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Hatha-Yoga Asanas

Einführung   Vorbetrachtung   Begriffe   Literatur  
Klassifizierung der Übungen:   klassisch   psychomental   physiologisch  
Wirkungen der Übungen   Anatomische Einführung  

Einführung

Hatha-Yoga ist eine der 8 Disziplinen des "klassischen" ashtanga-Yoga, wie er von Patanjali, der vermutlich angesehendsten historischen Autorität in Sachen Yoga, definiert wurde.

Namen
Der Hatha-Yoga kennt angeblich rund 50.000 Übungen, genannt asanas ("Haltungen", ursprünglich: "Sitz"), die in der Literatur teils mit anatomischen-logisch Namen bezeichnet werden, teils mit Tiernamen, teils mit Namen aus der indischen Mythologie.
Im deutschsprachigen Unterricht haben sich einige Trivialnamen durchgesetzt, die teils aus der westlichen Gymnastik entlehnt sind wie etwa "Handstand" oder "Brücke".

Vorbetrachtung des Übens

Das ernsthafte Üben der Stellungen des Hatha-Yoga kann dem unbeleckten Außenstehenden erst einmal wie unerbittlich genau durchgeführte Hard-Core-Gymnastik erscheinen, die dem "Trainer" niemals gut genug ist. In Wirklichkeit verhält sich das natürlich anders. Es handelt sich schließlich nicht um eine der in den letzten Jahren vermehrt aufgekommenen westlichen Extremsportarten mit scheinbarer Tendenz zu Geringschätzung von Leben und Gesundheit zu gunsten der eigenen Profilierunstendenzen. Vielmehr vereinigen sich hier einige Bestrebungen (die gedacht sind, zu Eigenschaften zu werden):

Dieser Katalog mag vielleicht erscheinen wie ein Teil eines Anforderungskatalog für menschliche Volkommenheit. In jedem Fall wird sich vermutlich mindestens eine der beiden folgenden Fragen stellen:

  1. warum, wenn dieses alles tatsächlich zutreffen sollte, ist dann Hatha-Yoga nicht schon viel bekannter, da es sich ja offensichtlich um einen Weg zur Ausprägung bzw. Verbesserung einer Vielzahl hochgeschätzter menschlicher Eigenschaften handelt ??
  2. Handelt es sich wirklich um einen praktikablen Weg für sozusagen jedermann/frau, oder muß man nicht vielmehr bereits übermenschliche Anlagen mitbringen, um diese Disziplin betreiben zu können ??
    Sind die Einstiegsvoraussetzungen nicht vielleicht exorbitant ??

Wenn es mir im folgenden gelingt, meine Evidenz als Plausibilität zu vermitteln, steht Ihnen ein interessantes (vorerst Gedanken-) abenteuer zu erwarten.

Erste Antworten:

Ich werde gleich im Anschluß versuchen, an Beispielen, die sicherlich die meisten, die diese Disziplin etwas länger betreiben, nachvollziehen können, die gemachten Aussagen plausibel zu machen.

