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Depression

Definition

Von gedrückter Stimmung, häufigem Grübeln, einem Gefühl von Hoffnungslosigkeit und verminderten Antrieb gekennzeichnete chronische psychische Erkrankung. Es müssen zwei nach Schwere und Verlauf unterschiedliche Bilder unterschieden werden: Depressive Episode (ICD: F32, Major Depression, Major Depressive Disorder) und Depressive Verstimmung (F34.1, Dysthymie, gr. „missmutiges Gemüt“, neurotische Depression, chronische Depression oder Persistierende Depressive Störung) als langanhaltende depressive Verstimmung, die die gleichen Symptome, aber in geringerer Schwere aufweist, zur Diagnosestellung muß die Symptomatik zwei Jahre bestehen (Kinder und Jugendliche ein Jahr). Die Jahresinzidenz in D beträgt etwa 1,5%, bei Männern 1,3%, bei Frauen 1,8%. Die USA weisen eine höhere Prävalenz auf. Die Dysthemie schließt nicht aus, daß währenddessen depressive Episoden auftreten (double depression). Wechseln sich nicht milde mit schweren Phasen ab sondern milde mit hypomanen, euhporischen, liegt eine Zyklothomia vor, eine leichte Form der bipolaren Störung. Einschneidende Erlebnisse wie etwa der Verlust eines nahestehenden Menschen oder andere tiefe Trauer, können auch bei psychisch normalen Menschen zu einer depressiv gestimmten Phase führen, von einer Depression spricht man aber erst, wenn die Dauer und die Schwere in keinem gesunden Verhältnis zum Auslöser stehen. Die Derpression setzt oft auch ohne konkreten Auslöser ein, meist unerwartet und manchmal plötzlich. Die Betroffenen geben nicht selten Schilderungen an wie „Von gestern auf heute ist alles grau. Nichts macht mehr Freude, nichts hat mehr eine Bedeutung.“ Leere, Sinnverlust und ein Gefühl der Gefühllosigkeit werden beschrieben. Die Symptome lassen sich vom Betroffenen nicht durch eigene Willenskraft oder Selbstdisziplin beeinflussen, genauso wenig reagieren sie positiv auf Zuspruch oder Ermunterung.

Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) empfiehlt 3 Haupt- und 7 Nebenkriterien:

Hauptkriterien:

  1. Gedrückte, depressive, eingeengte Stimmung, Gefühl der Gefühllosigkeit, anhaltende innere Leere
  2. Interessensverlust und Freudlosigkeit, Verlust von Engagement, Hobbys, Lust an Kontakten. Keine affektive Resonanz, also keine positive Reaktion auf Ermunterung
  3. Antriebsmangel und erhöhte Ermüdbarkeit, Antriebshemmung, nichtkörperliche Unfähigkeit zu einfachsten Verrichtungen

Nebenkriterien:

  1. verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit
  2. Mangel an Selbstwertgefühl, Selbstvertrauen (Insuffizienzgefühl)
  3. Minderwertigkeitsgefühl, Schuldgefühle
  4. Hoffnungslosigkeit: negative, pessimistische Zukunftsperspektiven. Gefühl der Hilflosigkeit, übertriebene Sorgen, evtl. Hypochondrie
  5. Suizidgedanken oder -versuche. In schweren Fällen Gefühl völliger Sinnlosigkeit des eigenen Lebens. Suizidgefahr!
  6. Appetitmangel

Daneben sind noch weitere Symptome beschrieben, die zur Diagnosestellung nicht relevant sind:

  1. mangelnde Fähigkeit, emotional auf die Umwelt zu reagieren, also Mangel an Affekt, Empathie, Teilnahme, Interesse,..
  2. Schlafstörungen, vorzeitiges Erwachen (2 h vor der Zeit). Häufig: Störungen des circadianen Rhythmus, also der eigenen Chronobiologie
  3. Morgentief: besondere Schwere der Symptome in den Morgenstunden. Selten: Abendtief mit Einschlafschwierigkeiten
  4. Motorische Unruhe, Agiriertheit, die als quälend empfunden werden kann.
  5. Appetitlosigkeit
  6. ungewollte Gewichtsabnahme oder Gewichtszunahme
  7. Libidoverlust oder -verminderung
  8. Quälendes Druckgefühl auf der Brust
  9. erhöhte Infektionsanfälligkeit
  10. Denkhemmung
  11. sozialer Rückzug
  12. Grübelzwang (sinnlose, zwanghafte Gedankenkreise)
  13. gestörtes Zeitempfinden
  14. Reizbarkeit
  15. Ängstlichkeit
  16. Überempfindlichkeit gegenüber Geräuschen
  17. Beeinträchtigung von Lernen, Gedächtnis, Verarbeitungsgeschwindigkeit, Aufmerksamkeit als exekutive (im Gegensatz zu affektiven) Funktionen

