pathologie: hüftdysplasie

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Hüftdysplasie

Definition

Eine Hüftdysplasie ist eine angeborene oder erworbene Fehlbildung der Hüftgelenkpfanne (Acetabulum). Ab dem Säuglingsalter wird das anfänglich weitgehend aus Knorpel bestehende Hüftgelenk (sowohl Acetabulum als auch Oberschenkelkopf) zunehmend ossifiziert, wozu auch die geregelte Bewegung beiträgt. Fehlstellungen und Fehlbildungen des Hüftgelenks stören diesen Prozess, das können Luxationen und Subluxationen sein, Inkongruenzen oder ein unzureichende Umschließung des Oberschenkelkopfes.

Hier liegt meist eine deutlich beschränkte Belastbarkeit des Hüftgelenks vor. Sportarten mit höherer Laufleistung können deswegen nur nach ausführlicher Untersuchung freigegeben werden. Die Sportlerkarriere muss dann begleitet werden, und insbesondere in der Pubertät muss den vor sich gehenden Veränderungen Beachtung geschenkt werden. Eine sich erst ab der Pubertät entwickelnde Dysplasie bzw. die Verschärfung einer bestehenden Dysplasie sind möglich.

Langfristig führen diese Störungen zu schmerzhaften Funktionsstörungen und Arthrose. Auch eine zu kleinflächlige Umschließung des Oberschenkelkopfs ist problematisch, da sie die Luxations/Subluxationsneigung erhöht. Das Risiko für eine Hüftdysplasie als einzige Störung in diesem Bereich ist W:M 13:1, für eine komplexe Störung jedoch etwa gleichverteilt. In Steiß- oder Beckenendlage geborene Kinder weisen etwa 25-mal häufiger eine Hüftdysplasie auf.

Als weitere Risikofaktoren werden intrauteriner Raummangel, z. B. aufgrund von Fruchtwassermangel, Mehrlingsschwangerschaften und ein hohes Gewicht des Fötus angenommen. Familiäre Disposition und regionale Häufung gelten als gesichert. Triff die Hüftdysplasie in ganz Deutschland bei 4% der Kinder auf, sind es in Hessen, der Oberpfalz, in Franken und in Sachsen deutlich mehr. In den verschiedenen Nationen ist die Indidenz noch uneinheitlicher, bis zu 50% werden genannt, wobei diese Zahl teilweise auf unterschiedliche Einteilungen der leichten Formen zurückgeht. In Zentralafrika ist die Inzidenz am niedrigsten, bei Indianern und den skandinavischen Samen am höchsten. In Osteuropa werden Zahlen bis 36% registriert.

Hüftdysplasien können unilateral oder bilateral auftreten, bei einer unilateralen ist das rechte Hüftgelenk wesentlich häufiger betroffen. Den erste Hinweis auf eine Hüftdysplasie erhält man nach der Geburt in Form ungleichmäßiger Gesäßfalten. Ein Ortolani-Test erhärtet dann den Verdacht. Bereits bei der Untersuchungen U2, spätestens aber bei U3 sollte auf Dysplasie untersucht werden. Frühzeitige Intervention verbessert die Prognose sehr deutlich. Bei rechtzeitiger und adäquater Intervention entwickeln sich 90% der Kinder normal. Über längere Zeit kann die Hüftdysplasie asymptomatisch verlaufen.

Im weiteren Verlauf sind asymmetrisches Gangbild zwecks Schmerzvermeidung, schmerzhafte Abduktionshemmung und eine scheinbare Beinlängendifferenz die häufigsten Symptome. Die Schmerzvermeidung kann später zum Hohlkreuz und zum Watschelgang führen. Wird die Hüftdysplasie nicht erkannt und behandelt, drohen später ausgeprägte Schäden am Hüftgelenk, die die Berufswahl und einschränken können und zu Invalidität führen können. Die Einteilung der Störung des Hüftgelenks wird meist nach Graf vorgenommen (ohne Angabe der Unterteilung der Grade):

  1. Normal entwickelte und ausgereifte Hüfte: keine Therapie
  2. Reifungsverzögerung der Hüfte (Dysplasie): zwischen „keine Therapie nötig“ und „Sofortige Spreizbehandlung, sichere Immobilisation nötig“
  3. Dezentrierte Hüftgelenke (Dysplasie mit Fehlstellung): Sofortige stationäre Behandlung
  4. Vollständige Hüftluxation (schwere Dysplasie mit starker Fehlstellung): Sofortige stationäre Behandlung, Korrektur der Hüftposition

Ursache

  1. angeboren
  2. erworben, siehe Risikofaktoren

Prädisponierend

  1. Steiß- oder Beckenendlage des Fötus
  2. Mehrlingsschwangerschaft
  3. endokrinologische Faktoren wie der Progesteronspiegel der Mutter vor der Geburt
  4. familiäre und regionale Disposition
  5. Dysplasien im bereich WS, Beine, Füße
  6. Muskuläre oder neurologische Erkrankungen, z.B. spina bifida
  7. Fehlhaltung nach der Geburt

Diagnose

  1. Tests und Zeichen: Ortolani (nicht unumstritten, da er vorhandene Schäden vergrößern kann)
  2. Sono, Pflicht im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung U3
  3. ggf. Röntgen, MRT

Symptome

  1. Frühsymotom des Babys: ungleiche Gesäßfalten in Bauchlage
  2. schmerzhafte Abduktion bzw. deren Abduktionsvermeidung
  3. Duchenne-Hinken / Watschelgang
  4. scheinbare Beinlaengendifferenz
  5. asymmetrisches Gangbild

Komplikationen

  1. unbehandelt: Coxarthrose (Dysplasiecoxarthrose), oft schon im jungen Erwachsenenalter
  2. unbehandelt: multiple Störungen im Bewegungsapparat
  3. unbehandelt: ggf. Invalidität

Therapie

  1. Ausreifungsbehandlung: Dysplasien aufgrund von Reifungsverzögerungen heilen in 80% spontan aus, Überwachung und breites Wickeln reicht oft aus, wenn höhergradig: Spreizhose oder Abspreizschiene
  2. Reposition und Retention: ggf. Repositionsbandage
  3. wenn nötig: Gips in Sitz-Hock-Position über mehrere Wochen
  4. ggf. Extensionsbehandlung zur Behandlung verkürzter Muskulatur
  5. falls nötig, insbesondere bei später Erkennung: OP