  1. Hatha-Yoga ist schon etwa seit einen Jahrhundert im Westen zunehmend bekannter geworden. Von verschiedenen Personen unterschiedlich rezipiert und weiterverbreit, findet diese Disziplin individuell deutlich unterschiedlichen Anklang. Wenn Hatha-Yoga sehr sanft unterrichtet wird, um den Entspannungseffekt zu betonen, kommt oft gerade dieser bei vielen geschäftigen oder innerlich unruhigen Menschen nicht zum Zuge. Solche Menschen werden Hatha-Yoga also nicht sehr hilfreich finden. Unterrichtet man Hatha-Yoga mit der notwendigen Stringenz und Konsequenz, so wird es den einen oder die andere geben, die die dazu notwendige Energie und Willenskraft nicht aufbringen können oder wollen. Ein weiterer Grund ist, daß manche Menschen gerne ihre unzutreffenden, nicht auf eigenen Erfahrungen beruhenden Vorurteile zu verbreiten belieben. So wird Yoga immer wieder in einem Atemzug mit Sekten und Kulten genannt, obwohl Yoga zwar eine Philosophie besitzt, aber nicht als religiös im üblichen Sinn gelten kann.
  2. Nichts Benennbares ist ohne Voraussetzungen und was ohne Voraussetzungen ist, ist nicht benennbar. Also will ich versuchen, möglichst wahrheitsgemäß zu antworten:
    Ja , falls ein Mindestmaß an Disziplin, gesundem Menschenverstand, Ernsthaftigkeit, Willenskraft,.. vorhanden ist.
    Nur jene Menschen, die derart resigniert sind, daß sie nicht nur nicht mehr an die Verbesserung ihrer Lebenssituation oder Konstitution glauben, sondern auch nicht einmal mehr bereit sind, das Experiment anzutreten, sei es des Interesses an der Wahrheit halber oder nur um einen weiteren Strohhalm zu greifen, oder gar, um sich selbst zu beweisen, daß ihre Resignation berechtigt und der einzig "vernünftige" Schluß ist, bleiben hier außen vor.
    Der Rest der Welt ist herzlich eingeladen den folgenden Gedanken zu folgen.

Die Wirkungen der Übungen

Der Volksmund sagt: "Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen." und hat damit den Nagel auf den Kopf getroffen. Von nichts kommt nichts. Von etwas (stetigem aufrechtem Einsatz) kommt auch was.

Klassizierungen der Übungen

Im folgenden werden verschiedene Klassifizierungen der Haltungen des Hatha-Yoga angegeben. Dabei handelt es sich nicht in jedem Fall um disjunkte (überschneidungsfreie) Einteilungen.

geschweifte Klammern um angegebene Haltungen meinen bestimmte Varianten.

