!