Es wird in drei Schweregrade unterteilt:

  1. leicht: 2 Hauptsymptome + 2 Zusatzsymptome
  2. mittel: 2 Hauptsymptome + 3-4 Zusatzsymptome
  3. schwer: 2 Hauptsymptome + mindestens 5 Zusatzsymptome

ICD F32

Ursache

  1. unbekannt

Prädisponierend

  1. Erworbene Anfälligkeiten
  2. biologische Faktoren, genetische Faktoren haben einen gewissen, aber nicht dominanten Einfluß. Das eineiige Zwillingsgeschwister eines Betroffenen erkrankt in unter 50%. Gesichert ist eine Variation in der Promotorregion des Serotonin-Transportergens 5-HTTLPR, weiter 5HTTP/SLC6A4, APOE, DRD4, GNB3, HTR1A, MTHFR, und SLC6A3.
  3. biographische Faktoren (sozial oder psychisch), z.B. Erlernte Hilflosigkeit; negative kognitive Schemata; Tendenz, Wahrnehmungen negativ zu inerpretieren; mangelhafte Handhabung zwischenmenschlicher Beziehungen, Selbstrückzug; Verstärker-Verlust; Stressoren, Traumata; Mangelnde soziale Anerkennung, familiäre Disposition (Verhalten, Kognition); Unterdrückung eigener Interessen (Aggressionshemmung)
  4. chronische Infektionen stehen in Verdacht: Zytokin-vermittelt
  5. psychotrope Substanzen
  6. Depressive Symptome können von folgenden Medikamenten ausgelöst werden: Antikonvulsiva, Benzodiazepine (vor allem nach Entzug), Zytostatika, Glucocorticoide, Interferone, Antibiotika, Statine, Neuroleptika, Retinoide, Sexualhormone, Betablocker, potentiell auch Diazepam, Cimetidin, Amphotericin B und Barbiturate .
  7. Anabolika-Abhängigkeit
  8. postnatale Depression: 10-15% erleben postparum den „Baby blues“, vermutlich neuroendokrinologisch bedingt
  9. Winterdepression
  10. hormoneller Kontrazeptiva können depressionsähnlichen Symptomen führen, sie verschlechtern eine bestehende Depression aber nicht.
  11. Gravitität: Schwangerschaftsdepression

Diagnose

  1. (nach Haupt- und Nebenkriterien)

Symptome

  1. (siehe Haupt- und Nebenkriterien)

Komplikationen

  1. Suizid: rund die Hälfte aller Suizidanten sind depressiv gewesen.
  2. durch die veränderte Motivationslage und Vernachlässigung entstehen viele Gesundheitsrisiken, etwa Folgen von Rauchen, Bewegungsmangel, unregelmäßiger Medikamenteneinnahme, Ernährungsfehlern und Übergewicht
  3. KHK und deren Folgen

Therapie

  1. verschiedene Psychopharmaka
  2. Katecholamine können die Aufmerksamkeit verbessern
  3. Antidepressiva
  4. Psychotherapie, vor allem bei schwereren Graden
  5. Elektrokonvulsionstherapie und andere Stimulationsverfahren ohne Wirksamkeitsnachweis wie Transkranielle Magnetstimulation, Magnetkrampftherapie, transkranielle Gleichstromapplikation (tDCS)
  6. Lichttherapie, nicht nr aber vor allem bei saisonaler Depression
  7. Sport- und Bewegungstherapie, mind. 3 / Woche á 45 min
  8. Meditation
  9. Wachtherapie, Schlafentzug
  10. Depressive Episoden klingen, behandelt oder unbehandelt, oft im Laufe der Zeit von selbst ab. Im Median liegt die Dauer bei 23 Wochen. Oft bleiben aber Restsymptome, die eine Prognose bzgl. der Rezidivneigung erlauben. Eine gleichzeitig auftretende Persönlichkeitsstörung hat eine negativen Auswirkung auf den Verlauf, die Chancen auf Genesugn halbisern sich dann.
  11. Schlafhygiene, Meidung von Licht mit höherem Blauanteil am Abend

NHK

  1. Johanniskraut