  1. disjunkte klassische Unterteilung nach äußerer Erscheinungsform (klassisch):
    1. Haltungen im Sitzen
      Beispiele: dandasana , padmasana , paripurna navasana
    2. Haltungen im Liegen
      Beispiele:
      jatharaparivartanasana , urdhva padaasana ,
    3. Haltungen im Stehen (Stehhaltungen)
      Beispiele:
      virabhadrasana II, virabhadrasana II,
    4. Umkehrhaltungen
      Beispiele:
      adhomukhavrksasana , sirsasana
    5. Vorwärtsbeugen
      Beispiele:
      janu sirsasana , pascimottanasana
    6. Rückwärtsbeugen
      Beispiele:
      urdhva dharurasana , ustrasana
    7. Drehhaltungen
      Beispiele:
      bharadvajasana , maricyasana
    8. Regenerative Haltungen
      Beispiele:
      sasvasana , viparita karani
  2. nicht disjunkte Unterteilung nach psychomentalen Wirkungen (psychomental):
    1. mental beruhigende Haltungen
      Kategorien:
      • stehende Vorwärtsbeugen
      • mit den Händen am Boden abstützende Haltungen
      Beispiele: uttanasana, parsvottanasana, Hundestellung K.n.u.
    2. emotional beruhigende Haltungen
      Kategorien:
      • Umkehrvorwärtsbeugen
      Beispiele: sarvangasana , halasana , karnapidasana
    3. vital beruhigende Haltungen
      Kategorien:
      • regerative Haltungen
      • sitzende Vorwärtsbeugen
      Beispiele: pascimottanasana oder janusirsasana
    4. mental anregende Haltungen
      Kategorien:
      • anstrengungsarme Umkehrhaltungen
      Beispiele: Kopfstand,
    5. vital anregende Haltungen
      Kategorien:
      • Rückbeugen
      • einige Umkehrhaltungen
      Beispiele: Handstand
    6. mental/emotional stabilisierende Haltungen Kategorien:
      • Stehhaltungen
      • mit den Händen am Boden abstützende Haltungen
      Beispiele: virabhadrasana2,, Hundestellung K.n.u.
  3. nicht disjunkte physiologisch/anatomisch-funktionale Unterteilung nach primären Wirkungen (physiologisch)
    1. Kräftigung
      1. Quadrizeps
        Kategorien:
        • Stehhaltungen mit mindestens einem gebeugten Bein
        • einige Rückbeugen
        Beispiele: virabhadrasana II, virabhadrasana II, caturkonasana,
        Liste
      2. Bein-Bizeps
        Kategorien:
        • stehende Vorwärtsbeuge auf einem Bein
        • stehende Vorwärtsbeuge auf zwei Beinen
        Beispiele: virabhadrasana3, parivrttaardhachandrasana
        Liste
      3. Bizeps
        Kategorien:
        • sitzende und stehende Vorwärtsbeugen
        Beispiele: pascimottanasana oder janusirsasana , uttanasana
        Liste
      4. Trizeps
        Kategorien:
        • mit den Händen am Boden abstützende Haltungen, vor allem mit gebeugten Armen
        • auf den Händen stehende Haltungen, vor allem mit gebeugten Armen
        Beispiele: caturangadandasana, adhomukhavrksasana, {Hundestellung K.n.o.}
        Liste
      5. Brustmuskeln
        Kategorien:
        • Kräftiges Abstützen des Oberk”rpers am Boden,
        • intensive Drehhaltungen in denen die Hände horizontalen Druck ausüben
        Beispiele: caturangadandasana, asana
        Liste
      6. Bauchmuskeln
        Kategorien:
        Beispiele: jatharaparivartanasana , paripurna navasana
        Liste
      7. Wadenmuskeln (Plantär-Flexoren)
        Kategorien:
        • Stehhaltungen auf einem Bein
        Beispiele: virabhadrasana II, parivrttaardhachandrasana
        Liste
      8. Schienbeinmuskeln (Dorsal-Flexoren)
        Kategorien:
        Beispiele: asana
        Liste
      9. Nackenmuskeln hinten
        Kategorien:
        Beispiele: asana
        Liste
      10. Nackenmuskeln seitlich
        Kategorien:
        • Stehhaltungen mit seitlicher Rumpfbeuge,
        • intensive sitzende oder stehende Drehhaltungen
        Beispiele: trikonasana, parsvakonasana, parivrtta trikonasana
        Liste
      11. Halsmuskulator vorn
        Kategorien:
        • Beugen des Oberkörpers nach hinten
        Beispiele: ustrasana, paripurna navasana
        Liste
    2. Dehnung Beispiele: uttanasana, pasvottanasana, pascimottanasana,
    3. Stabilisierung/Harmonisierung Beispiele: virabhadrasana II, virabhadrasana II, caturkonasana,

Begriffe

Yoga Der Begriff Yoga stammt von der Sanskrit-Wurzel yui ab, welche die Bedeutungen Joch und vereinigen hat. Im Sinne der samkhya-Philiosphie, die der Yoga-Philosophie vorausgeht, und in der ein strenger Leib-Seele-Dualismus herrscht, kann dieses als das Unterjochen der leiblichen/materiellen Komponente unter die geistige bedeuten. Vereinigung meint Vereinigung des Menschen mit der Quelle seines eigentlichen Seins, dam atman .

Hatha Für das Sanskrit-Wort "hatha" sind zwei plausible Übersetzungen bekannt:

Die Interpretation der zweiten Übersetzung fällt jedem, der bereits Hatha-Yoga nach der Iyengar-Methode geübt hat, nicht weiter schwer.

Ashtanga von sanskr. ashta "acht" und anga "Glied","Teil" : achtfacher Weg, gemeint sind die acht Bestandteile:

  1. yama
  2. niyama
  3. asana
  4. pranayama
  5. prathyahara
  6. dharana
  7. dhyana
  8. samadhi

Patanjali